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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Fundstück 11 – ein Kant-Stein

Ich habe einiges aufgehoben und zwar im dreifachen Sinn des Wortes. Erstens habe ich es – mich selber zum Boden bückend – in die Hand genommen und zur näheren Betrachtung aufgehoben. Dort blieb es einige Zeit bis es zweitens für Wert erachtet wurde, aufgehoben (im Sinne von aufbewahrt) zu werden. Ich habe nie viel Aufsehens davon gemacht aber faktisch wurde es drittes aufgehoben im Sinne von erhoben zu höherem Dasein (auf dem Bücherbord direkt vor der „Kritik der reinen Vernunft“). Dadurch wurde es verklärt und in etwas verwandelt, was seinen materiellen Wert weit übersteigt. Denn ich fand es ursprünglich im granularen Füllmaterial eines Weges, mit dem eine Wasserpfütze beseitigt wurde. Nun fand ich es erneut, als ich etwas bei Kant nachschlagen wollte. Fortan ist es daher ein Kant-Stein.

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Fundstück 11 – ein Kant-Stein

  1. Was hattest du bei Kant nachgeschlagen?

    Verfasst von kopfundgestalt | 17. August 2021, 02:45
    • Ich habe die Stelle noch parat: …“so ging allen Naturforschern ein Licht auf: Sie begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Prinzipien iher Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse, auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hängen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft sucht und bedarf.“ Sie bezieht sich auf die u.A. von Galilei zu Wege gebrachte neuzeitliche Physik.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. August 2021, 09:23
  2. Reine Freude kommt auf… über das Gesamtpaket. (Wortspiel, Fundstück und die Geschichte drumherum). Deine Herangehensweise ist mir so vertraut. Liebe nächtliche Grüße Marie

    Verfasst von mmandarin | 17. August 2021, 05:22
    • Das freut mich nun meinerseits, dass du noch nächtens dich mit meinen (Wort-)Spielereien abgibst und auch noch diesen ermunternden Kommentar dazu abgibst (Entschuldung für dieses weitere Worspiel!) 😉 Morgentliche Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. August 2021, 09:15
  3. Ein Artikel nach meinem Geschmack. Und ein Fundstück, das inspirieren kann. Liebe Grüße

    Verfasst von juergenkuester | 17. August 2021, 07:46
  4. Dieser über-ideal geformte Stein passt zu Kant. Einer der aus dem Steinmeer gezirkelt-geschlagen ausgesondert wurde. Mich erinnert er an die einmalig- unwahrscheinliche Fundsache die uns aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit herausführen wollte und uns dem Diktat der „reinen“ Vernunft in die Arme geworfen hat. Bei Kant wird sie eben auch (lebens-logisch?) zur Pflicht, d.h. zur Unterwerfung. Der reinen Vernunft gegenüber erstarrt alles andere zu Stein. Oftgenug ordnen wir uns dieser auch „unter“, weil wir vom ewigen Gerede über Deine / Meine Vernunft müde sind. Das Leben besteht aber nicht alleine aus diesem einzig-einmaligen Stein der Vernunft, sondern auch aus den ungeschliffenen Diamanten, den bunten Zufällen, den Un-vernünftigen Gefühlen. Sein kategorisches Prinzip führt in letzter Konsequenz zur Unterordnung auch gegen Un-moral die ja immer auch jemand vorab als Moral definiert haben muss. Ist Macht also eine reine Definitions-Macht über „die“ reine Vernunft? Das haben offensichtlich schon zuviele erkannt. ? Oder gilt auch die Jedermanns-Moral? Aber was regiert dann? Wir erstarren auch dann zu Stein weil wir vor lauter Moral keinen Fuß mehr vor dem anderen setzen können. Ist nicht die „Egoistengesellschaft“ so etwas wie der Versuch die Jedermanns-Vernunft zur Geltung zu bringen?
    Wer nur vernünftig ist, der werfe den ersten Vernunft-Stein.

    Verfasst von paulpeterheinz | 17. August 2021, 08:19
    • Sehr schön, wie du aus der zufälligen (?) Begegnung eines im Schotter gefundenen Steins mit der „Kritik der reinen Vernunft“ einen Kurzessay zu gestalten verstehst, der dem Zufall – gegen alle Vernunft – eine vernünftige Begründung verleiht.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. August 2021, 09:05

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