//
Marginalia, Physik und Kultur

So schnell, um sich zu entkommen…

Sie erzählt gern vom Radfahren, von der erbarmungslosen Hitze an schattenlosen Steilaufstiegen und der kühlen Umarmung des Windes, wenn es abwärts geht. Vom schnellen Wechsel der Temperaturen in den Luftschichten und davon, was Freiheit bedeutet, nämlich so schnell zu sein, dass man sich selbst entkommt. Jedes Mal sagt sie, dass Geschwindigkeit jung hält, und das nicht nur, weil die Zeit nach Meinung der Physiker für bewegte Körper langsamer vergeht.*


* Juli Zeh. Schilf. Frankfurt 2007;  S.:49

Diskussionen

12 Gedanken zu “So schnell, um sich zu entkommen…

  1. Sich selbst entkommen…vielleicht ein wichtiger Anreiz für manche Schriftsteller oder Schauspieler. Es gibt ja Schauspieler, die ganz unterschiedliche Rollen spielten. Andere spielten vornehmlich sich selbst.
    Etwa Klaus Kinski fällt mir ein, den ich mal als sensiblen alten Mann, der sich um einen Jungen Menschen kümmerte, sah.

    Verfasst von kopfundgestalt | 14. November 2021, 00:37
    • Wenn man so schnell ist, dass man gar nicht so recht realisiert, was gerade passiert, weil man dann schon mit etwas anderem zu tun hat, entkommt man sich… Die Kontrolle ist aus Zeitgründen nicht mehr gewährleistet. Diesen Zustand möchte ich möglichst vermeiden, gebe aber zu, dass es genaus solche Situationen in meinem Leben gab.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. November 2021, 09:28
      • Das erinnert mich wieder an einen Film 🎥 mit Belmondo, in dem er einen Akteur mit 1001 Unternehmungen spielt. Dieses Rasen von a nach b wird durch herzprobleme kurz in Frage gestellt, doch Belmondo macht weiter, bis …plötzlich die Leinwand schwarz wird. Und das für einige Sekunden….

        Verfasst von kopfundgestalt | 14. November 2021, 09:52
      • Ja, daran erinnere ich mich auch ganz schwach…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. November 2021, 10:11
  2. Ja, Frau Zeh schätze ich auch sehr.

    Verfasst von tinderness | 14. November 2021, 05:51
  3. Noch aus dem Kleinsten holt der Mensch „große Taten“. Dazu muss er es sich schwer machen, um es leichter zu haben, um sagen zu können ich bin frei um dem lästigen „Ich“ das ständig Ferien haben möchte in der Schwere für kurzezeit zu entkommen und ihm dann den Gefallen zu tu. Ja, so ist es vielleicht gekommen. Wir wollten „Freie“ sein um Ferien zu machen. Aber was durch uns kommt, kommt meistens anders als wir es denken oder zum gedachten kommt etwas nicht-gedachtes hinzu. Nach dem Gängelband des großen Bewegers ist die Eigen-Kinetik nun unser Schicksal. Wir müssen uns bewegen um der Bewegung willen: Und das ist schwer! Aber jetzt kann auch ich sagen: Seht, wie ich leide! Aber seht auch: hier bin ich der Held. Ich will am Ende sagen können: Das habe ich verdient!
    Mein Haus, mein Auto, mein Urlaub. Auch wenn ich keine Bühne habe und nur mich als Zuschauer – aber das sagen nur die ganz Harten.

    Verfasst von paulpeterheinz | 14. November 2021, 06:41
  4. Dein Foto fügt dem Text eine weitere Ebene hinzu: Schärfentiefeverlauf anstelle von Bewegungsunschärfe … Entgleiten wir uns selbst auch in Ruhe? Oder sogar gerade dann?
    Hab einen schönen Sonntag, Joachim?

    Verfasst von Ule Rolff | 14. November 2021, 09:57

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: