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Physik im Alltag und Naturphänomene

Wind und Wellen

Gegen Ende eines Spaziergangs verschwindet die Sonne in einer gleich doppelt aufziehenden Bewölkung – oben und unten – was sich in einer doppelten Verdunklung bemerkbar macht. Gleichzeitig nähert sich vom Ende des Kanals her eine Aufhellung, die die Spiegelung auf dem Wasser auslöscht. Noch bevor ich die Ursache über die Erblindung des Wasserspiegels herausgefunden habe, zieht ein Wind auf, der sozusagen die Eintrübung des Anblicks auch körperlich erfahrbar macht. In dem Moment ist auch klar, was es mit der herannahenden Aufhellung auf sich hat: Durch den Wind werden auf dem Wasser Wellen ausgelöst, wodurch der weitgehend glatte Spiegel in einen Rippelspiegel verwandelt wird. Dieser zeichnet sich durch steile Wellenflanken aus, die für zusätzliche Reflexionswinkel sorgen. Auf diese Weise gelangt auch das helle Licht aus dem noch nicht eingetrübten Zenit in die Augen.
Die Wellen breiten sich aus Trägheit wesentlich langsamer aus als der sie antreibende Wind. Sie schaffen es nicht, bis auf meine Höhe vorzudringen, weil inzwischen die rasch aufziehende Front wie eine horizontale Jalousie alles verdunkelt hat. Dann fallen auch schon die ersten Tropfen…

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Diskussionen

10 Gedanken zu “Wind und Wellen

  1. 1. wortkarger fließer

    früh spricht hier wortkarg
    wer mensch werden muss

    klare sätze graben ihn
    in diese welt

    sprachlos läuft der fluss
    mit unbeschreiblichen kurven

    wortkarg wird
    er immer schöner

    kommentarlos zeigt
    er sein dunkles gesicht

    sein heimlicher text
    nicht lange reden
    fliessen

    2. wie flussland entstand

    augen treffen land und fluss
    perspektive erregt das gemüt
    sachverstand aktiviert die hand

    hoffnung sammelt menschen
    mitmachen – frag nicht

    frag nicht
    nach gefährlichem fluss
    nach deiche die brechen können
    nach wasser das übertritt
    alles unter sich begräbt

    doch vor hoffnung
    verblasst hier gefahr

    wenn sie eintritt
    triefen augen
    nur kurz –
    und weiter geht`s

    (Die habe ich mal für einen anderen Fluss geschrieben.
    Irgendwo im Norden)

    Verfasst von paulpeterheinz | 7. März 2022, 16:30
  2. ungefragte zugabe….

    3. der fluß singt einfach sein lied

    mit wechselhafter monotonie
    die raum begreifen lässt

    in unsteter gleichförmigkeit
    die vielfalt birgt

    in wilder ruhe
    den sturm begrüßt

    die schatzhebende ebbe
    auf dunklem geheimnisgrund

    die gnadenlose flut
    mit vorahnung
    von haltlos-getrieben

    Verfasst von paulpeterheinz | 7. März 2022, 17:52
    • Wir betrachten die Phänomene von 2 Seiten. Du von der lyrischen, ich von der physikalischen. Nimmt man noch weitere hinzu, z.B. Bilder, Musik… käme man zu einer umfassenderen Annäherung an das Phänomen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. März 2022, 18:40
      • Wobei die Lyrik längst nur das blasse, lallende Stiefkind mächtiger „Eltern“ ist – wenn sie überhaupt noch interessiert, dann in Randgruppen. Die „Eltern“, das sind nun ehrenwerte, seriöse Leute, die mit „Methode“ und übergeordneten Interessen zu Wasser-Werke gehen, dem Wasser nahe treten, nur mit einer anderen Lyrik:
        Es sind die Damen und Herren aus der Familie der Hydrologen.
        Sie gemeinsam betrachtet das Wasser sowohl hinsichtlich Erscheinungsformen, Zirkulationen, Verteilungen in Raum und Zeit, seiner physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften sowie seiner Interaktionen mit der Umwelt, einschließlich der Beziehungen zu Lebewesen.
        Sie haben die Meere, die Gewässer des Festlandes, die Binnengewässer, die Fließgewässer zu ihrer Domäne erklärt. Längst sind sie zu einer internationalen Verwandtschaft aus unübersehbaren Fachgebieten angewachsen- der Hydrogeographie, die Hydrogeologie, die Wasserchemie, die Atmosphärenphysik, die Meteorologie, die Glaziologie als Wissenschaft, die sich der Entstehung, den Formen, der Wirkung und der Verbreitung des Eises auf der festen Erde annimmt, die Sedimentologie mit dem Spezialgebiet der Alluviologie (Geschiebekunde), die Pedologie und die Geologie als einer der Grunddisziplinen der Geowissenschaften, die Geographie sowie die Hydromorphologie.

        Da kommen oft die Stimmungen und Gefühle zu kurz oder verstummen schnell. Wer schaut heute noch „unschuldig“ auf Wasser?

        Allenfalls nutzten wir es als Metapher: dass alles fließt, dass einem das Wasser bis zum Hals steht, dann heulen wir Rotz und Wasser das Wasser zum Wirtschaftsgut verkommen sei, das der Eimer so lange zum Brunnen geht bis er bricht, das stille Wasser tief seien, das jemand kein Wässerchen trüben könne, das jemand über Wasser gehen könne.

        Seit wir wissen uns doht eine zweite Sintflut, bauen wir alle Archen – aber nur aus politischer Lyrik.
        Das kommt ein Nachdenken darüber, dass wir ursprünglich Wesen des Fruchtwassers waren, dass einige vermuten, unsere Vorfahren wären ursprünglich Fische gewesen, die sich aufs Land getraut hätten, schon mal zu kurz.
        Der Mensch – ein Ursprungs-vergessenes Wesen? Alles stehende und fließende verdampft unter seiner ekstatischen Wissens-Macher-Lust-Wut.

        Wobei man –zugegeben- von der Lyrik auch den täglichen Wasserbedarf nicht stillen kann. Man kann auch in Schönheit untergehen. Aber lieber schön untergehen als im Krieg elendig verrecken.

        Wir dürsten eben immer nach…etwas.

        Verfasst von paulpeterheinz | 8. März 2022, 08:14
      • Und nicht zu vergessen, dass der Mensch und mit ihm alle anderen Lebewesen zum allergrößten Teil aus Wasser bestehen. Deswegen können wir auch kein Wässerchen trüben 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 8. März 2022, 09:39
      • Ja und wenn mal was passiert oder ein herzerweichendes Wasser / Steinlied gesungen wird:

        dann haben viele „nah am Wasser gebaut“.

        Sind die Tränen getrocknet gehen wir davon aus, „das uns keiner das Wasser reichen kann“.
        Fragen wir den Fisch was Wasser ist, so wird er erstaunt antworten, von diesem Elemnt noch nie etwas gehört zu haben.
        Aber nur Geduld: steter Tropfen höhlt und schleift mit der Zeit jeden Stein.
        Ist das Wasser ganz ruhig, kann sich der Mond auf der Oberfläche des Sees perfekt spiegeln.
        Herrscht auch nur die geringste Bewegung, wird das Bild des Mondes verzerrt. Spiegelt sich der Mond in den Wellen,
        scheint es als würde es viele Monde geben.
        Passiert dann etwas oder auch nichts, dann war das ein Schlag ins Wasser.
        So ergeht es einem, der einfach ins kalte Wasser springt. Es sei denn, Er/Sie ist mit allen Wassern gewaschen.

        So nun riecht es nach Kaffe, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
        Aber vorher noch die letzte Wasser-Frage: ..bei Dir alles im Fluß? :-))

        Verfasst von paulpeterheinz | 8. März 2022, 17:59
      • Danke für die schönen Ergänzungen zum Thema Wasser. Und, ja, bei mir ist alles im Fluss…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 8. März 2022, 19:00
  3. Der Text wirkt komprimiert, er ist aufgeladen.
    Mit allerlei.

    Ich dachte bei der Rippelwelle gleich an das Schwert der Sonne.

    Alles geht manchmal sehr rasch, Phänomene geben sich die Hand, Wind, Silberrippel, Wolkenbverdunklung, Regen…

    Verfasst von kopfundgestalt | 7. März 2022, 20:51

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