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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Optische Täuschung auf der Straße

Als ich einen Spaziergang auf einer ziemlich ramponierten Asphaltstraße unternahm, den Blick in die Ferne schweifen ließ und auf die Straße nur deshalb achtete, um nicht zu stolpern, geriet ich plötzlich ins Stolpern. Es lag zwar kein Grund vor, denn die Straße war an der Stelle nicht schlechter als anderswo, aber sie trug eine „Zeichnung“ die tief in unsere abendländische Wahrnehmung integriert ist. Die wie auch immer durch den Einfluss von Witterung und Benutzung entstandenen Riefen verliefen gerade so, wie man es gelernt hat eine Kuhle auf einem Blatt Papier eine Kuhle zu zeichnen: lauter zum Zentrum hin (dort wo es am tiefsten sein sollte) schwungvoll gezogene Linien.
Es ärgerte mich schon ein wenig, dass ich mich in der vertrauten räumlichen Welt (unbewusst) von Riefen auf einer weitgehend ebenen Fläche dermaßen täuschen ließ. So wäre es beinahe dazu gekommen, dass mich nicht ein reales, sondern ein eingebildetes Hindernis zu Fall gebracht hätte. In welcher Welt lebe ich eigentlich?
Noch ein Wort zur dunklen Färbung des Asphalts. Auch dabei handelt es sich nicht um einen echten Unterschied zur hellen Färbung. Das Wasser eines kurz vorher niedergegangenen Regens hat sich in den Riefen länger gehalten als im übrigen Bereich. Denn die Verdunstungsrate ist überall gleich. Nasse Stellen pflegen dunkler und farbintensiver zu sein als helle, das hatten wir früher schon einmal diskutiert.

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Optische Täuschung auf der Straße

  1. Ich bin mal durch eine Täuschung in Gefahr geraten.
    Derlei Dinge passieren gelegentlich.

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. März 2022, 00:08
  2. Eine Verständnisfrage: Was genau ist dabei so tief in unserer abendländischen Wahrnehmung integriert?

    Verfasst von paulpeterheinz | 11. März 2022, 06:31
    • Damit wollte ich auf die seit der Renaissance eingeübte Sehweise (z.B. das perspektivische Sehen und die damit einhergehenden Vorschriften für ein als realistisch angesehenes Darstellen) anspielen. Es gibt z.B. Untersuchungen, dass das weitgehend kulturell bestimmt ist. Insbesondere hat man festgestellt, dass z.B. fluchtende Linien auf Fotos und Bildern in anderen Kulturen (die es inzwischen kaum noch gibt) als völlig unrealistisch angesehen werden.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. März 2022, 09:44
      • Vor der Renassance wurde Landschaft hinter portraitierten Personen “ platt“ dargestellt. Nun kann man ja sagen, daß Landschaft per se niemals Thema war, also vernachlässigbares Sujet. Daher das Undurchwirkte, das Unräumliche dieser Landschaften. Deine Aussage meint, daß perspektivische Sehen als Solches nicht existierte.
        Naturvölker kannten doch auch keine Fluchten, meine ich.

        Aber klar, das Thema ist nicht ganz so einfach.

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. März 2022, 09:56
      • Es ist in der Tat erstaunlich, dass es es kaum möglich ist, sich von der kulturell eingeübten Sehweise (ein gedanklich) zu lösen. Wir sehen durch diese Brille und können nicht anders.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. März 2022, 10:17

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