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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Das zweitletzte grüne Blatt des Korkenzieherhasels

Obwohl der Korkenzieherhasel wie es sich gehört seinen Blättern das Chlorophyll entzogen und als braun verschrumpeltes Herbstlaub abgeworfen hat, sind ihm zwei strahlend grüne Blätter geblieben. Warum diese beiden Blätter sich solange gehalten haben, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht wollten sie nur die Regel bestätigen, dass es immer auch eine Ausnahme von der Regel gibt. Wie dem auch sei, nach der letzten sehr frostigen Nacht bieten sie nunmehr ein sehr trauriges Bild, jedenfalls gemessen am „Überlebenswillen“ den sie bislang bewiesen haben.
Die leuchtenden Eiskristalle und das vom durchscheinenden Licht der frühen Sonne entflammte Grün verleiht ihnen jedoch eine letzte Grazie, bevor auch sie für die nächste Blattgeneration Platz machen..

Diskussionen

8 Gedanken zu “Das zweitletzte grüne Blatt des Korkenzieherhasels

  1. Das Pflanzengehirn war mit 99% Rückzug zufrieden.
    Vielleicht sind aber auch die Verbindungen gekappt
    Der Befehl kam nicht an.
    Manche Soldaten hielten auch noch eine Stellung, da war der Krieg längst vorbei.
    Mein Onkel musste eine stellung halten, die zu 99% nicht mehr zu halten war , in Kuban.
    Ein anderer Onkel hinterließ eine Frau, die genau 100 wurde .

    Und alles wegen grüner Blätter.

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. Dezember 2021, 00:40
  2. Diese mit Eigensinnkristallen getränkten letzten Botschafter einer anderen Zeit, versagen doch tatächlich eiskalt dem Physiker die Auskunft. Vielleicht haben sie einen un-physikalischen Text.
    So könnten wir die „Lesbarkeit der Welt“ (Blumenberg) mit abseitigen, vergessenen Fragen bereichern.
    Handelt es sich vielleicht um stolze nietzschianische Überblätter die sich den über sie festgeschriebenen Gesetzen länger als üblich verweigern um den am Boden liegenden Muckern neue Wege aufzuzeigen und dem staunenden Physiker GrazienGlanz in die Augen zu streuen um zu sagen „Schau her, hier, sogar am Außenseiter, am letzten in der Reihe hängt noch Glanz“.
    schimpf schein nicht schwein, gib morgen himmel
    Oder legten sie gar unserem Freund Rilke die ersten Zeilen in den Stift:
    „Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind….“

    Verfasst von paulpeterheinz | 13. Dezember 2021, 06:09
    • Du zeigst einmal mehr, dass es für dieses Phänomen nicht nur naturwissenschaftliche Erwägungen gibt, sondern auch philosophisch-poetische, wodurch die grünen Blätter gar nicht mehr so abwegig erscheinen, wie es zunächst den Anschein hatte… Die Welt lässt sich also in vielen Sprachen lesen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Dezember 2021, 09:44
      • Ja, die Welt läßt sich in „tausend Sprachen“ lesen. Darüber kann man erfreut sein, nervös werden oder verzweifeln oder sich daran gewöhnen. Oft mischen sich alle vier auch bei mir: ja nach Tagesform, Anlass oder Gesprächspartner.
        Deine Artikel gefallen mir, weil ich hier diesen gewissen ergänzungswürdigen Kontrapunkt angeregt finde.
        PS: Die Antwort war auch eine Antwort auf Deine Frage von gestern nach den Interprations“zweifeln“ mancher meiner Kommentare…So finde ich auch diese zu meiner Zufriedenheit geklärt.

        Verfasst von paulpeterheinz | 13. Dezember 2021, 09:58
      • Dem kann ich voll und ganz zustimmen. 🙂

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Dezember 2021, 11:30
  3. Hallo Joachim! Ich freue mich sehr, dass Vati mir den Link zu deiner Seite geschickt hat!! Was für ausdrucksstarke Bilder, klangvolle Worte und gute Erklärungen:-)! Wie schön, einen solch detaillverliebten Blick auf die Welt zu erden und diese so poetisch erklärt zu bekommen🤗! Ich werde ab jetzt sicher öfter mal vorbei schauen ☺️. Liebe Grüße nach Hasbergen🙋‍♀️, Mareike

    Verfasst von Mareike | 13. Dezember 2021, 22:31
    • Danke, liebe Mareike! Auf meinem Blog von dir zu hören freut mich ganz besonders. Dein Foto war wirklich beeindruckend und zeigt, dass du den richtigen Blick für Natur- und Alltagsphänomene hast. Als ich die besonderen Eiszöpfe erstmalig auf der Scheibe unseres Gewächshauses sah, hatte ich gerade Besuch, der sich für die Aluminiumkonstruktion interessierte. Ich war einigermaßen erstaunt, dass er die seltenen Eisblumen nicht sah. Das heißt, seine Netzhäute wurden zwar davon belichtet, aber es löste bei ihm nichts aus. Erst als ich ihn darauf hinwies, staunte er über das Gebilde. Die Phänomene zu sehen, muss man lernen.
      Liebe Grüße in den Süden der Republik! Wenn du mal wieder was schönes entdeckt hast, lass es mich wissen. Joachim

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Dezember 2021, 09:39

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