//
Physik im Alltag und Naturphänomene, Rubriken: "Spielwiese" und "Blickwinkel"

Brillanter Schaum am Strand

H. Joachim Schlichting. Physik in unserer Zeit 53/1 (2022), S. 48

Die Farbe von Seifenblasen und des aus diesen bestehenden Schaums hängt nicht nur von der Interferenz des Lichts an der Blase ab, sondern auch vom diffus reflektierten Licht des Untergrunds. Ein schwarzer Untergrund führt zu großer Farbintensität der Blasen.

Schaum kennt man vor allem als Seifenschaum. Gelangt nur ein wenig Seife oder Spülmittel in das Wasser und wird dieses beim Waschen in Bewegung gesetzt, so ist die Oberfläche sehr schnell mit einem Netz von Seifenblasen umgeben, die auch in mehreren „Stockwerken“ existieren können.
Damit die Blasen länger halten, ist die Anwesenheit von Tensiden nötig, die das Schaum bildende Wasser etwa in Form von Seife enthält. Durch diese Stoffe wird die Oberflächenspannung des Wassers herabgesetzt, sodass die Lebensdauer der Blasen vergleichsweise lang ist.
Oft entdeckt man Schaum auch an der Küste eines Sees oder des Meeres. Das bedeutet in den meisten Fällen jedoch nicht, dass das Wasser durch Einleitung von tensidhaltigen Abwässern verunreinigt wurde. Vielmehr kann man in der Regel davon ausgehen, dass die Hinterlassenschaften von abgestorbenen Pflanzen, wie etwa Algen in Form von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen dafür verantwortlich sind. Denn auch diese können die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen. Meist entsteht ein weißer Schaum, was nichts anderes bedeutet, dass die Bläschen so klein sind, dass das Licht wie an Nebeltröpfchen gestreut wird und alle von den Bläschen ausgehenden Farben zu Weiß gemischt werden. In manchen Fällen, insbesondere dann, wenn sich das auflaufende Meerwasser in kleineren Mulden verfängt, können sich auch größere Blasen bilden. Sie entstehen insbesondere dadurch, dass nach und nach einzelne Lamellen platzen und entsprechend vergrößerte Blasen zurückbleiben.
Die größeren Blasen fallen durch unterschiedliche Farben auf (Abbildung 1). Diese verdanken sich der Interferenz des einfallenden Lichts an den dünnen Grenzflächen der Blasen: An der oberen und unteren Grenzfläche reflektierte Lichtwellen überlagern sich im Auge des Betrachters und verstärken oder schwächen je nach dem Wegunterschied der Teilwellen bestimmte Wellenlängen des weißen Lichts. Das hebt bestimmte Farben hervor. Wenn man die Szenerie einige Zeit beobachtet, kann man feststellen, dass die Farben sich verändern. Denn da die Häute der Blasen durch Verdunstung und schwerkraftsbedingte Drainage der Flüssigkeit dünner werden, ändert sich auch der Wegunterschied zwischen den interferierenden Teilwellen, sodass eine andere Farbe des weißen Lichts dominiert.
Vergleicht man die Interferenzfarben im vorliegenden Fall mit denen anderer Seifenblasen im Alltag, so fällt vor allem die Farbenpracht in Form von Brillanz und Farbintensität auf, die auf eine verhältnismäßig große Farbsättigung zurückzuführen ist (Abbildung 2). Wie kommt es dazu?
Da an den Blasen nur ein kleiner Teil des einfallenden Lichts reflektiert wird und ein großer Teil durch die Blase hindurch auf dem Untergrund landet und von dort diffus reflektiert wird, werden die Interferenzfarben von dieser Rückstrahlung überlagert. Das führt dann je nach der optischen Beschaffenheit des Untergrunds zu einer entsprechenden „Verwässerung“ der Farben. Im vorliegenden Fall haben wir es mit einem schwarzen Stein als Untergrund zu tun. Dieser absorbiert das auftreffende Licht und reflektiert so gut wie gar nichts. Daher können die Interferenzfarben in voller Pracht zur Geltung kommen.
Und noch etwas fällt auf. Jede Blase weist eine Abbildung der Fotografin auf. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Schatten, sondern um eine spiegelnde Reflexion. Denn durch die grob halbkugelförmigen Blasen wird wie bei einem Fischaugenobjektiv einer Kamera der größte Teil der Umgebung abgebildet. Dass diese Selfies monochrom dunkel ausfallen, liegt vor allem daran, dass die den Blasen zugeneigte Körperpartie nur wenig Licht aus der Umgebung erhält und daher noch weniger diffus reflektieren kann.

 

Diskussionen

28 Gedanken zu “Brillanter Schaum am Strand

  1. Die Fotografin hatte zwei Beine und zwei Arme…
    Spass beiseite: in Kurzform viel wissenswertes zusammengeführt. Manches erkennt man wieder.

    Verfasst von kopfundgestalt | 26. Januar 2022, 01:06
  2. Immerhin bereiten Ansätze vom Altertum her schon einen Begriff von Aphrogenie im Schaum vor, der ermutigt, nicht nur nach Göttererzeugung zu fragen, sondern auch nach einer Mensch-entstehung aus Luftigem, Schwebendem, Gemischtem, Inspirierten. Es bleibt im folgenden zu zeigen, dass Schaum -in einem zu konsolidierendem Sinne des Wortes- die Matrix der humanen Tatsache insgesamt bildet. Wir sind der Stoff, aus dem die Schäume gemacht sind.

    Die Versammlung der zahllosen endokosmischen „Seifenblasen“ ist also nicht mehr als der Monokosmos der Metaphysik zu denken, in dem die Fülle des Seienden unter einem allgemeinsamen Logos zusammengerufen wurden. An die Stelle der philosophischen Über-Seifenblase, der All-Monade der Einen-Welt, dem zentrischen Delirium, tritt eine polykosmische Agglomeration, eine Versammlung von Versammlern als semi-opaker Schaum aus weltbildenden Raumkonstruktionen.

    Also Systeme oder Aggregate von sphärischen Nachbarschaften, in denen jede einzelne „Zelle“ einen selbstergänzenden Kontext bildet, einen intimen, von dyadischen und pluripolaren Resonanzen gespannten Sinn-Raum oder einen „Haushalt“, der in seiner jeweiligen eigenen, nur von ihm und in ihm selbst erlebbaren Animationen schwingt. Wo sich Orte dieses Typs formen, ist das Aufeinander-hin-Existieren der nahe Vereinigten jeweils als das eigentliche Agens der Raumbildung wirksam; die Klimatisierung des koexistentiellen Innenraums erfolgt durch die reziproke Extraversion (aufeinander hin) der Symbioten, die wie ein Herd vor dem Herd (es wird zweimal gekocht: in der gemeinsamen Stimmung und auf dem Feuer) das gemeinsame Interieur temperieren. Im Schaum gilt das Prinzip der Ko-Isolation, nach dem ein und dieselbe Trennwand jeweils zwei oder mehr Sphären als Grenze dient und im menschlichen Feld ebenso eine reziproke Isolation, Trennungen und Immunisierungen bewirkt. Gerade hier gehört es zu den Besonderheiten, dass die Vielfach-Ko-Isolation der Blasenhaushalte in ihren multiplen Nachbarschaften ebenso gut als Abschließung wie als Weltoffenheit beschrieben werden kann: benachbart und unerreichbar, verbunden und entrückt.
    (Peter Sloterdijk „Schaum“ Band 3)

    Verfasst von paulpeterheinz | 26. Januar 2022, 09:36
    • Also nicht nur die Träume sind Schäume, sondern Schäume sind uns substanziell gleich…
      Ich habe Schaum 3 noch nicht gelesen, kann daher nicht beurteilen, ob dies jetzt deine Ideen sind oder – wie dein Literaturhinweis nahezulegen scheint, oder ob du Sloterdijk referierst…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Januar 2022, 16:58
      • Ich referiere hier Sloterdijk im Originaltext..

        Verfasst von paulpeterheinz | 3. Februar 2022, 14:50
      • In „Sonne und Tod“ referiert er darüber das im Lauf des 20. Jahrhunderts die Umstellung von Analyse auf Synthese unter dem Stichwort Konstruktivismus vollzogen worden sei, und dass man heute in den Naturwissenschaften wie in der Philosophie Elementarisierungen bis zum kleinsten Element analysiert vorfindet, mit denen man arbeiten kann.
        So arbeite er mit Schaumzellen die sich von „Gesellschaft“ bis zum Individuum herunterbrechen lassen.
        Heinrichs, Hans-Jürgen: Sonne und Tod, S. 272 ( Ein Buch von Heinrichs im Zwiegespräch mit Sloterdijk)

        Verfasst von paulpeterheinz | 3. Februar 2022, 15:54
      • Vielen Dank für die neuerlichen Hinweise und die Literaturangabe. Ich glaube ich muss erst einmal die Sphären 3 lesen, zumindest auswahlmäßig… aber wenn du meinen Bücherstapel sehen würdest, könntest du verstehen, dass das nicht von jetzt nach gleich möglich ist.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 3. Februar 2022, 16:51
      • Ich hatte mir vor Jahren mal vorgenommen immer nur Buch nach Buch zu lesen..Aber immer wieder überfallen mich die „Süchte“ bei guten vielversprechenden Titeln. Heute gilt ja bei der Flut der Bücher und Textfüllen im Internet: Wichtig ist zu wissen was man nicht lesen muss…

        Verfasst von paulpeterheinz | 3. Februar 2022, 18:08
      • Da stimme ich dir voll und ganz zu. Manchmal ändert sich die Reihenfolge des noch zu Lesenden im Laufe der Zeit…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 3. Februar 2022, 20:23
      • Soeben schaue ich in meine eMails dort liegt eine Essay: Vielleicht helfen Dir solche Kurzbeschreibungen:
        Peter Sloterdijk: Pandemie der gärenden Filterblasen

        Hatte der Philosoph Peter Sloterdijk die Corona-Krise bereits vor vielen Jahren erahnt? Ein Gespräch über Immunität als gesellschaftlichen Kraftakt.

        Joane Studnik, 2.2.2022 – 08:50 Uhr
        Artikel anhören
        dpa
        Philosoph Peter Sloterdijk

        Pandemie-Leugner, Impf-Skepsis, Verschwörungstheorien: Hätte man diese gesellschaftlichen Zerwürfnisse, die einen Teil der Gesellschaft erfasst haben, vorausahnen können? Was wird von der Pandemie bleiben, wenn sie hoffentlich bald endet? Auch ohne virologische Detailkenntnisse weiß Peter Sloterdijk viel über Pandemisches und Immunität. Über „mentale Infektionen“ und „semantische Epidemien“, die sich über „Nachrichten mit hohem Aufregungswert“ übertragen, spricht der Philosoph. Was wie eine aktuelle Situationsbeschreibung klingt, liest Sloterdijk aus fast 100 Jahre zurückreichenden Werken Hermann Brochs heraus: Der Schriftsteller prägte in den 1930er-Jahren den Begriff „Massenwahntheorie“, hatte dabei die „kollektive Erregbarkeit und Verführbarkeit durch falsche Ekstasen“ der Weimarer Republik vor Augen.

        Immer neue epidemiologischen Wellen gehen einher mit „mentalen Sorgenwellen“, erklärt mir Peter Sloterdijk, bald 75 Jahre alt und gedanklich hellwach. Als Sphären versinnbildlichte er vor Jahrzehnten in der gleichnamigen Trilogie menschliche Beziehungen und Kommunikation als Kugeln oder Blasen – lange bevor die ersten sozialen Netzwerke entstanden. Inzwischen beschäftigen uns Filterblasen, innerhalb derer teils abstruse Ansichten nebeneinander gären und sich ungut verbinden. Unsere mediale Gegenwart, die wie Schaum zerperlt und kein Zentrum mehr findet: Ihr Entstehen hatte sich längst angekündigt, bevor die Parallelwelten auf Telegram, Twitter und Facebook heranwuchsen.

        Aus heutiger Sicht erscheint Sloterdijks Begriff der „Ko-Immunität“ visionär – nicht epidemiologisch gemeint, sondern angelehnt an die ursprüngliche lateinische Bedeutung einer gesellschaftlichen Gemeinschaftsaufgabe. Immer deutlicher zeigt sich, dass dieser Kraftakt eben nur in „stabiler sozialer Kohärenz“ erreichbar ist.

        Dieses Ziel verfehlen westliche Gesellschaften, die zwar hocheffiziente Impfstoffe hervorgebracht haben, aber eben auch eine laute Minderheit von Corona-Verharmlosern und Impfskeptikern. Einem „Kindertraum von Unverwundbarkeit“ hängen diese an, so formuliert es Sloterdijk: Das eigene Immunsystem halten sie für stärker als die epidemiologische Bedrohung, die nur in gemeinschaftlicher Solidarität zu lösen sei. Einst war Sloterdijk im öffentlichen Streit um die offensichtliche Nutzlosigkeit alternativer Heilmittel als Fürsprecher der Homöopathie kritisiert worden. Darauf angesprochen, vergleicht er Globuli mit „religiösen Sakramenten“. Eine heitere Ironie schwingt dem gegenüber mit, was der streitbare Denker später vielleicht anders formuliert hätte.

        Lust am Formulieren kommt Sloterdijk im stillen Zwiegespräch mit Lyrik und Geistesgeschichte. „Du musst dein Leben ändern“: Dieser Schlusssatz eines Sonetts von Rainer Maria Rilke inspirierte Sloterdijk zu einem gedanklich überquellenden Essay, in dem viele Antworten auf quälende Fragen stecken, die sich heute stellen. Hätte es wirklich sechs Millionen Corona-Tote gebraucht, um zu erkennen: Das Leiden unserer in erheblichen Teilen unsolidarischen Gesellschaft wird mit der Pandemie nicht enden? Aber, so lese ich heraus, es braucht mehr Übung im Umgang mit pandemischen Krisen, auf die wir zwangsläufig zusteuern werden.

        Verfasst von paulpeterheinz | 3. Februar 2022, 18:14
      • Ja, gefällt mir im Prinzip, obwohl ich denke, dass im Detail einige Metaphern überstrapaziert werden…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 3. Februar 2022, 20:28
      • Du schreibst:.“Manchmal ändert sich die Reihenfolge des noch zu Lesenden im Laufe der Zeit…“
        Ja, ja, dann kommen sie: entweder die „Heiligen Bücher“ der letzten Tage: die zu lange ignorierten Klassiker, oder die bisher verschmähten, die in der falschen Ecke standen, die ich bisher nie las nur weil sie die falschen Leute lasen..( So ergeht es mir gerade mit Max Stirner der wohl auch von Nietzsche „geflissentlich“?? übersehen wurde) Dort lese ich doch tatsächlich so etwas wie: »Das freie Denken und die freie Wissenschaft beschäftigt Mich – denn nicht Ich bin frei, nicht Ich beschäftige Mich, sondern das Denken ist frei und beschäftigt Mich –“ oder „Nenne die Menschen nicht Sünder, so sind sie’s nicht: Du allein bist der Schöpfer der Sünder: Du, der Du die Menschen zu lieben wähnst. Du gerade wirfst sie in den Koth der Sünde … Ich aber sage dir. Du hast niemals einen Sünder gesehen. Du hast ihn nur — geträumt.“
        Ich werde ihn lesen..vielleicht habe ich oder die „falschen“ Leser ihm ja Unrecht getan..

        Verfasst von paulpeterheinz | 4. Februar 2022, 08:32
      • Von Stirner habe ich Anfang der 70er Jahre in einem Ferienhaus auf Formentera „Der Einzige und sein Eigentum“ gelesen. Es befand sich dort neben einigen anderen Büchern von deren Autoren ich noch nie etwas gehört hatte, auf dem Bücherbord des Hausbesitzers.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 4. Februar 2022, 09:10
  3. Tolles Bild und interessante Erklärung dazu, lieber Joachim!
    So intensiv farbig sah ich Schaum am Strand noch nie, sondern auch auf dunklem Untergrund eher entsprechend der Schmutz-Partikel darin. 😉
    Liebe Grüße und hab noch einen schönen Tag 🍀

    Verfasst von hanneweb | 26. Januar 2022, 10:04
    • Danke liebe Hanne. Ich lese deinen Kommentar erst jetzt, da ich einige Tage netzfrei war. Was die Intensität der Farben betrifft, so war ich auch sehr erstaunt. Der dunkle Hintergrund verhindert die „Verwässerung“ der Farben, die wir in ähnlichen Situationen zu sehen gewohnt sind. Dir auch liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Januar 2022, 17:10
  4. Einmalige Fotos, wiedemal!

    Verfasst von Johanna | 27. Januar 2022, 11:27

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Farbenprächtige Wirbel auf einer Seifenblase | Die Welt physikalisch gesehen - 6. März 2022

  2. Pingback: Farbenprächtige Wirbel auf einer Seifenblase – #KUNST - 6. März 2022

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: