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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Auch Insekten können pingelig sein

Als ich gestern einen streifenden Blick über die Blätter der Stechpalme warf, war mir als würde irgendetwas nicht stimmen. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich, dass einige der tiefer liegenden Blätter durch die höher gelegenen hindurchschimmerten. Betrachtet man das untere Blatt links der Mitte, so sieht man in der Tat den schemenhaften Umriss des dahinter liegenden etwas verschwommenen Blattes. Ihr werdet es inzwischen erkannt haben: Das vermeintlich durchsichtige Blatt besteht nur noch aus seinem Rand. Der Rest wurde offenbar von einem hungrigen Tierchen sorgfältig herausgebissen bzw. gefressen. Zu einer anderen Jahreszeit hätte ich auf eine Schnecke getippt. Dies sieht mir aber eher als Werk von Insekten aus. Bei einigen anderen Blättern der Stechpalme sieht man bereits den Beginn eines ähnlichen Kahlfraßes. Wenn man dem Tierchen keine Pingeligkeit oder ästhetische Ambitionen unterstellen will, bleibt nur der Schluss, dass ihm der Blattrand zu hart ist. Wer sich an dieser Stechpalme einmal geratscht hat, wird dafür Verständnis aufbringen.

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Diskussionen

22 Gedanken zu “Auch Insekten können pingelig sein

  1. Wie kleine Kinder, die das Brot bitte nur ohne den harten Rand speisen wollen…
    Vielleicht kann Gerhard eine Aufklärung beisteuern?

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    Verfasst von wildgans | 24. November 2022, 00:04
  2. Das tue ich 🥴 ich ratsche öfter daran als mir lieb ist.

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    Verfasst von Lopadistory | 24. November 2022, 00:35
    • Mit dem Ratschen haben Insekten zumindest keine Probleme. Ihre Kleinheit schützt sie.

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      Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2022, 08:59
      • Scharfes erleben sie nicht, das stimmt sicher. Aber dafür jede Menge Gerümpel, über das sie latschen müssen. Bau mal einen Roboter, der das ähnlich gut kann.

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        Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2022, 10:06
      • So ähnlich hat sich auch mal Lichtenberg geäußert. Der Mensch könne Kathedralen verfertigen, aber er bringt keine Mücke zustande.. Leider finde ich das richtige Zitat zurzeit nicht.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2022, 11:00
      • Ein vielschichtiges Zitat, das mir natürlich gefällt.
        Eine Kathedrale ist natürlich ein Klacks gegen eine Mücke.
        Da fällt mir Schopenhauers Zitat bzgl. Schach ein:
        Das Schachspiel übertrifft alle anderen Spiele so weit wie der Chimborazo einen Misthaufen.

        Damals, zu Zeiten Schopenhauers, war Schach noch einfach, heutzutage braucht es KI, um es annähernd auszuschöpfen.

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        Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2022, 11:12
      • Am Schachspiel erkennt man mal wieder, dass Menschen etwas schaffen können, dessen Möglichkeiten sie nicht annähernd erkennen, geschweige denn ausschöpfen können.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2022, 11:15
      • In der Physik erkennt man ja auch seit Newton (um einen Namen zu nennen) immer tiefere Wahrheiten, die man mit immer raffinierteren „Tricks“ auf die Spur zu kommen versucht.
        Mir kommt das vor wie Sehen ohne Augen und Tasten ohne Tastsinn.

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        Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2022, 11:27
      • Sehen und Tasten werden zunehmend durch feine Sensoren ersetzt, hinter denen sehr viel Theorie steckt.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. November 2022, 12:33
      • Erstaunlich immer, daß Theorie sich deckt dann mit Befunden. Das ist doch eigentlich mystisch oder?! Was denken denn die Forscher darüber?
        Kann es denn ein Ende dieser Deckungsreihe geben? Also ein Punkt, über den Physik nicht gehen können wird?
        Ich hörte mal Gottfried Schatz im SRF darüber sprechen.

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        Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2022, 19:15
      • Das zeigt m.E., dass diese unsere Welt doch nach zumindest teilweise erkennbaren Regeln/Mustern funktioniert. Anders wäre ein halbwegs planbares Leben kaum möglich.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 25. November 2022, 08:28
  3. Ich unterstelle dem Tierchen ästhetische Ambitionen! Was denn sonst? 😉
    Vorbei die Zeit, in der man Insekten Primitivität unterstellt hat.
    Sie werden uns demnächst auch Botschaften hinterlassen. Einfach, indem Sie z.b. über Wörter von Buchseiten wandern.

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    Verfasst von kopfundgestalt | 24. November 2022, 00:53
  4. Erstaunlich! So wird diese Pflanze ganz filigran. Ich habe noch nie irgendein insektenartiges Wesen am Ilex knabbern sehen.

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    Verfasst von Ule Rolff | 24. November 2022, 08:58
  5. Daß das obere Blatt der Stechpalme nur noch aus dem stehengebliebenen Rand besteht, hätte ich nicht gleich bemerkt. Es sieht so ja auch wie ein Kunstwerk aus.

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    Verfasst von Gisela Benseler | 24. November 2022, 16:15
  6. inspirierend. Hab ich gleich für einen eigenen Eintrag benutzt-

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    Verfasst von gkazakou | 24. November 2022, 19:43

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  1. Pingback: Deutsche und griechische Insektenkünstler im Vergleich (mit Dora) | GERDA KAZAKOU - 24. November 2022

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