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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ich stand früher auf als die Sonne

In den letzten Tagen war ich noch vor der Sonne aufgestanden. Und da ich mich am Meer befand, ließ ich mir das Erlebnis der gegenseitigen Begrüßung nicht nehmen. Zugegeben, das ist im Winterhalbjahr leichter als im Sommerhalbjahr, aber der Weg zum Meer war auch noch einzurechnen.
Meistens brauchte die Sonne noch eine Strecke, um durch eine diffuse Horizontbewölkung hindurchzukommen. Je nach deren Dichte gab es dann einige Vorgeplänkel partieller Sichtbarkeit der Sonnenscheibe, bis sie dann mit praller Strahlkraft durchbrach und mich zwang, die Augen zu senken.
Dass die Sonne sich aus der Dunstschicht erhebt, ist auch an ihrer uneinheitlichen Färbung zu erkennen. Im unteren Bereich wird noch so viel Licht von der mit der Höhe sich verflüchtigenden (Warum?) Dunstschicht absorbiert, dass die Lichtintensität unseren Augen noch nichts anhaben kann. Es sind vor allem die langwelligen Anteile Rot und Gelb zu erkennen, die vom weißen Sonnenlicht nach der langen Passage schräg durch die Atmosphäre übrig bleiben. Im oberen Bereich der Sonnenscheibe ist bereits das gleißende Weiß des Sonnenlichts zu sehen ist, das kurze Zeit später die ganze Sonnenscheibe erfüllt.
Wenn man den Sonnenaufgang bewusst auf sich wirken lässt, wird man erstaunt sein, wie schnell die Sonne sich erhebt. Es dauert nur etwas mehr als 2 Minuten bis die Sonne ihren eigenen Durchmesser durchlaufen hat. Dieser Eindruck von Schnelligkeit entsteht vor allem deshalb, weil man den Horizont als Bezugslinie im Blick hat, von dem sich die Sonne entfernt.

Diskussionen

11 Gedanken zu “Ich stand früher auf als die Sonne

  1. Durch diese Bänderung also wird die Atmosphäre erst „sichtbar“ ?!

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. Oktober 2021, 01:09
    • Letztlich wird durch die Farben die Dichte, Länge und die Aerosolhaltigkeit der Atmosphärenschicht sichtbar, die das Licht durchlaufen muss. Je höher die Sonne, desto kürzer der Weg des Lichts und desto dünner die Atmosphäre…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Oktober 2021, 11:59
  2. Da bin ich aber froh, dass die Sonne andernorts das tut, was sie soll….gleissen, scheinen und wärmen…. hier in der Heide, der ich heute den Rücken kehre, sind andere Elemente am Werke. Es regnet und stürmt herbstlich. Aber alles gehört ja sowieso zusammen und ich höre auch schon auf zu meckern. Ich wünsche dir eine gute Reise…,wo immer du dich aufhältst. Liebe Grüße Marie

    Verfasst von mmandarin | 21. Oktober 2021, 05:48
    • Ja, liebe Marie, alles zu seiner Zeit. Aus der prallen Sonne bei hochsommerlichen Temperaturen (Gran Canaria) zurückgekehrt, bin ich jetzt bei Kälte und Starkregen mit den Baumschäden beschäftigt, die der Sturm der letzten Nacht hinterlassen hat. Diese handfeste Wetter ist also ein schönes Kontrastprogramm… Auch das möchte ich nicht missen. Ich hoffe, du bist inzwischen wohlbehalten zurück und versuchst dem Wetter die positiven Aspekte abzuringen… Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Oktober 2021, 11:55
  3. Gestern war es die Geschwindigkeit, mit def die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, die die Freundin neben mir erstaunte. Mich nicht mehr wirklich, nach unzähligen beobachteten Sonnenuntergängen. Was mich dennoch erstaunt, ist, dass wir Erdenbewohner nicht bemerken, wie rasend schnell sich unser Planet dreht. Wir rätselten auch, wo Menschen die Sonne gerade aufgehen sahen. Die Freundin tippte auf Australien, ich auf China. Weißt du es?

    Verfasst von gkazakou | 21. Oktober 2021, 10:23
    • Deine Frage ist im Prinzip einfach zu beantworten, wenn man sich einen Globus zur Hand nimmt und ihn in dunkler Umgebung im Licht einer Lampe dreht. Markiert man dann den eigenen Standpunkt mit einem kleinen Aufkleber und beobachtet, wie er aus der Dunkelheit in den Lichtstrahl eintritt, hat man sozusagen eine Visualisierung des Sonnenaufgangs. Die Stellen die dabei aus dem Lichtkegel austreten, erleben in dem Moment einen Sonnenuntergang. Sonnenauf- und –untergänge bewegen sich also ständig über den Globus hinweg.
      Ich habe einmal beim Nonstop-Rückflug von Alaska nach Frankfurt erlebt, dass wir nahezu im gleichen Maße, in dem sich die Erde der Sonne entgegen drehte, der Sonne entgegenflogen. Der Stand der Sonne änderte sich nur wenig und es blieb trotz der fortschreitenden Uhrzeit nahezu bei der gleichen Tageszeit: Wir flogen am Nachmittag in Anchorage los und kamen am Nachmittag in Frankfurt an. Nur die Müdigkeit zeigte, dass dennoch Zeit geflossen war.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Oktober 2021, 11:50
      • Solcherlei Irritationen können Salz sein…man merkt sonst wenig von den Grundbedingungen unserer Existenz, weil diese ganz gewöhnlich mitlaufen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Oktober 2021, 13:25
      • Du sagst es. Ich hatte mir zunächst kaum Gedanken gemacht. Erst als die Sonne auch noch nach 5 Stunden etwa an derselben Stelle stand setzte bei mir die Irritation ein…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Oktober 2021, 14:58
  4. Sehr gelungen auf dem Foto eingefangen. Ich selbst konnte mich bis heute nicht aufraffen so früh für Fotos aufzustehen, aber ich habe es mir wirklich vorgenommen. vielleicht im nächsten Jahr. 🙂

    Verfasst von eyeandview | 21. Oktober 2021, 15:09

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  1. Pingback: Eine etruskische Vase am Morgenhimmel | Die Welt physikalisch gesehen - 23. Oktober 2021

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