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Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Die Form bewahren und sei es als Mumie

Die oft erhobene Forderung, die Form zu bewahren, erinnert mich an diesen armen Apfel, der es auf irgendeine für mich undurchschaubare Weise geschafft hat, sich ohne zu verfaulen vom verschmähten Fallobst in den Winter zu retten. Ich bin sicher, dass er es auch bis in die nächste Jahreszeit hinein schafft. Jedenfalls fühlt er sich hart und widerstandsfähig an. Natürlich erinnert er in seiner völlig apfelunähnlichen Farbe und Konsistenz eher an eine Apfelmumie als an eine genießbare Frucht. Und ich möchte nicht wissen, wie es in seinem Innern aussieht.
Es soll damit nicht behauptet werden, dass die Formvollendung im (mit)menschlichen Bereich mit dem Verhalten des Apfels gleichzusetzen ist, aber – wie gesagt – irgendwie werde ich manchmal an den Apfel erinnert.

Abgesehen von diesen eher metaphorischen Überlegungen würde ich allzu gerne wissen, wie es manchen gefallenen Äpfeln im Vergleich zu den vielen anderen Leidensgenossen gelingt, so formvollendet über den Winter zu kommen. Kennt sich da jemand aus?

Diskussionen

16 Gedanken zu “Die Form bewahren und sei es als Mumie

  1. Das ist seltsam.

    Das Wort „Konsistent“ nutze ich heute in einer Email, aber kam in einer Frage dazu nicht zum Ziel, weil ich mich verschrieb.

    A denkt heute den Inhalt Z und morgen denkt A den Inhalt W. Daß Z und W nicht zusammenpassen, fällt ihm nicht auf.

    Verfasst von kopfundgestalt | 4. Januar 2022, 00:22
  2. ihm wurde sogar das Gesicht eines Apfelkindes aufgemalt.

    Verfasst von gkazakou | 4. Januar 2022, 00:39
  3. Sehr lohnenswerte Überlegungen.

    Verfasst von Verwandlerin | 4. Januar 2022, 01:39
  4. Es hat wohl etwas mit der angemessenen – eher kühlen- Temperatur zu tun und wohl auch mit der jeweiligen Sorte. Auf meinen Spazierwegen im Winter finde ich sowohl leergefegte /leeregpflückte wie auch noch mit Äpfeln behangene Bäume. Sie scheinen wie „Waisenbäume“ die gewaltsam vom Sommer getrennt wurden, das aber nicht wollten. Sie blieben am Baum, wurden Über-Äpfel. Legten mir nahe, auch meine „Buntheit“ mir mitten im einfarbigen Winter zu erhalten.
    In diesem Jahr haben wir einige abgefallene, aber noch sehr rote Äpfel mitgenommen und zu Hause im Garten in eine flache Schale gelegt und mit etwas Tannengrün umlegt. Nun strahlen uns diese Früchte seit Wochen an. Sie faulen noch kein bisschen. Die Vögel tun ihnen nichts, als wenn sie uns den aufmunternden Anblick nicht verderben wollten. So ahnen wir mitten im Winter etwas vom Sommer.
    Wie konnte die Idee der absoluten Harmonie nur so unter Angriff geraten? Wie waren wir in den „Krieg“ zwischen Welt, Natur und Mensch geraten? Wie vergaßen wir, dass sich die Dinge auch in unserem Gefühl widerspiegeln?
    Wo in meinem Gefühl lag das Handy, bevor es da war? Wo zum Teufel steckt in mir ein Web-Server? Was in mir spiegelt die Atombombe? Wo stecken die Genozide, die Gaskriege, die Weltkriege? Liegt das auch an einer bestimmten Temperatur, dass sie in mir auf- und überleben? Wodurch zerstreute sich der ein- und mitfühlende Zusammenhang von allem und allen? Vielleicht steht der Mikrokosmos dem Makrokosmos nur dadurch, gegenüber, dass das Verhältnis von Individuum und Welt unklar ist, das Eine dem Anderen als ein Anderes erscheint.
    Das Trennende entstand oder wurde zumindest verstärkt durch einen Methodenstreit aus dem die naturwissenschaftliche Variante als „Sieger“ hervorging. Nun galt nur noch das objektiv messbare als das reale. Das allein empfundene, gefühlte, gespürte wurde in den Keller gelegt. Dort hat es aber offensichtlich -wie die Äpfel- überlebt. Immer wenn es zu kalt wird, lebt es auf und strahlt wie die roten Äpfel und aktiviert unser unhintergehbares Gefühl für „seltene Harmonien“.

    Verfasst von paulpeterheinz | 4. Januar 2022, 08:30
    • Ja, die Äpfel haben schon eine besondere Beziehung zu uns Menschen und umgekehrt. Das begann ja bekanntlich bereits beim Sünden fall.
      Der Sieg der naturwissenschaftlichen Variante ist m.E. aber nur vordergründig. Man denke nur an die Irrationalismen, die gerade zurzeit fröhliche Urständ feiern…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 4. Januar 2022, 12:11
      • Naturwissenschaft wird oft mit dem Teufel zusammengebracht, immer noch und immer wieder.
        Ich las ja kürzlich ein Büchlein Von Wuketits: Animal irrationale.
        Der meinte m.E. zu meinen, daß unser (im esentlichen) Steinzeitgehirn nicht (mehr) mit der Komplexität des Aussen zurecht komme und daher zu schlichten Interpretationen des Aussen neige.

        Verfasst von kopfundgestalt | 4. Januar 2022, 12:15
      • Da ist was wahres dran. Die Neigung zu einfachen Lösungen ist fatal. Das Schwarz-Weiß-Denken ist bequem, weil es die Menschen eigentlich des Denkens enthebt. Und wenn man in dieser Schlichtheit auch noch von vermeintlich höherer Stelle unterstützt wird, kann es gefährlich werden.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. Januar 2022, 13:11
      • „Es verachtet Verstand und Wissenschaft,
        des Menschen allerhöchste Gaben-
        es hat dem Teufel sich ergeben
        und muß zugrunde gehn“

        So prognistiziert G. W. F. Hegel: Phänomenologie des Geistes, S. 270f

        Verfasst von paulpeterheinz | 4. Januar 2022, 13:46
      • Der Spruch passt gut in die aktuelle Zeit…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. Januar 2022, 20:57

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