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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Energie und Entropie, Physik im Alltag und Naturphänomene

Schatten – Abwesenheit von Licht

Das leuchtende Auge erhellt den betrachteten Weg

Vielleicht fasziniert uns an den Schatten die virtuelle Möglichkeit, ihn als inverses Licht anzusehen. Man stelle sich vor, dass Schatten Leuchtspuren darstellen, die von einem dunkles Licht ausstrahlenden Gegenstand ausgehen.
Doch physikalisch macht eine solche Umkehrung keinen Sinn. Schatten sind die bloße Abwesenheit von Licht (bzw. genauer: des Lichts der dominierenden Lichtquelle) und bezeichnen etwas Fehlendes, während Licht so etwas wie reine Energie darstellt – eine Differenz also zwischen Sein und Nichtsein.
Etwas Ähnliches gilt für die Abwesenheit von Wärme, was wir als Kälte empfinden. Und wenn wir davon sprechen, dass Kälte in einen Raum eindringt, dann erscheint uns diese Sprechweise direkter als zu sagen, die Wärme würde den Raum verlassen. Physikalisch gesehen ist aber genau das der Fall.

Diskussionen

10 Gedanken zu “Schatten – Abwesenheit von Licht

  1. Licht und Wärme sind also Energien, die HINZUGETRETEN sind zu einer ursprünglich kalten finsteren Welt?

    Verfasst von gkazakou | 9. September 2021, 08:44
    • Ja, Licht und Wärme sind Energien, sie unterscheiden sich nur in der Frequenz (Farbe). Sie waren von Anfang an da. Und da Energie und Materie ineinander umwandelbar und daher nur verschiedene Aspekte ein und derselben „Sache“ ist, muss man schon sehr konkret werden, um von dem einen oder anderen zu sprechen. Beispielsweise verliert die Sonne ständig an Masse, weil sie unvorstellbar große Energien ausstrahlt… Ihr Dasein ist daher ebenso begrenzt wie erst recht das der Erde und ihrer Bewohner.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. September 2021, 13:25
  2. Gestern dachte ich an die spektakulären videos von Japanern, die zeigten, wie Licht in den Raum kriecht bzw. Laserlicht durch eine Flasche.

    Verfasst von kopfundgestalt | 9. September 2021, 14:14
  3. Hatte nicht Goethe die Vorstellung von Schwarz als „inversivem Licht“? Seine Farbtheorie gilt ja offiziell als widerlegt, aber zumindest auf einer quasi philosophischen Ebene finde ich den Gedanken, das Eine als die Abwesenheit des Anderen zu definieren, durchaus fragwürdig. Steckt hinter dieser physikalischen Sicht nicht doch eine Wertung, dass nämlich Aktivität das „Normale“ sei, und dessen Abwesenheit nur ex negativo zu definieren sei? Und ist das Energielose ein „Urzustand“, aus dem heraus sich die Welt entwickelt hat? Und wenn Energie ihre Wirkung nur vor dem Hintergrund von abwesender Energie entfalten kann, ist es dann nicht ein System, in dem beide Zustände gleichermaßen aufeinander angewiesen sind, Energie also mit gleicher Berechtigung als Abwesenheit von Energielosigkeit definiert werden kann? Nur ein paar Gedanken…

    Verfasst von derdilettant | 9. September 2021, 20:49
    • Ich habe natürlich rein physikalisch argumentiert. Die Physik ist eine besondere Sehweise, die inkommensurabel mit der lebensweltlichen Sehweise ist. Es gibt also keinen direkten Weg von der Lebenswelt zur Physik nach dem Motto: Wenn man nur immer genauer beobachtet kommt man zur Physik. Innerhalb der physikalischen Theorie spielt die Energie eine wesentliche Rolle. Der Begriff ist später gewissermaßen in die Lebenswelt abgesunken und wird dort nicht immer ganz widerspruchsfrei benutzt.
      Goethe Ideen sind eher lebensweltlich geprägt und zwar durchaus kreativ und im Rahmen seiner Argumentation auch ziemlich konsistent. Ich lese gern in seiner Farbenlehre und auch seine Experimente sind teilweise genial. Aber sie bewegen sich nicht im von den Physikern anerkannten Paradigma der neuzeitlichen Physik. Wenn man es so sieht kann es durchaus hilfreich sein, von der Kälte zu sprechen, die ins Zimmer strömt oder von der Dunkelheit, die das Licht verdrängt. Das war auch mein Motiv für den Beitrag, um derartige Fragen anzuregen. Im lebensweltlichen Alltag ist die Physik oft fehl am Platze insbesondere wenn es um Gefühle geht, was in einer Äußerung von dem bekannten Physiker Arthur Eddington (1882 – 1944) sehr schön mit den folgenden Worten karrikiert wird (wobei Materialist ein konsequent physikalisch denkender Mensch gemeint ist): „Der Materialist, der davon überzeugt ist, dass alle Phänomene aus Elektronen und Quanten und dergleichen entstehen, die durch mathematische Formeln bestimmt werden, muss vermutlich glauben, dass seine Frau eine ziemlich ausgeklügelte Differenzialgleichung ist; aber er ist wahrscheinlich taktvoll genug, diese Meinung nicht im häuslichen Leben zu äußern“ (meine Übersetzung aus dem Englischen).

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. September 2021, 16:42

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