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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Zehn mal vier ist vierzig

Lieber Jan, hast du schon einmal etwas über das chemische Element Zirkonium gehört? Dann solltest du das schnell nachholen, denn es ist das Element mit der Ordnungszahl 40. Und diese Zahl hast du heute in Jahren seit deiner Geburt erreicht. Dazu gratuliere ich dir ganz herzlich. Die Zahl 40 ist nicht nur deshalb eine ganz besondere Zahl, weil sie die 10 gleich 4 mal enthält, und die 10 als Anzahl unserer Finger (wie sonst hätte man das Rechnen erlernen können) unser Dezimalsystem bestimmt. Und auch die 4 ist eine sehr bedeutungsvolle Zahl, weil sie u. A. die erste zusammengesetzte Zahl und die erste Nichtprimzahl nach der 1 darstellt; sie ist zudem gerade und Quadratzahl. Sie gibt die Anzahl der 4 Himmelrichtungen an, die uns zur Orientierung in der Welt dienen, die der Auffassung der alten Griechen entsprechend aus 4 Elementen aufgebaut ist.
Noch wichtiger ist vielleicht, dass du ab heute das Recht hast, Bundespräsident zu werden. Denn laut Grundgesetz attestiert man einem 40 jährigen Menschen die nötige Reife, dieses Amt auszuüben. Da die Wahl gerade gewesen ist, hast du aber noch genügend Zeit, dir das gründlich zu überlegen. 😉
Schließlich ist die 40 eine Zahl von großer Symbolkraft in mehreren Kulturkreisen und Religionen. Ich will nur erwähnen, dass die Sintflut 40 Tage dauerte und Noah noch 40 Tage warten musste, als wieder Land in Sicht kam. Das Volk Israel wanderte 40 Tage durch die Wüste usw. usw.
Falls dir das Alter 40 trotzdem etwas ungeheuer vorkommt, weil du dich damit vielleicht zu alt fühlst, möchte ich folgendes zu bedenken geben: Geht man davon aus dass jedes Alter nach Jahrzehnten bemessen für bestimmte Ziele steht, die man im Leben erreicht habe sollte,  so sind wir deswegen oft etwas später dran, weil wir uns für vieles mehr Zeit nehmen. Ich denke da an die Ausbildung, an Reisen und andere angenehme Dinge. Darum kannst du getrost davon ausgehen, dass die 40 die neue 30 ist. Die Rechnung geht insofern auf, als auch die Lebenserwartung in der Zeit, in der du die 40 erarbeitet hast gestiegen ist. Das ist zumindest ein statistischer Trost.
So, nun hast du die Wahl, ob du dich mehr für den Inhalt des alterhwürdigen Schnapsglases oder für die optischen Phänomene interessierst, die der Lichtspalt aus dem Glas herausmodelliert.

Diskussionen

36 Gedanken zu “Zehn mal vier ist vierzig

  1. Mit 40 beginnt das Alter der Jugend, so habe ich das spasseshalber gelernt. Insofern ist 40 tatsächlich die neue 30. 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 00:22
    • Ja das Gefühl habe ich auch. Die Jugendzeit rückt immer weiter ins höhere Alter. Wenn bloß die Wehwehchen nicht wären… 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 10:22
      • Jugendlichkeit ist nicht eine Frage des Alters.
        Vor etwa 30 Jahren erlebte ich eine Frau mit etwa 80 im Zug in einer Runde kokettieren. Das sah für mich stimmig aus. Nicht überzogen.
        Seit diesem Erlebnis sehe ich oft das Jugendliche auch bei vielen alten Frauen durchscheinen. Oder anders ausgedrückt: Ich sehe, wer sie als junge Frau war.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 11:06
      • Ich hatte vor Jahren ein Erlebnis auf Mallorca. Ich war allein gereist, um in den Bergen zu wandern, für die es noch keine Wanderkarten gab. Bei Frühstück erzählte ich das einer älteren Frau, die sich zu mir am Tisch gesetzt hatte. Sie fragte, ob sie sich mir anschließen dürfe. Ich sagte spontan zu, obwohl mir anschließen Bedenken kamen, dann ich war mit 40 Jahren genau halb so alt wie sie. Es wurde eine unvergessliche Wanderung, die mir damals zeigte, dass man mit 40 noch viel lernen kann…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 12:15
      • Etwa in deinem Alter (40) war ich auf einer Busreise in den USA. Alleine.
        Abends gab es das Problem, daß sich jüngere Paare kaum ausserhalb des Hotels zeigten. Ich setzte mich daher zu älteren Mitreisenden in einem Cafe nebenan. Und hatte großes Vergnügen dort.
        Einer von ihnen, jünger als die anderen, etwa 68 und aus München, war auch ein wenig verrückt, zog sich in Dallas eigens einen Cowboyhut auf. Ich nannte ihn einmal „Mein Junge..“. War gewagt, aber vollkommen richtig. Er war jungenhaft und gleichzeitig konservativ…was es alles für Mischungen gibt.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 12:32
      • Du scheinst auch viel gereist zu sein? Jedenfalls kann ich für mich sagen, dass das Reisen einen wesentlichen Teil meiner Entwicklung bedingt hat.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 13:45
      • Ich bin erst relativ spät im Leben gereist. Erst ab 30. Und nach einer längeren Pause ab Ende 30.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 13:52
      • Bei mir ging es mit 18 los und dann gleich mehrere Monate in Paris und der Elan ist immer noch da, zurzeit nur durch Corona gebremst. Aber das gibt Gelegenheit unsere schöne Umgebung genauer kennenzulernen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 13:55
      • In einem Jahr bin ich als Mitvierziger sogar 10 x verreist, alles privat und nicht beruflich.
        Damals klaubte man ein paar Tage zusammen und los gings.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 13:59
      • Das ist in der Tat viel. Offenbar bist du inzwischen ruhiger geworden.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 18:37
      • Sehr sehr viel ruhiger 😀

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 21:41
  2. Ein gut gelungene Idee zum 40zigsten.
    Das war mal mein Vortrag für unseren Jan!! zum 40zigsten:

    Gipfeltreffen der Jahresringe

    Nun sind wir an einer wichtigen Etappe angekommen- intonierte der Vorsitzende der Jahresringe-Kellermeister in die Runde der 39 Teilnehmer. Er war im Kreis der Jahresringerepräsentanten für Auswahl, Kelterung, Vergärung und Verjährung der Fruchtbeiträge aller Mitglieder zuständig. Insbesondere achtet er auf die Verträglichkeit der unterschiedlichen Lagen. Sie alle brachten viele, aber unterschiedliche Sonnentage und Reifegrade mit. Aber letztlich lag es bei ihm,
    auf die Stimmigkeit der sie alle verbindenden Lebensmelodie zu achten, und dass sie bei jedem Treffen neu justiert wurde. Die Teilnahme am Jahrestreffen war Pflicht der Ringe. Da gab es kein entrinnen.

    „Nehmt bitte Haltung an, erhebt euer erfahrenes Haupt und begrüßt mit mir einen sehr interessanten Neuen unter uns: den Vierziger-Ring“.

    Ein Raunen setzte ein, aber nur mühsam setzten die Versammelten ihr autonomes, in Grenzen steuerbares Gemüt in Bewegung, um das ansonsten angesagte und von allen ausgekostete Willkommen anzustimmen. Aber trotzdem fuhr er fort:
    „Ich möchte zur Begrüßung des Neuen heute mit einem Gedicht von Rilke beginnen, das mir in den Tagen der Vorbereitung auf unsere Treffen in die Hände fiel:
    Ich lebe mein Leben
    in wachsenden Ringen,
    die sich über die Dinge ziehn.
    Ich werde den letzten
    vielleicht nicht vollbringen,
    aber versuchen will ich ihn.
    Ich kreise um Gott,
    um den uralten Turm,
    und ich kreise
    jahrtausendelang;
    und ich weiß noch nicht:
    bin ich ein Falke, ein Sturm
    oder ein großer Gesang.“

    Er machte eine vielsagende Pause und hatte sich mehr Reaktionen erwartet.
    Aber was soll’s, dachte er, die 39 sind noch so jung, da kommt ein solches Gedicht vielleicht zu früh. In solchen Jahren denkt man eher an Gipfelerlebnisse und den Berg hinter den Bergen, weniger an letzte Dinge und Ringe. Und so versuchte er es mit der zweiten Change, die ja jeder verdient hat.
    „ OK“ entschuldigte er sich kleinlaut, „das war vielleicht zu melancholisch. Dann hätte ich noch eines von Hermann Hesse zum heutigen Anlass:
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
    Das traf! Alle schauten sich an und mit ihrem Schmunzeln schienen Sie seine Worte zu bestätigen.

    Ups, das ist nochmal gerade gut gegangen, dachte er und der Jahresringe-Kellermeister war nun in seinem Element:

    Wir durchqueren nun zur Begrüßung unseres Neuen, mit der Einsicht in unsere unvermeidliche begriffliche Hilflosigkeit als einzigem sicheren Begleiter, die Landschaften des prä-objektiven Daseins und der vorgängigen Beziehungen.

    Auf der Durchreise durch die ausweichende Unterwelt der Innenwelt entfaltet sich, wie eine klingende Landkarte, das phantomhafte Bild von einem flüssigen und auratischen Universum – ganz aus Resonanzen und Schwebstoffen gesponnen; in ihm bleibt die Urgeschichte des Seelischen zu suchen. Und wen können wir dazu besser befragen, als einen 40zigjährigen?

    Der Jahresringe-Kellermeister schaute in die Runde und war irritiert.
    Er hatte sich spätestens jetzt doch etwas bewundernde Zustimmung erhofft und sah stattdessen soeben in irritiert fragende Augen………
    (es ging noch 7 Seiten weiter) :-))

    Verfasst von paulpeterheinz | 21. Februar 2022, 07:43
    • Noch ein Jan. Wir haben seit kurzem einen neuen Nachbarn, ca. 30 Jahre alt, heißt auch Jan.
      Sehr schöner Vortrag, auch wenn ich mir vorstelle, dass man mit dem Rilke-Gedicht schon ein bestimmtes Publikum vor sich haben muss. Hauptsache euer Jan war zufrieden und stolz auf seinen Vater.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 10:32
      • Die beiden Autoren waren für unseren Richter Fan und Geisteswissenschaftlichen Juristen schon „Minimum“. Obwohl er auch stundenlange gemeinsame Wanderungen im tiefen Wald zu schätzen weiß.

        Verfasst von paulpeterheinz | 21. Februar 2022, 11:58
      • Na, dann kannst du stolz sein auf deinen Sohn. Und Richter Fan ist ja auch nicht zu verachten…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 12:20
      • Aufgepasst!!

        Es gibt auch einen Daniel Richter, der große Kunst macht.
        Ich sah ihn einst auf der Rückkehr von einer Ausstellung einer Zeche (Offenburg) in Frankfurt.
        Mich störte damals die Masse Kinder, die durch die Räume stoben, ein Affront für mich.
        Meine Frau lies sich NICHT stören, ich erkannte erst zuhause im Katalog, daß Richter ein sehr guter Künstler ist.

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 12:42
      • Von dem hatte ich auch schon gehört, aber noch keine Ausstellung gesehen. Nur Bilder im Internet.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 13:53
  3. Mir gefiel auch immer der Begriff für 40 in französisch. Mit quarante erst beginnt die Endung „ante“ für zehnerschritte.

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 09:42
    • Quarante – davon ist auch das Wort Quarantäne abgeleitet, das ich inzwischen kaum noch hören mag…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 10:33
      • 40 ist auch die Zahl der Tage nach dem Sterben, nach denen man die erste Gedächtnisfeier ausrichtet, Mnimosino genannt. Und es ist die Hälfte der Jahre, die ich gelebt habe. Aber was geht das euren Jan (Hans) an! Er ist nach römischem Recht noch nicht mal ein vir (Mann), da braucht er noch zwei Jahre, um reif für Staatsämter zu sein. Denn obgleich wir heute langsamer reifen, wollen wir schon früher mitreden und regieren als die „Alten“.
        Mögen seine nächsten 40 Jahre frei von Unglück und gefüllt mit Freude und Weisheit sein!

        Verfasst von gkazakou | 21. Februar 2022, 11:00
      • Danke! Ich denke, Jan wird deine Wünsche zur Kenntnis nehmen und sich freuen. Die Mnimosino ist mir neu. Interessant, welche Bedeutung dieser Zahl in so vielen unterschiedlichen Bereichen zukommt. Und der Hinweis auf die 42 ist für den demnächst anstehenden Text für meine Tochter interessant.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 12:09
      • Ohhh!
        Wer hört das gerne.
        Vielleicht verhalten sich dementsprechend manche so: Sie hängen „es“ nicht an die Glocke. 1001 Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen. Man ist ja frei. Sooo frei!

        Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 11:10
      • Genau. 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Februar 2022, 12:17
  4. 40 ist schon eine Zahl, bei der man die Menge an Einzelelementen (Jahre) kaum schätzen kann. In früheren Zeiten gab es sicher keinen Begriff für 40.
    Mit 40 hat man insofern auch schon gehörig Lebenserfahrung hinter sich.

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. Februar 2022, 10:15
  5. Gratulation dem Jan! Nun wird ihm seine neue Lebensjahreszahl gewiss gefallen, so fein beschrieben.

    …grüßt Syntaxia

    Verfasst von o)~mm | 21. Februar 2022, 20:04

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