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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Schönheit als Helldunkel im Schattenspiel

Schönheit (ist) nicht in den Objekten selber zu suchen, sondern im Helldunkel, im Schattenspiel, das sich zwischen Objekten entfaltet. Gerade wie ein phosporeszierender Stein, der im Dunkel glänzt, aber bei Tageshelle, jeglichen Reiz als Juwel verliert, so gibt es, …ohne Schattenwirkung keine Schönheit.*


 *Tanizaki Jun’ichiro. Lob des Schattens. Zürich 1987, S. 53

Diskussionen

16 Gedanken zu “Schönheit als Helldunkel im Schattenspiel

  1. Es handelt sich wohl um eine Flamme.
    Aber eigentlich ist der Schatten zu perfekt.

    In meinen Schriften verwende ich gerne überhohe Os, es hat was gazellenhaftes, schlanke, hohe Zeichen zu formen.

    Der sachte flaum links und rechts der Flamme trägt sehr zur Erhabenheit des Motivs bei. Ebenso der papirne Untergrund, raus und nur scheinbar chromatisch.

    Im Westerwaldmuseum sah ich eine ähnliche Plastik. Da war anstelle der Flamme eine sachte und lange Einbuchtung ins Material.
    Das ist im übrigen oft Thema bei konkreter Plastik.
    Das Objekt muss recht gross sein, sonst erzielt es keine Wirkung.

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. Januar 2022, 00:29
    • Vielen Dank für deine ausführliche Würdigung. Ursprünglich hatte ich in der Tat die Projektion einer Kerzenflamme im Blick, aber die grafische Darstellung war m.E. nicht so eindrucksvoll. Ich gestaltete sie dann mit einer Zerstreuunglinse und einer normalen Schreibtischlampe. Ja, und der papierne Untergrund zur „Erdung“ des Phänomens war mir sehr wichtig. Es scheint bei dir auf Gegenliebe gestoßen zu sein.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Januar 2022, 10:34
  2. Licht und Schatten in zehn Bildern aus ZEN in der Kunst einen Ochsen zu fangen:

    1. Ochsenbild: Die Suche nach dem Ochsen
    Wendest du dich vom Wesentlichen ab, geschieht Unterscheidung und Trennung.
    Schön – Häßlich Licht-Schatten.

    2. Ochsenbild: Das Entdecken der Spuren
    Wenn ich die Wissenschaft studiere, sehe ich die Fusstapfen des Ochsen. Wenn ich nicht unterscheide, wie will ich dann Licht und Schatten erkennen?

    3. Ochsenbild: Das Erblicken des Ochsen
    Wo man auch hinsieht, sieht man Licht und Schatten, Schön und Häßlich.

    4. Ochsenbild: Das Einfangen des Ochsen
    Ich habe den Ochsen gefangen, aber er gibt keine Ruhe. Wenn er mir helfen soll, so muss ich ihn zähmen.

    5. Ochsenbild: Das Zähmen des Ochsen
    Nicht die Objektivität verursacht Täuschung; sie ist das Ergebnis der Subjektivität. Halte den Nasenring des Ochsen fest und erlaube nicht den geringsten Zweifel.

    6. Ochsenbild: Heimreiten auf dem Ochsen
    Das Zähmen ist beendet. Rittlings auf dem Ochsen beobachte ich die Wolken über mir. Im Einklang – wozu noch Worte wie Licht, Schatten, Schön, Häßlich!

    7. Ochsenbild: Der Ochse ist vergessen
    Alles ist eins in zwei.

    8. Ochsenbild: Ochs und Hirte sind vollkommen vergessen
    Alle Vorstellungen von Licht und Schatten, Schön und Häßlich sind verschwunden.

    9. Ochsenbild: Rückkehr zum Ursprung, zurück zur Quelle
    Das Ursprüngliche ist Werden und Vergehen. Flüsse fließen im Einklang mit sich selbst, Rosen blühen ihrer Natur gemäß rot.

    10. Ochsenbild: Zurück auf dem Marktplatz der Welt
    Wenn ich innerhalb meines Tores bin, wissen tausend Weise nicht von mir. Die Schönheit meines Gartens ist unsichtbar. Ich komme lachend auf den Marktplatz mit meiner Weinflasche und gehe heim mit meinem Stock. Ich besuche die Weinschenke und den Markt und jeder, den ich anschaue, ist Buddha.

    ( In freier Variation nach einer Vorlage aus https://zen-integral.com/2020/08/06/die-zehn-ochsenbilder/)

    Verfasst von paulpeterheinz | 10. Januar 2022, 09:30
  3. Dagegen Nietzsche: „Der Wanderer und sein Schatten“
    Der Wanderer: Ich dachte, der menschliche Schatten sei seine Eitelkeit; diese aber würde niefragen:»soll ich denn schmeicheln?»
    Der Schatten: Die menschliche Eitelkeit, soweit ich sie kenne, fragt auch nicht an, wie ich schonzweimal tat, ob sie reden dürfe: sie redet immer.
    Der Wanderer: Ich merke erst, wie unartig ich gegen dich bin, mein geliebter Schatten: ich habenoch mit keinem Worte gesagt, wie sehr ich mich freue, dich zu hören und nicht bloß zu sehen. Duwirst es wissen, ich liebe den Schatten, wie ich das Licht liebe. Damit es Schönheit des Gesichts,Deutlichkeit der Rede, Güte und Festigkeit des Charakters gebe, ist der Schatten so nötig wie dasLicht. Es sind nicht Gegner: sie halten sich vielmehr liebevoll an den Händen, und wenn das Lichtverschwindet, schlüpft ihm der Schatten nach.

    PS: Es gibt ja respektable Vergleiche, inwieweit Nietzsche „ZEN“ mäßig denkt.

    Verfasst von paulpeterheinz | 10. Januar 2022, 09:35
  4. ein wunderbares Foto und Zitat. Witzigerweise liegt das Büchlein von Tanizaki gerade erst angelesen auf meinem Nachttisch. Mein Neffe, der es mit Begeisterung las (und über dessen Kunst habe ich mehrfach berichtete), hat es mir ausgeborgt, (https://gerdakazakou.com/2016/05/26/ein-junger-kuenstler-stellt-aus-vasilis-botoulas/)

    Verfasst von gkazakou | 10. Januar 2022, 16:34
    • Vielen Dank, Gerda. Das Büchlein habe ich schon lange. Es ist mir bei der Suche nach einem ganz anderen Buch zufällig in die Hand gefallen. Dank auch für den Hinweis auf die Kunst deines Neffen und deine einfühlsame Beschreibung.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Januar 2022, 17:07
  5. Wie konnte ich diesen berühmten Schatten-Mythos der Philosophiegeschichte gestern nur vergessen: Platons Höhlengleichnis: -„Ohne Kenntnis der Ideen, die die Wahrheit hinter den Dingen darstellen, sind wir wie Menschen, die in einer Höhle sitzen, nie die Sonne gesehen haben und unsere Schatten für das echte, das wahre Leben halten“. – Es wird bis heut gerätselt: wollte er uns ins „Offene“ locken, oder in seine „Schule“ in der die Sonne der Ideen (der Philosophen!) regierten. War das Gleichnis nur eine „Abwertung“ der Volksmeinung, Nur! ihr unbedeutender Schatten. Lockte er die Menschen von einer Höhle in die nächste? Aber immerhin ein Versuch, der gelang und bis heute ein Antrieb von Wissenschaft, Forschung, Politik und Marketing geblieben ist.
    Auch Nietzsche antwortete Platon in: „Der Wanderer und sein Schatten“
    Der Schatten: Ich habe dich oft mit Schmerz verlassen: Es ist mir, der ich wissbegierig bin, an dem Menschen vieles dunkel geblieben, weil ich nicht immer um ihn sein kann. Um den Preis der vollen Menschen-Erkenntnis möchte ich auch wohl dein Sklave sein.
    Der Wanderer: Weißt du denn, weiß ich denn, ob du damit nicht unversehens aus dem Sklaven zum Herrn würdest? Oder zwar Sklave bliebest, aber als Verächter deines Herrn ein Leben der Erniedrigung, des Ekels führtest.

    Verfasst von paulpeterheinz | 11. Januar 2022, 05:27

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  1. Pingback: Das Zittern des Schattens (Tanizaki und kleine Beobachtungen) | GERDA KAZAKOU - 10. Januar 2022

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