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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur, Physikalisches Spielzeug & Freihandversuche

Lichtsterne – dreieckige Lichtkreuze

Lichtkreuze im Lichtkreis oder –rechteck sind wegen der inzwischen großen Verbreitung von Doppelglasscheiben sehr häufig im Alltag der wissenschaftlich technischen Welt zu sehen. Dabei handelt es sich um Projektionen von Licht (meist Sonnenlicht), das von Doppelglasfensterscheiben reflektiert wird.
Der luftdicht verschlossene Innenraum dieser Scheiben steht unter dem Luftdruck, der bei ihrer Herstellung herrschte. Da der äußere Luftdruck, dem sie beim Einbau in Fenstern an unterschiedlich hoch gelegenen Häusern und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen ausgesetzt sind, sich im Allgemeinen vom Luftdruck bei der Herstellung unterscheidet, wölben sich die Scheiben dieser Druckdifferenz entsprechend nach innen und nach außen – eine Scheibe nach innen, die andere nach außen. An ihnen reflektiertes Sonnenlicht wird demnach der Verformung entsprechend fokussiert bzw defokussiert und führt bei rechteckigen Scheiben zu den genannten Lichtkreuzen im Lichtkreis.
Aber nicht alle Doppelglasscheiben sind rechteckig. Daher erwartet man von anders geformten Scheiben auch andere Reflexionsformen an gegenüberliegenden Häuserwänden oder anderen Projektionsflächen. Einer dieser seltenen Fensterformen ist das Dreieck. Meist sind solche Dreieckfenster im oberen Giebelbereich zu finden. Wenn diese vom Sonnenlicht getroffen werden, liefern sie der Dreiecksform entsprechende Reflexe. Abbildung 1 zeigt einen solchen Reflex, der von einem Fenster hervorgerufen wurde, das in Abbildung 2 zu sehen ist. Die Fotos wurden mir freundlicherweise von Sylvia Zinser zur Verfügung gestellt, die offenbar einen wachen Blick für Naturphänomene hat.
Die Dreiecksform der projizierten Brennlinie erinnert stark an den Stern einer bekannten Automarke. Mathematiker würden darin vielleicht einen isotoxalen Dreieckstern sehen.

Diskussionen

13 Gedanken zu “Lichtsterne – dreieckige Lichtkreuze

  1. Das Bild macht es deutlich: Die wissenschaftlich technischen Welt zeichnet sich durch Eckiges aus, die „alte“ Welt hatte häufiger noch rundes/halbrundes in der Architektur zu bieten, das nun auch in diesem Bild unten, an der Eingangstüre, am Fuß der „Pyramide“ alleine steht.
    Vielleicht gehöre ich noch zur Oldschool, aber das Runde/Halbrunde bietet mir persönlich eine gefälligere Ansicht.
    Sicherlich würde mir ein katholischer Theologe noch widersprechen: über dem Runden steht doch das Dreieck. Insofern ist das hier ein „katholisches“ Haus.

    Ob die wissenschaftlich technischen Welt für außerhalb ihres Machtbereiches liegende Interpretationen und Befindlichkeiten noch die Zeit hat? Ich höre sie schon sagen: Das kostet alles zu viel Geld! Das treibt die Fixkosten! Und dann werden sie mir noch nachrufen: Aber wenn du das bezahlst, können wir ALLES machen.

    PS: Ob es wohl schon Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen der Schatten- und Lichtspiele gibt, wie bei den Flügelschatten der Windkraftwerke?

    Verfasst von paulpeterheinz | 22. Februar 2022, 07:26
    • Man könnte es noch etwas verallgemeinern und sagen, dass das Lineare typisch für die wissenschaftlich-technische Welt ist. Die Begradigung von Flüssen ist nur ein Beispiel, die inzwischen auf die Urheber zurückwirkt… Aber mit den „Lichtkreuzen in Lichtkreisen“ will ich gar nicht so weit gehen, sondern dies eher als eine Aussage über die Beschaffenheit der Fenster ansehen, die sich aus Zeichen an ganz anderer Stelle manifestiert.
      Nachbarschaftsstreitigkeiten kann ich mir kaum vorstellen, weil auch die alte Technik (Einfachverglasung) bereits Spiegelungen mit sich gebracht hat, ohne dass daraus Probleme erwachsen sind.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 22. Februar 2022, 09:05
      • Ja, das lineare Denken, auch das es immer so zum besseren weitergehen wird…

        Verfasst von paulpeterheinz | 22. Februar 2022, 09:39
      • Hans Blumberg macht schon 1981 in „Die Lesbarkeit der Welt“ auf etwas aufmerksam, was offensichtlich alle aus den Augen verloren (verdrängt) haben: „Bringt man die gängigen kulturkritischen Phrasen (zu denen auch einmal die Aufklärung, das lineare Denken gehörte, Anm. von mir) auf eine, kommt heraus, dass Unbehagen in der Kultur sei beherrscht von einer Enttäuschung, für die niemand angeben kann, welche Erwartungen es denn gewesen waren, die enttäuscht worden sind.“

        Der logische Enthusiasmus und der Glaube an eine Befriedung der Welt, beginnt ja schon mit der metaphysischen Globalisierung – den ersten „Schönen Ideen“ über das Runde, Wahre, Reale- ca. 100 Jahre v.Ch.. Mit ihr beginnt auch der Blick auf den schon immer und ewig währenden Konstruktivismus, der von nun an alle Weltschöpfungen im Großen und Kleinen wie ein Schatten begleiten wird.

        Nur zu gerne legt ein jeder von uns früh morgens mit dem ersten Hahnenschrei diesen Gedanken an einer „nur für heute“ existierende Welt beiseite und geht los, als wenn das, was jetzt passiert, die einzig mögliche wäre. Mit der ganzen Macht unserer Gewohnheit stürzen wir uns in ihren Erhalt und Ausbau. Auch wenn wir sie abends verwünschen, so setzen wir für morgen wieder auf sie. Eigentlich ist die Ent/Täuschung doch jedem ins Stammbuch geschrieben. Noch vorgestern ging ich durch „unseren“ langvertrauten Wald, der jetzt nicht mehr der Alte ist.

        Verfasst von paulpeterheinz | 22. Februar 2022, 10:47
      • Der Mensch wünscht sich Sicherheit und Beständigkeit. Das ist in einer Welt, die durch ständige Veränderungen und unvorhersehbarer Ereignisse geprägt ist, nicht möglich. Nur eines ist sicher und beständig – die Unsicherheit. Unser Wald hat auch einiges mitbekommen. Spaziergänge werden zu Kletterpartien über umgestürzte Bäume… 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 22. Februar 2022, 12:27
    • Es gibt einen Nachbarn, der erfolgreich ein Bäumchen fällen lies, weil er sich so nicht sonnen könne.
      „Ich kann das nicht dulden!“.
      Sich sonnen sah ich ihn allerdings noch nie.

      Verfasst von kopfundgestalt | 22. Februar 2022, 15:08
      • Ja, das ist ein typisches Verhalten. Dazu gehören auch die rechtwinkligen Wege im Garten und der kahlgeschorene Rasen. Außerdem ist der Aufenthalt im Schatten viel gesunder.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 22. Februar 2022, 17:56
  2. „Eigentlich ist die Ent/Täuschung doch jedem ins Stammbuch geschrieben“
    Vermutlich sogar genetisch.
    Bestimmte dem Urmenschen körperlich überragende Tiere „wussten“ von der Gefahr durch ihn. Sie flohen, wo er auftauchte. Selbst bei Insekten gibt es diesen Fluchtreflex.

    Verfasst von kopfundgestalt | 22. Februar 2022, 15:15

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