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Physik im Alltag und Naturphänomene

Farbumkränzter Schatten auf einer Nebelbank

Glorien sieht man nicht alle Tage. Nicht nur weil sie bestimmte Bedingungen erfordern – Nebel und tiefstehende Sonne – sondern auch Jemand, der auf ein außergewöhnliches Phänomen gefasst ist. Letzteres dürfte im normalen Alltag jedoch kaum der Fall sein. Die meisten Phänomene nimmt man daher vor allem im Urlaub oder während ähnlicher „Auszeiten“ wahr, in denen man die Muße hat, sich auch einmal bewusst „anzuschauen“ durch was die eigenen Netzhäute belichtet werden. Ich denke, dass es im vorliegenden Fall eines Fotos von Johanna Benseler wohl auch so gewesen ist. (An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für das schöne Foto!)
Man blickt mit der Sonne im Rücken auf eine Nebelwand und sieht zunächst einmal seinen Schatten, der normalerweise von den Füßen beginnend auf der Fläche vor einem „ausgerollt“ wird. In diesem Fall stößt man jedoch auf eine Nebelwand, die je nach Dichte des Nebels ebenfalls in der Lage ist – in diesem Fall wenigstens schemenhaft – einen Schatten „aufzufangen“. Der Kopf- und Rumpfteil des Schattens befindet sich hier in der Nebelwand.
An der perspektivischen Verkleinerung des Kopfschattens auf der Nebelwand im Vergleich zu den Beinschatten auf dem Boden erkennt man deren relativ großen Abstand von der Fotografin. Und dieser winzige Kopf wird von farbigen Kreisen umgeben, die hier zumindest schemenhaft zu erkennen sind. Sie kommen dadurch zustande, dass das Sonnenlicht in den Nebeltröpfchen in etwa in derselben Richtung zurückgestrahlt wird, aus der es kommt. Und da sich die Sonne genau hinter dem realen Kopf befindet, sieht man das retroreflektierte Licht in einem gewissen Randbereich zum Kopfschatten. Die meisten Strahlen werden indessen vom Kopf ausgeblendet. Dabei kommt es durch Beugung in den Tröpfchen zu den Farberscheinungen.

Derartige Umkränzungen des Kopfschattens findet man auch in ähnlichen Situationen.

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Diskussionen

10 Gedanken zu “Farbumkränzter Schatten auf einer Nebelbank

  1. Sehr spannend das Ganze. Auch allein schon mal das abgeschnitten wirkende Wiesenstück.

    Eine kleine Bemerkung:
    „Die meisten Strahlen werden indessen vom Kopf ausgeblendet.“
    Gemeint ist der Kopfschatten, nicht etwa der Kopf, der das wahrnimmt. Auch wir könne ja ausblenden 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. September 2021, 08:43
  2. Danke für diesen schönen Beitrag und die Erinnerung an dieses wunderbare Erlebnis!
    Ich stand auf den weissen Klippen bei Dover (englische Südküste) mit Blick über den Ärmelkanal, als plötzlich eine riesige Nebelbank vom Westen anrollte und das Meer in ein Nebelmeer verwandelte…. und dann diese Lichtbrechungen. Ein unvergesslicher Tag. Danke 😊

    Verfasst von Johanna | 10. September 2021, 11:18
    • Auch dir danke für die schöne Ergänzung, die das physikalische Phänomen sehr schön in den Erlebniszusammenhang einbettet, zu dem ich natürlich nichts sagen konnte. Meistens sind derartige Erscheinungen mit eindrucksvollen Situationen verbunden. 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. September 2021, 16:48
  3. Hi Joachim
    Danke für die einleuchtende Erklärung. Wir sehen hier dieses Phänomen häufig, da wir von unserem Garten morgens auf einen kleinen Fluss schauen und dabei die Sonne in unserem Rücken haben. Besonders Siri 🙂 und 🙂 Selma lieben es, mit ihrem Kopfschatten zu spielen.
    Wir wünschen ein wunderbares Wochenende
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

    Verfasst von Klausbernd | 10. September 2021, 13:57
    • Danke lieber Klausbernd, da seid ihr dann aber glücklich dran. Denn ich habe das Phänomen außer in den Bergen und vom Flugzeug aus leider noch nie sehen können. Daher freue ich mich, wenn mir andere aufmerksame Beobachter Fotos davon schicken. Auch euch ein schönes Wochenende. Gruß, Joachim..

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. September 2021, 16:52
  4. ein geheimnisvoll schönes Bild, Dichter möchte ich sein, um es zu fassen.

    Verfasst von gkazakou | 10. September 2021, 17:28

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