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Joachim Schlichting

Joachim Schlichting hat geschrieben 1642 Beiträge für Die Welt physikalisch gesehen

Die Jahresringe spinnen

Das auf dem Foto dargestellte Motiv wurde zum Phänomen, als ich in der durch die Jahresringe hervorgerufenen Struktur eines Zaunpfahls eine Spinne und wahlweise ein originelles Spinnennetz zu sehen vermeinte. Diese Pareidolie drängte sich trotz der enormen Größendifferenz zwischen Holz und Spinne geradezu auf, obwohl ich bei etwas kritischer Betrachtung zugeben muss, dass diese Mustererkennung doch arg an der Realität vorbeigeht. Weiterlesen

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Fundstück – Brechendes Glas

Bei der Vorbereitung einer Feier standen einige Weingläser in der dunklen Nische einer Anrichte. Kurz bevor sich sie zu den übrigen bringen wollte, mutierten sie plötzlich zu etwas ganz Anderem und versetzten mich aus der geschäftigen Alltagstätigkeit in einen eher kontemplativen Modus: Die Gläser lösten sich unter „Ausnutzung“ der physikalischen Gesetze von geradliniger Lichtausbreitung, Brechung und Reflexion aus dem vertrauten Bereich von bloßen Gebrauchsgegenständen und wechselten ins Phänomenale: In der fast bis zum visuellen Verschwinden gesteigerten Dunkelheit der Umgebung nehmen sie sich unter virtuoser Umgestaltung von Licht aus fernen Quellen in einer Art Gestaltswitch wie bewusst gestaltete Kunstwerke aus.
Glas ist eine brüchige Substanz. Wenn es nicht selbst zerbricht (und Glück bringt) bricht es zumindest das Licht (und bringt künstlerischen Genuss).

Mehrfachabbildungen eines Falters

Dieses Foto bekam ich von Claudia Hinz geschickt. Es scheint auf den ersten Blick so etwas wie ein mehrfacher Schatten eines Falters zu sein, der auf nicht unmittelbar zu erkennende Flächen geworfen wird. Um damit etwas anfangen zu können, ist die Information wichtig, dass der Falter auf der Außenseite einer Doppelglasscheibe eines Flughafengebäudes fotografiert wurde. Weiterlesen

Abendrot

Glühendes Rot schenkt dem Tag eine Stunde
ehe die Nacht alles Helle verschlingt.
Schon dreht das Mausohr im Fahllicht die Runde,
während die Amsel ihr Schlafliedchen singt.

Farben der Glut scheint der Himmel zu malen,
Feuer greift tief in das dunkelnde Blau.
Fort ist die Sonne, die pinselnden Strahlen
klimmen den Sehkreis zur Spätabendschau.

Waldkäuze rüsten ihr weiches Gefieder,
Kirchtürme schwärzen zum Scherenschnitt ein.
Dieser Moment, ein Libretto für Lieder,
könnte nicht schöner, nicht mystischer sein
*


*Ingo Baumgartner (1944 -2015)

Fundstück – Sandrippelpisten

In den ansonsten zumindest abschnittsweise gleichartigen Rippelfeldern auf Sanddünen findet sich manchmal wie aus heiterem Himmel ein ziemlich gerader Einschnitt, der ein relativ ebenes Feld in zwei Hälften teilt und sich mit einem besonderen Profil hervortut. Es muss etwas mit der Dynamik der durch den Wind transportierten Sandkörnchen zu tun haben. Ich habe manchmal halbstundenweise den Sandsturm über mich ergehen lassen (die Duschwanne war anschließend ebenfalls durch Andeutungen eines Strömungsmusters verziert), um die Bewegungen der wie Nebel über die Dünenflächen huschenden Sandschwaden zu beobachten. Da gab es dann beispielsweise von zwei Seiten kommende Schwaden, die auf einer Sandebene aufeinander prallten und wie von einer unsichtbaren Wand reflektiert wurden. Möglicherweise sind solche geraden Rippelstreifen derartigen Wechselwirkungen zu verdanken.

Filigrane Sanddächer in der Wüste

Einfach gesagt, besteht die Sandwüste aus zahlreichen hellen und dunklen in Größe und Form geringfügig voneinander abweichenden Körnchen. Ihre Wechselwirkungen beschränken sich darauf, dass sie sich stoßen und reiben. Dennoch vermögen sie auf diese Weise erstaunlich reichhaltige und ästhetisch ansprechende Strukturen hervorzubringen, die wir bereits an zahlreichen Stellen dieses Blogs in Wort und Bild gewürdigt haben (z.B. hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier ). Weiterlesen

Doppelschatten gegen die Sonne

Die Sonne steht schon etwas tief und blendet mich. Zum Glück hält jetzt das Haus, auf das ich zugehe, die Sonne fern. Als ich eintrete, treten mir gleich zwei Schatten meiner selbst entgegen (linkes Foto). Wie kann das sein? Einerseits kommt die Sonne aus der entgegengesetzten Richtung und andererseits befinde ich mich in ihrem Schatten. Es sei denn – so erinnere ich mich an ein ähnliches Phänomen – in der Nähe befindet sich ein Gewässer, in dem die Sonne sich spiegelt und damit eine zusätzliche Lichtquelle hervorruft. Weiterlesen

Meisen nisten in einer Pumpe

Wie der Name schon sagt: Meisen mögen (M)Eisen. Jedenfalls nistet in diesem Jahr ein Meisenpaar ausgerechnet in unserer alten Pumpe, mit der wir Wasser für den Gartenbedarf fördern. Ich muss wohl eine Zeit lang die Pumpe außer Acht gelassen haben. Als ich sie wieder in Betrieb nehmen wollte kroch mit ein wenig Mühe eine Meise aus der wirklich sehr engen Öffnung, durch den die Kolbenstange geführt wird. Als ich mich der Pumpe ungläubig näherte und durch das Loch blickte, hörte ich ein irgendwie zischendes Geräusch des kleinen Vogels aus dem Innern des Zylinders, das die Luftsäule darin in Schwingung versetzte und daher merkwürdig außerirdisch klang.
Mir war sofort klar, dass die Wasserförderung per Pumpe in diesem Frühjahr tabu sein würde. Um die Vögelchen im Rohr zu schützen, band ich dann auch gleich den Schwengel fest, damit ja kein anderer auf die Idee kommt, diesen zu betätigen. Das wäre vermutlich verheerend für die Vogelfamilie, die hier ihr Zuhause gefunden hat.
Mittlerweile wechseln sich die beiden Eltern ab und tauchen mit Futter im Schnabel ins Eisenrohr ab, um kurz danach wieder aufzutauchen. So wie Eisen in Meisen steckt steck auch Eis in Eisen. Dies ging mir in den letzten Tagen durch den Kopf, als wir nachts einige Minusgrade zu verzeichnen hatten. Mein Gedanke war, dass durch die perfekte Wärmeleitung des massiven Eisens es im Rohr ziemlich kalt werden würde. Ich spielte schon mit den Gedanken, die Pumpe mit Stroh zu umgeben, nahm aber dann von dem Gedanken Abstand, weil der Eingriff in das Pumpenreich der Meisen vermutlich noch verheerender gewesen wäre als die Kälte. Und offenbar haben die Vögelchen alles im Griff. Ich denke, dass das Nest genügend wärmedämmend ausgestattet ist.
Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die Tiere ebenso wie die Pflanzen die technischen Errungenschaften der Menschen (in diesem Fall sehr alte Technik) fraglos (?) in ihr Leben integrieren.
Da die Meisen sehr scheu sind, war es sehr schwierig sie zu fotografieren. Daher ist das Foto, das den Einstieg einer Meise zeigt, qualitativ nicht besonders gut. Es gibt aber einen Eindruck von dem, was sich hier seit vielen Tagen abspielt. Den Gedanken, wie ich später die Hinterlassenschaften der Meisenfamilie aus der Pumpe wieder  herausbekomme, verfolgen ich vorerst noch nicht weiter.
Als ich heute Morgen die Zeitung las, fiel mir sofort in der Rubrik „Tage wie dieser“ eine kurze dpa-Meldung unter der Überschrift „Meisenascher“ ins Auge. Ich zitiere sie hier kommentarlos, weil ich ansonsten eine Lawine von weiteren Gedanken lostreten würde (Warum erscheint die Notiz gerade heute, als ich diesen Beitrag schreibe? Warum habe ich früher von derartigen Merkwürdigkeiten nichts gehört?):
Da will Feuerwehrmann in Ruhe seine Kippe abknicken – und plötzlich piept’s im Ascher? Gibt’s das? Ja, in Herdecke. Bei der dortigen Feuerwehr hat sich eine Meisenfamilie eingenistet. Das Gezwitscher , das aus der Raucherecke ertönte, habe die Einsatzkräfte stutzig gemacht, auf der Suche nach der Quelle des Geräuschs wurden sie schließlich fündig: Die neuen Untermieter sind fünf Blaumeisen-Küken. Um diese zu schützen, wurde der Aschenbecher abgesperrt und ein Hinweisschild aufgestellt. Ein Feuerwehrmann, der Tierpfleger ist, wolle nun regelmäßig nach ihnen schauen, hieß es“. (FR vom 13. Mai 2019, S. 36)

Die Natur kommt zurück

Wenn man durch alte verlassene, bzw. sich selbst überlassene Weinberge wandert, kann man merkwürdige Symbiosen von Natur und Technik beobachten. Im nebenstehenden Foto sieht man beispielsweise Überreste eines Zaunes, der schon lange nicht mehr im Dienst ist. Die Natur hat keine Probleme damit, an den technischen Hinterlassenschaften des Menschen zum eigenen Vorteil anzuknüpfen (siehe auch hier). Dabei verfährt sie nach eigenem Gutdünken, indem hier Weinreben den alten Zaun als Stütze benutzen und sich an ihm mit Schlingen und Schlaufen in einem derart gesunden Grün aufrichten, dass vom Verfall einer alten Kultur nicht viel zu sehen bleibt.

 

Rätselhafte Punktmuster eines gespiegelten Laserstrahls

H. Joachim Schlichting. Physik in unserer Zeit 50/3 (2019) S. 149

Strahlt man mit einem Laserpointer flach auf einen Spiegel, sodass das Spiegelbild auf einer senkrecht dazu aufgestellten Projektionswand erscheint, tritt eine ganze Serie von Reflexen auf, die sich einem nicht sofort erschließen.

Mit einem Laserpointer soll man eigentlich nicht spielen, jedenfalls nicht, wenn andere Personen in der Nähe sind. Dennoch ist der Reiz, auf diese Weise neuen Phänomenen auf die Spur zu kommen, sehr groß. Das früher beschriebene Phänomen, bei dem mit einem Laserpointer in eine fast leere Teetasse gestrahlt wurde, gehört ebenso dazu (Physik in unserer Zeit 2013, 44(2), 98) wie das Licht beugende Geodreieck (Physik in unserer Zeit 2012, 43(4), 198). Weiterlesen

Ich blicke in die Röhre

„In die Röhre zu schauen“ ist heute weitgehend negativ konnotiert im Sinne von „leer ausgehen“. Geht man weiter in die Geschichte zurück, so hat die Röhre in Form des Fernrohres jedoch eine eher positive Entwicklung hinter sich. Das beginnt bereits vor der Zeit, als das Rohr mit Linsen ausgestattet wurde und zu einer enormen Steigerung des Sehvermögens geführt hat. Weiterlesen

Geheimnisvolle Minivulkane am Strand

Der aus hellen und dunklen Körnern bestehende Sand des Strands von Maspalomas (Gran Canaria) wird durch die Einwirkungen von Wind und Wasser ständig gemischt und auch wieder entmischt. Eine Entmischung in  getrennte Schichten hellen und dunklen Sands  wird beispielsweise durch Winde bewirkt, die über einen längeren Zeitraum aus einer bestimmten Richtung wehen. Dabei spielen die unterschiedliche Dichte der Sandarten eine wesentliche Rolle.
Wenn sich die Windrichtung ändert oder der geschichtete Sand den Wirkungen von Ebbe und Flut ausgesetzt ist, entstehen wieder andere Muster, bei deren individueller Ausgestaltung zufällige Einflüsse von Bedeutung sind und unter dem menschlichen Blick zu Pareidolien führen. Weiterlesen

Kunst am Bau…

… allerdings eine sehr vorübergehende.

Aber nachdem ein geschreddertes Kunstwerk immer noch als ein solches gelten darf und vielleicht sogar dadurch an Wert gewonnen hat, kann es m.E. erst recht für dieses hier in Anspruch genommen werden.
Einen kleinen Besucher gibt es auch schon.

Weiß jemand, wessen Pinsel hier im Spiel war?

Das rote Blatt in der Familie

Schwarze Schafe findet man offenbar auch im Bereich der Pflanzen, hier insbesondere bei den normalerweise grünen Blättern der Mahonien in Form eines roten Blatts. Mahonien zeichnen sich überhaupt durch kräftige Farben aus. Im Frühjahr blühen sie in einem intensiven Gelb und bringen im Herbst blaue Früchte hervor. Die gefiederten Blätter sind indessen von einem kräftigen, Grün. Ihre Oberfläche ist glänzend glatt, was dazu führt, dass sie das Sonnenlicht spiegelnd reflektieren und beim passenden Blickwinkel (Einfallswinkel = Reflexionswinkel) blendend weiß erscheinen. (Das ist auch hier an einigen Stellen zu sehen).
Sollte sich das rote Blatt in der Jahreszeit geirrt haben und das Blattgrün vorzeitig zur winterlichen Aufbewahrung abgegeben haben? Eher dürfte es sich um die Auswirkung einer Rostkrankheit handeln.
Irgendwie erinnert das Blatt an die mit weißen Flecken versehene Amsel, die sich ihrerseits wie ein weißes Schaf in der Familie der schwarzen Artgenossen vorkommen muss.

Ein Baum hält einen Zaun im Zaum

Einem Baum ist wahrlich nicht in die Wiege gelegt, sich dereinst mit einem Zaun, einem menschlichen Produkt auseinanderzusetzen. Aber dazu herausgefordert agiert er in einer ganz bestimmten Weise. Er verleibt sich den sich seinem vertikalen Wachstum in den Weg stellenden Drahtzaun schlichtweg ein. Dabei war der Zaun zuerst da und das Samenkorn des Baums fiel vermutlich durch Zufall just an eine Stelle, die den Konflikt zwischen Natur und Technik unvermeidlich machen sollte. Weiterlesen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein grosser Gesang.

R. M. Rilke

Gebogene Bischofsstäbe des Frühlings

Wie gebogene Bischofsstäbe sprießen die Farne, wie Keulen, die ihre Festen, kleinen Fäuste gegen den vergangenen Winter ballen. Dann, mit einem zuversichtlichen Recken und Strecken, entrollen sie ihre breiten Chlorophyllsegel, trinken das rote und blaue Licht der Sonne und verleihen der Jahreszeit ihre grüne Gestalt.
Chet Raymo (*1936)

Mich erinnern die sich entrollenden Farne an Papyrus-Rollen, in denen bereits zur Zeit der alten Ägypter Informationen gespeichert und durch Entrollen zugänglich gemacht werden konnten. Die Farnrollen enthalten in nuce das, was die spätere Pflanze ausmacht, die auch in anderer Hinsicht beeindruckend ist.

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Die Physik im Dienst der Kunst – zum 500. Todestag Leonardo da Vincis

Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 5 (2019) S. 64 – 67

Er glich einem Menschen,
der in der Finsternis zu früh erwacht war,
während die anderen noch alle schliefen.
Sigmund Freud (1856–1939)

Leonardo da Vinci war überzeugt, die Praxis müsse stets auf guter Theorie beruhen. Seine eigenen Untersuchungen zu optischen Erscheinungen machten ihn zu einem Vorreiter der neuzeitlichen Physik.

Heute vor 500 Jahren ist Leonardo da Vinci in Frankreich gestorben. Er ist vor allem als Ausnahmekünstler in Erinnerung geblieben – einige seiner Gemälde gehören zu den berühmtesten der Welt. Weniger bekannt ist, dass er sich als Naturforscher optische Regeln für sein künstlerisches Schaffen erarbeitet hat. Die meisten davon sind noch heute gültig, 500 Jahre nach seinem Tod. Mit Hilfe seiner physikalischen Einsichten verlieh er beispielsweise der Mona Lisa über die bloße realistische Abbildung hinaus eine große Lebendigkeit.
So nutzte Leonardo auf einfühlsame Weise Lichteffekte auf dem Körper und dem Gewand. Er forderte, Schatten »sollen nie so beschaffen sein, dass durch ihre Dunkelheit die Farbe an dem Ort, wo sie entstehen, ganz verlorengeht«. Man dürfe keine scharfen Umrisse machen und keine weißen Lichter setzen, außer auf weiße Dinge. Darüber hinaus nutzte er einen Aspekt der Farbperspektive aus, der in dem typischen Blauschimmer ferner Objekte zum Ausdruck kommt: »Ein sichtbarer Gegenstand wird seine wirkliche Farbe in dem Maße weniger zeigen, in dem das zwischen ihn und das Auge eingeschobene Mittel an Dicke der Schicht zunimmt. Das Mittel zwischen dem Auge und dem gesehenen Gegenstand wandelt die Farbe dieses Gegenstandes zur seinigen um.« Er erkannte, dass Wechselwirkungen des weißen Sonnenlichts beim Durchgang durch eine größere Luftschicht eine Blautönung bewirken. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Erst der britische Lord Rayleigh konnte Ende des 19. Jahrhunderts das Himmelsblau erklären. Doch bereits Leonardo hatte den richtigen Ansatz: Der Himmel wird deshalb hell und blau, weil »winzige und unsichtbare Atome es streuen«. Er täuschte sich nur darin, dass er Wasserteilchen in der Luft für die Ursache hielt und nicht die Luft selbst…. weiterlesen

Leonardo hat uns auch Rätsel hinterlassen, von denen er sicherlich die Lösung wusste. So sagt er beispielsweise »Man wird oftmals sehen, wie aus einem Menschen drei werden, und alle ihm folgen: und häufig verlässt sie gerade dieser eine, der ähnlichste«. Ob er damit den Doppelschatten eines Menschen gemeint hat, wie er im Foto zu sehen ist und das als Schattengeber fungierende Original hinzugenommen hat?

 

Rätselfoto des Monats Mai 2019

Warum dominiert die Kreisförmigkeit?


Erklärung des Rätselfotos des Monat April 2019

Frage: Was schwant uns hier?
Antwort: Die Frage ist zugegebenermaßen nicht ganz präzise und eines physikalischen Phänomens unwürdig gestellt. Die Rechtfertigung besteht darin, dass das Foto auch nicht ganz ernst zu nehmen ist, weil es absichtlich auf den Kopf gestellt wurde. Das haben einige der Kommentaroren auch bemerkt. Dieser Gag wird zum einen dadurch gerechtfertigt, dass das Foto am 1. April gezeigt wurde und zum anderen dadurch, dass man auf diese Weise vielleicht auf eine Diskrepanz stößt: Denn mit der Farbsättigung des weißen Gefieders des Schwans stimmt etwas nicht. Es kann nicht sein, dass die Spiegelung im Wasser eine größere Lichtintensität aufweist als der reale Schwan. Schließlich wird nur ein Teil des auf dem Wasser auftreffenden Lichts in Abhängigkeit vom Einfallswinkel reflektiert; der Rest wird vom Wasser absorbiert.
Die Intensität des weißen Lichts, das direkt vom Gefieder diffus reflektiert wird, ist sogar so groß, dass wir es mit einer Irradiation (Überstrahlung) zu tun haben. Auf diese Weise verschwinden Konturen, die durch Schattierungen hervorgerufen werden. Daher sind in der wesentlich geringeren Lichtintensität, die vom gespiegelten Schwan ausgehen, die Strukturen zu erkennen, die beim realen Schwan überstrahlt wurden.
Eine weitere Konsequenz der Bildverkehrung ist in dem unnatürlich wirkenden Wasserberg zu sehen, der in Wirklichkeit aus der durch den schwimmenden Schwan erzeugten Bugwelle besteht.
Wer sich davon überzeugen möchte, wie das korrekt gedrehte Foto wirkt, sollte vor dem Bildschirm einen Hand- oder Kopfstand machen :-). Aber irgendwie habe ich auf dem Kopf stehend dass Gefühl, dass es noch eine einfachere Möglichkeit geben müsste; wenn es mir gelänge in dieser ungewöhnlichen Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Naja, immerhin hat man als Nebeneffekt eine kleine sportliche Übung als Ausgleich für das ungesunde Vor-dem-Bildschirm-hocken.
Ich habe mich darüber gefreut, dass mehrere Blogfreunde*innen das Problem im Prinzip und weniger wortreich gelöst haben oder der Lösung sehr nahe waren.

 

 

Die ersten Frühblüher verblühen…

Der Huflattich wartet sehr früh im Jahr zunächst mit seinen dem Löwenzahn ähnlichen Blüten auf uns setzt sehr früh gelbe Akzente in die noch ziemlich monochrome Landschaft. Inzwischen sind diese Blüten am verblühen und die Blütenköpfe werden weißhaarig – eine Gemeinsamkeit, die sie mit den Menschen teilen. Darin verbergen sich die Samenkörner, die – wie der Löwenzahn – jedes mit einer gleitschirmartigen Flugvorrichtung durch kleinste Luftströmungen in alle Winde verstreut werden – auf dass sich die Pflanze großflächig ausbreite.
Dabei kommt ihnen wie beim Löwenzahn ein allometrischer Effekt entgegen: Die aus einem fein verästelten Pappus bestehenden Gleitschirme sind so filigran, dass der Widerstand der sie durchströmenden Luft und damit der Auftrieb größer sind als bei einem gleich großen flächenhaften Schirm. Zusätzlich dürften die in der Luft driftenden Gleitschirme wie beim Löwenzahn in den Genuss eines stationären Wirbels oberhalb des Schirms kommen, der eine Art Sog ausübt und damit einen zusätzlichen Beitrag zum Auftrieb liefert.

Gleichzeitig entwickeln sich die tellerartigen Blätter von nun an mit voller Kraft. sie werden in kurzer Zeit enorme Ausmaße annehmen, wenn nicht eine erneute Trockenheit wie im letzten Jahr den Pflanzen zusetzt.

Eigentlich hatte ich es nur auf dieses Phänomen abgesehen, das uns demnächst die Löwenzahnpflanze noch zur Genüge bieten wird. Erst beim Betrachten des Fotos entdeckte ich ein kleines schwarzes Insekt, dessen Namen ich wieder mal nicht kenne, das entweder zu spät kommt oder sich nur ausruhen will.

Leonardo da Vinci (4) – Komplexe Spiegelschatten

Ich stehe mit der tiefstehenden Sonne im Rücken vor einer Glastür. Die Sonne wirft von mir einen Schatten, der sich wie ein Teppich vor mir ausbreitet. Gleichzeitig werde ich samt dem Szenario hinter mir in der Glasscheibe der Tür reflektiert, sodass auch ein Schatten von meinem Spiegelbild nunmehr aber in umgekehrter Richtung und damit mir entgegen geworfen wird.
Es kommt zur Überlagerung der beiden Schatten und damit zu einer merkwürdigen Doppelfigur. Diese ist ihrerseits strukturiert durch Reflexe der Sonne an der Scheibe, die zu einer Aufhellung des realen Bodens davor und des gespiegelten Bodens dahinter führt. Diese Aufhellung macht es jedoch sinnigerweise – so als müsste es so sein – überhaupt erst möglich, dass die beiden Schattenköpfe der primäre und der reflektierte überhaupt sichtbar werden. Denn anderenfalls wäre von den Schattenköpfen nichts zu sehen – es würden sich einfach zwei langweilige Rümpfe überlagern ohne innere Strukturierung. Ist das nicht clever – von der Natur – inszeniert? Der Laie würde sagen: reiner Zufall. Der Physiker würde antworten: bloße Notwendigkeit.

Und was sagt Leonardo zum Schatten im Allgemeinen?

Der Schatten ist Verringerung von Licht und Dunkel und liegt zwischen diesem Licht und Dunkel.
Der Schatten ist von unendlich verschiedener Dunkelheit und kann an Dunkel unendlich verringert werden.
Die Anfänge und Enden der Schatten erstrecken sich zwischen Licht und Dunkel und können unendlich verringert und verstärkt werden.
Der Schatten bedeutet Ausprägung der Körper und ihrer Gestalten.
Ohne Schatten werden die Gestalten der Körper keine Kenntnis von ihren Eigenschaften geben.
Der Schatten hat immer etwas von der Farbe seines Gegenübers.

(Von den Umrissen der Schatten.) Manche sind verschwommen, von nicht wahrnehmbarer Begrenzung; andre sind deutlich begrenzt.

(Wann Körper ohne Licht und Schatten sind.) Kein undurchsichtiger Körper ist ohne Licht und Schatten, außer wenn er im Nebel auf schneebedecktem Erdboden ist. Ebenso ist es, wenn es in der Landschaft schneit; denn dann ist sie ohne Licht und in Dunkel gehüllt.
Aber das geschieht nur bei den kugelförmigen Körpern; denn bei den andern Körpern, die eine Gliederung haben, färben die Teile der Glieder, die einander gegenüberliegen, sich gegenseitig in dem zufälligen ton ihrer Oberfläche.

 

Unbekannter Vogel

Vor einigen Tagen entdeckte ich eine Blume auf dem Rasen, deren Namen mir bis dahin unbekannt war. In gleich zwei Kommentaren wurde die schöne Blume identifiziert. Um diesen Erfolg möglicherweise zu wiederholen, zeige ich hier einen Vogel, der uns „zugelaufen“ ist. Jedenfalls tänzelt er ohne große Scheu tagein tagaus im Garten und auf dem Rasen herum, um nach Nahrung zu suchen, aber auch – so denke ich manchmal – um mir ein neues Rätsel aufzugeben: Der Vogel sieht wie eine Amsel aus und verhält sich auch so.  Statt aber wie jede normale Amsel in einem schlicht schwarzen Federkleid aufzutreten, trägt sie/er die Flügelspitzen auffällig weiß.
Da ich bei meiner Recherche bisher keinen vergleichbaren Vogel auffinden konnte, frage ich mich und euch, ob es nicht vielleicht sogar eine Amsel sein könnte, die aufgrund eines Gendefekts die Flügel weiß auslaufen lässt. Oder ist diese Annahme allzu kühn?

Gestörte Kreise mit ästhetischer Wirkung

In einem früheren Beitrag habe ich über farbige Sonnentaler berichtet, die zufällig dadurch entstehen, dass ein prismatisch berandetes gläsernes Windspiel Sonnenlicht bricht, das auf einer weißen Wand aufgefangen wird.
So ein Windspiel hängt auch in meinem Arbeitszimmfenster und wirft unter günstigen Bedingungen auch einen farbigen Sonnentaler auf meinen Schreibtisch. Das gibt ebenfalls schöne Farben. Ein weißes Blatt Papier lässt die Farben noch brillanter erscheinen. Und um den Kreisen weitere Kreise hinzuzufügen, lege ich rein spielerisch einige Glasmurmeln in den Sonnentaler. Das Ergebnis ist im Foto zu sehen. Die Kugeln schneiden kreisförmige Lichtbündel aus, und da das Licht schräg einfällt, werden daraus elliptische Projektionen. Die gläsernen Kugeln sind optisch nicht ganz perfekt, u.a. weil sie winzige Lufteinschlüsse und auf den Herstellungsprozess zurückgehende Inhomogenitäten aufweisen. Dadurch erzeugen sie aber entsprechende Muster auf der waagerechten Projektionsfläche.

Wenn Schnecken Straßen überqueren…

… dann sind sie bei vielbefahrenen Straßen meist dem Tode geweiht. Aber auch verkehrsarme Straßen sind alles andere als ungefährlich. Als ich an einem sehr sonnigen Tag eine Schnecke eine trockene Straße überqueren und eine deutliche Schleimspur hinter sich lassen sah, wunderte ich mich allein schon über den materiellen Aufwand, der hier getrieben wurde und über die Gemächlichkeit, mit der sie unter den für sie widrigen Bedingungen eine solche Herausforderung angenommen hatte. Weiterlesen

Die vorerst namenlose gelbe Blume

Die blaue Blume ist ein wesentliches Symbol der Romantik und symbolisiert die Sehnsucht, Liebe und noch einiges mehr. Die Komplementärfarbe von blau ist gelb. Vielleicht bin ich deshalb von manchen gelben Blumen nicht weniger beeindruckt.
Daher finde ich es einigermaßen erstaunlich, dass ich vor ein paar Tagen auf einige gelbe Blumen stieß, die sich – wie auch immer – auf unserm Naturrasen eingenistet haben. Dieser besteht weitgehend aus wilden Pflanzen und wird nur wenige Male im Jahr gemäht. Dabei bleiben oft kleine Inseln von „Blumen“, zurück, die ich nicht wage niederzumähen. Zurzeit zeigen sich umgeben von grünen Wildpflanzen einige Blumen, die mir als Wildblumen bislang noch nicht begegnet sind. Vielleicht sind es ja auch keine Wildblumen, was natürlich die Frage aufwirft, wie sie dort hingelangt sind. Wie das Foto zeigt, haben sie eine beeindruckende Färbung: Die sechs kräftig gelben Blütenblätter laufen in weißen Spitzen aus, was sich in der grünen Umgebung ästhetisch wirkungsvoll ausnimmt.
Kann mir jemand sagen, wie die Blume heißt?

Zum Welttag des Buches

Zum heutigen Welttag des Buches, der – wenn man ihn ernst nimmt – ja auch der Welttag des Lesens ist, möchte ich zum einen die Skulptur eines Zeitungslesers vorstellen, der mir beim Flanieren in Neustadt an der Weinstraße begegnet ist, und zum anderen einen Text, der daran erinnert, dass die Lektüre die Verheißung einer von den Fesseln der Identität befreiten Existenz darstellt. Weiterlesen

Osterfeuer – Verheißung von Licht und Wärme

Nicht nur das Osterei, sondern auch das Osterfeuer gilt den Christen als ein Symbol für die Auferstehung von Jesus Christus. Auch in diesem Fall wird auf vorchristliche Traditionen zurückgegriffen, wonach mit Licht und der Wärme des Feuers der Winter und die dunkle Jahreszeit verabschiedet oder ausgetrieben werden. Weiterlesen

Ostern und das Ei in der Klemme

Wer einmal erlebt hat, wie sich ein neu geborenes Küken bis zur Erschöpfung aus dem Ei herauspickt und das Licht der Welt erblickt, kann sich leicht vorstellen, dass dieser eindrucksvolle Vorgang symbolisch für die Entstehung von Leben gesehen werden kann. Daher wird das Ei von jeher in vielen Kulturen als Symbol für neues Leben, Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und Ursprung der Welt angesehen.
Im antiken Griechenland und Rom wurden zur Feier des neu beginnenden Jahres, der Tag- und Nachtgleiche bunt bemalte Eier verschenkt und dekorativ aufgehängt. Da das christliche Osterfest etwa in diese Jahreszeit fällt wird vermutet, dass diese Tradition übernommen wurde, zumal das schlüpfende Küken symbolisch mit der Wiedergeburt Jesu in Verbindung gebracht werden konnte.
Das im Foto abgebildete „Käfigei“ soll an die Tradition des Eiersuchens und -versteckens erinnern. Hier geht es aber nicht so sehr darum, das Ei zu finden – es schein sogar aus sich heraus zu leuchten – sondern darüber nachzudenken, wie es aus seiner stählernen Umklammerung befreit werden könnte.

Farbige Sonnentaler an der Wand

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Geröstetes Brot hinterlässt Feuchtigkeitsspuren

Als ich eine Scheibe heißen, gerösteten Brots auf ein rustikales Brettchen legte und nach kurzer Zeit zur Seite schob, sah ich erstaunt, dass es einen ziemlich feuchten Abdruck hinterlassen hatte.
Merkwürdig. Sollte das der Hitze ausgesetzte Brot nicht vielmehr noch trockener sein als vor dem Rösten?
Physik sei Dank ging alles mit rechten Dingen zu. Bei höherer Temperatur ist die maximale Feuchte (also die Konzentration von Wasserdampf in der Umgebung, die nicht überschritten werden kann, ohne dass der dann überschüssige Dampf kondensiert) größer als bei niedrigerer Temperatur. Weiterlesen

Das war einmal ein Baum…

Auf einer Wanderung gesehen. Eigentlich müsste es heißen: Dieser Baum war ein Gedicht, den die Erde in den Himmel schrieb. Darüber kann auch die Dekoration aus Efeu und den eindrucksvollen Zunderschwämmen nicht hinwegtäuschen.

 

 

Ab heute bin ich für 6 Tage offline. Ich kann in dieser Zeit weder auf Kommentare antworten, noch meinerseits eure Seiten besuchen. Ich werden versuchen, dies anschließend nachzuholen.

Die wunderbaren Wolken

Der Fremde

Wen liebst du am meisten, rätselhafter Mensch, sprich! Deinen Vater, deine Mutter, deine Schwester oder deinen Bruder?
Ich habe weder Vater noch Mutter, weder Schwester noch Bruder.
Deine Freunde ?
Du bedienst dich da eines Wortes, dessen Bedeutung mir bis heute unbekannt geblieben ist.·
Dein Vaterland!
Ich weiß nicht, auf welchem Breitengrad es liegt.
Die Schönheit!
Wie gerne liebte ich sie, die göttliche, unsterbliche.
Das Gold!
Ich hasse es, wie du Gott hassest.
Was liebst du denn, seltsamer Fremdling!
Ich liebe die Wolken … die ziehenden Wolken … dort… dort in
der Ferne … die wunderbaren Wolken!“ Weiterlesen

Schatten als Verminderung von Licht

Schatten sind meist negativ konnotiert. Das haben sie u.a. ihrer Dunkelheit, Flachheit und Farblosigkeit zu verdanken. Manchmal sind sie sehr rätselhaft und ziehen uns in eine Situation hinein, die nach Aufklärung verlangt. Das ist im nebenstehenden Foto der Fall.
Ich blicke durch eine Glastür der tiefstehenden Sonne entgegen und sehe zu Reinigungszwecken aufgestellte Leiter schemenhaft im Original und als überdimensionalen Schatten – was die Notwendigkeit der geplanten Reinigung noch einmal unterstreicht. Weiterlesen

Einhörner unter uns

Der Stier

Ein jeder Stier hat oben vorn
auf jeder Seite je ein Horn;
doch ist es ihm nicht zuzumuten
auf so ’nem Horn auch noch zu tuten.
Nicht drum, weil er nicht tuten kann,
nein, er kommt mit seinem Maul nicht `ran.

Heinz Erhardt (1909 – 1979) Weiterlesen

Schwimmen in der Luft

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 4 (2019) S. 48 – 49

Eine Welt in einem Sandkorn zu sehn
und einen Himmel in einer wilden Blume

William Blake (1757-1827)

Die Samen des Löwenzahns hängen nicht an flächigen Flügeln, sondern bloß an einem filigranen Faserskelett. Doch gerade das lässt sie langsam und stabil durch die Luft gleiten.

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Photoarchiv

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