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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Wie ein leises Singen

’s war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute nacht, 
Wie wenn laue Lüfte gingen: 
„Süße Glöcklein, nun erwacht, 
Denn die warme Zeit wir bringen, 
Eh’s noch jemand hat gedacht.“ – 
’s war kein Singen, ’s war ein Küssen, 
Rührt‘ die stillen Glöcklein sacht, 
Daß sie alle tönen müssen 
Von der künft’gen bunten Pracht.
Ach, sie konnten’s nicht erwarten, 
Aber weiß vom letzten Schnee 
War noch immer Feld und Garten, 
Und sie sanken um vor Weh. 
So schon manche Dichter streckten 
Sangesmüde sich hinab, 
Und der Frühling, den sie weckten, 
Rauschet über ihrem Grab *

Die Blumen haben die nächtliche Kälte der letzten Tage locker überstanden, denn sie haben mit einem Frostschutzmittel vorgesorgt.


* Joseph von Eichendorf (1788 – 1857)

Diskussionen

10 Gedanken zu “Wie ein leises Singen

  1. Schön! *den Titel des Gedichts hast du wohlweislich weggelassen! 😉

    Verfasst von gkazakou | 2. März 2022, 00:27
  2. „Und sie sanken um vor Weh“ ….

    Verfasst von wildgans | 2. März 2022, 10:45
  3. ich mag die gedichte von eichendorff sehr gern. danke fürs finden und teilen.

    Verfasst von wolkenbeobachterin | 2. März 2022, 13:18
  4. Sag mir wo die Blumen sind,
    Wo sind sie geblieben
    Sag mir wo die Blumen sind,
    Was ist geschehen?

    Mir will dazu kein rechter Kommentar gelingen. Nur die erste Strophe des bekannten Liedes.

    Deshalb habe ich einfach mal aus den unromantischen Tagebüchern des Krieges zitiert:
    Heute in der FR +++ 16.00 Uhr: Laut eines Berichts des Nachrichtenportals Kyiv Independent hat Russland im Ukraine-Krieg eine ganze Brigade verloren. Konkret soll das bei Kämpfen um die Stadt Tschernihiw passiert sein. Demnach soll die 35. Motorisierte Schützenbrigade fast vollständig vernichtet worden sein. Laut einer Sprachnachricht, die dem Kyiv Independent vorliegt, haben nur „18 von 150 Soldaten“ den gescheiterten Angriffsversuch überlebt. Laut Wolodymyr Selenskyj sind im Ukraine-Krieg bislang mehr als 6000 russische Soldaten gefallen. „Sie alle starben umsonst“, sagte der ukrainische Präsident in einer Ansprache.

    Und Rilke schrieb zum ersten Weltkrieg, von dem er kurz überzeugt war::
    „Nur die ersten drei, vier Tage im August 1914 meinte ich einen monströsen Gott aufstehen zu sehen; gleich darauf wars nur das Monstrum, aber es hatte Köpfe, es hatte Tatzen, es hatte einen alles verschlingenden Leib –, drei Monate später sah ich das Gespenst – – und jetzt, seit wie lange schon, ist’s nur die böse Ausdünstung aus dem Menschensumpf.“ (RM Rilke in einem Brief an Marianne Mitford vom 15. Oktober 1915)

    Verfasst von paulpeterheinz | 2. März 2022, 17:50
    • Mir fehlen auch die Worte. So etwas wie jetzt in Europa passiert hätte ich mir vor kurzem noch kaum vorstelle können. Man kann nur hoffen, dass es zu keinen weiteren Steigerungen kommt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 2. März 2022, 18:30
      • SUPER: Das Ergebnis der UN Resolution gegen Russland:
        141 dafür
        5 dagegen
        34 Enhaltungen

        Wolodymyr Selenskyj Twittert:
        „Destructive results of the vote in 🇺🇳 for the aggressor convincingly show that a global anti-Putin coalition has been formed and is functioning. The world is with us. The truth is on our side. Victory will be ours 🇺🇦!“

        Verfasst von paulpeterheinz | 2. März 2022, 19:04
      • Ja, ich habe es auch gerade in der Tagesschau gesehen. Hätte ich nicht erwartet.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 2. März 2022, 20:19

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