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Monatsrätsel, Physik im Alltag und Naturphänomene

Rätselfoto des Monats Januar 2022

Wie kommt es zu den langen weißen Nadeln?

Erklärung des Rätselfotos des Monats Dezember 2021

Frage: Wie kommt es zu dieser geraden Begrenzung der Reifschicht?

Antwort: Wir blicken frontal auf die Seitenscheibe einer Busstation. Sie ist etwa bis zur Hälfte mit Reif bedeckt, der wie mit einem Lineal gezogen begrenzt ist. Ursache dafür ist die Sonne, die schräg von oben und von der Seite in den Unterstand scheint und teilweise durch das Dach abgeschattet wird. Weil sich die Sonne allmählich von links nach rechts bewegt und immer mehr von vorn in den Unterstand leuchtet, verschiebt sich der Schatten des Dachs und damit die Trennlinie weiter nach oben. In dem Maße, wie der beschattete und noch vom Raureif überzogene Teil der Scheibe in die Sonne gerät, schmilzt das Eis. Denn obwohl die Eiskristalle weitgehend transparent sind, wird das Licht im rauen Reif mehrfach reflektiert, wobei immer auch ein Teil des Lichts absorbiert und in Wärme umgewandelt wird, die für das Schmelzen benötigt wird.
An der Geradlinigkeit der Schmelzgrenze erkennt man übrigens die Geradlinigkeit der Lichtausbreitung.

Diskussionen

15 Gedanken zu “Rätselfoto des Monats Januar 2022

  1. Zunächst und vor allem wünsche ich Dir ein noch besseres oder mindestens ein gutes neues Jahr.

    Wenn das vergangene Jahr schon ein besseres war, dann soll das Neue ein noch besseres werden. War es weniger gut, soll es erst einmal ein voll-gutes werden. Das will nicht sagen, dass das alte schlecht war. Aber Menschen wünschen es ja schon immer besser. Das Bessere, so sagen sie ja, sei der Feind des Guten oder wenn etwas schlecht war, so könne es ja nur bessere werden. Sie könnten auch einfach und berechtigt behaupten, das Bessere sei ihr uralter Sehnsuchtsort.

    Denn schon die Evolution der Reifungs- und Geburtsform von „aus-dem-Ei-im-Nest“ hin zur Reifung-in-der-Mutter war besseres im Spiel. Letztere war sicherer. So gehört das bessere zu unseren wenigen natürlichen Ausprägungen. Das Tier hat „nur“ seinen Umweltkäfig (Jakob Johann von Uexküll: „Umwelt und Innenwelt der Tiere“ (1909) Eine philosophische Begründung der Biologie als Wissenschaft vom Lebendigen….jedes Tier habe seine eigene, „subjektive“ Zeit und seinen „subjektiven“ Raum. ) der Mensch aber findet die Hand, nimmt den Stein, mutiert, befreit sich aus dem Umwelt-Käfig, gewinnt das offene Wesen in der Welt: Gewinnt den aufrechten Gang -sieht mehr und besseres!, dann die Sprache, er artikuliert sich umfangreicher, differenzierter, konkreter.

    Er lernt aus Erfahrung das er so immer reicher wird, es ihm immer besser geht. Seit dem ist er typgemäß-zwanghaft auf der Suche nach dem Besseren, denn das Bessere von gestern ist von gestern. Dabei zieht er sogar den Leichtsinn zur Hilfe, führt Kriege. Bald erfindet er Wissenschaft, um dem angehäuften, kaum mehr überschaubarem besseren einigermaßen beizukommen. Doch damit hat er „den Bock zum Gärtner“ gemacht. Ist jetzt das alte Jahr verifiziert, steht der Kritische Rationalismus vor der Tür, droht dem neuen Jahr mit Falsifizierung. Beide sind die angesagte Deckadresse für das menschlich allzu menschliche Streben nach dem Besseren. Er kann ja nicht dafür, denn es ist natürlich, also kann und darf er es nicht lassen. Ansonsten verlöre er auch noch diese vorletzte Natürlichkeit, vor dem der letzten, der Endlichkeit. Dafür aber erfindet er schon mal ein „besser Sterben“. Hoffentlich wird daraus kein Schlaflos in Seattle oder ein Warten auf Godot. Aber wenn uns die Gesetze der Evolution nicht verlassen, wird es schon besser werden. Sie wird uns zu einem Besser zwingen. Ansonsten rufen wir schon mal zu „trick or treat“.

    Somit bin ich nun überzeugt davon, dass das neue Jahr, spätestens das nächste oder das übernächste, auf jeden Fall „bald“, es einfach besser werden muss. Wie sagte gestern Herr Minister Lauterbach: Er sähe Licht am Ende des Tunnels.

    PS:
    Ein wunderschönes Geschehen an und auf diesem Gebilde. Es scheint entweder eine erfrorene Bitte um Abstand, um rühr mich nicht an oder eine lustvoll ausgreifende Kunst, freizügig verschwenderisch-verschenkte Pracht. Kleine Dinge verschenken oft großes.

    Verfasst von paulpeterheinz | 1. Januar 2022, 06:47
    • Danke für diesen Schnelldurchgang durch die vom Jahreswechsel motivierte etwas andere Naturgeschichte. Dabei fielen mir zwei Punkte auf. Zum einen, dass ein Jahr 365 Tage hat und noch mehr Momente, in denen man etwas erleben, sich freuen, ärgern oder verzweifeln kann. Ist es berechtigt, daraus so etwas wie einen Durchschnittswert zu machen? Zum anderen die Frage, ob die Evolution gewissermaßen zwangsläufig bedeutet, dass es aufwärts (im Sinne von für die Menschheit als Ganzes besser) geht?
      Deine Antwort nehme ich zur Kenntnis, auch wenn ich eher an eine physikalische gedacht habe. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht bietet der gerade begonnene Wirnter noch einiges an Anschauungsmaterial…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 1. Januar 2022, 09:39
      • Ein Durchschnittswert – besonders in schwierigen Phasen- ist oft die erste Möglichkeit den Kopf über Wasser zu halten. Ein psychischer Rettungsring. Während sich im Inneren ein wildes tohuwabu abspielt, läuft draußen der Trend im Durchschnitt. Beide haben Verbindung. Wie an einer Börse.
        Dann heißt es: Hauptsache wir leben noch; Hauptsache Gesund; Anderen geht es (noch) schlechter. Durchschnittswerte werden auch in einer entgegengesetzten Perspektive gezogen: Schau mal, die Nachbarn fahren aber ein schöneres Auto; die haben ein größeres Haus; den anderen geht es besser, warum uns nicht? Solche Aussagen stellen den Statistiker sicherlich nicht zufrieden. Aber es gibt Situationen im Leben, da hat der rechnerische Durchschnitt, der vielleicht auch ganz andere Antworten liefern würde, keinen Zutritt. Die Psyche handelt dennoch auch wie ein professioneller Statistiker: sie „Winsorisiert“ d.h blendet die Extremwerte aus oder bildet in der Hoffnung Erwartungswerte. Die Psyche visualisiert das arithmetische Mittel mithilfe einer Wippe. Links liegen die schwerwiegenden Ereignisse, rechts die leichteren wie auf einer Balkenwaage und in der Mitte hält das Gefühl die Wippe. Wenn es geht, rückt sie mithilfe der individuellen Hebelgesetze die Kugeln so lange hin und her, bis alles in der Balance ist. Wenn die linke Seite nach unten zieht, dann implodiert oftmals die Psyche, schwebt die rechte Seite nach oben sprechen wir vom Optimisten oder wundern uns, wie er sich etwas vormacht.

        Und hier findest Du dann (versteckt, verborgen) Deine ( 365 x X) – ( 365 x Y) Momente! Sie wühlen gerne im Stillen!

        Corona ist ja in Bezug auf Durchschnittswerte eine „hohe Schule der Statistik für alle“. Was wäre der Profisport ohne Durchschnittswerte, was wäre meine Gesundheit ohne Durchschnittswerte. Da kommt der Physiker auf seine Kosten. Aber immer bespielen sie zwei Saiten: die harte, sachliche, fachliche und die weiche, psychische. Da kommt es aber immer häufiger zu Kooperationen der zwei Saiten. WARUM: Weil es BESSER werden soll und in Kooperation auch geht.

        Zur Evolution: Die Evolutionstheoretiker sind statistische Winsorisierungs-Profis. Für sie gelten Jahrtausende-Jahrmillionen lange Wege zum Durchschnittswert. Und so wie wir nach Keynes „In the long run, we are all dead.“ so geht es „der Menschheit“ auf lange Sicht immer besser. Manchen sehr stark, anderen nur zu langsam. Was dabei aber leicht durcheinander gerät, sind die unterschiedlichen Dinge, die besser werden. Insofern darf man die Evolutionstheorie nicht mit kurzfristigen „Wohlstandsindikatoren“ verwechseln. Während immer noch zuviele hungern, kann die Fähigkeit, diesen Hunger zu überstehen, ihn zu bewältigen, sich ja durchaus steigern. Dann spricht man von einer verbesserten Resilienz. So traurig, fatal, unmoralisch dieser Vergleich zunächst auch immer ist. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus Erfahrungswert und Erwartungswert bevor wir den Kopf (symbolisch oder in einer Revolution) hängen lassen. Letzteres führte ja oft genug zu noch mehr hängenden Köpfen: WEIL:… viele es b e s s e r haben wollten und andere daran glaubten, es sei b e s s e r, wenn alles so bliebe. WEIL: in der Weimarer Republik zu viele Köche am besseren Brei rührten, bis einer sagte: Ich kenne das beste Volk, das alleine nur ein Besser verdient hat. Weg mit allen anderen. Und die nach Besserem lechzenden Seelen rannten ihm hinterher, weil sie in seiner „Macht“ sich mächtiger fühlten. Das Süßeste und das Grässlichste kalkuliert mit dem Hunger nach Besserem. Alles hat zwei Seiten, wie die Wurst, um die es dabei geht.
        Du siehst, der Evolutionstheoretiker schwimmt durch die Wellen des geglätteten Durchschnitts und kommt im Nachkriegsdeutschland an, in dem es allen unendlich besser ging und geht. Vielen „noch sehr viel besser“. Und die meisten wollen weg vom Tellerwäscher, hin zum Millionär. A neverending Dream….Meine These: Auf der ganzen Welt! lebt eine Hälfte der Menschen auf einer „nach oben offenen Richterleiter“ und die andere möchte ihrem Drang nach Besser endlich freien Lauf lassen. Und das so sehr, dass sie dafür in Richtung BESSER auch unter Todesgefahr flüchten. Gleichzeitig kommt es in den nächsten Jahren darauf an -in einem Parforceritt die Ressourcen-Sprossen dabei zu schonen oder verträglichere zu finden.

        Dazu passt symbolisch dein Bild, zumal seine Rätselhaftigkeit in einer späteren Auflösung.

        Verfasst von paulpeterheinz | 2. Januar 2022, 08:30
      • Ich gebe zu, dass ich die in deinen Ausführungen angesprochenen Probleme nicht im entferntesten mitgedacht habe. Mehr noch, ich musste mich förmlich durch sie durcharbeiten. Abgesehen vom Inhaltlichen, das ich – ohne mich weiter in die Problematik einzuarbeiten – nicht kommentieren kann, habe ich mich an einigen schönen von dir benutzten Bildern gefreut. Ich bin gespannt, ob du die Symbolhaltigkeit des Rätselfotos auch noch aufrechterhältst, wenn die Erklärung vorliegt.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 2. Januar 2022, 10:29
      • Einen Durchschnittswert, wozu?!
        Das Verzweifeln am Äusseren sollte nicht mehr so viel Platz einnehmen. Weise machen das nicht. Da es keinen Zweck hat und vergiftet.
        Schwätzern aus dem Weg gehen, ja. Aber sich nicht daran festklammern.

        Evolution hat m.E. nichts im Sinne. Sie hat ja auch schon vielfach zum Aussterben von Tierarten geführt. Wahrscheinlich könnte man ein Panoptikum aller schon vorhandenen Tierarten anführen. Kein Papyrus könnte diese Liste fassen. Es wäre aussichtslos.

        Verfasst von kopfundgestalt | 2. Januar 2022, 12:01
  2. Diese Raureifnadeln entstehen durch Resublimation. Bei Temperaturen unter -8°C wachsen aus der überschüssigen Feuchtigkeit direkt feine Eiskristalle. Wenn leichter Wind weht, werden sie gegen Hindernisse (Grashalme, Zweige, etc) getrieben und lagern sich dort allmählich ab.

    Verfasst von Claudia Hinz | 1. Januar 2022, 11:16
  3. tolles foto! sieht aus wie shrimps mit stacheln. *lach* das war meine assoziation zu dem bild. diese kringel, das sah mir nach shrimps aus, die ich übrigens nicht esse. *g*

    ein frohes, gesundes und schönes neues jahr 2022 wünsche ich dir.
    liebe grüße aus berlin, m.

    Verfasst von wolkenbeobachterin | 1. Januar 2022, 18:10
    • Vielen Dank! Wenn man nichts von der Kälte weiß, die für diese Stacheln notwendig ist, stellen sich schon Assoziationen ein, die weit entfernt sein können. Danke für die Neujahrswünsche! Berlin, ja, da bin ich seit Pandemiebeginn nicht mehr, davor mindesten einmal pro Jahr. Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 1. Januar 2022, 20:29
      • ich fand meine assoziation total naheliegend, lach. sorry, sollte ich deine wissenschaftlichen gefühle verletzt haben, das war nicht meine absicht. liebe grüße zurück. m.

        Verfasst von wolkenbeobachterin | 1. Januar 2022, 20:50
      • Nein, im Gegenteil! Denn das zeigt ja, dass ich kein vertrautes Phänomen gezeigt habe, sondern ein seltenes. Dass ich keine entsprechende Assoziation hatte, lag natürlich daran, dass ich wusste, was ich fotografierte. Gruß, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 1. Januar 2022, 22:19
  4. Bei Temperaturen einige Grade unter Null und großer relativer Feuchte lagern sich Wasserdampftröpfchen an Kristallisationskeimen auf den Blättern ab.
    Die nächsten Tröpfchen wollen auch (!) und docken an den jeweils ersten Kristallen an und zwar weg vom Blatt, denn in der „höheren“ Luft ist stärkere Konzentration der Wassermoleküle als da, wo schon ein Tröpfchen aus der Luft weg ist.. Sie hungern sozusagen nach Vorrat, hinein in die Weite. Gleichzeitig gehen sich die so entstandenen Eisstrahlen aber gegenseitig aus dem Weg. Daher das sehr wirre Erscheinungsbild der Stacheln.

    Verfasst von kopfundgestalt | 1. Januar 2022, 19:43
  5. Ein wunderschönes Foto!
    Ist ein starker Temperaturabfall von Bedeutung, damit sich diese weißen Nadeln bilden können?
    Beispielsweise, wenn Blitzeis entsteht.
    Vielleicht könnte auch die Geschwindigkeit der Feuchtigkeit ein Rolle spielen?
    Einige Antworten hier sind sehr spannend. Ich habe keine Ahnung! Bin schon gespannt!

    PS: an Wolkenbeobachterin „ich dachte auch im ersten Moment an Shrimps 🙂 als ich es sah (ohne Lesebrille)“

    Verfasst von Andrea H | 2. Januar 2022, 22:18
    • Danke für die kreativen Lösungsansätze zum Monatsrätsel. Ich werde wie immer darauf zu Beginn des nächsten Monats zurückkommen. Die Shrimps-Theorie scheint zumindest ohne Lesebrille oder am dem Smartphone gewisse Sympathien auf sich zu ziehen. Da ich selbst als Fotograf vorbelastet bin, half es nichts das Foto nochmals ohne Lesebrille anzuschauen 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 3. Januar 2022, 10:28

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