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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Einsam, verlassen und zugewachsen

Ich setze mich auf eine Holzbank und schaue auf das Gestrüpp neben der Bank. Es gefällt mir sehr gut, weil es nichts als sein eigenens Ausharren ausdrückt. Ich möchte so sein wie dieses Gestrüpp. Es ist täglich da, es leistet Widerstand, indem es nicht verschwindet, es klagt nicht, es spricht nicht, es braucht nichts, es ist praktisch unüberwindbar.*


* Wilhelm Genazino. Ein Regenschirm für diesen Tag. München 2003, S. 93f

Diskussionen

29 Gedanken zu “Einsam, verlassen und zugewachsen

  1. Es lebt ganz aus sich heraus

    Verfasst von kopfundgestalt | 24. August 2021, 00:18
  2. …und es braucht keinen Beifall und nimmt uns nichts… das pure Sein… wir können lernen so zu sein….. ist das nicht wunderbar? Ein Zenmeister würde sagen: „Angekommen “. Liebe Grüße Marie

    Verfasst von mmandarin | 24. August 2021, 04:54
  3. Gerade hatte ich in den News aus der CH einen Bericht über Mitholz und den Film darüber gelesen: https://mitholz-film.ch/
    Dazu passte die verlassene Bank und das Gestrüpp irgendwie und irgendwie doch nicht: Wie schön-schwer ist es doch, so zu sein wie die Natur.

    Verfasst von paulpeterheinz | 24. August 2021, 06:52
  4. Guten Morgen, Joachim, Genazino ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Ich erlebte ihn bei einer Lesung in Freiburg und war begeistert, dass sein trockener Humor und seine Beobachtungsgabe spontan zu Tage trat, er war wie er schrieb.
    Liebe Grüße von Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 24. August 2021, 08:04
  5. Ach, das erwähnte Buch diente hier als Bügellektüre und wurde letztens erst beendet. Der Satz ist einer der Beispiele, wie genau er betrachtet und beschreibt. Davon gibt es einige Stellen im Buch, das mich allerdings ansonsten nicht begeistert hat. Obwohl die Idee mit dem Institut schon klasse ist… 😉

    ..grüßt Syntaxia

    Verfasst von o)~mm | 25. August 2021, 15:29
    • Genazino, der ja viele Literaturpreise bekommen hat u.A. den Georg-Büchner-Preis und Kleist-Preis, ist in der Tat nicht jedermanns Sache. Ich mag ihn wegen seiner präzisen Beschreibungen, der überraschenden Vergleiche zwischen ganz unterschiedlichen Lebensbereichen und der Unaufgeregtheit seines Personals sehr gern. Zwischendurch darf es dann gern auch mal ein anderes sein. 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. August 2021, 16:49
      • Ich kannte Genazino nicht. Habe aber mal nach ihm gesucht und u.a. einen Nachruf gefunden:
        https://www.sueddeutsche.de/kultur/wilhelm-genazino-nachruf-schriftsteller-1.4253310

        Dort schreibt der Nachrufer u.a.:
        In seinem Roman „Die Liebesblödigkeit“ aus dem Jahr 2005 war der Held von Beruf „freischaffender Apokalyptiker“. Als Experte für das Ausweglose hält er Wochenendseminare, es geht um die Katastrophe, auf die wir alle zusteuern, und das Interesse ist übermächtig. Im ganzen Buch begegnete man Berufsbildern wie „Panikberatern“, „Ekelreferenten“, „Schockforscherinnen“ oder „Empörten-Beauftragten“.
        oder:
        Im Roman „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ hält der jugendliche Held seiner Freundin einmal eine feurige Rede über Kafka. Dann erfahren wir: „Erst kurz vor der Haustür der Souterrainwohnung endete mein heutiger Vortrag. Ich ging mit Gudrun in den Hausflur und küsste sie mit einer Erregung, von der wir glaubten, sie sei ein Zeichen unserer Liebe und unserer Zukunft. In Wahrheit ahnte ich, dass ich durch Gudrun hindurchküsste und im Hintergrund Franz Kafka dafür dankte, dass er mich wieder so lebendig gemacht hatte.“

        Ich werde mal weiter nach ihm suchen, wiewohl ich nur ausnahmsweise und wenn mit Mühe Romane lese. Aber solche könnte mich „bekehren“!!

        Verfasst von paulpeterheinz | 25. August 2021, 17:42
  6. PS: gegen die „Apokalyptik“ gibt es nun https://squirrel-news.net/de/
    Squirrel News ist ein kuratierter, konstruktiver Nachrichtendienst.

    Verfasst von paulpeterheinz | 25. August 2021, 18:06

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