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Physik im Alltag und Naturphänomene

Doppelte Reflexion im Fenster und im Wasser

Ich werde manchmal gefragt, wie ich zu den Alltagsphänomenen komme, die hier im Blog angesprochen werden. Die Frage kann ich nur exemplarisch beantworten, indem ich typische Situationen schildere, in denen ich von einem Phänomen gewissermaßen angesprungen werde.
Das vorliegende Foto ist entstanden, als ich meinen Zug verpasst hatte und die Zeit auf dem Bahnhofsvorplatz verbrachte. Ich betrachtete die Gebäude und konnte den Ärger dadurch teilweise auf andere (u.A. bauliche) Unvollkommenheiten ablenken. Schließlich stand ich vor einem größeren Wasserbecken, das hier aus Dekorationsgründen angelegt worden war. Darin spiegelte sich mehr oder weniger deutlich ein Hotelgebäude. Sogar die in einem der Hotelfenster reflektierte Sonne wurde im gespiegelten Hotelgebäude reflektiert. Während der Reflex im realen Fenster unerträglich blendete (und in der Fotografie einen weiten Bereich des Fensters überstrahlte) war die Reflexion im Wasser stark herabgedimmt und erträglich.
So sollte es auch sein und ich hätte zufrieden mit der Welt, mit der Physik und mit mir (trotz des Zuspätkommens) sein können. Doch irgendetwas schien hier nicht zu stimmen. Richtig: Die Spiegelung der Sonne erscheint im gespiegelten Gebäude in einem niedrigeren Fenster als im realen Gebäude. Wie das? Schon hatte mich ein Phänomen angesprungen und bestimmte die folgende Zugfahrt,für die ich mir eigentlich schon etwas anderes vorgenommen hatte.

Eine Erklärung gebe ich in einem späteren Beitrag.

Diskussionen

18 Gedanken zu “Doppelte Reflexion im Fenster und im Wasser

  1. Das hat wohl mit dem Phänomen „Schwert der Sonne“ zu tun.
    Von dem angegleisten Fenster wird in schräger Bahn das Licht auf die Wasserfläche geworfen.

    Ich hatte mal in Koblenz (was machte ich da eigentlich?!) den Zug verpasst, weil ich mir die falsche Abfahrtzeit merkte und ich im Bahnhofsbuchladen über den Zeitpunkt hinweg unsinnigerweise abhing.
    Nur fuhr zu allem Überdruss der nächste IC 2 Stunden später anstatt einer Stunde.
    Man hatte in der Planung einen einzigen stündlichen Zug ausgespart.

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. November 2021, 01:46
    • Nein, mit dem Schwert der Sonne hat es nichts zu tun. Es ist eine normale Reflexion.
      Solche im ersten Moment äußerst unangenehmen Verspätungen entpuppen sich manchmal im Nachhinein als Event. Jedenfalls erinnert man sich, was bei normalem Verlauf wohl kaum der Fall gewesen wäre.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. November 2021, 08:54
  2. Das registriert man als naiver Phänomen-Betrachter nicht wirklich, auch wenn man zwei-dreimal hinschaut.
    Also nicht „wer sucht der findet“ sondern: wer seine Hoffnung in Phänomene legt und seine Augen schult, der findet.
    Für den, dessen Welt aus Phänomene besteht, der findet überall Phänomene: Phänomenal!
    Ich wede mich heute nochmal stärker auf herumstehende oder -liegende Phänomen konzentrieren.
    Eines ist mir jetzt schon aufgefallen: Ich bin heute zum 25550mal wach geworden und der Kaffee schmeckt auch wieder.
    🙂 Dir ein phänomenales WE.

    Verfasst von paulpeterheinz | 13. November 2021, 07:11
  3. Kann der menschliche Blick die Sonne versetzen oder narrt die Sonne das Auge weil es glaubt, es sei sonnengleich (Goethe)? Kann sie das menschliche Auge gar ver-rücken? Oder narrt hier wiederum die nüchterne „Raumlehre“ im Verbund mit dem Einfall-s-winkel? Oder vermag die vom Wind bewegte Wasseroberfläche eine Liason mit dem Einfall-s-winkel der Sonne und des technischen Gerätes einzugehen um sie durch eine falsche Belichtungszeit gestärkt, in einem Zerr-Bild erscheinen zu lassen?

    Der Wanderer: Bei Gott und allen Dingen, an die ich nicht glaube, mein Schatten redet; ich höre es, aber glaube es nicht.

    Der Schatten: Nehmen wir es hin und denken wir nicht weiter darüber nach, in einer Stunde ist alles vorbei.

    Der Wanderer: Ganz so dachte ich, als ich in einem Walde bei Pisa erst zwei und dann fünf Kamele sah.

    Der Schatten: Es ist gut, daß wir beide auf gleiche Weise nachsichtig gegen uns sind, wenn einmal unsere Vernunft stille steht: so werden wir uns auch im Gespräche nicht ärgerlich werden und nicht gleich dem andern Daumenschrauben anlegen, falls sein Wort uns einmal unverständlich klingt. Weiß man gerade nicht zu antworten, so genügt es schon, etwas zu sagen: das ist die billige Bedingung, unter der ich mich mit jemandem unterrede. Bei einem längeren Gespräche wird auch der Weiseste einmal zum Narren und dreimal zum Tropf.
    (Aus: Nietzsche: Der Wanderer und sein Schatten)

    Verfasst von paulpeterheinz | 13. November 2021, 08:21
    • Interessant, dass auch du von Reflexion zu Schatten kommst. In der Kulturgeschichte von Spiegelbild und Schatten gibt es in der Tat einige Gemeinsamkeiten/Verwechslungen. Nietzsches Dialog mit dem Schatten ist allerdings genial…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. November 2021, 09:28
    • Bei einem längeren Gespräche wird auch der Weiseste einmal zum Narren und dreimal zum Tropf.
      Das glaube ich durchaus. Niemand ist dagegen gefeit.

      An dieser Stelle erinnere ich mich an eine Installation in einem Nürnberger Kunstmuseum, wo man sich etwa 36 Monitoren gegenüber sah (oder 25, was macht es). Man sah junge intelligent wirkende Menschen reden. Spannende Gesichter.
      Nahm man sich eines der Kopfhörer (ich tat das 2 mal), dann hörte man die betreffende Person des Einzelmonitors reden und was man da hörte, war viel unreflektierter, als man gedacht hatte. Natürlich lag dieses an den jeweiligen Fragestellungen der Person gegenüber, gewiss. Dennoch war es ein frappierendes Erlebnis.

      (Der Editor ist greuslich, wollte ein Wort markieren, um ein L oder so zu entfernen, stattdessen markrierte er eine ganze Passage und weg war der Text).

      Verfasst von kopfundgestalt | 13. November 2021, 10:36
      • Vielleicht wollten die Aussteller die Irrläufer in unseren Assoziationen darstellen. Denn du hattest ja “ junge+intelligent-wirkend+Menschen+spannende Gesichter“ als Bild vor Dir und auf eine ebensolche Kommunikation geschlossen. Außerdem hat sicherlich das Museum als Kontext deine Erwartungen „gesponsert“. Da fehlte nur noch die Frage: Würden Sie diesen Menschen ein Auto abkaufen? und du hättest den Kauf getätigt. :-)))

        Verfasst von paulpeterheinz | 13. November 2021, 17:59
  4. Frappierend, Joachim, ich warte gespannt auf deine Erklärung.
    Eine andere Frage aus ganz anderem Zusammenhang beschäftigt mich seit Jahren immer mal wieder. Vielleicht hast du schon irgendwann mal was darüber geschrieben und kannst mich dahin verlinken:
    Warum kann man Eier in kochendem Wasser fest werden lassen, aber in einer Umgebung von 100° heißer Luft jedoch nicht?

    Verfasst von Ule Rolff | 13. November 2021, 09:22
    • Auch in der Umgebung von 100 °C heißer Luft kann man Eier „kochen“. Es dauert nur etwas länger, da die Wärmeleitung der Luft sehr viel schlechter ist als die von Wasser. Wenn du Eier mit in die Sauna nimmst, kannst du sie nach 3 Saunagängen als gekocht genießen (eigene Erfahrung). Wenn sie knallhart werden sollen, muss man vielleich 6 Saunagänge ausharren.
      Über Saunaphysik habe ich auch in diesem Blog schon geschrieben (z.B https://hjschlichting.wordpress.com/2021/03/15/heisse-experimente-physik-in-der-sauna/). Wenn dich das interessiert, kann ich dir einen Sonderdruck zukommen lassen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. November 2021, 19:46
      • Vielen Dank, Joachim, für den Link. Deinen Beitrag hatte ich seinerzeit gelesen, aber nicht auf die Eierkochfrage übertragen. Wenn ich es recht verstehe, hängt die Wärmeübertragung vom Feuchtigkeitsgehalt der heißen Luft ab?

        Verfasst von Ule Rolff | 13. November 2021, 20:27
      • Je höher die Temperatur, desto höher der Anteil an Wasserdampf (gasförmiges Wasser). Sinkt die Temperatur (z.B. wenn in der Saune der Wasserdampf an den (kalten) menschlichen Körper gerät, der physiologisch auf ca. 40 °C gehalten wird), dann sinkt auch die maximale Wasserdampfkonzentration. Dann muss ggf. überschüssiger Wasserdampf kondensieren. Dabei wird viel Energie als Wärme abgegeben, die der Körper aufnehmen muss (was z.B. bei einem Aufguss in der Sauna der Fall ist.). Ein Ei und jeder andere „tote“ Gegenstand nehmen stets die Temperatur der Umgebung an, was jedoch wegen der geringen Wärmeleitung von Gasen sehr lange dauern kann.
        Ich hoffe, dass das deine Frage klärt.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. November 2021, 09:20
      • Ja, das tut es. Ich danke dir sehr!

        Verfasst von Ule Rolff | 14. November 2021, 09:48

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