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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Eine echte Eiskristallgirlande zu Heiligabend

Ich kann mich noch gut erinnern, dass in meiner Kindheit unser Weihnachtsbaum u.A. mit Lamettagirlanden geschmückt wurde, die genauso aussahen wie die Eiskristallbänder, die ich in unserem winterlichen Gewächshaus vorfand (siehe Foto). Es war damals eine Art Alleinstellungsmerkmal, weil derartig geschmückte Weihnachtsbäume in der Nachbarschaft nicht vorkamen. Die Girlanden hatte – wenn ich mich recht erinnere – jemand aus Amerika mitgebracht. Ein Blick ins Internet zeigt, dass sie immer noch oder wieder erhältlich sind.
Obwohl sich die hier gezeigten echten Eiskristallbänder auf einer Glasscheibe befanden, zeigte sich, dass auch in diesem Fall auf den ersten Blick nicht zu sehende Bänder die gefrorenen Kristalle zusammenhalten. Dabei handelt es sich um ausgediente Spinnfäden, die sich noch auf der Scheibe befinden. Diese enthalten offenbar geeignete Keime, an denen die Wasserdampfmoleküle in der kalten Nacht vor der Aufnahme des Fotos angedockt und dann seitliche „Kristalltriebe“ ausgebildet haben. Die Tendenz sich radial vom initialen Spinnfaden zu entfernen ist dadurch bedingt, dass beim Übergang der Wassermoleküle vom dampfförmigen in den festen Zustand sowohl Kondensationswärme als auch Kristallisationswärme abgegeben werden muss. Das gelingt wie man sieht am besten, wenn sich die Kristalle vom Ursprung weg in den kalten Außenbereich orientieren. Schaut man sich das Foto genauer an, so kann man erkennen, dass sich die so entstehenden Seitentriebe einander „ausweichen“, wenn sie sich gegenseitig in die Quere kommen.

Diskussionen

19 Gedanken zu “Eine echte Eiskristallgirlande zu Heiligabend

  1. Frohe Weihnachten!

    Verfasst von gkazakou | 24. Dezember 2021, 00:05
  2. Das klingt so, als hätte Physik Leben gegründet.
    Hat es mal zu leben begonnen, das Leben, weist ihm die Physik den Weg .
    Wenn, dann nur so.
    😀

    Verfasst von kopfundgestalt | 24. Dezember 2021, 00:18
  3. Das Bild habe ich so gut in Erinnerung: Es begab sich zu der Zeit, als unser Haus noch n i c h t von oben bis unten mit Heizkörper ausgestattet war. Es gab nur zwei Öfen: einen in der Küche und einen im Wohnzimmer. Meine „Krippe“ stand in der ersten Etage und die Fenster hatten im Winter diesen wundersamen Eisschmuck. Kaum aufgewacht, konnte man schon an solchen Kindertagen die aufkeimende gottähnliche Selbstbemächtigung spüren: der eigene Atem hauchte die gefrorenen Fenster frei und beschaffte einen beglückenden Blick in die Winterlandschaft. Da genoss man noch den „fehlenden“ Komfort der Kinder-Freude macht.

    Doch bald kam die Zeit, da spürte man die Tendenz sich radial vom initialen Spinnfaden zu entfernen, sich auf die Suche zu begeben, durch warme Wüsten zu wandern, auch sich vom Ursprung weg in kältere Außenbereiche zu orientieren. Schaut man noch genauer zurück, so kann man erinnern, dass sich die Seitentriebe einander „auswichen“, wenn sie sich gegenseitig in die Quere kamen. Letzteres bleibt Not-Wendig erhalten.

    Verfasst von paulpeterheinz | 24. Dezember 2021, 06:07
  4. Sehr interessant wieder zu lesen zu diesem fantastischen Bild!
    Frohe Weihnachten wünsche ich dir! 💫🎄🌟

    Verfasst von hanneweb | 24. Dezember 2021, 10:56
    • Danke liebe Hanne! Auch wenn der natürliche Schmuck inzwischen wieder in die beiden anderen Aggregatzustände übergegangen ist, erinnern wir uns heute mit den künstlich nachempfundenen typischen Weihnachtsschmuckarten an die winterlichen Ursprünge. Auch dir Frohe Weihnachten und weiterhin so schöne Beiträge, die ich immer wieder gern besuche!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 24. Dezember 2021, 13:45

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