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Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Strukturen aus dem Untergrund

Was ist auf diesem Foto zu sehen? Hochzüngelnde Flammen in ungewöhnlichen Farben. Oder merkwürdige Pflanzen die dem Licht entgegen streben? Mit solchen Fragen könnte ich diesen Beitrag beenden und das Foto als eine Art naturschönes Kunstwerk stehenlassen. Oft tue ich das.
Aber eines meiner wesentlichen Anliegen ist es zu erklären. In diesem Fall geht es mir darum zu zeigen, was man in seiner Umgebung sehen kann, wenn man es nicht übersehen würde. Unsere Netzhäute werden nämlich wesentlich öfter von sehenswerten und ästhetische ansprechenden Dingen belichtet als man denkt. Sehen muss gelernt werden.
Die hier zu sehenden Gebilde sind Wasserströme, die langsam aus dem feuchten Sanduntergrund hochquellen und aufgrund unterschiedlicher Strömungsbedingungen (zentrale Strömung = meist schnell, Randströmung = meist langsam) den aus schwarzen und weißen Sandkörnern bestehenden Untergrund zu natürschönen Gebilden umgestalten. Diese Gebilde variieren in der Höhe nur um wenige Zentimeter, sind also weit von der Höhe entfernt, die uns (vielleicht nur mir?) das Foto vorgaukelt.
Die Aufnahme wurde an einem vielbesuchten Strand gemacht, der zur Landseite hin eine gewisse Steigung besitzt und erst kurz vorher die Gezeitenflut hinter sich gelassen hat. Vermutlich strömt nunmehr – vom Druck des auflastenden Wassers befreit – das Untergrundwasser nach oben. Für mich ist es jedenfalls ein naturschöner Anblick. Nicht weit von dieser Stelle entfernt beobachtete ich merkwürdige Minivulkane, die ebenfalls eine ästhetische und – wenn man so will – wissenschaftliche Seite haben..

Diskussionen

8 Gedanken zu “Strukturen aus dem Untergrund

  1. Ganz fremd wirkt das Dargestellte auf mich, auch nach deiner Erklärung. Noch nicht einmal die Vorstellung einer Größenordnung stellt sich bei mir ein. Ganz gewiss habe ich so etwas noch nie gesehen, obwohl ich am Strand überwiegend am Meeressaum und mit Blick nach unten unterwegs bin.
    Ich kann es aber auch ohne Deutung einfach als außergewöhnlich attraktive Struktur bewundern.

    Verfasst von Ule Rolff | 10. März 2022, 08:51
    • Auch auf mich wirkte das Phänomen sehr fremd als ich mit nackten Füßen hindurchlief und durch das Hochquellen und Strömen zahlreicher kleiner Flüsse zum Meer hin bestaunte. Merkwürdig ist m.E. weniger das Hochquellen als die Trennung der schwarzen und weißen Sandpartikel, durch die ja die Strömungsstrukturen überhaupt erst sichbar wurden. Aber noch merkwürdiger als dieses Phänomen fand ich die schon früher beschriebenen Sandpusteln bzw. Minivulkane mit denen ich mich länger beschäftigt habe. Solche Grenzen (hier zwischen Land und Wasser) sind immer wieder für neue Phänomene gut.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. März 2022, 11:20
      • Die ‚Minivulkane‘ kenne ich wohl.
        Kann die Trennung von schwarzem und weißem Sand bei Sonne durch Temperaturunterschiede zustande kommen?

        Verfasst von Ule Rolff | 10. März 2022, 12:14
      • Das ist ja toll. Ich habe bisher keinen kennengelernt, der sie kennt, allenfalls von dem Gefühl her, dass an bestimmten Stellen des festen feuchten Strands der Boden unter den Füßen plötzlich so locker ist.
        Die Trennung der Sandkörner kann nicht durch Temperaturunterschiede erfolgen, sondern nur durch Wind und Wasserströmungen. Im vorliegenden Fall haben die hellen und die dunklen Sandkörner eine unterschiedliche Dichte (gleichgroße Körner sind also unterschiedlich schwer). Daher haben Strömungen eine unterschiedliche Wirkung.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. März 2022, 13:31
      • Ach so. Danke für die Erklärung.

        Verfasst von Ule Rolff | 10. März 2022, 14:00
  2. Ja, sehr schön.

    Sehen will gelernt sein, sagst Du.Also unter anderem die Orte kennenlernen, wo „Sonderbares“ geschieht.

    Ich erinere mich gerade an eine Schwebfliege auf den Kanaren, die auf Kakteenblüten spezialisiert ist.
    Da ich wusstte, daß sie gestreifte Facettenaugen hat, sah ich diese sofort. Für einen Tourist sonst nur eine gewöhnliche Fliege.

    Wie ist ganz allgemein jetzt zu unterscheiden: Wenn man von der Konstruktion eines winzigen Dings weiß, was sieht man dann da „objektiv“, wenn man draufguckt? Vielleicht nur ein Konstrukt, eine Vorstellung, eine Idee.

    Wenn man, das wäre in einer Versuchsanordnung zu prüfen, konditionert worden ist, etwas Bestimmtes zu sehen, sieht man dann genau dieses oder kann Gehirn-Auge davon dann ausweichen? Und unter welchen Bedingungen.

    Vielleicht etwas konfus, was ich da vorbringe.

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. März 2022, 10:47
    • Ich denke schon, dass die Vorerfahrungen beim Sehen entscheidend sind. Sie prägen die Erwartungen (Wiedererkennen) und die spezifische Aufmerksamkeit. Das ist gerade bei seltenen und unscheinbaren Beobachtungsgegenständen der Fall.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. März 2022, 11:25

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