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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Anhängliche Seifenblase

Die Seifenblase hat das grüne Weinblatt in seine Oberfläche integriert. Der kleine Zweig schräg darüber befindet sich außerhalb der Blase.

Seifenblasen bestehen aus einem kugelförmigen Film aus Seifenwasser, der innen mit Luft oder einem anderen Gas gefüllt und außen von Luft umgeben ist. Wenn man Seifenblasen auf die Reise schickt, so kommen sie meist nicht sehr weit, weil sie vorher platzen. Ihre Lebensdauer ist vor allem aus zwei Gründen stark begrenzt. Der Wasserfilm wird zum einen durch Verdunstung von Wasser und zum anderen durch das schwerkraftbedingte Abfließen von Wasser immer dünner. Wenn man genau hinschaut, sieht man unten an der Blase einen entsprechend wachsenden Wassertropfen hängen.
Da die Natur dazu tendiert unter den gegebenen Umständen so viel Energie wie möglich an die Umgebung abzugeben (2. Hauptsatz der Thermodynamik), wird die Oberfläche des Seifenfilms so klein wie möglich. Denn die Oberflächenenergie ist proportional zur Oberfläche. Das erklärt zum einen, warum die Seifenblase Kugelgestalt hat, zum anderen, dass die Luft im Innern des Seifenfilms zusammengepresst wird, bis der dadurch entstehende Innendruck einer Verkleinerung der Blase Einhalt gebietet.
Sobald die Dicke der Seifenhaut ein kritisches Maß unterschreitet, führt der Innendruck zum Platzen der Blase. Die Blase platzt manchmal auch schon vorher, wenn sie beispielsweise mit bestimmten Hindernissen kollidiert und zerrissen wird. Denn sobald ein Loch in der Seifenhaut entsteht, entweicht das Gas aus dem Innern und der Wasserfilm schnurrt zu Wassertropfen zusammen. Jeder kennt den enttäuschenden Versuch von Kindern, Seifenblasen aufzufangen. Sobald die Blase berührt wird, zerplatzt der schöne Traum. Weil die Haut der Hände wasserliebend (hydrophil) ist, sich also benetzen „möchte“ saugt diese bei Berührung gewissermaßen das Wasser aus der Blase.
Ähnliches gilt für viele weitere Gegenstände. Interessanterweise gehören manche Blätter nicht dazu. Im Gegenteil, die Seifenblase integriert manchmal eine Blattoberfläche in ihre eigene mit ein und bleibt an dem Blatt hängen (siehe Foto). Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Blatt feucht ist. Auf diese Weise – bis auf kleine windbedingte Schwankungen immobil geworden – überlebt die Blase in vielen Fällen erstaunlich lange. Man kann die Blase von allen Seiten betrachten und dabei die Spiegelungen von Gegenständen im Zusammenspiel mit den Gegenständen selbst genießen, sowie das farbliche Irisieren der Seifenhaut bewundern.

Diskussionen

32 Gedanken zu “Anhängliche Seifenblase

  1. Die Seifenblase, ein gutes Beispiel, weil wir alle Kind und damit alle Seifenblasen-Macher waren und evtl. auch noch sind. Noch heute hält sich bei Kindern dieses inspirierende Spiel. In den Städten erinnern erwachsene Seifenblasenspieler mit Stangen und Schnüren an das traumhafte Element, vor dem auch Erwachsene stehen bleiben und sich erinnern: wie es einst so war, als Träumen noch half.

    Große Gefühle, Gedanken, Hoffnungen die diesem kindlichen Prozess des Machens, der Freude, der Enttäuschung aber auch dem „immer-weiter“, zugrunde liegen. Seine Wirkmechanismen: „Machen durch Einhauchen“. Eine bisher unbedachte Idee vom „Leben an sich“ unter Mitwirkung menschlicher Seifenblasen-Beziehungsweber die nur erahnt, aber bestaunt werden können.

    Was bewirkt dieses eintauchen und einhauchen, was lässt aufgehen, was macht staunen und stolz, wie wirkt zerplatzen, abstürzen, zerschellen, was ist trauer, was hält das Spiel auf Dauer?

    Sie benötigt, wie im Seifenblasenspiel, als Mindestzahl die Zwei, weil ihr Basisbauelement die Inspiration ist. Inspiriert von etwas durch etwas, das dann den „Raum“ um und zwischen diesen Zweien legt, der sie in ein intimes Raumgespinst mit ernstem Hintergrund einnimmt.
    Wenn Sie fragen, wo „der Zweite“ denn sei? Dann sage ich vorsichtig, ohne in den Verdacht des „Schizo“ zu geraten: Es baut sich hier ein „Team“ den Raum: das Kind und seine Erinnerung, seine Gefühlserinnerungskompetenz an sein fötales-schwebe-vorleben zu zweit das hier evoziert, „autonom hervorgerufen“ wird. Es trägt es „aus der Zeit“ und macht es dadurch „süchtig“ nach „mehr“. Auch wenn die Blasen-Sphären immer wieder platzen, auch wenn die Blasen „wachsen und enteilen“, sie wollen neu-gemacht werden, weil sie Glückseligkeit tragen und das Kind bereichern. ( siehe: Peter Sloterdijk „Sphären“ Band 1 Blasen)

    Verfasst von paulpeterheinz | 2. August 2021, 06:45
    • Vielen Dank für die den Kontext der Blase ins Gedanklich-Spekulative erweiternden Worte. Wenn man an die beiden dicken Bände der Sphären denkt (die ich nie zuende gelesen habe) gibt es in der Tat zahlreiche Bezüge zu fast allen Bereichen der Realität.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 2. August 2021, 08:33
      • Ich habe alle drei gelesen und bearbeitet..Als „Begleittexte zu Peter Sloterdijk „Spären“ Band 1 – 3 findet man es.

        Verfasst von paulpeterheinz | 2. August 2021, 15:23
      • Alle Achtung! Mich interessierte vor allem das „Kugelige“ an den Sphären…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 2. August 2021, 18:15
      • Das „Kugelige“ steht im weitesten Sinne für das „Passende“. Sphären sind die menschlich typischen Räume in denen sie leben und weben, die sie dadurch erzeugen und in denen sie durch sphärische Rückkoppelungen „erzeugt-geprägt“ werden. Die erste Sphäre ist das zweisam-sein-in-der Mutter: Es und die umsorgende Plazenta als erste ideale Sphäre für die wir im „Außen“ einen ähnlichen Erstz suchen..deshalb sind wir Sphären-bildende-„Tiere“ Sphären können wachsen, wohlsein erzeugen, „tödlich“ sein auch zerbrechen. Wenn sie zerbrechen besteht offensichtlich ein Trend zu eher größeren Sphären.

        Verfasst von paulpeterheinz | 2. August 2021, 19:02
      • Und unser Kopf ist die Sphäre, in der wir uns die Sphären schaffen, die uns im Leben umgeben.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 2. August 2021, 19:46
      • Ich denke mittlerweile es ist mehr als nur der Kopf. Es gibt auch ein un-wohlsein/ein wohl-sein von dem wir nicht über den Kopf wissen, dass etwas stimmt / nicht stimmt. Genauso wie wir oft meinen uns fehle etwas ohne genau sagen zu können was. Der gesamte Körper oder wie die Neue Phänomänologie sagt “ unser Leib“ „spürt drückende Enge oder ausladende Weite und unser Kopf gibt keine Auskunft…Nur das Gefühl… Schmerzpatienten beispielsweise könne kaum ausdrücken wo und was genau schmerzt.

        Verfasst von paulpeterheinz | 2. August 2021, 19:52
      • Das war auch nicht so ganz ernst gemeint. Jedenfalls ist das „Sphärische“ in unterschiedlichen Kontexten ein sehr bedeutendes und vielsagendes Konzept.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 2. August 2021, 20:31
      • In Körpertherapien arbeitet man ja mit dem Leib. In ihm sind Informationen gespeichert/vorhanden, mit denen sich arbeiten lässt und wo Kopf keinen direkten Zugang hat.

        Verfasst von kopfundgestalt | 3. August 2021, 20:41
      • Die Lokalisierung der Gefühle, Körperbefindlichkeiten etc. ist meines Wissens ein ungelöstes, wenn nicht gar nicht lösbares Problem.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 3. August 2021, 21:34
      • Ja, so ist es wohl. Und trotzdem kann die Seele „über den Körper“ sprechen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 3. August 2021, 21:49
      • Vor allem der Geist…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 08:53
      • Ich meinte“vermittels des Körpers“…aber vielleicht magst Du den Ausdruck Seele nicht?!

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. August 2021, 10:17
      • Okay. Seele ist mir in der Tat etwas suspekt, weil der Ausdruck so vieldeutig verwendet wird.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 12:32
      • „Seele“ ist in der Tat selten in meinem Gebrauch.
        Den Begriff verwende ich , für mich, gelegentlich für eine Art innere Basis.

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. August 2021, 12:37
      • Okay, damit kann ich schon mehr anfangen. Mir geht immer noch der Spruch Wilhelm Buschs durch den Kopf: „Er (der Teufel) nahm die arme Seele schnelle und fuhr mir ihr zum Grund der Hölle“ oder so ähnlich. (Das genaue Zitat steht in: Die fromme Helene).

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 12:42
      • Jetzt kam gerade ein Buch über den „Zufall“ in Mathematik, Physik, Kosmologie, Gesellschaft und Spieltheorie heraus, Verlag Springer.
        Im DLF wurde es „zerrissen“, denn der Autor sprach offenbar über alle möglichen Facetten dieses Begriffs, sodass man als Leser wohl ziemlich zerrieben wird.

        Genauso ist es mit dem Begriff des „Bewusstseins“.

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. August 2021, 13:03
      • Es war eine Kritik im Spektrum.de, sorry.

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. August 2021, 13:28
      • Ich wollte gerade sagen, dass ich dazu auch eine Rezension gelesen hatte und zwar im Spektrum-Heft, dass ich je jeden Monat ins Haus bekomme.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 13:43
      • Manchmal hat man den Eindruck, dass es vom Zufall abhängt, ob mal etwas Sinnvolles über den Zufall gesagt wird, beim Bewusstsein ist es ähnlich, dessen bin ich mir bewusst… 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 13:42
    • Mit Interesse gelesen.
      Zwei.
      Ich würde gerne an einer Art Ode arbeiten, in denen die 4 zum Thema wird.
      Bei der 5 machte ich es einst, weil mein Bruder vor geraumer Zeit 5 Anlässe feierte.
      Jetzt, im Oktober, werden es deren vier.
      Hast Du da Anstössse, Peter-Paul ?!

      Verfasst von kopfundgestalt | 3. August 2021, 20:45
      • Könntest Du noch etwas mehr „Input“ freigeben? Welchen Text meinst Du mit „gelesen“ und was mit „zwei“ und was mit Ode an/über die 4?

        Verfasst von paulpeterheinz | 4. August 2021, 11:37
      • Gelesen habe ich deinen Comment, darauf bezog sich das.

        Ich dachte, weil Du über die „Zwei“ sprichst, vielleicht hast Du auch Ideen zu „Vier“.

        Ich habe schon einige Einfälle dazu – mein Bruder feiert ja demnächst vier Anlässe.

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. August 2021, 12:39
      • Der Mensch ist ein Sphären-Spürhund. Wo zwei Menschen zusammen sind, dort wird deren jeweiliger Zwilling mitten unter Ihnen sein. Zwei sind immer zu viert.
        Der erste Eindruck, das „Bauch“ Gefühl, die Intuition! Woher kommen sie? Von Dort, aus der fötalen Zeit? Geht es um Andere, liegen wir somit fast immer daneben. Wie kommen wir in ein Offenlegen der förderlichen und störenden Aspekte? Wie wäre es mit „Solidarität in der Konkurrenz“, denn in puncto Geburtlichkeit sind wir alle in derselben misslich-günstigen Situation.

        Das äußere Agieren und die innere „geheime“ Messlatte für Ideales, sind immer gemeinsam im Spiel um eine innen-ähnliche-gleich-bergende Sphäre im Außen zu gestalten. Wie innen war, so sollte auch das außen sein.

        Einer ist schon immer zu Zweit, zwei zu Viert.

        Ein Team ist ein Team aus Personen plus aller inneren Double. Die langen Teamsitzungen, die schweren Entscheidungen, das Beharren auf „Kleinigkeiten“! Die „schwierigen“ Mitarbeiter, die „schwierigen“ Chefs: Woher nur, warum nur – wenn nicht auch von Dort? Natürlich zusätzlich zum System, der Organisation, dem Markt, den Kunden, der Kultur, der Politik, der Globalisierung.

        Wenn ich es überspitze: Alles das sind „künstliche“ Gegebenheiten, von „geburtlichen Improvisationskünstlern“ geschaffen, aufgeführt im Improvisationstheater, d.h. in sich selbständig malenden Mühlen-Systemen, die kaum ein geburtlicher mehr versteht: Alles strotzt und strahlt in rückkoppelnde Netzwerke, lapidar undefinierbar umschrieben mit „Komplexität“.

        Verfasst von paulpeterheinz | 4. August 2021, 13:54
  2. Lieber Joachim,
    Sowohl das Foto als auch deine Ausführung haben mich inspiriert!
    Danke, Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 2. August 2021, 09:59
  3. Das integerierte Blatt ist also ein natürlicher Seifen-, äh Wasserspender 🙂 und sorgt für das fotografisch so wichtige Überleben der Blase.

    Verfasst von kopfundgestalt | 3. August 2021, 20:35
  4. „Die Lokalisierung der Gefühle, Körperbefindlichkeiten etc…..“ Das kann so sein, zumindest solange „der Mensch“ ein Geheimnis bleibt – und hoffentlich bleibt er es „auf Ewig“-. Wenn alles offen läge würden wir ja vielleicht das Interesse am überraschungsfreien, ausrechenbaren Anderen verlieren. Das die Wissenschaft über alternative Gefühlsorte noch jung ist, verdankt sie der 2500 Jahre regierenden Metaphysik, die nur Körper und Seele kannte. Sie und die Religion trieben mit dieser Trennung ihr Unwesen. Alle unbequemen-undefinierbaren Gefühle kamen ins Seelen-Verließ. Nun öffnet sich eine verwirrend-schön-häßliche Gefühlslandschaft die sich in 8 Milliarden Gefühlsgärten mit immer neuen Pflanzen und Blüten in einem ökologischen Treiben offenbart. Dabei scheinen die Gärten immer trister, je erschlossener sie werden. Der Konsum erzeugt eine einzige Weltreligion.

    Verfasst von paulpeterheinz | 4. August 2021, 08:21
    • Interessanterweise kommen die Naturwissenschaften allmählich nach dieser für ihren „Aufstieg“ entscheidenden descarteschen Trennung des Seins in Res cogitans und Res extensa immer mehr dazu zurück, diese Trennung zu überwinden. Allerdings sehe ich darin auch die Gefahr davon auszugehen, dass alles im Sinne der neuzeitlichen Naturwissenschaften beschreibbar sei.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 4. August 2021, 09:17

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