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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Stufen ins Emsium*

In einem Hotel, in dem ich immer mal wieder übernachte, ist das ansonsten wenig spektakuläre Treppenhaus mit Fliesen aus Naturgestein ausgelegt, die zahlreiche Versteinerungen enthalten. Seitdem ich herausgefunden habe, dass das Treppenhaus so etwas wie ein erdgeschichtliches Museum ist, ziehe ich es dem Fahrstuhl vor. Das Foto zeigt eine Treppenstufe mit einem Schnitt durch einen halben Ammoniten. Der besondere Reiz besteht darin, dass die andere Hälfte gewissermaßen durch die Spiegelung auf der davor liegenden glatt polierten Deckelfliese ergänzt wird. Damit wird man zwar der Realität nicht gerecht, schön anzusehen ist es trotzdem. Der Glanz der Fliese vermittelt zudem den Eindruck als würde der Ammonit zur Hälfte ins Wasser getaucht sein.


* Das Emsium bezeichnet in der Erdgeschichte den Zeitraum von etwa 407,6 Millionen bis etwa 393,3 Millionen Jahren.

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Diskussionen

16 Gedanken zu “Stufen ins Emsium*

  1. Wenn die Ammonite das wüsste 😉

    Verfasst von kopfundgestalt | 9. Dezember 2021, 01:10
  2. Hierzu fällt mir ein Video über Peter Sloterdijk in die Hände: Dort heißt es u.a.:

    „Steinbrüche stehen mit dem Geheimnis der Metaphysik in Verbindung. Denn was Menschen vor allem in mittelalterlicher Zeit hier unternommen haben, war etwas Ungeheuerliches: Sie haben die Natur an ihrer stärksten Stelle angegriffen.

    Sie haben den Berg herausgefordert, dort wo die Natur am abweisenden war, in ihren steinernen in sich abgeschlossenen, verschlossenen Formationen hat man sie aufgebrochen, haben Tunnel und Wannen, Behälter, Figuren, unglaubliche Gebäude und eben Treppenstufen…gebaut um der Natur das zu entreißen, was sie am widerwilligsten hergibt, ihr schwerstes und härtestes Material.

    Das hat eine tiefe Beziehung zum Geist der Metaphysik, der das Urbild der Unzufriedenheit mit der hinfälligen, der zeitverfallenden Welt wiedergab. Dagegen könne, das ahnte die Metaphysik, nur eine radikale Überwindung helfen. Allein was dieses Leben übersteigt, macht dieses Leben noch erträglich. So antwortete die Metaphysik auf die Krankheit des Lebens mit einer geistvollen Selbsteinäscherung. Sie stellte dem kränkeldem Fleisch das heitere Skelett entgegen, der brennenden Wunden den kühlen Stein.

    Dagegen konnte nur eine Philosophie der Selbsterheiterung, der Steinerweichung helfen. Aber es gab eben auch jene andere Philosophie, die so hart und dauerhaft sein wollte wie der Stein, bezahlt mit einer Art Selbstversteinerung. Hochragende Systeme sollten triumphieren über die Hinfälligkeit des Menschen. Ein Bauwille gegen den Tod: in der Architektur wie in der Philosophie.“

    Verfasst von paulpeterheinz | 9. Dezember 2021, 10:52
    • Danke für den Hinweis auf das Video. Der Gedanke an die Wiederentdeckung der Langsamkeit, wie sie in den 80er Jahren sehr verbreitet war, wird hier an vielen Beispielen veranschaulicht. Ich las damals das Buch: Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny, was ich seitdem vielen Menschen zur Lektüre empfohlen habe.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2021, 11:32
      • Ja das zählt auch bei mir zu den wenigen Romanen die ich gelesen habe. Ebenso wie „Der Nichtstuer“ von HansPeter Hoffmann:
        Er bewache den Fluß.“ Das ist der Anfang des langen, spannenden Monologs, mit dem der ‚Nichtstuer‘ seine Arbeit begleitet: Tag für Tag sitzt er im Zug, am Fenster, und geht seinem Beruf nach: Er ist Flußwächter, Fließbeobachter, er ist auf der Flußwacht, er achtet darauf, daß das Fließen nicht aufhört, daß der Fluß nicht stillsteht. Dazu merkt sich der Nichtstuer eine Stelle im Fluß und er eilt ihr, sie verfolgend, voran.

        Verfasst von paulpeterheinz | 9. Dezember 2021, 11:48
      • Nichtstun wäre ja die absolute Steigerung der Langsamkeit. Das Buch kenne ich leider nicht, aber du hast mir Geschmack darauf gemacht…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2021, 14:33
  3. Wie reich doch die Welt ist, wenn die Menschen sie – wie du – mit offenen Augen durchstreifen!

    Verfasst von Ule Rolff | 9. Dezember 2021, 18:10
    • Danke, Ule! Obwohl es inzwischen kein Verdienst mehr ist, sondern eine Art Pose, die unvermeidlich ist. Allerdings muss ich zugeben, dass ich erstaunt war, dass selbst dem Personal noch nicht aufgefallen war, dass man es hier mit natürlichen Strukturen erdgeschichtlicher Dimension zu tun hatte. Wenn Korona es erlaubt, werde ich in Sommer erneut in diesem Hotel absteigen, weil ich in dem Ort seit Jahren eine Fortbildung über „Kunst und Physik“ abhalte, in der ich mir vorgenommen habe, dieses Phänomen endlich auch mal zu thematisieren.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2021, 19:14
  4. Schön ist das. Ich denke, du hast dieses Ammoniten-Treppenhaus schon mal gezeigt?

    Verfasst von gkazakou | 10. Dezember 2021, 00:27
  5. Ein sehr schönes Foto, lieber Joachim.
    Ammoniten mag ich besonders, sie sind in ihrer Einfachheit besonders.
    Ich habe einen Support-Link für das „Beheben von häufig auftretenden Browser-Problemen“ von WordPress, den ich dir gerne senden wollte. Ich schreibe ihn im nächsten Kommetar kommentarlos 😉 hinein, ich weiss nicht, ob du Links in den Kommentaren zuläßt.
    Einen schönen Adventfreitag von Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 10. Dezember 2021, 06:05
  6. Hier kommt der Link:
    Beheben von häufig auftretenden Browser-Problemen

    Verfasst von Susanne Haun | 10. Dezember 2021, 06:05

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