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Physik im Alltag und Naturphänomene

Minispinnennetz

Spinnennetze in freier Natur bekommt man meistens eher ins Gesicht als zu Gesicht. Es sei denn das Spinnennetz wird nächtens benetzt, statt dass in ihm fette Beute hängen bleibt. In diesem Fall (oberes Foto) kommt verschärfend hinzu, dass es sich um ein Mininetz handelt, das man normalerweise weder so noch so wahrnimmt. Mich hat erstaunt, dass alles dran ist wie an einem normal großen Netz – nur eben kleiner. Das gilt auch für die Tropfen. Insbesondere an den Stellen, an denen keine Tropfen sind, sieht es fast so aus, als wäre hier auch eine Unterbrechung im Netz. Allerdings ist unser Vertrauen in die gewohnte Beschaffenheit der Welt so groß, dass wir nicht davon ausgehen, diese Leerstellen seien wirklich leer. Und wenn man ganz genau hinschaut (auf Foto klicken), schimmert uns der „missing link“ auch schemenhaft entgegen.
Die starke Wasserliebe des Netzes (Hydrophilie) und die dadurch gegebene Möglichkeit, Wasser aus der Luft zu ernten hat in der physikalischen Forschung bereits dazu geführt, einmal mehr die Natur zu plagiieren und Materialien mit ähnlichen hydrophilen Eigenschaften zu konzipieren.

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Diskussionen

22 Gedanken zu “Minispinnennetz

  1. Warum nur käme die Spinne nie auf die Idee, für ihre Vorhaben Wäscheklammern zu produzieren?

    Verfasst von paulpeterheinz | 20. August 2021, 06:12
  2. Dass Du das Wort „plagiieren“ hier verwendest, hat wohl seinen Grund.

    Meine „Hydrophilie“ zu Tonwerken anderer Keramiker ist schwach. Ich kopiere höchst ungern.
    Lieber produziere ich etwas, was „künstlerisch“ schwächer ist als ein Original.

    Aber zurück zu dem Netz. Offenbar kann die Spinne nicht allem genügen in „der Auswahl ihres Spinnstoffs“. Sie lässt es also zu, daß das Netz zeitweilig sichtbar ist. Da sie eh wohl erst mittags Hunger bekommt, ist das für sie kaum schlimm. 😉

    Verfasst von kopfundgestalt | 20. August 2021, 09:33
    • Der Grund ist, auf diese Weise darauf aufmerksam zu machen, dass in Worte wie „Bionik“ oder „Biomimetik“ die Natur als „Urheber“ in den Hintergrund tritt. Eigentlich wollte ich, dass jemand darüber stolpert. Das ist mir zumindest in deinem Fall gelungen.
      Deine Eigenständigkeit in den Tonwerken weiß ich natürlich zu schätzen. Was heißt schon „Kunst“!?
      Ich denke auch, dass die Spinnseide eben nicht allen Anforderungen gleichermaßen genügen kann und die Benetzung einfach hinzunehmen ist. Aber gerade diese Eigenschaft interessiert die Forscher, die nach Möglichkeiten suchen, Wasserdampf zu ernten.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 20. August 2021, 10:36
  3. Die Natur könnte sich wehren, dass ihre Erfindungen „schamlos“ genutzt werden. Ihre einzige Rache ist, dass sie nicht verrät, wie sie auf ihre spezifischen Lösungen gekommen ist.

    Den Begriff „Kunst“ vermeide ich gerne. Dieses Vermeiden hat viele Gründe.
    Aber manchmal kommt man nicht drum herum.

    Verfasst von kopfundgestalt | 20. August 2021, 11:59
    • Den Menschen gelingt es bislang nicht Spinnenseide synthetisch herzustellen. Dazu müssen Spinnen gewissermaßen „gemolken“ werden.
      Wer weiß schon, was Kunst ist. Bei Umschreibungen fühlt man sich wohler.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 20. August 2021, 16:35
      • So manches Künstlerische trägt nicht mit einem Pappschild herum, was die jeweilige Intention des Werks war.
        So lehnt man manches intuitiv ab, bloss weil man den Gedanken dahinter nicht (er)kennt.
        Manches hat gar überhaupt keinen Hintergrund, aber auch das gilt es zu erkennen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. August 2021, 17:32
      • Vieles bleibt dabei jedoch geheimnisvoll. Nicht immer kann man den Hintergrund erkennen und trotzdem ein Produkt für ein Kunstwerk halten. Leider spielt der Marktwert eine sehr dominierende Rolle.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. August 2021, 19:25
    • Es dauert mittlerweile nie mehr lange und die „Natur“ wird „entzaubert“. Das Prinziep der Moderne nennt die Philosophie „Explizietmachung“. Alles was „verborgen“ war, wird ins grelle Licht der Forschung gezogen und aufgedeckt. Ehemals Geheimisvolles gibt es nicht mehr.

      „Wir wissen jetzt also, dass die Seide der Schwarzen Witwe hergestellt wird aus hierarchisch angeordneten Nano-Einheiten von Proteinen (Grösse zwischen 200 bis 500 Nanometer) im Unterleib der Spinne und nicht aus einer Lösung mit zufällig angeordneten, einzelnen Proteinen in Kugelform“, erklärt Greg Holland, Co-Autor der Studie (SDSU). „Die möglichen Folgen dieser Erkenntnis auf Materialien und das Ingenieurwesen kann man nicht genügend betonen, sollte es uns gelingen, diesen natürlichen Prozess zu replizieren“, sagt Gianneschi. Holland fügt hinzu: „Die praktischen Anwendungen für solche Materialien sind praktisch unendlich.“
      https://innovationsgesellschaft.ch/bionik-starke-spinnennetze-als-vorbild-fuer-materialien/

      Verfasst von paulpeterheinz | 20. August 2021, 17:06
      • Dass die Physik und andere Naturwissenschaften die Natur entzaubern, würde ich nicht sagen. Das würde ja bedeuten, dass alles auf Physik und damit auf Berechenbarkeit reduzierbar wäre. Ich weiß, dass manche naive Empiristen genau das behaupten. Ich kann dem jedoch nicht folgen. Eine physikalische Erklärung fügt den anderen Aspekten der Natur, z.B. der Schönheit eines Spinnennetzes oder auch dem Ekel davor, etwas hinzu, ohne ihr- der Natur – etwas zu nehmen.
        Der Versuch herauszufinden, wie man Spinnfäden synthetisch nachmachen könnte, ist m.E. zumindest im Prinzip vergleichbar mit dem gelungenen Versuch, von den Vögeln das Fliegen zu lernen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. August 2021, 19:22
      • Danke für den Link! 🙂
        Ich denke aber, dass diese Entdeckung nur ein kleiner Ausschnitt dieses Mysteriums „Spinnenseide“ ist. Es bleiben noch ein ganzer Sack Fragen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. August 2021, 20:15
      • PS zu Explizit:
        Es war wohl Aristoteles, der den Menschen als ein lernendes ergo forschendes Wesen beschrieb. Im „griechischen Wunder“ wurde dann das bis dahin „unerklärliche“ als das „Ganze“ „das Schönste“ das explizit Rund (also mathematisch) war, definiert. Es hatte Mitte, Oben, Unten, also „übernatürlich-natürlich“ bestimmbare Orte. Nicht wenige Philosophen -vor ihnen schon in anderen Weltteilen – vermuteten in der Mathematik die Welt-Geheimnisse. Darüber wurde ein Gott definiert, der all das nebst Inhalt konstruiert und gebaut und den Inhalten ihren unverrückbaren Platz „angewiesen“ haben sollte.
        Seit dem „gibt“ es „Hierarchie“ und hatte „die Forschung“ einen gottähnlichen Platz oder machte „Seinen“ Platz streitig – beides gerät ins Wanken. Gott ist im „unendlichen“ untergegangen und die Forschung ist längst nicht mehr „unschuldig“.
        Wenn also der Mensch lernend ist, so nahm er dieses Konstrukt nicht lange nur passiv an. Er ging ans Nachbauen und bald ans Selbstbauen. Lange Zeit so, dass das Neue sich aus dem vorherigen „ergab“ und sich in Gemeinschaft einfügte: das Runde, das Rad, der Wagen. Beim Motor „schlägt es m.E. um“. Mit den technischen Möglichkeiten kamen Dinge in die Welt, die die Gemeinschaft überforderte. Wir sprechen vom (nicht mehr beherrschbaren) „Kollateralschaden“ der Forschung und deren Anwendungen. Ein Prozess der zwa „alt“ ist aber nun seinen „zweifelhaften Höhepunkt“ erreicht hat: Mikroben, Gase, Chemie, Atome, Medizin, Gene, Klonschafe, Hirnforschung, Künstliche Intelligenz…. Hier werden nicht mehr nur einfache Prinzipien Explizit, sondern nicht bedachte, nicht mehr „aus der Natürlichkeit“ sich ergebende, sondern offenbar Mensch und Natur (sehr) stark verändernde, ja gefährdende Mechanismen, Gesetze, „Geheimnisse“ offenbar.
        Ist das schon explizite Wissenschaft oder schon explizite Gewalt?
        Sind wir bereits „Übermenschen“? Ist Mülltrennung, das Pflanzen von Bäumen, das Anlegen von Bienenwiesen bereits die lächerlichste Tat des „letzten Menschen“?
        ( PS/PS: Ich meine das nicht vorrangig moralisch. Ich möchte für mich nur wissen, über was ich „Lachen“ und über was „Weinen“ sollte. Immer häufiger kommt bei mir auch die alte philosophische Initialzündung zum Tragen: ich Staune!!)

        Verfasst von paulpeterheinz | 21. August 2021, 09:00
      • Du sprichst im Grunde die alte Frage der Verantwortung der Wissenschaftler für die technische Ausnutzung ihrer „Entdeckungen“. Sie ist vielfältig in der Literatur, Kunst und Philosophie angesprochen worden. Konsequenzen wurden jedoch nie gezogen. Es wurde allenfalls resigniert festgestellt, dass wir auch offenbar fatale Anwendungen machen, einzig und allen weil wir es können.

        Wir machen es, weil wir es können

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. August 2021, 09:59
      • Ja, das „Können-zeigen-wollen“, das Machen – des Kitzel wegen-, das über sich hinausgehen; das Neue; der Fort-schritt der Bilnd macht für den impliziten Rück-schritt; der Glaube an „Bewältigbarkeit“; ..dann aber auch die „Einbindung der Profiteure und Konsumenten“, „Vemögen für alle durch Wachstum und Wachstum durch Forschung“- die sich selbst malende Mühle der letzten 500/600 Jahre..

        Verfasst von paulpeterheinz | 21. August 2021, 10:16
      • Die Gefahr besteht, dass Novalis‘ sich selbst malende Mühle zur sich selbst mahlenden Mühle wird, wobei der dafür nötige Energiebedarf aus dem entsthenden Mahlgut gedeckt wird.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 22. August 2021, 09:44
      • PS ein Nachtarg zur Entzauberung:
        Ich kenne einen profilierten Physikdidaktiker ☺, der das „anders Sehen“ lehrte, so
        dass verschiedene Formen der Distanzierung das Alltägliche
        zu oft unerwarteten physikalischen Phänomenen hin transparent wurden. Transparenz wäre für mich Entzauberung.
        Dein dortiges Beispiel mit der Energiesparlampe in dem Artikel wäre ein weiteres Beispiel für Entzauberung.

        Aber Entzauberung ist zunächst „nur“ eine neutrale Vorgangsbeschreibung. Sie hat ja mindestens zwei Seiten: es klärt auf, es klart auf, macht den Blick für „Wahres“ „Reales“ „Anderes“ „Neues“ frei, aber es ernüchtert auch den vorher „gewohnten“
        (Menschen wohnen in Gewöhnung!)
        „faszinierten“ Blick der „träumen“ ließ, der lebbare „Illusionen“ erzeugte die bisher das Leben trugen.

        Die Frage die sich einzig stellt: Trägt das Neue auch bald so vertraut und sicher?
        Können wir damit Leben und darin wohnen?

        Schon klassisch umschrieben bei Nietzsche: „Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir die Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?“

        Verfasst von paulpeterheinz | 22. August 2021, 10:24
      • Das Problem der Entzauberung der Welt ist in der Tat sehr komplex, wenn man nicht bei dem Beispiel einer Blume stehenbleibt, bei der man die Schönheit vergisst, während man die Bestäubung und Fortpflanzung beschreibt. Ich frage mich, ob nicht alle vermeintlichen Entzauberungen bei genauerem Hinsehen auch als Wiederverzauberungen angesehen und erfahren werden können. Der Horror vor dem Herunterfallen von der flachen Erde wird ersetzt durch die Möglichkeit endlos weitergehen/fahren zu können und möglicherweise von hinten an den Startpunkt zurückgelangt. Ist das nicht zauberhaft! Oder das Antipodenproblem: Die Menschen auf einer kugelförmigen Erde fallen nicht von dieser ab, weil sie von ihr angezogen werden. Ebenfalls eine zauberhafte Vorstellung… Offenbar gibt es unter den Menschen ein unterschiedliches Empfinden über das Zauberhafte. Und das in dem bekannten Ausspruch Pascals: „Le silence éternel de ces espaces infinis m’effraie“ zum Ausdruck kommende Schrecken zeigt Emotion, wo bis dahin nur sachliches Beschreiben dominierte.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 22. August 2021, 11:35
      • Ja und Ja zu Deiner Aussage: Entzauberung wird zur Wiederverzauberung. Vielleicht zwangsläufig? begann für uns „Geburtliche“ das erspüren der Welt mit einem Schrecken vor allem was da war und der gewählte Ausweg bestand in einer Verzauberung dieser bedrohlichen/unerklärlichen Dinge. „Kultur“ sagen wir heute dazu oder „Glaube“ oder „Religion“ oder „Wissenschaft“ oder „Sozialstaat“ und schließen eine Versicherung ab. Wir besitzen ja keinen Bauplan für den Planeten. Können aber unglaublich Zaubern. Wenn etwas nicht mehr zum Zauber taugt, entzaubern wir durch Wiederverzauberung. Was, die Erde? sie stirbt? dann auf zum Mond? Das moderne Deckwort dazu: INNOVATION!

        Verfasst von paulpeterheinz | 22. August 2021, 13:41
  4. Witzig, die Wäscheklammer als Stützelement! Ein Beispiel wie Tiere von Menschen „profitieren“

    Verfasst von Myriade | 20. August 2021, 12:21
  5. Hydrophilie des Netzes – auch nicht gewusst, hab das Ergebnis freilich gelegentlich gesehen und bestaunt..

    Verfasst von gkazakou | 25. August 2021, 15:49
    • Die Spinnen finden die Hydrophilie vermutlich gar nicht so witzig. Solange da Tropfen im Netz sind, ist nicht viel zu machen. Andererseits brauchen sie diese Eigenschaft für die eigenen Klebetropfen, die ebenfalls hauptsächlich aus Wasser bestehen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. August 2021, 16:54

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