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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Spiraltendenz in der Natur

Wir mußten annehmen: es walte in der Vegetation eine allgemeine Spiraltendenz, wodurch, in Verbindung mit dem vertikalen Streben, aller Bau, jede Bildung der Pflanzen nach dem Gesetz der Metamorphose vollbracht wird.

Die zwei Haupttendenzen also oder, wenn man will, die beiden lebendigen Systeme, wodurch das Pflanzenleben sich wachsend vollendet, sind das Vertikalsystem und das Spiralsystem; keins kann von dem andern abgesondert gedacht werden, weil nur eins durch das andere lebendig wirkt. Aber nötig ist es zur bestimmteren Einsicht, besonders zu einem Vortrag, sie in der Betrachtung zu trennen und zu untersuchen: wie denn eins oder das andere waltet, bald seinen Gegensatz überwältigt, bald von ihm überwältigt wird oder sich mit ihm ins gleiche zu stellen weiß, wodurch uns die Eigenschaften dieses unzertrennlichen Paares desto anschaulicher werden müssen.*.

Nicht immer sind die Spiralen leicht zu erkennen, so auch in diesem Bild.


* Johann Wolfgang von Goethe: Über die Spiraltendenz in der Vegetation. In: Naturwissenschaftliche Schriften. München 1981. S. 135

Diskussionen

4 Gedanken zu “Spiraltendenz in der Natur

  1. Das Spiralige hat aussen eine Ende und auch innen.
    Innen wahrscheinlich, weit lange bevor es technisch nicht mehr möglich ist, das Spiel fortzusetzen.

    In der Kunst erklärt man ein Werk oft als „fertig“, beendet. Vielleicht oft einfach müde von der Ursprungsidee. Wenn man es ein halbes Jahr später erneut angriffe, wäre man nicht in derselben Verfassung. Man würde es dannn womöglich nur zerstören.

    Verfasst von kopfundgestalt | 4. September 2021, 00:09
    • Praktisch hat ja alles ein Ende, theoretisch und von der Tendenz her, kann man es sich als „auf dem Wege zum unendlich Kleinen und Großen“ vorstellen. Ich denke, dass ein Teil der Faszination der Spirale daher rührt, dass man diese Bewegung irgendwie mitdenkt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 4. September 2021, 09:06
  2. Spiralige Anordnungen wirken so lebendig, dynamisch, sie setzen die Vorstellungskraft in Bewegung. Das wird besonders deutlich, wenn man die vergleicht mit einer Variation der Anordnung: dieselben Elemente als konzentrierter Kreise, je abgeschlossen, statisch.
    Das Foto ist bestens geeignet, diesen Text zu illustrieren, aber es strahlt auch einfach so vor Harmonie und Farbigkeit.

    Verfasst von Ule Rolff | 4. September 2021, 09:20

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