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Physik im Alltag und Naturphänomene

Eine elektrische Variante der Bestäubung von Blumen

Als ich vor einiger Zeit an meinem Schreibtisch mit kleinen Styroporkügelchen experimentierte flog ein Teil von ihnen ohne Vorwarnung gegen das Fenster und blieb dort hartnäckig kleben (oberes Foto). Sie waren so widerspenstig, dass ich sie schließlich alle einzeln absammeln musste, um das Fenster wieder klar zu bekommen. Ursache für diesen Geisterflug waren elektrische Ladungen, die die Kügelchen durch meinen Umgang mit ihnen aufgenommen hatten.
An diese Geschichte wurde ich erinnert, als ich die unten abgebildete Hummel sah, die von Pollenkörnern übersät sich anschicke Nektar zu sammeln. Die Pollenkörner sind zwar wesentlich kleiner als meine Styroporkügelchen, verhalten sich aber in gleicher Weise. Sobald die Hummel bestimmte Blüten besucht, fliegen die Pollenkörner auf sie zu und bleiben hartnäckig im Pelz sitzen.
Es zeigt sich nämlich, dass Hummeln und Bienen im doppelten Wortsinn attraktiv sind. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sie sind auch (leicht) elektrisch geladen. Beim Fliegen verlieren sie nämlich durch Reibung – ähnlich wie ein Pullover, den man mit einem Kunststoffstab reibt – elektrisch negativ geladene Partikel, Elektronen. Fortan überwiegen die positiven Ladungen. Wenn das Tierchen nun einer Blüte sehr nahe kommt ohne sie bereits zu berühren, zieht es die leichten Pollenkörner an, so wie das Fenster meine Styroporkügelchen. Wenn es anschließend zur nächsten Blüte fliegt, nimmt es die blinden Passagiere mit sich, sodass diese dort gegebenenfalls hängenbleiben.
Die Bestäubung würde zwar meist auch ohne diese statische Elektrizität funktionieren, weil das Fell der Bienen und Hummeln für Pollen „klebrig“ ist, aber auch hier gilt: doppelt hält besser.

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Eine elektrische Variante der Bestäubung von Blumen

  1. Viel hilft mehr!
    Wie man ja weiß, erkennen Insekten ja – mindestens – mit ihrem elektrischen Sinn, ob eine Blüte kurz zuvor besucht wurde und landen daher dort nicht und wenn doch, nur zum Säubern. 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 26. Juni 2021, 00:10
  2. Hier Informationen über „Dual Fluid“ die wie ich intuitiv (naiv?) finde, zum Thema passen könnte.
    https://dual-fluid.com/

    Verfasst von Malabar | 26. Juni 2021, 18:59
  3. Wie interessant! Dass es zwischen Styroporkügelchen und Pollen mehr Ähnlichkeit besteht, als nur die Form, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Wobei sich die Form beim genaueren Hinsehen bestimmt doch unterscheidet 🤔
    Liebe Grüße
    Natalia

    Verfasst von chaoslady | 27. Juni 2021, 09:37
    • Danke Natalia! Ja, sie unterscheiden sich. Die Styroporkügelchen sind „tote“ Materie, während die Pollen komplexe biologische Gebilde darstellen, die zu zukünftigem Leben führen können. In ihrem elektrischen Verhalten ähneln sie sich (zumindest oberflächlich gesehen). Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Juni 2021, 10:18

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