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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Fenster als Fenster im Fenster

Ursprünglich war das Fenster ein praktisches Bauelement, das eine semitransparente Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht. Durch das Fensterglas wurde es möglich, Räume materiell von der Außenwelt zu trennen ohne wesentliche optische Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Doch die Glasscheiben führen darüber hinaus ein multivisuelles Eigenleben, dass oft zu verblüffenden, manchmal sogar künstlerisch anmutenden Effekten führt. Im vorliegenden Foto erleben wir Fenster von außen, wobei ihre Wirkung als Lichtfalle und Spiegel dominiert. Obwohl dies ursprünglich kaum beabsichtigt war, kann ihne eine gewisse Ästhetik nicht abegesprochen werden. Auch spielen Fenster in der Kunst eine wichtige Rolle.

Diskussionen

12 Gedanken zu “Fenster als Fenster im Fenster

  1. o, ich mag solche visuellen Doppeldeutigkeiten und Spiegelfechtereien sehr!

    Verfasst von gkazakou | 24. November 2021, 00:31
  2. Auch der Mensch wird ja durchaus als „Fenster in der Evolution“ beschrieben. Ebenso spielt die Spiegelelung eine Rolle in der Lacanschen Theorie: im Spiegelstadium sähe sich das Kind zum erstenmal als „Ich“. Fast könnte man geneigt sein zu ergänzen: und bleibt „Individuum“, Spiegelbetrachter, in Egozentrischer Zeit sein Lebenlang.
    Helmut Plessner faßt die Nähe des Menschen zu Deinen Fensterbildern ja so: er spricht beim Menschen von einer „Exzentrischen Positionalität“: die Gestelltheit und die damit zusammenhängende Realisierung eigener Lebendigkeit und nennt sie Gebrochenheit, da sich das exzentrisch-positionale Lebewesen zugleich zentrisch und ex-zentrisch realisiert und seine Gebrochenheit darin bestehe, in seinen Lebensvollzügen das ständige Hin-und-Her zwischen beiden Polen vermitteln zu müssen. Charakteristisch für die exzentrische Position ist also nicht bloße Distanz, sondern die Dopplung von Distanz und gleichzeitigem Angesprochensein durch das Hier und Jetzt.
    Auch Peter Sloterdijk beschreibt den Humanen-Innenraum als ein System von hybriden kommunizierenden Gefäßen, Hohlkörper, die zugleich dicht und leck sind, die einmal Behälter und einmal Inhalt spielen müssen und die zur selben Zeit Innenwand und Außenwand-eigenschaften besitzen. Sie richten nicht nur sich selber in symbolische Ordnungen ein, sondern werden auch in die existierende gemeinsame Welteinrichtung mit anderen hineingenommen, sind unruhige Behälter die sich gegenseitig enthalten und ausgrenzen. Sie teilen ein nicht simples Nähefeld. Sie sind somit nie In-dividuen sonder Di-viduen. Stehen in einem bunten Blitzlicht-Geflecht, „ führen darüber hinaus (modern) ein multivisuelles Eigenleben, dass oft zu verblüffenden, manchmal sogar künstlerisch anmutenden Effekten führt dem eine gewisse Ästhetik nicht abegesprochen werden kann. Auch spielen Fenster_Menschen in der Kunst eine wichtige Rolle.“ Selbst für Wohnungsgebundene gibt immer noch „ein Fenster zum Hof“.

    Verfasst von paulpeterheinz | 24. November 2021, 07:04
    • Vermutlich ist die Tiefgründigkeit der Fenster oft deshalb nicht zu sehen, weil man vom hellen Außen in ein dunkles Innen blickt. Die Hinweise auf Sloterdijk erinnern mich ein wenig an die Kleistsche Flasche. Hat S. diesen Begriff irgendwann einmal erwähnt?

      Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2021, 09:49
      • Nein, aber diese Seiten sind neben dem Text bebildert. Die Bilder findest Du hier:
        http://kpuchetbarette.blogspot.com/
        Nach den Bildern der kommunizierenden Röhren gibt es noch ein Bild über Mathematische Knoten in Bezug auf die komplexe Verstrickung menschlicher Beziehungen. Dazu findest Du hier etwas: https://people.math.ethz.ch/~akveld/ArtikelAkveldNeumaier.pdf
        Das wird dir sicherlich gefallen..wegen der Mathematik!

        Verfasst von paulpeterheinz | 24. November 2021, 15:25
      • Vielen Dank! Du verwöhnst mich mit Literatur. Wie wär es, wenn du mir auch noch ein bischen Zeit dazu transferieren würdest? 🙂

        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2021, 16:43
      • PS Ich bin mir sicher, er würde die Kleistsche Flasche als ein gutes Sinnbild nutzen.
        Wenn Du die Knotentheorie aus Psychoanalytischer Sicht vertiefen möchtest:

        „Knoten“ von Ronald D. Laing Taschenbuch – 1. Januar 1987
        Der findet bei Sloterdijk Erwähnung. Ich selber habe Knoten in der „Sturm-und Drangzeit“ natürlich gelesen. :-))

        Verfasst von paulpeterheinz | 24. November 2021, 15:34
      • Das Buch habe ich vor sehr langer Zeit gelesen (als es alle gelesen haben). Es muss auch irgendwo im Hause vorhanden sein. Aber ich werde es jetzt nicht suchen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2021, 16:57
      • Sorry, „übergehe“ meine Hinweise einfach, es sei denn Du hast Zeit und es interessiert Dich — dann hat man ja auch meistens die Zeit.
        Aber wir sind doch Modern: wir sind die Gleichzeitigen…
        apropo Zeit:
        Von einem Engländer würde erzählt, so schildere es Goethe- er habe sich aufgehangen um sich nicht täglich an- und auszuziehen. (Gefunden bei R. Safranski „Zeit“).

        Verfasst von paulpeterheinz | 24. November 2021, 17:04
      • Zum Aufgehängten: Dabei lieben doch die Menschen nichts mehr als das Immergleiche. Es muss also einen triftigeren Grund gegeben haben…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2021, 22:14
  3. Ein Einschreiben eines Wunsches: Die Fenster hätten gerne eine andere Gestalt, doch wer hört sie, wer sieht ihr Flehen?
    Kaum ist die Stunde vorbei, mag sich niemand mehr erinnern…

    Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2021, 11:27

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