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Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Sandgeschichten – Minilawine am frühen Morgen

Die Sonne ist kaum aufgegangen und schickt ihr gelbliches Licht flach über die Hänge der Sanddünen. Dabei hebt sie eine feine Miniskulptur aus dem Sand hervor, die ich ansonsten wohl kaum wahrgenommen hätte. Diese kleine langgezogene Sandzunge erzählt mir dann eine kleine Geschichte, die ganz oben an der feinen Spitze beginnt.
Man sieht dort das Ende der Spur eines Käfers, die direkt in die Zunge übergeht. An der Stelle löst das Tierchen diese seiner Größe entsprechende kleine Sandlawine aus. Sie gelangt aufgrund der konkaven Wölbung des Abhangs schnell in den unterkritischen Bereich der Neigung und kommt zum Stillstand: Der Sand, der im oberen Teil der Lawine im Bewegung kam, und eine entsprechende Vertiefung hinterließ, finden sich hier als volumenmäßig gleich große Erhöhung wieder: Konkaves wird konvex.
Die Geschichte geht aber noch ein wenig weiter. Den Spuren auf der Sandzunge zufolge hat sich das Tierchen schnell aus der unfreiwilligen Fahrt mit dem Sand-Paternoster befreit, findet schnell wieder Tritt und hat nichts besseres zu tun, als die nunmehr zum Stillstand gekommene Sandzunge zu überqueren. Es sieht so aus, als hätte der Käfer völlig ungerührt seinen ursprünglich eingeschlagenen Weg ein wenig parallel verschoben fortgesetzt.

Diskussionen

24 Gedanken zu “Sandgeschichten – Minilawine am frühen Morgen

  1. So eine schöne GuteNachtGeschichte! Und morgen wieder raus 🙂.

    Verfasst von Ule Rolff | 27. Mai 2022, 00:05
  2. Das ist ja eine ganz besondere Geschicht vom Käfer mit dieser Lawine und dann zu einem wunderschönen Sandkunstwerk geworden!

    Verfasst von Gisela Benseler | 27. Mai 2022, 00:33
  3. Sehr ästhetische Form ist bei diesem Käferspaziergang entstanden. Wundert mich bei manchen Wesen – Ameisen, Käfer, Kellerasseln- wie sie trotz Hindernissen ihren Weg fortsetzen, als hätte es keine Störung gegeben.

    Verfasst von ele21 | 27. Mai 2022, 09:25
  4. Fabelhafte Beobachtung! Aus konkav wird konvex – hier wird’s zum Erreichnis!

    Verfasst von gkazakou | 27. Mai 2022, 09:31
  5. Gestern um 21:20 sah ich eine Katze auf dem Dachfirst eines Hauses klettern. Sie wollte dann die Ziegel runterklettern, geriet aber ins Rutschen und auch der letzte Versuch , sich ans Ende einer Regenrinne zu klammern schlug fehl. So stürzte sie jäh in die Tiefe, das alte Haus war sehr hoch, vielleicht 15 m bis zu den Ziegeln.
    Landete auf dem Pflaster unversehrt und setzte seinen Streifzug fort.
    Wir können jedenfalls „nicht wie die Katzen fallen“.

    Verfasst von kopfundgestalt | 27. Mai 2022, 11:04
    • Wegen der Flächen-Volumen-Relation ist die Katze von der Masse her fast an der Grenze derer, die einen solchen Sturz durch ausgeklügelte Technik unversehrt überstehen. Danach helfen nur noch technische Hilfsmittel…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Mai 2022, 11:30

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