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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Hochhäuser als Zylinderspiegel

Die beiden „Bettentürme“ des Universitätsklinikums in Münster sind zylinderförmig. Blickt man von dem einen zum anderen Turm, so stellt man fest, dass der eigene Turm im gegenüberliegenden wie durch eine konvexe Zylinderlinse abgebildet wird. Daraus kann man schon einmal schließen, dass die Scheiben gekrümmt sein müssen und nicht ein durch ebene Scheiben gebildetes Polygon darstellen, was bei einem so großen Umfang durchaus denkbar gewesen wäre.
Interessanterweise haben die einzelnen Scheiben eine stärkere Krümmung als der Turm als Ganzes. Das sieht man daran, dass jede Scheibe den ganzen gegenüberliegenden Turm abbildet. Man sieht das vollständige Bild des eigenen Turms nur in der direkt gegenüberliegenden Scheibe und nur die beiden angrenzenden Scheiben zeigen noch ein leicht seitlich verschobenes Bild eines Teils des Turms. Die übrigen Scheiben bilden aus dieser Position andere Teile der Umgebung ab.
An der kissenartigen Verzerrung der Abbildungen ist übrigens zu erkennen, die die äußeren Scheiben nicht perfekt zylinderförmig sind.
Ob mit der Krümmung der Scheiben neben ästhetischen auch praktische Aspekte beabsichtigt sind, ist mir nicht bekannt. Rein physikalisch gesehen wäre denkbar, dass konvexe (nach außen gekrümmte) Scheiben Windlasten besser kompensieren als flache Scheiben.

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Diskussionen

18 Gedanken zu “Hochhäuser als Zylinderspiegel

  1. So werden die Augen des Betrachters immer mal wieder zu einem anderen Blick „gelockt“.
    Das macht es oft genug schwer bis unmöglich oder wir brauchen eine wiederholte Prüfung, bevor wir vom „Natürlichen“ oder „Objektiven“ sprechen.

    Für mich „sagen“ die Türme -wie auch andere Architekturgiganten: „Der Mensch will hoch hinaus“
    Spekulativ denke ich: Läuft er seiner Winzigkeit davon, sucht er „Gott“ oder will er dem Ausgedachten ähnlicher werden und „unmögliches“ schaffen? Und wenn es ihn gäbe, antwortete „Gott“ und „narrt“ seine Blicke?

    Verfasst von paulpeterheinz | 11. November 2021, 13:31
  2. Dazu noch eine -skeptische- Fundsache:

    „Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
    Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.“
    (R. M. Rilke)

    …es sei denn und es scheint stark so, wir nehmen den Wettbewerb mit Shenzhen an..

    Verfasst von paulpeterheinz | 11. November 2021, 20:10
    • Ein schönes Fundstück! Die Rilke-Verse sind eine lyrische Variante des Sisyphus-Prinzips… 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. November 2021, 21:14
    • Man glaubt es nicht, was sich bei ihm alles finden lässt.

      Verfasst von kopfundgestalt | 11. November 2021, 22:19
      • Stimmt, und hinzu kommt, dass er es so ausdruckstark in Worte zu fassen weiß.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 12. November 2021, 10:34
      • Wie viele Dichter mag es geben, die ähnliches können?! Das würde mich interessieren.
        Viele könnten vermutlich ähnliches, werden aber nicht gelesen oder?!

        Dazu passend ein Bonmot aus der Schachwelt:
        A. Aljechin gab einem Spieler einen Materialvorteil in einem Handicapspiel.
        „Sie kenne mich doch nicht!“ sagte etwas entrüstet der Gegner.
        „Eben deswegen“, sagte Aljechin.

        Verfasst von kopfundgestalt | 12. November 2021, 11:08
      • So sehe ich es auch. Ich mag zwar Rilke sehr, aber finde dann aus meiner Sicht kongeniale Lyrik von weniger bekannten Poeten…
        Die Schachepisode ist gut! 🙂

        Verfasst von Joachim Schlichting | 12. November 2021, 13:17
      • Nur soviel zum Sloterdijk Buch: Er sieht in allen „Lehren“ alte und neue, bis hin zu Aufklärung Übungssysteme die mehr oder weniger gut eine Lebensänderung bei ihren „Schülern“ bewirken möchten.

        Er fragt dann u.a., wer uns -den Modernen- heute noch so eindrücklich -wie der Torso Rilke- zur Änderung unseres Lebens auffordern dürfte. Kein Gott, kein Kunstwerk, kein Prophet, kein Philosoph. Am Ende wird es bei ihm „die Krise“!

        Das Buch wurde ja vor Corona geschrieben und sicherlich bedingt durch Corona leider „bestätigt“. Wer konnte bisher die an vielen Stellen „überbordende“ Spaßkultur ausbremsen? Vor Corona wußte ich nicht, was so unfaßbar profanes-frivoles in Ischgel und nicht nur dort abging. Oder gestern sah ich ein Sendung über China: erst als der Smog immer aufringlicher wurde, machte die Regierung eine „Wende“. „Braucht“ „der Mensch“ also die Krise? Im Suchtbereich kennt man diesen Hebel ja schon lange. Ist „Umweltschädigen auch eine Sucht?

        Verfasst von paulpeterheinz | 12. November 2021, 13:53
      • Vielen Dank für deine Erläuterungen. Sie klingen einleuchtend. Und zu deiner Frage: Umweltschädigen ist in der Tat so etwas wie die Hinterlassenschaft all der Süchte der Menschen aus den reichen Ländern…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 12. November 2021, 15:21
  3. Und noch heute ruft er uns, auch beim Anblick des „weinenden“ Packeises und Gletscher noch zu:
    „Du musst Dein Leben ändern“!
    (Rilke, beim Betrachten eines Torsos aus dem ihm „die gespeicherte Kraft“: der „glüht noch wie ein Kandelaber“ zu strahlen schien.)

    Verfasst von paulpeterheinz | 12. November 2021, 10:43

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