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Physikalisches Spielzeug & Freihandversuche

Schatten und Spiegelung

In diesem auf den ersten Blick surreal wirkenden Ausschnitt aus einem Hafenbecken beobachtet man zwei Abbildungen der von der Sonne beschienenen Gegenstände auf dem Wasser. Man ist vielleich geneigt, sie als Schatten abzutun. Schaut man sich die Dinge genauer an, so erkennt man, dass die Treppe und das Geländer einerseits eine Abbildung direkt unter dem Original aufweist und eine weitere aus anderer Perspektive rechts daneben. Aber ein Foto kann die Dinge nicht zugleich aus zwei Perspektiven zeigen. Vielmehr handelt es sich im ersteren Fall um keinen Schatten sondern um eine Spiegelung der Brücke und im letzteren um einen Schatten, der von der links strahlenden Sonne hervorgerufen wird.
Genau genommen kann auf dem Wasser kein Schatten entstehen. Wenn aber das Wasser wie im vorliegenden Fall mit Schwebstoffen verunreinigt ist, an denen das Sonnenlicht gestreut wird, erscheinen die von den schattenwerfenden Gegenständen ausgeblendeten Bereiche dunkel, weil uns von dort kein bzw. wesentlich weniger Licht erreicht.
Entsprechendes beobachtet man bei den beiden Pfählen. Aus der Perspektive des Fotos erscheint die Spiegeung wie eine Verlängerung der Pfähle und man muss schon genau hinschauen, wo der reale Pfahl endet und die Spiegelung beginnt. Von dieser Stelle gehen die horizontal orientierten „Schatten“ der Pfähle im Wasser aus. Sie haben einen deutlichen Blaustich, weil zwar das Sonnenlicht ausgeblendet wird, das blaue Himmelslicht diese sonnenlichtfreien Streifen aber erreicht und von dort diffus reflektiert wird.

Diskussionen

16 Gedanken zu “Schatten und Spiegelung

  1. Eine gelungene Aufnahme die man in die Reihe von M.C. Escher oder Renè Magritte stellen kann. Ich würde Deine Bilder vielleicht näher an M.C. Escher rücken. Deine Texte zumindest stellen immer wieder die Naturwissenschaftlichen-Physikalisch-Foto-technischen Aspekte in den Vordergrund und weisen auf die in der Realität wenig beachteten, für das oberfläche Auge oft „verborgenen“ Aspekte hin.

    Neben Escher mit dem man immer wieder „wütend“ werden kann ob dessen gelungenen Irritationen, gefallen mir ebenso die Richtungen um Magritte. Der kämpfte zeitlebens um die Gleichstellung von Bild und Text, um die „verborgene“ Geisteswissenschaft in den Bildern. Von dem könnte Dir -denke ich- „Henne und Ei“ gefallen. Zu dem Treppen und Pfeiler-Aspekt der „tiefliegenden“ Wirklichkeit, findet man dort aber ebenso reichlich Material.

    Verfasst von paulpeterheinz | 13. August 2021, 07:04
    • Zu viel der Ehre, mich in die Nähe dieser Meister zu rücken. Beide gehören von jeher zu meinen Favoriten, dennoch habe ich bei dem Spiegel-Schattenbild zumindest nicht bewusst an sie gedacht. Aber wo du es sagst, betrachte die das Foto (es ist ja nicht manipuliert) mit etwas anderen Augen. Vielen Dank für deine Analyse!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. August 2021, 09:06
      • Jeder ist in seinem „Spezialgebiet“ ein Künstler. Kunst benötigt -wie vieles- als Mindestzahl die Zwei, weil ihr Basisbauelement die Inspiration ist. Inspiriert von etwas durch etwas. Dann erzeugt es „den Raum“ oder „die Sphäre“ um und zwischen diesen Zweien, die sie so in ein intimes Raumgespinst mit ernstem Hintergrund einnimmt.
        Aber ebenso sicher und erfreulich ist es, das nicht „jede(r)s“ „jeden“ inspiriert.

        Verfasst von paulpeterheinz | 13. August 2021, 13:30
      • Da sprichst du große Worte gelassen aus. Wer gilt als großer Künstler? Schwer zu sagen. Heute bestimmt der Kommerz zum großen Teil, wer unter den Künstlern ganz nach obe geschwemmt wird. Und wer oben ist kann in seinem Handeln kaum mehr nicht künstlerisch sein…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 15. August 2021, 09:33
      • Jeder der es in seinem Übungsfeld zu mehr bringt als zu einfachen Wiederholungen, ist ein Künstler. Das benötigt als Mindestzahl nur die Zwei, weil ihr Basisbauelement die Inspiration ist. Inspiriert von etwas durch etwas. Werden daraus sich selbst steigernde Übungen, meist „Stufen“ (Hermann Hesse), dann setzt die Vertikalspannung ein: man wünscht sich etwas, weil es einen erstrebenswerten Attraktor (die nächste Stufe) gibt, und gelangt von einer zur nächsten Stufe: vom Anfänger über Mittelmaß in Richtung Exzellenz. Dann führt man das Leben eines „Künstlers“, d.h. ein Leben, das einen Unterschied machen möchte.

        Verfasst von paulpeterheinz | 14. August 2021, 08:26
      • „Draw a distinction!“, ob nun stufenweise oder quasikontinuierlich. Man muss Unterscheidungen machen können und diese Unterscheidungen müssen eingängig, ästhetisch (wie auch immer), überzeugend… sein, um Kunst zu begründen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 15. August 2021, 09:56
      • Werden aus der Inspiration sich selbst steigernde Übungen, meist „Stufen“ (Hermann Hesse), dann setzt die Vertikalspannung ein: man wünscht sich etwas, weil es einen erstrebenswerten Attraktor (die nächste Stufe) gibt, und gelangt von einer zur nächsten Stufe: vom Anfänger über Mittelmaß in Richtung Exzellenz. Dann führt man das Leben eines „Künstlers“, d.h. ein Leben, das einen Unterschied machen möchte.

        Verfasst von paulpeterheinz | 14. August 2021, 08:29
  2. PS: Wenn Magrit interessiert, gibt es im digitalen Schirn, Frankfurt, eine schöne Übersicht. http://www.schirn.de/magritte/digitorial/de

    Verfasst von paulpeterheinz | 13. August 2021, 07:09
  3. Sehr schön
    Zum kommentieren reichte es letzte Nacht nicht mehr, wie oft in der Nacht , umso erhellender war es heute, den artikel nochmal zu lesen.
    Wie die schwebstoffe im wasser erkennt man altbekannte Anteile in deinem text: das himmelblau, das mit prägt, die schwebstoffe, die Begriffe Spiegelung und Schatten und vieles mehr.
    Escher klingt mit an, fürwahr. Escher dürfte so bekannt sein wie Picasso, denke ich mal. Eine autobezeichnung gibt es aber von ihm noch nicht?!

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. August 2021, 11:06
    • Ich war für 2 Tage auf einer Besuchsreise und komme erst jetzt dazu, meine Mails anzuschauen. Escher ist zwar bekannt, aber zur „Hochkunst“ wird er meist nicht gerechnet. Für mich ist er ein sehr tiefschürfender Künstler. Seine Werke erschließen sich erst (jedenfalls für mich) nach langer Betrachtung und einigem Nachdenken.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. August 2021, 09:29
  4. Toll! Das erinnert mich an die „Penrose Treppe“. 🙂

    Verfasst von o)~mm | 13. August 2021, 21:57

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