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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Durchblick, Überblick, Anblick, Einblick

Im 46. Stockwerk eines Hochhauses, in dem die immer wieder unter großen akrobatischen Einsatz (jedenfalls kam es mir so vor) geputzen Fenster, hat man einen einen guten Durchblick und damit auch einen weitreichenden Überblick über die Megastadt. Damit ist jedoch bei weitem kein Einblick verbunden in die Maschinerie, die all dies in Gang hält. Wendet man den Blick, so verliert man sich leicht in Spiegelungen, die den vorher noch als deutlich und klar empfindenen Durchblick wie ein Anblick einer anderen Welt erscheinen lassen. Man ist sehr schnell müde, die Überlagerungen von realen und virtuellen Eindrücken zu ordnen und nimmt es und sich selbst mittendrin schließlich als eine Art Kunstwerk wahr.

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Diskussionen

14 Gedanken zu “Durchblick, Überblick, Anblick, Einblick

  1. Der phantastische Realismus lässt grüßen.

    Die verschiedenen spiegelungsschichten unterscheiden sich durch ihre Intensität, sonst wäre die wirrniss katastrophal 😀.

    Die Abbildung lässt mir auch das Büchlein „Drei Sekunden“ wieder gewahr werden, in denen endlose Spiegelungen eine Rolle spielen.

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    Verfasst von kopfundgestalt | 18. Februar 2022, 00:16
  2. Wir sehen in Spiegelbilder aus Mikrosphären (Paare, Haushalte, Betriebe, Verbände) die wie einzelne Blasen in einem Schaumberg aneinander grenzen und sich über- und untereinander schichten, ohne füreinander wirklich erreichbar noch voneinander effektiv trennbar zu sein. Sie haben Blindfenster die auf einer Außenszene gemalt sind, selbstbezüglich verfasste Mikrokontinente. Scheinbare Gemeinsamkeiten sind gemeinsame Nachahmungswellen und analoge Medienausstattungen. Zwischen ihnen herrscht -hinter „Masken“- Isolation, denn -„wahre“- Kommunikation würde Kollision bedeuten.

    Ihre Abstimmung geschieht nicht im direkten Austausch zwischen den Zellen, sondern durch die mimetische Infiltration von ähnlichen Mustern, Erregungen, infektiösen Waren und Symbolen in jede einzelne Zelle.

    Umfassende Übersichten stehen nicht zur Verfügung. Nachrichten sind selektiv übertragbar, Ausgänge ins Ganze gibt es nicht. Super-Visionen auf die Eine Welt unmöglich – und recht verstanden auch nicht wünschbar.

    Jede Lage im Schaum schafft eine Verschränkung von Umsicht und Blindheit.
    Jedes In-der-Welt-sein eröffnet eine Lichtung im Undurchdringlichen.

    „Ein jedes Tierchen hat sein Pläsierchen“ hieß eine 1888 erschienene Gedichtsammlung von Edwin Bormann.
    ( Sloterdijk, Band 3 „Schaum“)

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    Verfasst von paulpeterheinz | 18. Februar 2022, 08:41
    • Fantastisch, was du in dieses Foto hineinzulesen vermags. Ich gebe zu, dass die Vielgestaltigkeit der Spiegelungen auch reichlich Anlass gibt für vielgestaltige Interpretationen. Ich selbst „rette“ mich dadurch, dass ich mich an die Situation erinnere, als ich auf den Auslöser drückte.

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      Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Februar 2022, 09:27
      • Die Stadt:
        purer monumentalismus mit immunologischem design
        als magische uterotechnische ausdehnung
        die ersten könner solcher monströsen mauern
        wollten geborgenheit in der ausgesetztheit für ihre bewohner
        urk war 2700 vor christus umgeben von 9 kilometer langen
        doppelten ringmauern von 900 wehrtürmen überragt
        neben den gottheiten war platz für 50-100.000 menschen

        sie verteidigten die utopie der dichten gemeinschaft
        in imperialen weltformen
        das format ist die botschaft die dimension ist der gott
        ohne großgötter keine große stadt
        mit dem mauerbau beginnt die große introversion ummauerter seifenblasen
        versteinerungen einer großform von zerbrechlichkeit
        sie bauen eine ganzheitsidee für menschen in einem animierten weltleib
        hier brüten sich die menschen aus wie in einem künstlichen uterus
        sie gibt den einwohnern geborgenheit in der ausgesetztheit
        der morphologische imperativ lautet – e r i n n e r e d i c h
        so schöpfen die machtstadtbewohner aus alten immunitätserfahrungen
        noch im riesenhaften stecken urbilder der integrität

        bis ins 20. jahrhdt gilt so die einheit in der geschichteten welt
        bis ab 1945 das weltgeschichtliche novum ansteht:
        die erneute revolution der politischen morphologie
        einer gesellschaft der dünnen wände

        in dieser sind die alten kollektivgenien unwiderruflich untergegangen
        niemand weiß wie eine nicht-faschistische ganzheitsherrschaft
        je wieder zu bewerkstelligen wäre
        es gibt kein zurück zum „euklidischen gefühl“
        der absorbierung der antiken menschen durch geschlechter- und stadtgeister
        für die modernen ist alleine der sphärologische weg offen
        architekten und designer sind die neuen herren der herrrenlosen stadt
        es gelten die gesetze der leichtigkeit in der schwere

        und so stehen auf deinem foto die menschen
        und schauen in eine übervolle leere

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        Verfasst von paulpeterheinz | 18. Februar 2022, 15:19
      • Wenn man die Dinge so sieht wie du und mit einem kritischen Unterton von außen beschreibt, könnte man den Eindruck gewinnen, als seist du selbst gar nicht betroffen. Das bist du aber und daher ist deine Sehweise die Ausgeburt (sic!) einer durch ein multiples Blasendasein beengten Sozialisation. Oder woher nimmst du die Sicherheit, außerhalb dieses Zirkels (auch Teil einer Blase) sein zu können. Nimm das „du“ nicht persönlich, es war so nur am einfachsten auf deinen Text einzugehen.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Februar 2022, 21:02
      • Wenn man eine solch unprofessorale Reaktion auf einen nur Sachen zugedachten Text erhält, dann erübrigt sich jede weitere Stellungnahme. Bei einer tausend Meilen unter dem Anstand liegenden persönlichen Zuschreibung, kann ich mich nur fragen, ob es sich um ein Charakter-, Bildungs- oder Erziehungsdefizit halten könnte.

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        Verfasst von paulpeterheinz | 19. Februar 2022, 17:55
      • Wenn ich eine Antwort richtig verstehe, hast du dich persönlich angegriffen gefühlt. Jedenfalls scheint das aus der Heftigkeit deiner Reaktion zu sprechen. Das tut mir leid und ist keineswegs beabsichtigt gewesen und ist wohl nur meiner Ungeschicklichkeit geschuldet, mich in wenigen Worten verständlich zu machen. Mir ging es wieder einmal um den Zirkel, in dem man sich befindet, wenn man über die Menschen und damit sich selbst eingeschlossen objektive Aussagen zu machen versucht.
        In einem direkten Gespräch wäre das Missverständnis wohl nicht entstanden. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich deine Kommentare schätze und genieße – sie regen zum Denken an…

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Februar 2022, 19:21
      • Aber irgendein „Absonderliches“ muss Dich doch zu diesem für mich unglaublichen Satz „Das bist du aber und daher ist Deine Sehweise die Ausgeburt (sic!) einer durch ein multiples Blasendasein beengten Sozialisation“ geführt haben?
        Ausgeburt: das ist -nicht in irgendeiner Randinterpretation, sondern Standard für: schädliches, schändliches, Böses etc. …“beengte Sozialisation“ d.h Kleingeistig, Schwachkopf, Randfigur,…
        Außerdem: wo habe ich behauptet, außerhalb dieses Zirkels zu stehen?
        Insofern hatte ich meinen Kommentar schon reichlich „runtergekühlt“!

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        Verfasst von paulpeterheinz | 20. Februar 2022, 09:54
      • Zunächst, welche Motivation sollte ich haben, einen meiner besten Kommentatoren zu diskreditieren, den ich ja nur durch positive Kommentare kennen gelernt habe. Vor dem Hintergrund einer freundschaftlichen Kommunikation hätte ich nicht damit gerechnet, dass du den witzig oder humoristisch gemeinten Satz für bare Münze nehmen würdest. Mit „Ausgeburt“ wollte ich auf den für dich wichtigen Kontext der „Geburtlichkeit“ hinweisen, ohne an die Nebenbedeutung zu denken, wonach das Wort eher negativ konnotiert ist.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Februar 2022, 10:19

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