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Energie und Entropie, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Für ewig entzweite Pole

Eisenfeilspäne zeigen die abstoßende Wirkung zweier gleichnamiger ferromagnetische Pole

Was will die Nadel nach Norden gekehrt?“
Sich selbst zu finden, es ist ihr verwehrt.
Die endliche Ruhe wird nur verspürt,
Sobald der Pol den Pol berührt.
Drum danket Gott, ihr Söhne der Zeit,
Daß er die Pole für ewig entzweit.
Magnetes Geheimnis, erkläre mir das!
Kein großer Geheimnis, als Lieb´ und Haß.
Willst du deines Gleichen kennen lernen,
So wirst du dich gleich wieder entfernen.
Warum tanzen Bübchen mit Mädchen so gern?
Ungleich dem Gleichen bleibt nicht fern.
Dagegen die Bauern in der Schenke
Prügeln sich gleich mit den Beinen der Bänke.
Der Amtmann schnell das Übel stillt,
Weil er nicht für ihres Gleichen gilt.
Soll dein Kompaß dich richtig leiten,
Hüte dich vor Magnetstein, die dich begleiten.
*

Die anziehende und abstoßende Wirkung eines Ferromagneten und die Vermutung, dass die Erde als ein solcher anzusehen sei, wurde nicht nur im Rahmen der aufkommenden neuzeitlichen Physik als eine erstaunliche Eigenschaft der Materie angesehen. Sie wurde auch schnell zum Gegenstand esotherischer Praktiken und zur Metapher für Abstoßung und Anziehung in fast allen Bereichen des menschlichen Lebens.
Der Ferromagnetismus wurde erst im letzten Jahrhundert als kollektive makroskopische Wirkung eines mikroskopischen Effekts, dem Spin von Atomen, erkannt. Auch heute noch ist der Magnetismus allgemein eine aktuelle Forschungsdisziplin der Physik und hat seine tiefsten Geheimnisse (noch) nicht preisgegeben.


* Johann Wolfgang von Goethe. Poetische Werke. Band 1, Berlin 1960 ff, S. 423ff.


Johann Wolfgang von Goethe
(Deutscher Dichter 1710–1782)
Johann

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Diskussionen

12 Gedanken zu “Für ewig entzweite Pole

  1. Entdeckungen werden oft niederschwellig verwurstelt. Das geschah mit Darwin ebenso.
    Soll man es beklagen?!

    Verfasst von kopfundgestalt | 18. Januar 2022, 00:12
  2. Das Thema fordert m.E. keine Feststellungs-Theorie, sondern eine Fließ-Pluraliät. Das Leben ist „lebenswert-problematisch“ durch die (Minimum) zwei Seiten der An-und Aussichten. Das Leben wird (bisher noch!) zusätzlich „stillgestellt-problematisch“, wenn wir versuchen, es nach einer Seite hin aufzulösen.

    So wie der Irrtum die Bedingung (der Schatten) von Leben sein könnte.(Nietzsche) so scheint es auch der -für heute- unversöhnbare Gegensatz. Wir müssen „nur“ noch mehr „lernen“ dem Gegensatz aus dem Weg und gleichzeitig bedenkenswert an ihm vorrüber zu gehen, gebührlichen! Abstand zu halten. Ihm gar „Sonderzonen“ einrichten. Ein internationales Thermometer für ausreichende Konflikttemperatur anlegen. In diesem „Nicht von mir“ nicht einzudringen. Den Konflikt zu feiern. Dem Gegensatz und den Missverständnissen ein ewiges Leben gönnen. Denn das ist meine + deine Lebensversicherung. Zumindest so lange wir noch keine „Transhumanisten“ sind oder uns gemeinsam „Atomisieren“.

    Was aber wäre, wenn jemand all seine Geheimnisse freilegen würde? Wären wir neben den Konflikten auch der Fülle rund um dieses Geheimnis dann verlustig? Würde es kälter oder wärmer? Würde die „letzte Kugel“ ins schwarze Loch fallen? Oder läge dann der Löwe bei den Schafen auf Wiesen, über die Milch und Honig flössen?
    Ich wünsche Dir eine bewältigbar-konfliktreiche Woche!

    Verfasst von paulpeterheinz | 18. Januar 2022, 08:54
    • Vielen Dank für deine Vertiefungen. Ich hoffe, dass sie bewältigbar bleiben. 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Januar 2022, 09:20
      • Ist die Physik „neutral“? Hielt sie sich zu lange für nur „Objektiv“?
        „An der Michigan State University nutzte eine Gruppe den Streik, um eine Protestkampagne gegen den Vizepräsidenten für Forschung, den Physiker Stephen Hsu, zu organisieren und zu koordinieren. Zu den Verbrechen des Physikers gehörte, dass er Forschungen über Computergenomik betrieb, um zu untersuchen, wie Humangenetik mit kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen könnte. Etwas, das für die Protestierenden den Beigeschmack von Eugenik hatte, und dass er an der MSU auch die psychologische Forschung über die Statistik der Erschießungen durch die Polizei, die die Behauptungen einer rassistischen Voreingenommenheit nicht eindeutig untermauerte, unterstützte. Innerhalb einer Woche zwang der Universitätspräsident Herrn Hsu zum Rücktritt.“

        https://de.richarddawkins.net/articles/die-ideologische-korruption-der-wissenschaft

        Verfasst von paulpeterheinz | 18. Januar 2022, 12:39
      • Nein, Physik ist nicht neutral. Spätestens sobald der Übergang vom Gedachten zum Gemachten erfolgt, hat sie ihre Unschuld verloren.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Januar 2022, 12:50
  3. Gegensätze ziehen sich bekanntlich ja auch u. U. an, jedoch es braucht Prämissen.

    Verfasst von ꜼƢAMAɠYÑIC🌐 | 18. Januar 2022, 09:28
    • Das Prinzip, dass sich Gegensätze anziehen ist nicht universell. Es gibt auch Prinzipien, nach denen sich Gleichartiges anzieht.Wie so oft kommt es auf den Kontext an.
      Das Unbestimmtheitsprinzip ist eines der grundlegenden Prinzipien der Quantenmechanik. Im Alltagsleben ist man i. A. darauf angewiesen, gleichzeitig seinen Aufenthaltsort und seine Geschwindigkeit, mit der man sich bewegt, zu kennen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Januar 2022, 10:07
      • Ausnahmen bestätigen die Regel so Prinzipien variabel im Sinne von Anpassungsfähigkeit sind. Ich frag mich grad ob ein Prinzip überhaupt universelle Gültigkeit haben kann. Letzendlich oder auch unendlich ist doch alles ein Werden in permanenter Veränderung 😉 wenn auch für uns Menschen nicht immer erkennbar. Was ist sgnt. Alltag? wenn mindpower/ Denken sich schneller als Licht bewegt und Das, obgleich kein Wissen über Das was grad in Zeit und Raum geschieht notwendig ist 😉 um der Gravitation ein Schnippchen zu schlagen.
        JO!achim Du 😉 was dann? wenn das Unbeweisbare und Unerklärliche wissenschaftlicher Weise weise Spiritualität benötigt? Hmm? …

        Verfasst von ꜼƢAMAɠYÑIC🌐 | 18. Januar 2022, 10:34
      • Wenn ich als Physiker spreche würde ich sagen: Die Physik hält sich aus den meisten Dingen heraus. Sie behandelt nur das, was messbar und wenigstens im Prinzip mathematische beschreibbar ist. Nur durch diese selbstauferlegte Beschränkung konnte eine wissenschaftliche Technik hervorgebracht werden, wie sie beispielsweise im Smartphone und dem Internet konkrete Gestalt angenommen hat.
        Spiritualität, Gefühle, Empfindungen für Schönheit u. Ä. befinden sich außerhalb des physikalischen Objektbereichs.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Januar 2022, 11:13

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