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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Woher nimmt der Schaum seine Füllung?

Meine Schwester schickte mir das Foto mit der Frage, warum sich der Schaum derartig aufbaut und sogar bestehen bleibt. Sie war nämlich dabei eine Vase zu reinigen und erlebte beim Einfüllen des Spülwassers ein erstaunliches Schaumwachstum. Der Schaum quoll weit über die Vase hinaus und schien in dieser Position verharren zu wollen.
Indem ich daran dachte, wie der Bierschaum beim ungestümen Einschenken in die Höhe schießt oder daran, wie beim Pusten mit einem Strohhalm in das Spülwasser ganze Berge von Schaum aufgetürmt werden können, kam mir die Antwort zunächst sehr einfach vor.
Doch dann ergab sich die Frage, woher das Gas kommt, mit dem die vielen Blasen des Schaums gefüllt wurden?
Nach einigen Beratungen und Experimenten ergibt sich die folgende Antwort:
Wenn man zunächst das Spülmittel und dann das Wasser oder auch das bereits mit Spülmittel gemischte Wasser in die Vase gießt, wird mit dem Flüssigkeitsstrahl reichlich Luft mitgerissen und mit der Flüssigkeit vermischt.
Während der anschließenden Beruhigungsphase, in der sich Luft und Flüssigkeit wieder ihrer unterschiedlichen Dichte entsprechend ordnen, steigen die Luftbläschen aus der Flüssigkeit auf, um sie wieder zu verlassen. Doch dabei müssen sie die die Grenzschicht zwischen Flüssigkeit und Luft durchqueren. Da diese Grenzschicht aber durch das Spülmittel entspannt ist und so etwas wie eine dehnbare Haut darstellt, werden dabei mehr oder weniger kleine Blasen aufgeblasen und von den auf dieselbe Weise entstehenden nachfolgenden Blasen hochgeschoben. Der Vorgang hält solange an, bis sich die Luft völlig aus der Flüssigkeit befreit hat .
Doch was heißt hier schon „befreit“, letztlich ist sie in Blasen portioniert gefangen und kann nicht aus dieser ihrer Haut. Vielmehr treiben die späteren die früheren Blasen vor sich her. Dabei quillt der so entstehende Schaum aus dem Glas heraus.
Je nach Art des Spülmittels kann das Schaumgebilde auch nur mehr oder weniger lange existieren. Schließlich müssen die Blasen dann doch die gefangene Luft wieder freigeben.

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Diskussionen

12 Gedanken zu “Woher nimmt der Schaum seine Füllung?

  1. Die Schaumbildung läßt sich verhindern. Denn bald kannst Du Deiner Schwester empfehlen, Gefäße mit superamphiphobe Innen-Oberflächen zu kaufen, die den bereits existierenden Schaum effizient zerstören wie auch Schaumbildung von vornherein verhindern können. Diese Oberflächen besitzen eine mikroskopische Rauigkeit und verhindern so, dass Flüssigkeiten an ihnen haften: Die Flüssigkeit sitzt auf kleinen, nur wenige Mikrometer – also millionstel Meter – großen Säulen und einer kontinuierlichen Luftschicht, ähnlich wie ein Fakir auf einem Nagelbrett. Bekannt ist dieser Effekt beispielsweise vom Lotusblatt.

    Hier gefunden: https://www.laborpraxis.vogel.de/mit-physik-mehr-bier-im-glas-a-1088990/

    Verfasst von paulpeterheinz | 14. Februar 2022, 06:13
    • Eine Anweisung wie so etwas Schönes wie der Schaum zu vernichten ist, hätte ich von einem Sphären- und damit auch Schaumanhänger nicht erwartet. Trotzdem schönen Dank für die Informationen!

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Februar 2022, 11:34
      • Ich bin wie alle zuerst und unvermeidbar ein Geburtlicher. Insofern Sphärenanhänger inkl. Natur – ja.

        „Schaum“ ist ja eine Metapher für die spezifische Sphärenwelt der Modernen. (Denk dir mal den Schaum auf der Vase Deiner Schwester als ein Apartmenthaus) D.h. Nah sein aber schon im Dichtestreß, im „Schaum“leben -also in „dünnen Wänden“, die das außergewöhnliche soziale Experiment wagen, überwiegend als Einzelwesen zu leben, d.h. Sphären-für-sich haben – im Auto, im Wohnmobil, in Apartments, mit Knöpfen im Ohr, Überwachungtools für Fitness, Schlaf, Diät-Erfolg oder Work-Life-Balance mit elektronischen Kontakten zum Arzt, zum Kühlschrank, zur globalen Welt mit 1000 Netzwerk-Nähepartnern aber übrwiegend virtuell leben…im Schaum…Selbst wenn Jesus oder Einstein auf ihrer Etage wohnte, sie wüßten es nicht wirklich.

        Verfasst von paulpeterheinz | 14. Februar 2022, 15:44
      • Gegen diesen Schaum gibt es wohl kaum Mittel wie gegen den Seifenschaum?
        Die Fotos sind übrigens abschreckend. Gut dass ich im Einzelhaus lebe und allenfalls ein Schaumbad gutfinde.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Februar 2022, 16:03
      • Ich sehe keins. Die Menschen streben ja alle in die Städte…Wenn die wüssten das es von mir bis in den Wald nur 500 mtr. sind?

        Verfasst von paulpeterheinz | 14. Februar 2022, 16:07
      • Dann würden die vielleicht sagen: Wie hält er das nur aus? 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Februar 2022, 16:31
      • :-))) :-)))

        Verfasst von paulpeterheinz | 14. Februar 2022, 16:41
  2. Mir fällt dazu ein Analogon ein, vielleicht angetrieben durch ein DLF-Essay gestern „Schale Freiheit“.
    Die Luftbläschen wollen nach oben „an die Luft“, müssen das aber in geordneter Form, d.h. sie müssen sich das Eingebundensein dennoch gefallen lassen und da andere nachdrücken, werden sie immer höher angehoben und landen letztlich viel weiter oben als gedacht.

    Irgendwann werden sie dann aber doch befreit, ihre totale Freiheitsliebe erwies sich dann doch nur als Schaum. Und sie können wieder eingehen in die Gesamtheit der Luftmoleküle.

    Entschuldige den Sidestep 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 14. Februar 2022, 13:16
    • Wenn man solche physikalischen Vorgänge mit der Alltagsssprache beschreibt, muss man sich nicht wundern, wenn einem solche „allzu menschlichen“ Gedanken kommen. Einen Roman über das Verhalten von Luftmolekülen hat bislang noch keiner geschrieben. Wär das nicht mal was für dich?

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Februar 2022, 13:29
      • Wie kommst Du dazu, daß ich dazu geignet wäre? 😉
        Soentgen hat ja schon einiges über Staub geschrieben, der wäre bestens geeignet. 😉

        Verfasst von kopfundgestalt | 14. Februar 2022, 14:01
      • Ich habe an deine kleinen fantasiereichen Stücke gedacht, die ich von Zeit zu Zeit zu lesen bekomme. Über Staub gibt es übrigens sogar schon Bücher. Ich besitze zwei. 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. Februar 2022, 14:16

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