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Joachim Schlichting

Joachim Schlichting hat geschrieben 1505 Beiträge für Die Welt physikalisch gesehen

Ein altes Phänomen im neuen Licht

Schlichting, H. Joachim. Physik in unserer Zeit 49/6 (2018) S. 307

Neue LED-Leuchtmittel in der Straßenbeleuchtung führen unter dem Blätterdach von Bäumen dank der geometrischen Anordnung der LEDs zu auffälligen Abbildungen auf dem Boden.

Wenn eine helle Lichtquelle durch kleine Öffnungen strahlt, so kann man in der Projektion auf dem Boden, an der Wand o.Ä. Lichtmuster erkennen, die dieForm der Lichtquelle haben. Es handelt sich um Lochkameraabbildungen, die wegen des krassen Unterschieds zwischen der Helligkeit der Lichtquelle und der Umgebung meist nur die Lichtquelle wiedergeben. So kann man beispielsweise im Schattenbereich eines Blumenstraußes, der von einer nackten Glühlampe oder von einer anderen Form der Lichtquelle durchleuchtet wird, merkwürdige Lichtkringel erblicken, die sich als Abbildungen des jeweiligen Leuchtkörpers entpuppen. Ähnliche Abbildungen findet man bei der Sternlampe in einem Kinderzimmer. Weiterlesen

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Schattenperformance im Wüstensand

Die Frage, ob Schatten sich bewegen oder nicht hat bereits Philosophen bewegt. Das Problem hängt meist an einer weiteren schwierigen Frage, ob nämlich der Schatten eine eigene Realität besitzt oder nicht. In der Literatur hat diese Frage zumindest in Adelbert von Chamissos (1781–1838) wundersamer Geschichte von Peter Schlemihl eine eindeutige Antwort erhalten. Weiterlesen

Erlebte Perspektive grotesker Schatten

Wenn man am Morgen kurz nach Sonnenaufgang bei Sonnenschein in den Sanddünen wandert, wird man nicht nur durch die Strukturen belohnt, die der Wind in der Nacht aus der Mischung der hellen und dunklen Sandkörnchen gebildet hat, sondern auch durch die vielfältigen Schatten, die von einer Düne auf die folgenden geworfen wird und dadurch ein ganz anderer Eindruck erweckt wird als bei bedecktem Himmel oder hochstehender Sonne.
In einer solchen Situation wird man nicht selten vom eigenen Schatten überrascht, insbesondere dann, wenn er ungewöhnliche Formen annimmt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn er sich über mehrere Dünen erstreckt und  auf diese Weise geknickt und zerschnitten wird, wenn er auf eine Schräge fällt, die gerade dem Einfallswinkel des Sonnenlichts entspricht oder sogar gespensterhaft auf dem Treibsand zu sehen ist. Weiterlesen

Ein Farbenfest der Fünfzähligkeit

In südlichen Breiten ist man ganzjährig von farbenprächtigen Blüten umgeben. Ich bin insbesondere von den Hibiskusblüten beeindruckt, die hier in zahlreichen Variationen anzutreffen sind. Auf dem Foto sieht man eine voll entfaltete Blüte mit ihren prachtvollen Stempeln und Staubgefäßen in äußerst verlockenden Farben. Wer von den Insekten da noch zögert, ist selber schuld.
Dominierend ist hier – wie so oft im Bereich der belebten Natur – die Fünfzähligkeit. Die fünf Kronblätter leuchten hier in einem satten Rot, sie können aber auch andere Farben aufweisen. Die Staubfäden der zahlreichen Staubblätter sind zu einer langen Röhre zusammengewachsen, die weit aus der Blüte herausreicht. Wenn ich recht informiert bin, dient diese sogenannte Columna der Verhinderung der Selbstbestäubung. Besonders eindrucksvoll sind die fünf ausgreifenden Griffeläste mit ihren samtenen Narben.

Nur ein Nachen auf dem Wasser

Vor einiger Zeit habe ich über den jungen Sichelmond berichtet, wie er aufgrund seiner Nähe zur untergehenden Sonne eine gute Anschauung zu den Mondphasen liefert. Diese in unseren Breiten meist fast aufrecht stehende Sichel wird in der Nähe zum Äquator oft ziemlich oder ganz flach wie ein Schiffchen angetroffen. Das erinnert mich an eine Geschichte aus der Kindheit, in der der Mond als Nachen bezeichnet und fast genau so dargestellt wurde, wie es auf diesem Foto zu sehen ist, vielleicht sogar noch etwas flacher. Weiterlesen

Wind, Sand und Struktur

Das Walroß und der Zimmermann,
Spazierten hier am Strand
Und weinten herzlich über den
Entsetzlich vielen Sand:
„O weh und ach!“ so seufzten sie,
„Der Sand nimmt überhand!“
„Wenn sieben Mägde sieben Jahr
Hier täglich siebenmal kehren,

Ob sie dann wohl“,
das Walroß sprach,
„Den Strand vom Sand entleeren?“
Wohl schwerlich“,
sprach der Zimmermann
Und weinte heiße Zähren. Weiterlesen

Fließender Schatten

Obwohl Schatten nur Löcher im Licht sind, gibt es Situationen, in denen er uns wie eine dunkle Flüssigkeit vorkommt (siehe Foto). Diese Flüssigkeit scheint sogar die Fähigkeit zu haben, der Schwerkraft trotzend auf der einen Seite der Düne bergauf zu fließen, um sich dann in den durch die Sandrippel geformten Rinnen auf der anderen Seite wieder hinabzuschlängeln :-).

 

Serpentinen – schlängelnde schiefe Ebenen

Wenn man durch die Bergwelt Gran Canarias fährt oder gar wandert, fallen u.a. die Serpentinen auf, die sich an den Bergen entlang schlängeln. Das Schlangenhafte liegt auch dem Wort Serpentine zugrunde und ist sicherlich das auffälligste Merkmal, insbesondere dann wenn man die endlos erscheinende Kurverei selbst durchmacht. Von oben sieht dann alles sehr friedlich aus, auch deshalb weil man endlich oben ist.
Der Sinn des Schlängelns liegt in der Verringerung der Steigungen, was nur mit einer Verlängerung des Weges zu erreichen ist. Dadurch wird die zur Überwindung der Steigung aufzubringende Kraft reduziert, denn man muss pro Streckeabscnitt, also beim Gehen pro Schritt eine geringere Höhe überwinden. Das kommt sowohl dem Wanderer als auch den vornehmlich für die flache und nicht für die schiefe Ebene konstruierten Fahrzeugen zugute.
Physikalisch gesehen gehört eine solche schiefe Ebene zu den einfachen Maschinen. Dabei geht man im Idealfall davon aus, dass die aufzuwendende Energie unverändert bleibt: Die Kraftersparnis wird gewissermaßen durch eine Wegverlängerung erkauft.
Das bezieht sich allerdings nur auf die Höhenenergie. Denn zur Fortbewegung auf einer Straße ist zur Überwindung der Reibung ebenfalls Energie aufzuwenden und die ist natürlich umso größer, je länger die Straße ist.
Beim Wandern im Gebirge sieht man manchmal „wilde“ Abkürzungen zwischen zwei Windungen einer Serpentine. Sie zeugen davon, dass einige Wanderer den Weg verkürzen wollen. Sie machen sich dabei aber oft nicht klar, dass der Kraftaufwand entsprechend größer wird und sich à la longue in körperlicher Erschöpfung äußern kann, bevor das Ziel erreicht ist.

Das Hässliche neben dem Schönen

Indem ich über die Dünen dem Meer zustrebe, sehe ich schon von weitem etwas in der Sonne blendend hell aufleuchten. Bei näherer Betrachtung weicht die positive Überraschung der Enttäuschung, nun auch schon hier in der zumindest äußerlich sauberen, jeden Tag vom Wind gefegten Dünenlandschaft Plastikmüll vorzufinden. Weiterlesen

Kippfiguren in freier Natur

Optische TäuschungNoch eimal weiße Säulen. Bekannt ist die optische Täuschung (Figur-Grund-Wahrnehmung), wonach ein Bild von einer Version in eine andere kippt. Oft wird dieses Phänomen mit einer Vase demonstriert, deren Profil ein Gesicht zeigt. Bemerkenswert daran ist, dass man nur eine Version, Vase oder Gesicht, allgemeiner: Figur oder Grund, wahrzunehmen imstande ist, sodass die Wahrnehmung ständig zwischen beiden Versionen hin und her kippt.
Ich war bislang davon ausgegangen, dass dieses Phänomen in der freien Natur nicht vorkommt. Nun habe ich aber doch eines für einige Tage vor Augen. Auf der Terrasse meines derzeitigen Hotels sehe ich das vorliegende Bild. Wenn ich etwas verträumt darauf blicke, werde ich durch einen merkwürdigen Eindruck „geweckt“: Ich sehe altmodisch gedrechselte dunkle Säulen mit leuchtend grünem Unterteil. Natürlich rückt meine Wahrnehmung den Eindruck sofort wieder zurecht. Säulen sind es schon, die ich sehe, aber sie sind weiß und geben in ihren Zwischenraum den Blick auf einen ebenfalls profilierten Hintergrund frei. Auf dem Foto kann ich den Kippvorgang nahezu beliebig oft wiederholen, obwohl es etwas länger dauert, die „falsche“ Version hervortreten zu lassen. Wie geht es meinen Leser*innen damit?

Das Land mit den blauen Schatten

So sieht der Blick gemalt aus, den ich einige Tage* vor Augen haben werde, wenn ich nicht gerade am Strand bin, um mich u.a. an den unterirdischen Vorgängen von Ebbe und Flut zu erfreuen, die sich äußerst subtil akustisch wie visuell für diejenigen offenbaren, die nicht nur mit verstöpselten Ohren am Ufer entlang joggen. Weiterlesen

Schmelzende Eisberge

Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 11 (2018) S. 68 – 69

Schwimmendes Eis taucht in Salzwasser weniger tief ein als in Süßwasser. Das gilt auch für Eisberge, weshalb sie mehr Flüssigkeit enthalten, als sie verdrängen. Dadurch hebt sich bei ihrem Abschmelzen der Meeresspiegel ein wenig.

Die Würde, die in der Bewegung eines Eisbergs
liegt, beruht darauf, dass nur ein Achtel von ihm
über dem Wasser ist
Ernest Hemingway (1899 – 1961)

Auch schmelzendes Packeis trägt – wenn auch minimal – zum Anstieg des Meeresspiegels bei (bei tief stehender Sonne vom Flugzeug aus fotografiert) –>

 

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Der November

Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor …
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor …

Erich Kästner (1899 -1974)

Rätselfoto des Monats November 2018

Warum rotiert die Kugel fast reibungsfrei? Weiterlesen

Dahinten liegt Afrika…

Das letzte Kapitel, das ich geschrieben habe, hieß: Sonnenuntergänge. Wissen Sie, die Tatsache, daß die Tage enden, ist einfach genial. Ein geniales System. Erst Tage und dann Nächte. Und wieder Tage. Das hört sich banal an, hat aber etwas Geniales. Dort wo die Natur beschließt, sich selbst Grenzen zu setzen, entlädt sich eine Sensation. Sonnenuntergänge. Wochenlang habe ich sie erforscht. Es ist nicht so leicht, einen Sonnenuntergang zu erfassen. Er hat seine Zeiten, seine Ausmaße, seine Farben. Und da nicht ein Sonnenuntergang – nicht ein einziger, sage ich – dem anderen gleich ist, muß man als Wissenschaftler die jeweiligen Besonderheiten zu unterscheiden wissen und das Wesentliche herausarbeiten bis man in der Lage ist zu sagen, dieses ist ein Sonnenuntergang, der Sonnenuntergang schlechthin. Langweile ich Sie?“*

Die Farben eines Sonnenuntergangs sind die Kehrseite des Himmelsblaus. Da das Licht der Sonne beim Untergang einen sehr langen Weg durch die untersten und daher dichtesten Schichten der Atmosphäre zurücklegen muss, wird sehr viel Licht, vorwiegend kurzwelliges (violetes und blaues) Licht gestreut (Rayleighstreuung). Es bleibt also vorwiegend langwelliges (gelbes und rotes) Licht übrig.


*Alessandro Baricco. Oceano Mare – Das Märchen vom Wesen des Meeres. München 2001.

Harztränen im Sonnenlicht

Das Foto zeigt einen Ausschnitt der Schnittfläche eines gefällten Baums. Aus den Poren dringt Harz heraus und formt sich zu einzelnen Tropfen, die wie Wassertropfen aussehen und auch ein ähnliches optisches Verhalten in der Sonne zeigen. Sie wirken wie eine Sammellinse und fokussieren das Sonnenlicht in einem Brennfleck. Da auf diese Weise das Licht an anderer Stelle fehlt, werfen die Tropfen trotz ihrer Durchsichtigkeit einen Schatten.
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Die Pracht der kleinsten Dinge

Die meisten Menschen wissen gar nicht,
wie schön die Welt ist und wie viel Pracht
in den kleinsten Dingen,
einer blume,
einem Stein,
einer Baumrinde
oder einem Birkenblatt sich offenbart.

Rainer Maria Rilke Weiterlesen

Platz ist in der kleinsten Spalte…

… so könnte man einen bekannten Ausspruch varrieren, wenn man sieht wie aus der schmalen Felsspalte eine „Hütte“ für neues Leben hervorgeht: Ein in die Spalte geratenes Samenkorn hat Wurzeln nach unten und Blätter nach oben entwickelt und richtet nunmehr als kleine Pflanze alle Ausbreitungsbemühungen in Längsrichtung aus. Weiterlesen

Zur konstruktiven Rolle des Fallens

Als ich in einer Dünenlandschaft Sandrippel fotografierte, fiel mir eine runde Objektivschutzkappe aus der Hand und machte sich rollend davon (zum Vergrößern auf Bild klicken). Angetrieben durch den über die Dünen streichenden Wind rollte sie über den welligen Untergrund der Sandrippel und hinterließ eine interessante Spur. Vor die blitzschnell zu entscheidende Alternative gestellt, die Spur zu fotografieren und möglicherweise der Kappe verlustig zu gehen oder die Verfolgung sofort zu starten, entschied ich mich für ersteres. Weiterlesen

Wasser wie Quecksilber auf trockenem Boden

Seit langem wundere ich mich darüber, dass entgegen sonstiger Erfahrungen der ausgetrocknete Boden im Garten oder anderswo sich weigert, das Wasser gewissermaßen lustvoll aufzunehmen, das ihm nach der langen Trockenheit nunmehr großzügig zugeführt wird. Das Wasser läuft über den trockenen Boden hinweg wie Quecksilber über eine glatte Oberfläche, will sagen: Der Boden ist wasserabweisend, hydrophob. Das widerspricht anderen Erfahrungen: Ist der Boden auch nur ein wenig feucht, nimmt er das zugeführte Wasser begierig auf. Auch trockener Sand am Strand oder in der Sandkiste liebt das Wasser, ist hydrophil.
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Doppelschatten einmal anders

Dass der Mensch nicht nur seinen Schatten verlieren (man denke an den armen Schlemihl), sondern in bestimmten Situationen einen zweiten oder noch mehr Schatten erwerben kann, haben wir schon früher  gezeigt. Einen Doppelschatten der besonderen Art sieht man auf dem nebenstehenden Foto. Einen dunklen „Kernschatten“, der von einem ephemeren, transparenten und wesentlich größeren Schatten überlagert wird. (Die Ansicht gegebenenfalls durch Klicken auf das Bild vergrößern).
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Der Weihnachtsbaum abseits des Wanderwegs

Auf Wanderungen bin ich mittlerweile nicht nur darauf gefasst, landschaftliche, naturwissenschaftliche und innere Entdeckungen zu machen, sondern auch Kurioses zur Kenntnis zu nehmen, das dann oft ohne mein bewusstes Dazutun auf dem Rest des Weges in dem Sinne virulent bleibt, dass Geschichten entstehen, die versuchen einen wenn auch nicht realistischen, so doch stimmigen Kontext für das Gesehene zu schaffen.
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Wie sieht der Himmel des Mondes aus?

Ein vertrauter Blick auf den Mond vor dem Hintergrund des dunkler werdenden Abendhimmels. Habt ihr euch schon mal vorgestellt, wie es umgekehrt aussehen würde? Wie sieht der Himmel des Mondes aus?
Von der Erde aus sieht man den Himmel durch die Atmosphäre hindurch, die zu zahlreichen optischen Phänomenen (z.B. Dämmerung, Farbwechsel, Lichtsläule, Nebensonne, Wolken, funkelnde Sterne u.ä.) führt, die es auf dem Mond nicht gibt, da er über keine Atmosphäre verfügt. Auf der Erde kommt wegen Streuungen des Sonnenlichts an Teilchen in der Atmosphäre aus allen Himmelsrichtungen Licht: der Himmel erscheint hell, indirekt beleuchtet im vertrauten Himmelsblau. Weiterlesen

Goldene Weinblätter

Nein, diese goldenen Weinblätter haben ihre Farbe nicht durch Phytomining* erworben, sondern lediglich durch eine herbstliche Verfärbung, die sie golden erscheinen lässt. Um diesen Eindruck zu erzeugen genügt es, dass das durch Carotin erzeugte Gelb mit einer glatten Oberfläche kombiniert wird, die das Licht sowohl diffus wie spiegelnd reflektiert. Weiterlesen

Mondtropfen

Ich zeigte einmal einer Gesellschaft, die wenig oder nichts von Astronomie wußte, den zunehmenden Mond durch ein Fernrohr, das stark vergrößerte. Verschiedene darunter fragten, ob nicht Tropfen auf dem Glase hingen? Die Flecken im Monde haben in den Vierteln wirklich einige Ähnlichkeit mit Regentropfen an einer Fensterscheibe, in denen sich etwa die gegenüberstehenden Häuser dunkel und der Himmel hell darstellt.
Georg Christoph Lichtenberg (1742 -1799)

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Natürliche Linien

Dieses Foto lebt von seinen Linien. Sie sind von ganz unterschiedlicher Art. Sehr auffallend sind die Schattenlinien, die das Sonnenlicht von den Gräsern in den Sand zeichnet. Man kann sie von den Urbildern kaum unterscheiden mit denen sie ein einheitliches Ensemble bilden. Einige Tiere haben linienartige Spuren im Sand hinterlassen. Sie befinden sich am Ende dieser Spuren, wo immer es sein mag. Weiterlesen

Rätselhafte Spuren

Weißt du, was schön ist, hier? Schau: wir gehen und lassen alle diese Abdrücke im Sand zurück, und sie bleiben bestehen, ganz deutlich und ordentlich. Aber wenn du morgen aufstehst, wirst du auf diesen großen Strand schauen, und nichts wird mehr da sein, kein Abdruck, kein anderes Zeichen, gar nichts. Das Meer löscht alles aus in der Nacht. Die Flut versteckt alles. Als wäre nie jemand hier entlanggegangen. Als hätten wir nie existiert. Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem du meinen könntest, du seiest nichts, dann ist es dieser Ort hier. Nicht mehr Land, noch nicht ganz Meer. Kein unechtes leben, kein echtes Leben. Es ist die Zeit. Zeit, die vergeht. Weiter nichts.* Weiterlesen

Einzugsbereich von Weinblättern

Ähnliche Blätter hatte kürzlich Gerda Kazakou gezeigt. Inzwischen sehe ich, dass viele Weinblätter (jedenfalls in meinem Garten) ähnlich deutlich den Abtransport und damit die Sicherung der in den Blättern lagernden Nährstoffe im Stamm der Pflanze zu erkennen geben. Da mit diesem Vorgang die Pigmente des ehemals für die Fotosynthese wichtigen Blattgrüns (Chlorophyll) in dem Maße verschwinden, wie der Abtransport der Nährstoffe durch das fraktale Adersystem voranschreitet, gewinnen die bislang vom Grün überdeckten Pigmente zunächst in den bereits bereinigten Außenbereichen und ganz zum Schluss in den Hauptadern die Überhand.
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Nicht jede Höhle ist eine Hölle

Zerberus, den Höllenhund, hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Aber vielleicht ist der Torbogen, den ich auf einer Wanderung entdeckte auch nicht der Eingang zur Hölle. Immerhin machte er mich auf einen Aspekt aufmerksam, den Anne Weber (*1964) folgendermaßen beschreibt:
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Fliegen – zwischen Ärgernis und Bewunderung

Fliegen haben es mir angetan. Diese Sympathie übertrifft bei weitem die Antipathie, die manchmal bei allzu aufdringlichen Besuchen aufkommt. Dabei tun die Fliegen einem eigentlich nichts. Das auf die Dauer nervige Summen bzw. Brummen ist eine physikalische Nebenwirkung ihres Flugs. Die Flügel bewegen sich einfach so schnell auf und ab, dass die Schwingung eine Frequenz erreicht, die im akustischen Bereich liegt. Je kleiner die Fliege, desto größer die Flügelfrequenz und desto höher der Ton. Und wenn sie einem über den nackten Arm oder gar im Gesicht herumspazieren, entsteht ein störendes Kitzeln, an das ich mich nie gewöhnen konnte. Vielleicht liegt es ja zum Teil an der Technik, mit der sich diese winzigen Tierchen an unserem Körper anklammern. Weiterlesen

Blätter sind auch nur Menschen

Kein Mensch gleicht dem anderen. Das könnte man mutatis mutandis auch für abgeworfene Blätter sagen. Wie die Menschen lieben auch sie die Gesellschaft und tun sich zu größeren Ansammlungen zusammen. Anders als der Mensch, der dazu meist einen fahrbaren Untersatz benötigt, nutzen sie den Wind. Natürlich gibt es immer einige einsame Wölfe, die sich abseits der großen Masse halten. Weiterlesen

Vom Winde verweht…

Geht es nach Theodor W. Adorno, so handelt es sich hier um ein Kunstwerk. Denn: „Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen“. Die gute bürgerliche Ordnung, die hier mit der aufwändigen Renovierung eines alten Bahnhofs wieder hergestellt wurde, ist im Begriff erneut vom Chaos befallen zu werden. Die Bedrohung kommt aus dem Untergrund. Zunächst noch etwas zögerlich schiebt sich ein Bäumchens aus einem ca. 80 cm tiefen Lichtschacht ans Licht (sic!). Ein vom Wind verwehter Ahornsamen ist durch das Rost hindurch in den Schacht gefallen und fand im Halbdunkel genügend Halt und Nahrung, um sein Leben als angehender Baum zu starten und dem Licht zuzustreben.
Offenbar  ist die Tür so lange nicht benutzt und der Schacht nicht gereinigt worden, dass dieses Kuriosum möglich wurde. Ich bin überzeugt, dass das wachsende Bäumchen auch mit der Enge zwischen den Eisensprossen zurecht kommen würde, indem es diese einfach in den dicker werdenden Stamm integrierte. Es sei denn – und das ist zu befürchten – jemand ist so ordnungsbeflissen und bereitet dem nunmehr ans Tageslicht geratenen Treiben der Natur ein Ende. Jetzt ist es noch eine Kleinigkeit, in ein paar Jahren, wenn der Baum die Fenster (nicht im Bild) verdunkelt und seine Wurzeln unter das Gebäude treibt, muss vermutlich schon ein Bagger zu Hilfe geholt werden.
Ich verfolge diese Entwicklung mit Interesse und bleibe am Ball.

 

Herbstfarben mit Spirale

Die Jahreszeiten – hier durch Herbstblätter repräsentiert – sind keine exakten Wiederholungen der entsprechenden Jahreszeiten der Vorjahre. Vielmehr verhalten sie sich wie die stufenweisen Rundungen einer Spirale, die hier auf dem Blatt als Schatten erscheint. Die gedachte Längsachse der Spiralen ist die Zeitachse und jede Windung stellt den Verlauf eines Jahres mit seinen saisonalen Veränderungen dar. Es ist deutlich zu erkennen, dass die einzelnen Windungen nicht identisch sind. Auf diese Weise bringen sie die unterschiedliche Ausprägung der Jahreszeiten im Laufe der Jahre zum Ausdruck. Weiterlesen

Drehwuchs einer Lärche

Manche Bäume haben einen Drehwuchs. Ein solches verdrilltes Wachstum, das äußerlich durch eine spiralförmige Struktur des Stamms zu erkennen ist, kann die Standfestigkeit eines Baumes verbessern und tritt daher besonders in windreichen Standorten auf. Im vorliegenden Fall ist der Drehwuchs jedoch so stark, dass es den Baum spiralförmig gespalten und einen relativ tiefen Riss hervorgerufen hat.
Die durch den Riss getrennten Baumpartien sind eine Antwort auf die Verlängerung der äußeren Holzschichten infolge der Verdrillung. Sie wird zunächst durch eine Spannung im Stamm aufgefangen, was durch eine gewisse Elastizität des Materials ermöglicht wird. Wenn die Spannung nicht mehr durch rückwirkede Kräfte in den Fasern kompensiert werden kann, kommt es zu dem Riss, der sich im Extremfall der Verdrillung entsprechend von unten nach oben um den Baum herumwindet.
Der Riss ist eine ernste Verletzung des Baumes und ein Einfallstor für Schädlinge. Offenbar ist die hier abgebildete Lärche bereits stark geschädigt. Die übermäßige Zapfenproduktion sowie abgestorbene Äste sind ein deutliches Zeichen dafür. Bevor der Baum als Ganzes abstirbt, sollen noch möglichst zahlreiche „Nachkommen“ in die Welt gesetzt werden.
Holzwirtschaftlich gesehen gehört das Phänomen wie auch der schon früher beschriebene Wimmerwuchs zu den Holzfehlern.

Suizid im Dienste der Arterhaltung

Ich hatte wieder einmal keinen Fotoapparat dabei, als ich ein sehr schönes Exemplar eines mir bis dahin unbekannten Pilzes am Waldrand inmitten einer ganzen Kolonie vorfand. Am nächsten Tag wollte ich das Foto nachholen und fand den Pilz mit einer schwarzen, aus einer teerartigen Masse bestehenden Krempe ausgestattet vor (oberes Foto). Über diese Entwicklung neugierig geworden suchte ich einige Tage später die Pilze nocheinmal auf und fand neben frischem Nachwuchs die anfangs bewunderten Pilze weitgehend in der schwarzen Masse aufgelöst vor. Weiterlesen