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Physik im Alltag und Naturphänomene

Sandlawinen am Dünenhang

Wenn Sanddünen einen kritischen Schüttwinkel erreichen, genügt nur wenig mehr an Sandzufuhr oder durch äußere Störungen, um kleinere oder größere Lawinen auszulösen, sodass der Schüttwinkel wieder ein unterkritisches Maß erreicht. Die Sandabfuhr in einer Lawine erfolgt nicht irgendwie, sondern kollektiv und (selbst)organisiert, was sich oft in ästhetisch ansprechenden naturschönen Mustern zeigt, wie auch in diesem Foto.
An den Sandstrukturen ist zu erkennen, dass die von oben gestarteten Hauptlawinen sich zum Ende hin verästeln und ein grobes dendritisches Muster bilden, bevor sie zum Stillstand kommen. An der unteren Grenze, durch die Sandbereiche leicht unterschiedlicher Färbung (oben eher hell, unten eher dunkel) getrennt werden, ist zu erkennen, dass vorher schon eine oder mehrere größere Lawinen abgegangen sein müssen.
Der Sand besteht aus dunklen und hellen Körnern, die sich in ihrer Dichte unterscheiden. Sie zeigen daher beim Abgang ein dementsprechendes unterschiedliches Verhalten. Die schwereren (dichteren) schwarzen Sandkörner rollen ein Stück weiter als die hellen und rahmen auf diese Weise die Strukturen mit einer dunklen Umrandung ein. Ohne dies wäre die Strukturierung kaum zu sehen gewesen.
Als ich die „eingefrorenen“ Lawinen entdeckte, zeichneten sie sich überdies durch eine erstaunliche Stabilität aus. Versuche, neue Lawinen auszulösen oder die alten wieder auf Trapp zu bringen misslangen. Der Grund war, dass die obere Sandschicht in der kühlen Nacht durch kondensierenden Wasserdampf feucht geworden war und die Sandkörnchen durch Kapillarkräfte miteinander „verklebt“ wurden, so wie man es von Sandburgenbau kennt.

Diskussionen

4 Gedanken zu “Sandlawinen am Dünenhang

  1. Einmal zu Kunst geworden, kann sie bestenfalls übermalt werden . Dazu muss die Nachtfirnis ihren Dienst aufgeben. Das tut sie lächelnd nach und nach…

    Verfasst von kopfundgestalt | 6. September 2022, 08:43
  2. Bin dankbar für diese hier gezeigten und beschriebenen Erscheinungen aus der Natur, die mein Denken in gute Richtungen lenken…
    Heute musste ich an die Sandhügel um die ausgebaggerten Kieslöcher in der Nähe des Rheins denken, wo unsere Kinder früher so eifrig und kreischend heruntergerutscht sind…

    Verfasst von wildgans | 6. September 2022, 12:57
    • Das freut mich. Ich selbst habe auch eine starke Beziehung zum Sand in seinen natürlichen Formationen, die weit in die eigene Kindheit zurückreicht. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schlichte Sandkörnchen durch die bloße Einwirkung des Winds zu derartigen Strukturbildungen veranlasst werden können.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. September 2022, 14:22

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