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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Leuchtende Blätter im Herbst

Dieser Wald ist an einer Stelle derart hell, dass es im ersten Moment so aussieht, als würde das Blattwerk aus sich heraus leuchten. Es ist aber nur das einfallende Sonnenlicht, das hier von den Blättern bereitwillig wieder abgegeben wird.
Dadurch dass im Herbst viele Bäume ihren Blättern das Blattgrün entziehen, nehmen diese meist die Farbe der zurückbleibenden Farbstoffen an, die bislang vom Blattgrün überdeckt wurden. Dies sind vor allem Carotinoide und Gerbstoffe. Die Carotinoide treten in dem Maße hervor, wie das Blattgrün verschwindet und färben beispielsweise Birkenblätter und Lärchenblatter gelb. Die Gerbstoffe sind für die Braunfärbung von Buchen und Eichen verantwortlich. Bei manchen Bäumen werden aber aber auch Farbstoffe, z.B. die Anthocyane neu gebildet. Sie sollen das Blatt solange vor Schädigungen durch das Sonnenlicht zu schützen, wie die Nährstoffe gesichert werden. Anthocyane rufen die Rotfärbung mancher Bäume, zum Beispiel beim Ahorn oder wilden Wein hervor. Im vorliegenden Fall reflektieren die zurück gebliebenen hellen Farbstoffe mehr Licht als es normalerweise der Fall war..

Diskussionen

24 Gedanken zu “Leuchtende Blätter im Herbst

  1. Es wäre nicht verwunderlich, wenn bei Heidegger als Schwarz-Wald-Mensch bei einem solchen Anblick der „be-leuchteten Lichtung“ die Assoziationsmaschine ansprang und seine Daseinanalyse ihm aus der Feder entlaufen wäre. Er sprach ja von (der/einer/eine oder nur von..) Lichtung die den Mensch auf-treten ließ oder die aufging als er sie betrat und ihm damit erst recht das Verborgene und das (sich) Zeigende offen legte, aus dem Menschen einen Ent-bergenden der Ver-borgenheit machte. Sloterdijk geht davon aus, dass „Sein und Zeit“ eigentlich „Raum und Zeit“ hääte lauten müssen. So entstand bei ihm „Spären“: Der Mensch geht in der „Raum-Lichtung“, im belichteten Raum auf und initiiert, belichtet, einen Raum, der für Menschen zu einer Sphäre wird in der sie zu dem werden konnten der sie bis heute sind. „..die vor lauter Seiendem-(Zeug) das Sein nicht sehen“ so Heidegger schon. Ich übersetze frei: Die „Kinderzimmer“ sind heute so voll das Kinder das Natürlich (die Lichtung) nicht mehr sehen oder nur aus zweiter Hand und die Erwachsenen, die es ihnen zeigen könnten, sind mit viel zu viel „Zeug“ beschäftigt.
    Und wenn, sind die beleuchteten Lichtung heute „kein Wunder mehr“, haben ihre „Inspiration“ verloren.
    Ja die Lichtung, diese strahlende! Sie könnte in ihrer leuchtenden „Unschuld“ der heimliche Initiator gewesen sein.
    Da schaute Unschuld auf Unschuld und „machte“ aus einer der Parteien eine entzündbaren und entzündenden Art die nun „luxurierte“, durch Hände und Gehirn „fanden und forschten“, dann überliefen zum aufrechten Gang. Das Hirn wuchs und machte uns zu „Frühgeborene“ und verlängerte so die „Schwangerschafts-Verwöhnung“.
    Doch wir zogen „in kindlicher Neugier“ immer weiter von Verborgenem den „dunklen Vorhang“ bis wir erkannten das es ja „nur“ ..“ das einfallende Sonnenlicht (ist), das hier von den Blättern bereitwillig wieder abgegeben wird.“
    Seitdem hadert der Mensch mit sich: seiner „träumend-schwebenden“ Seite gegen die „sachlich-nüchterne“. Letzteres hat ihm ja seine Träume realisiert – aber auch „unerwartet-ungewollt-mehr“.
    Gibt es noch neues unter der Sonne oder sind die letzten Geheimnisse auf die wir ja hinsteuern könnten schon geerntet? Dann müssen wir zum Mond, zum Mars…Dort gibt es ja noch Schwarze Löcher die wir beleuchten können.
    Na ja, bald ist ja Weihnachten!
    (Aber auch da „sterben“ ja jetzt Bäume und der „Geborene“ ist ja durch uns schon lange „getötet“. Oh man, warum haben die beiden alten nur vom Baum der Erkenntnis genascht! Könnte ich doch einfach mit staunenden Augen nur dieses wunderbare Herbstbild schauen! Ich werde es schaffen, denn auch ich bin ja irgendwie Kind geblieben, „Wollte nie Erwachsen sein“ (Peter Maffey).
    Oder wie es bei Hölderlin steht:
    „Es reiche aber, Des dunklen Lichtes voll, Mir einer den duftenden Becher, Damit ich ruhen möge; denn süss Wär’ unter Schatten der Schlummer“. ( Hölderlin, „Andenken“)

    Verfasst von paulpeterheinz | 9. November 2021, 07:56
    • Indem sich meine Beiträge oft in einem „Raum“ bewegen, der zwischen naturwissenschaftlicher Beschreibung und nicht emotionsfreien Wahrnehmen und Erleben liegt, geraten die Assoziationen oft in eine Zone, in der es wenig Halt gibt. 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. November 2021, 10:45
      • Bitte entferne meine Beitrag der gemessen an Deinen Intentionen ehr anderen Räumen zugehört.

        Verfasst von paulpeterheinz | 9. November 2021, 12:25
      • So war das nicht gemeint. Deine Beiträge tragen zur Reichhaltigkeit der Assoziationen bei, die auch jenseits der rein naturwissenschaftlichen Perspektive ausgelöst werden können. Insofern stellen deine Beiträge, wie ich es schon öfter betont habe, eine originelle Ergänzung dar, in der sich möglicherweise der eine oder die andere Leserin wiederfinden oder durch die sie angeregt werden, in dieser Richtung weiter zu denken. Dafür sind ja Kommentare gedacht. 🙂

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. November 2021, 12:39
      • Ich war über Deinen letzten Halbsatz etwas irritiert und dachte: Der möchte nur naturwissenschaftlich-nahe Kommentare. Wie kann ich ihn dann lesen? „eine Zone, in der s-c-h-o-n wenig Halt gibt“ oder „eine Zone, in der e-s n-u-r wenig Halt gibt.
        Oder war nur der Bezug zu Deinem Bild nicht deutlich genug herausgestellt? Ich merke nun schon, das ich in der Kommnetrlänge etwas über Ziel hiausgeschossen bin. Insofern muss ich mich selber über eine Verwirrung beim Leser nicht wundern. Ich war in Schreiblaune.

        Verfasst von paulpeterheinz | 9. November 2021, 12:50
      • Schreiblaune kenne ich auch, das fließt es nur so aus der Feder – wie man in anachronistischer Deutlichkeit sagen würde.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. November 2021, 17:01
      • In dem Raum in dem ich soeben bewegt habe, lief mir doch prombt eine Buchbesprechung in die Augen:
        Dort hieß es abschließend:

        „Auf die Komplexität der Welt reagiert die Autorin mit einem Schreiben, das uns
        einen festen Halt konsequent verwehrt.
        Man fühlt sich schwerelos, bisweilen desorientiert.
        Doch genau diese Entfesselung birgt das Potenzial zu einem freien Denken.

        Gruß :-))

        Verfasst von paulpeterheinz | 9. November 2021, 14:37
      • Das ist wirklich ein merkwürdiger Zufall… Oder wird es so oft gebraucht, dass man bei entsprechender Aufmerksamkeit darüber stolpert?

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. November 2021, 17:07
      • Es war eine normale Buchbesprechung im Spiegel:
        https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-11/wunder-enis-maci-koerper-gesellschaft-leistung-gesundheit-rezension

        „Wunder“: Heilig ist nur Gemüse

        Der Titel hatte mich neugierig gemacht
        weil mich am Rande den moderne Umgang mit Gesundheit und Körper verfolge.

        Und so stieß ich auf das Sichwort „..Halt geben…“. (Dazu hoffe ich ja noch auf eine Antwort zu meiner vorhergehende Frage an Dich :-)))

        Verfasst von paulpeterheinz | 9. November 2021, 17:27
      • Mit „Halt“ meinte ich etwas, woran man sich unabhängig von persönlichen Einschätzungen (fest)halten kann – Naturgesetze zum Beispiel.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. November 2021, 19:23
      • Genauso hatte ich es „instantan“ verstanden.

        Verfasst von kopfundgestalt | 9. November 2021, 22:37
      • OK. Verstanden. Wir leben ja „auf einer Kugel“ die von innen ( tektonische Platten, glühender Kern) und außen (Kollision) betrachtet, einem Ritt auf des Messersscheide gleicht. Dass wir durch solche Naturgesetze angestoßen, hier nach „Halt“ suchen, ist nur zu verständlich. Aber wenn ich nur die mir bekannten nehme, dann schwankt mein Haltewunsch bedenklich:
        Dabei gibt es für mich Naturgesetze, die mich fröhlich stimmen und solche die mir meinen Halt, meine Fassung rauben: wenn z.B. die Sonne aufgeht lächele ich, wenn das Butterbrot immer mit seiner Butter-Marmeladenseite nach unten auf dem Boden landet :-)) oder wenn Wasser Naturgesetzlich als Bach plätschert dann aber außer Rand und Band gerät. Insofern sind Naturgesetze für mich vielfach auch ein „schwankender“ Halt. Autoritäre übertragen das Natur-Gesetz gerne aufs menschliche Zusammenleben um das ihnen genehme zum „Naturgesetz“ zu erklären.
        Klimakrisen dagegen erscheinen mir eben als Handeln gegen Naturgesetze, aber genau das gibt eben wiederum vielen Menschen Halt, weil es sich als Fortschritt, Wachstum und Mehr-Konsum tarnt. Nun schwankt der Mensch zwischen (Naturgesetze)-Halt und (Fortschritt)-Halt.
        Mir scheint, wir haben uns seit Kolumbus für den letzteren entschieden.
        Wer konnte schon den verführerrischen Schiffsladungen wiedersprechen. Kein Vorwurf! : Denn wer ahnte schon, dass „in der Ladung“ auch! ein riskanter Weg lauerte der ihnen bald „den gesuchten Halt“ prekär machen würde.
        Wir beachten eben immer noch zu wenig die uns umgebenden Oxymorone: Wir sind eben „ScharfsinnigDumm“,
        „EinsichtsBlind“, „HaltsuchendHaltlos“.

        Verfasst von paulpeterheinz | 10. November 2021, 07:00
      • Ein wesentlicher Punkt in der Umweltproblematik scheint mir zu sein, dass die einzelnen Menschen dank ihrer begrenzten Lebenszeit die Konsequenzen ihres Tuns nicht mehr persönlich miterleben müssen. Eine (wenn auch vielleicht nicht bewusste) Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung erschwert drastische Maßnahmen….

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. November 2021, 10:15
      • Nachtrag: Was gibt Halt?

        „Rätselhafte Oszillation: Physiker haben die Eigenschaften des Neutrons neu vermessen – und Überraschendes beobachtet. Denn die elektromagnetischen Formfaktoren des Kernbausteins verändern sich nicht gleichmäßig mit steigender Energie, sondern schwanken periodisch. Sie deutet aber auf eine interne Struktur des Neutrons hin, die dynamischer und komplexer ist als gedacht.“

        https://www.scinexx.de/news/technik/neutron-verbluefft-physiker/

        Verfasst von paulpeterheinz | 10. November 2021, 08:00
      • In der Kernphysik ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen….

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. November 2021, 10:22
  2. Dass ein Fehlen Farbe erzeugt, klingt erstmal allgemein verblüffend… 😀

    Verfasst von kopfundgestalt | 9. November 2021, 09:32

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