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Physik im Alltag und Naturphänomene, Rubriken: "Spielwiese" und "Blickwinkel"

Partielle Sonnenfinsternis oder „Die angeknabberte Sonne“

Ein Karton, in den mit einem Schraubenzieher Löcher gestochen werden zeigt in der Projektion nicht die Form der Löcher, sondern die des angeknabberten Tagesgestirns.

Gestern gegen Mittag strahlte die Sonne wie lange nicht mehr, nicht nur weil der Himmel wolkenlos war, sondern auch weil ihre Strahlen teilweise verdeckt wurden. Der am Himmel umlaufende Neumond, der nahezu in derselben Gegend wie die Sonne unterwegs war, kam ihr in die Quere und blendete einen Teil des Sonnenlichts aus. Dadurch nahm die Sonnenintensität dieser Abdeckung entsprechend ab. Davon war aber so gut wie nichts zu merken.
Wer allerdings gerade einen Waldspaziergang unternahm und sich die normalerweise runden Sonnentaler als Abbilder der Sonne besah, wurde durch eine Gestalt überrascht, die wie ein angebissener Apfel aussah (Oberes Foto). Darin zeigte sich auf indirekte und völlig ungefährliche Weise, dass wir in der Zeit circa 11:30 bis 13:30 Uhr (je nach konkretem Standort differierend) von einer partiellen Sonnenfinsternis „überrollt“ wurden. Da ich noch über eine spezielle Folie verfüge, die so gut wie kein Tageslicht durchlässt, weil sie das meiste Licht reflektiert und absorbiert, konnte ich den Vorgang nicht nur indirekt durch die Sonnenabbilder am Boden sondern auch direkt am Himmel erleben. Denn das Sonnenlicht ist so intensiv, dass die Folie immer noch genügend Licht durchlässt um die Sonne als eingedellten hellen Kreis wahrzunehmen, wobei man sich an der Stelle der Eindellung den Mond als Sichtblende vorzustellen hatte.

Die Medien haben nur in geringem Umfang auf dieses Himmelsspektakel aufmerksam gemacht. Daher haben zumindest in meiner Nachbarschaft und im weiteren Bekanntenkreis nur wenige das kosmische Schauspiel zur Kenntnis nehmen geschweige denn beobachten können. Eine direkte Beobachtung war auch deshalb kaum möglich, weil es keine Folienbrillen zu kaufen gab.
Hoch im Norden (Alaska über Grönland bis Sibirien) rückte der Vollmond sogar vollständig vor die Sonne. Er konnte sie allerdings nicht wie bei anderen totalen Sonnenfinsternissen vollständig abdecken, weil der Mond auf seiner leicht elliptischen Bahn um die Erde gerade sehr weit entfernt war. Es blieb also ein leuchtender Ring der Sonne unbedeckt, sodass man von einer ringförmigen Sonnenfinsternis spricht.

Diskussionen

16 Gedanken zu “Partielle Sonnenfinsternis oder „Die angeknabberte Sonne“

  1. schlau, anhand der Sonnentaler die Sonnenform nachzuzeichnen…..

    Verfasst von gkazakou | 11. Juni 2021, 00:32
    • Dass die Sonnentaler bei einer Sonnenfinsternis „sichelförmig“ sind, hat wohl schon Aristoteles beobachtet. Jedenfalls liest man in den apokryphen Schriften „Problemata Physica“ seine Frage: “ „Warum treten bei Sonnenfinsternis, wenn man durch ein Sieb oder durch Blätter(lücken) sieht, etwa einer Platane oder eines anderen breitblättrigen Baumes, oder wenn man die Finger der einen Hand mit denen der anderen verflechtet, die Sonnenstrahlen auf der Erde halbmondförmig in Erscheinung?“ Und im Prinzip wird die Beobachtung der Vorgänge bei einer Sonnenfinsternis seit Mitte des 16 Jahrhunderts auf diese Weise empfohlen. Ich finde es viel spannender die Vorgäng unter dem Blätterdach von Bäumen zu erleben als durch eine Folie(nbrille) in die Sonne zu schauen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Juni 2021, 08:17
  2. Faszinierend. Man kann also damit rechnen, daß Standardeffekte auch mal nicht Standard sein können. Und dass man eine Lösung dazu finden kann.
    Standardeffekte muss man aber grundsätzlich kennen ( wie die Sonnentaler), dann fallen einem auch Abweichungen auf.
    Gab es Effekte, die Dir, Joachim, nicht erklärbar waren? Die muss es eigentlich gegeben haben, da man nicht alle einwirkenden Faktoren immer kennen kann. Bis hin auch zu physiologischen Spontan-Befindlichkeiten von einem selbst.

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. Juni 2021, 00:35
    • Etwas verallgemeinert ist darin sogar ein Prinzip der Physik zu sehen. Man beschreibt (berechenbare) Idealgestalten wie Reibungsfreiheit, Vakuum etc. und erfasst dann die realen Vorgänge als Abweichung davon. In diesem Fall die Abweichung von der Kreis bzw. Ellipsenform der Sonnentaler. Bei dieser partiellen Sonnenfinsternis waren für mich diese Vorgänge erwartbar. Im Allgemeinen ist mir aber bei der Beobachtung von Naturphänomenen nicht alles sofort erklärbar. Für manche habe ich Jahre gebraucht, z.B. ein durch ein Flugzeugfenster zu beobachtendes Lichtphänomen (https://hjschlichting.wordpress.com/2013/02/03/wie-vergitterte-fenster-die-welt-einfarben/).

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Juni 2021, 08:29
      • „Für manche habe ich Jahre gebraucht“
        So erging es mir auch mal mit einer unerklärlichen psychischen Reaktion meinerseits, einer Angstreaktion. Die Antwort hatte ich eigentlich schon zu Anfang meiner Recherche gehabt, aber nicht in der präzisen Ausformulierung, die mir um einiges später einfiel.
        Danke für den Link.,

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. Juni 2021, 09:47
      • Bei psychischen Phänomenen ist alles noch wesentlich komplizierter…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Juni 2021, 10:03
  3. Das allgemein fehlende Interesse an der Sonnenfinsternis ist mir auch aufgefallen. Normalerweise kommen die Nachbarn und fragen, was ich beobachte, wenn sie mich mit meiner Ausrüstung draußen stehen sehen. Gestern Mittag kam kein Mensch. Naja, viele waren in der Arbeit…

    Aprobos Arbeit:

    Bei einer vergangenen Sonnenfinsternisse, ich weiß nicht mehr genau, welche es war, mußte ich auch arbeiten (Einrichtung für geistig Behinderte Menschen). Damals hatte ich Stativ, Kamera und Sonnenfilterfolie mitgenommen und alles vor meiner Werkstatt aufgebaut. Es dauerte keine 10 Minuten und ich war von einem Dutzend Menschen umgeben, die alle genau wissen wollten, was sich da so abspielte mit der Sonne.

    Verfasst von seescho | 11. Juni 2021, 18:39
    • Beim letzten „Supermond“, den der Laie gar nicht vom normalen Vollmond unterscheiden kann, waren die Medien voll, sogar in der Tagesschau wurde er erwähnt. Im Vergleich dazu war das Medieninteresse an der Sofi wirklich gering. Mehrere Personen, die ich befragte waren völlig ahnungslos. Wie dein Beispiel von der Sofi zeigt, ist ein latentes Interesse durchaus vorhanden, man muss nur konkrete Anregungen und Informationen geben. Diesmal hätte man an bestimmten Plätzen in der Stadt einfach einen Stand mit entsprechenden Filterbrillen und eine einfache Camera-Obscura aufstellen müssen. Ich denke, dass sich schnell eine Traube von Menschen darum gebildet hätte. Aber was rede ich, ich hätte es selbst anpacken müssen. Habe auch kurz daran gedacht, dann aber wegen möglicher Corona-Probleme davon Abstand genommen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 12. Juni 2021, 08:56
  4. Faszinierend! Dass man es auch an den Sonnentalern sehen lann, hatte ich nicht gedacht…macht aber natürlich Sinn. Hier in London waren leider zu viele Worken, doch die Stimmung war dennoch ‚merkwürdig‘ 😊

    Verfasst von Johanna | 12. Juni 2021, 21:20
  5. Ich wollte auch Sonnentaler machen, aber hier war die Sofi von Gewitterwolken umzingelt. Das hatte aber auch was …

    Verfasst von ch | 13. Juni 2021, 10:43

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