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Joachim Schlichting

Joachim Schlichting hat geschrieben 1461 Beiträge für Die Welt physikalisch gesehen

Was wären wir ohne Staub?

sonnenstrahlen_dscf5420Ohne den Staub,
worin er aufleuchtet,
wäre der Strahl nicht sichtbar.

André Gide (1869 – 1951)

Dass hier Lichtstrahlen durch die Öffnungen im Blätterdach der Bäume brechen, „sieht“ man nur, weil feinste Wassertröpfchen das Sonnenlicht, von dem sie getroffen werden, in alle Richtungen aussenden, sodass es auf diese Weise auch unsere Augen erreicht.
Daraus wird oft der Schluss gezogen, dass man Licht an sich nicht sehen kann. Dies sagt vielleicht etwas über die Vorliebe zu paradoxen Aussagen aber nicht zur Eigenschaft des Lichts.  Denn wie es unmittelbar einleuchtend (sic!) sein sollte, können wir nur etwas sehen, wenn Licht in unsere Augen fällt. Nur dadurch dass uns Gegenstände Licht zusenden, sieht man sie. Und wenn das Licht, das durch das Blätterdach fällt, nur gesehen wird, wenn Streuteilchen vorhanden sind, so spricht das nicht für dessen Unsichtbarkeit. Wir sagen ja auch nicht, Schall sei unhörbar, nur weil er in einer gegebenen Situation unsere Ohren nicht erreicht.

 

 

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Von Kegeln und Sechsen

Warum hat eine Schultüte Kegelform? Weil vom Tag der Einschulung an alles darauf hinausläuft zu lernen, den Rauminhalt und die Oberfläche des Kegels berechnen zu können. Wofür braucht man das? Um die mathematischen Voraussetzungen dafür bereitzustellen, seinen Kindern eine Schultüte basteln zu können. Wenn man dann später auch noch in der Lage ist, seinen Enkelkindern eine Schultüte zu basteln, hat sich der ganze Aufwand doch wirklich gelohnt. Oder? Weiterlesen

Informationsflut in Tropfenform

Wenn nach einem Regenschauer die Fensterscheiben mit kleinen Tröpfchen besetzt sind, hat man den Eindruck, dass der Durchblick getrübt wird. Besonders störend wäre das beim Autofahren, wenn der Scheibenwischer nicht dafür sorgte, dass die Tropfen immer wieder weggewischt werden. Schaut man sich die Tropfen aus der Nähe an, so entdeckt man, dass sie ihrer Transparenz gehorchend mitnichten den Blick auf den Gegenstand, in diesem Fall ein Haus, verhindern, sondern ihn sogar vervielfältigen. Denn jeder Tropfen wirkt wie eine Sammellinse. Sie vernichten also keine Information, sondern erzeugen sie (jedenfalls im mathematischen Sinne). Ginge ein Bild verloren, so wären noch viele weitere Bilder vorhanden.
Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht. Zum einen steht das abgebildete Haus auf dem Kopf und ist sphärisch verzerrt. Gut, daran könnte man sich sogar gewöhnen, zumal die sichtbare Welt ohnehin überkopf auf die Netzhaut abgebildet wird. Durch die Tropfen betrachtet würde man die Welt sogar richtig herum auf der Netzhaut haben, obwohl das der Wahrnehmung nicht zugute kommt.
Zum anderen – und das ist das eigentliche Problem – bewirkt zu viel Information das Gegenteil: Desinformation. Man sieht das Haus vor lauter Häusern nicht mehr. Der Durchblick wird getrübt. Aber immerhin haben die Tröpfchenbildchen zu dieser Erkenntnis geführt, sodass auch eine getrübte Durchsicht dennoch zur Einsicht führen kann.

Hoppe hoppe, Reiter…

hoppe_hoppe_reiter_rv… wenn er fällt, dann schreit er.
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben.
Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!
Ein alter Kinderreim

Manche Bilder aus der Kindheit scheinen nie zu verschwinden. Bei diesem Anblick (Foto), ging mir ohne bewusste Gedanken dazwischen der alte Kindervers durch den Sinn verbunden mit dem Bild und dem nahezu authentischen Gefühl, wie ich auf den Knien meiner Mutter sitzend, beim „Plumps“ kopfüber nur ein Stück über dem Boden schwebte, um anschließend mit einem Anflug von Schwindel laut lachend wieder in die aufrechte Lage zurückzukommen, aber nur um die Aktion sofort zu wiederholen.
Wieso sitzt das so fest, wieso sind derartige frühe Erlebnisse offenbar lebenslänglich so präsent? Dagegen habe ich „wichtige“ oft gar nicht lange zurückliegende Dinge längs vergessen, woran ich manchmal peinlich erinnert werde. Oder sind diese frühen Erlebnisse gar nicht unwichtig? Wirken sie vielleicht auf eine „unterirdische“ Weise ganz anders als der vordergründige Inhalt auszusagen scheint?
Auf jeden Fall ist es eine frühe Form der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft, die uns ein Leben lang betrifft. Aufrecht zu bleiben, obwohl uns alles zum Erdmittelpunkt zieht, macht uns vor allem in jungen Jahren und im hohen Alter zu schaffen. Sportliche Aktivitäten, Springen, Laufen, Schwimmen und andere Arten der Fortbewegung, aber auch Ballspiele sind alles auf Kraft  und Geschicklichkeit beruhende Bemühungen, die Schwerkraft zu überwinden, auszutricksen bzw. auszunutzen.
Energetisch betrachtet geht es in allen Fällen (sic!) darum, den bei der Annäherung des Körpers an die Erdoberfläche stattfindenden Übergang der Höhenenergie in Bewegungsenergie, so zu steuern, dass letztere zu einer Wiederentfernung von der Erde umgelenkt (z.B. elastischer Stoß) oder in einem der körperlichen Unversehrtheit zuträglichem Maße in thermische Energie der Umgebung umgewandelt wird.
Die Frage, ob man sich beim Fall der Erde nähert oder einem die Erde entgegenkommt, hängt davon ab, wo man sein Bezugssystem verortet, wie in der folgenden Situation eines stürzenden Menschen zum Ausdruck kommt, der dem Wein zu sehr zugesprochen hat: „Ich tastete mich durch den Hof, bis der Hof sich plötzlich erhob und mir kräftig eins auf die Schnauze gab. Aber ich ließ mich nicht zurückhalten, nahm, wenn auch wankend, meinen Weg wieder auf, mehrmals kam der Hof wieder hoch und verpaßte mir viele Abreibungen hintereinander“ (LuigiMeneghello. Wieder da! Berlin 1993).

Holunderbeerenreflexe

holunderbeeren_img_8560rvGlänzende Perlen oder leuchtende Augen werden auf Gemälden oft durch einen kleinen weißen Punkt sichtbar gemacht. Davon wird in der realistischen Malerei reichlich Gebrauch gemacht. Ein Beispiel ist das in der National Gallery in London zu bewundernde Gemälde „Die Hochzeit des Giovanni Arnolfini„. Dort findet man ihn sowohl in der Gebetsperlenkette neben dem Wölbspiegel im Hintergrund als auch in den Augen des zu Füßen der Dame stehenden Hündchens. Weiterlesen

Inverse Lichtsäule in der Abenddämmerung

Dort wo die Sonne im Begriff ist unterzugehen erhebt sich eine mächtige dunkle Säule. Sie erinnert an eine Lichtsäule, die manchmal oberhalb der Sonne erscheint. Vielleicht ist es ja eine von einer dunklen Hülle umgebene Lichtsäule. Schaut man sich das obere Ende an, so scheint das Sonnenlicht dort herauszustrahlen ;). Weiterlesen

Wäsche im Wind

solare_waescjetrocknung_rvTollt der Wind über Feld und Wiese,
Hat seinen Spaß er überall,
Aber am liebsten neckt er die Liese
Mit einem tückischen Überfall.

Will sie ihr Zeug auf die Leine bringen,
Zerrt er: Liese, dies Hemd ist mein!
Um jedes Laken muss Liese ringen,
Jedes Stück will erobert sein. Weiterlesen

Schönheit aus dem Geiste der Korrosion

Als der Dachdecker das für Reparaturzwecke am Dach vorgesehene Walzblei ausrollte, staunte ich nicht schlecht. Der  Vorgang des Ausrollens lief wie die Präsentation einer Serie von Bildern abstrakter Kunst ab (siehe Fotos).
Normalerweise hat Walzblei ein einheitliches, leicht zwischen mattem Silber und Blaugrau changierendes Aussehen. Weiterlesen

Virtuelle Multiplikation von Kugeln

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Halbmond mit Ketchup

Beim gemeinsamen Essen nach einem Vortrag über den “schielenden Mond” war es fast selbstverständlich, dass mehrere Personen in meiner Pizza einen Halbmond sahen. Dabei kam die Frage auf, ob der Halbmond in dieser Stellung überhaupt gesehen werden könne. Da ich es nicht wagte, die Pizza zu essen, solange die Frage nicht geklärt war und ich keine Lust auf ein kaltes Essen hatte, empfahl ich sich eine nächtliche Reise von Südafrika nach Deutschland vorzustellen, bei der man den Halbmond im Blick behielt. Weiterlesen

Unter dem Pflaster liegt der Strand

Vielleicht träumt die Eine oder der Andere vom fernen Strand, wenn er in der Alltagshektik über das Pflaster eilend überhaupt dazu kommt, den entsprechenden Gedanken Raum zu geben. Aber Raum braucht es dazu gar nicht so viel. Als ich nämlich kürzlich nach einem Regenschauer vom Wetter genervt durch die Stadt laufe, um der nächsten undichten Wolke zu entgehen, trifft mich – ich hätte beinahe gesagt, wie aus heiterem Himmel – ein verheißungsvoller Anblick, der sich ganz diskret in einer Wasserlache entfaltet. Weiterlesen

Jetzt bin ich gar

Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 9 (2018), S.

Wenn Spätzle, Gnocchi und Co. im siedenden Wasser an die Oberfläche steigen, sind sie gar. Dann haben sich die in ihnen enthaltenen Luftbläschen so stark erwärmt und dadurch ausgedehnt, dass ihre Dichte hinreichend klein geworden ist.

Sie blies sich richtig auf, als würde sie gleich aufsteigen
wie eine Montgolfiere, wenn niemand sie festhielt.
Sten Nadolny (*1942) Weiterlesen

Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.
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Rätselfoto des Monats September 2018

sandsturmschatten_rvWas ist zu sehen, und wie kommt es zustande?

 


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Schmetterlinge (5) – fliegende lebendige Blumen

Wer wird der Farben Meng´ und ihre Schönheit nennen,
Erzehlen und beschreiben können,
Mit welcher die Natur die kleinen Thierchen schmückt?
Wie mancherley hab ich mit innigem Vergnügen,
Nur bloß an Fliegen einst erblickt!
Woran die Farben sich recht wunderbarlich fügen,
Braun, gelblich, röthlich, schwartz und grau,
Grün, roth, gelb, hell- und dunckel-blau,
Bald Gold mit grün, bald Gold mit roth, gemenget;
Bald ist der Flügel künstlichs Paar
Wie ein Crystall so weiß, so klar; Weiterlesen

Ammoniten – Dauergäste in einem Hotel

Als ich mich in einem ganz normalen Hotel in einer deutschen Kleinstadt den Fahrstuhl meidend durchs Treppenhaus zum Frühstück begebe, überkommt mich plötzlich der Eindruck von Fossilien umgeben zu sein. Der Eindruck täuscht nicht, es ist wirklich so. Ein Innehalten, ein Blick auf die Fliesen des Bodens offenbaren vom Erdgeschoss bis zum 4. Stockwert eine ganze Palette geschliffener Ammoniten (unteres Foto), wie das hier dargestellte Prachtexemplar (oberes Foto). Weiterlesen

Insektenfriedhof auf einer Straße

Vor kurzem stieß ich auf einer wenig frequentierten Straße auf ein merkwürdiges Phänomen. Von weitem sah es im flirrenden Gegenlicht so aus wie Schneegestöber. Bei Temperaturen von über 30° C konnte ich diesen Gedanken getrost wieder fallenlassen und ihn durch die Assoziation entleerter Federbetten ersetzen. Aber kaum gedacht bot sich mir (aus Sicht der Betroffenenen) ein Bild des Grauens dar. Tausende von toten Insekten mit weißen, transparenten Flügeln waren hier haufenweise zum Spielball des Windes geworden (Zur Vergrößerung auf Bilder klicken). Das Ereignis muss innerhalb eines kurzen Zeitraums geschehen sein. Denn obwohl hin und wieder ein Auto vorbeifährt, waren die toten Insektenleiber weder plattgefahren noch sonst wie zerfleddert. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, war hier passiert war. Kennt sich da jemand aus?

Vom Wandern und Bürsten

Beim Wandern im Wiehengebirge finden wir in der Gegend von Rödinghausen einladende Holzbänke zum Rasten vor. Die Bänke sind jeweils mit einer Bürste versehen, deren Verwendung aber nicht verraten wird. Stattdessen findet man folgenden Text: Mach mal Pause, dann lässt es sich doppelt so gut und fröhlich weiter wandern. Ihre Zahnärzte…Weiterlesen

Nur ein Blatt unter Blättern

In den schon zahlreich von den Bäumen abgeworfenen bzw. ihnen verlustig (nicht lustig!) gegangenen Blättern glaubte ich das Passfoto einer Person zu sehen. Aber es war nur ein Blatt, das bereits jetzt im Hochsommer fallen musste, bevor alles Grüne vom Baum entnommen worden war. Als ich das Blatt aufhob, war der Effekt dann doch nicht so stark wie auf dem Boden in der Gesamtheit der anderen Blätter. Weiterlesen

Haarscharf daneben

Ich war gerade dabei, die unterschiedlichen Grade des Himmelsblaus zu fotografieren, als mir ein Flugzeug samt üppigem Kondensstreifen in die Quere kam. Ich wartete also darauf, bis der Himmelsausschnitt wieder frei war. Doch in dem Moment schoss ein weiteres Flugzeug von rechts ins Blickfeld, das mir offenbar zu Hilfe eilen wollte, den Störenfried aus dem Bild zu schubsen. Er kam allerdings ein wenig zu spät :-).

Die andere Seite der Natur

Abend Eichendorff

Der Abend
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)

Die künstlerische Rückseite eines Geysirs

Wie in einem früheren Beitrag dargestellt wird ein Kaltwassergeysir im Wesentlichen durch die periodische Lösung und Ausgasung von Kohlenstoffdioxyd in Wasser infolge einer subtilen Druckvariation betrieben. Dass diese im Verborgenen stattfindenden physikalischen Vorgänge zu derartig drastischen Wirkungen in der Außenwelt führen, ist das eigentlich Beeindruckende an diesem technisch unterstützten Naturschauspiel. Darüber wird aber meist übersehen, dass nach dem Aufstieg der Wassersäule der Rückfall und die Wiederbegegnung des nunmehr weitgehend zerstäubten mit allerlei Mineralien angereicherten Wassers mit der Erde für mein Empfinden spektakuläre Spuren hinterlässt. Weiterlesen

Wenn die Oberlippe wie ein Schmetterlingsflügel zuckt – Schmetterlinge (4)

Der Flügelschlag eines Schmetterlings gilt in der nichtlinearen Physik als Metapher für die Sensitivität von komplexen Systemen, wonach winzige Ursachen drastische Auswirkungen haben können. Aber man muss nicht unbedingt an physikalische Systeme denken. Der Flügelschlag hat lange bevor die Physik das Problem zum Forschungsgegenstand erhoben hat, in der Menschheitsgeschichte eine große Rolle gespielt. Der Dichter Heinrich von Kleist hat das Phänomen in seiner Erzählung: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden sehr ausdruckstark beschrieben. Weiterlesen

Der vorgezogene Herbst

In den letzten 6 Wochen kann man vermehrt beobachten, dass Bäume ihre Blätter verlieren. Anders als im Herbst, wenn vorher das wertvolle Blattgrün aus den Blättern abgezogen und eingelagert wird, findet man allerdings keine entgrünten und daher typisch die Rot- und Gelbtöne variierenden Blätter vor, sondern einfach vertrocknete und oft noch grüne Blätter (rechtes Foto). Selbst unter Nadelbäumen, die ihre Blätter normalerweise behalten, breiten an vielen Stellen unter sich einen grüner Teppich aus, so wie ich ihn ansonsten noch nie erlebt habe (linkes Foto).
Das alles geschieht aus Wassermangel und ist der extremen Trockenheit geschuldet, die die Bäume und andere Pflanzen in diesem Sommer über sich ergehen lassen mussten und in vielen Gebieten noch müssen. Die wenigen Regenschauer, die wir in den letzten Tagen erlebt haben, sind nicht der Rede wert. Gräbt man im ausgetrockneten Boden, so stellt man fest, dass die Feuchtigkeit nur wenige Zentimeter an der Oberfläche ausmacht.
Ich bin gespannt, ob und wenn ja, welche Auswirkungen dieser massive Einschnitt in das Leben der Bäume haben wird. Werden sie im nächsten Frühjahr so tun, als ob nichts geschehen ist?
Und was wird aus dem Herbst, wenn die Blätter jetzt schon fallen, die Felder bereits abgeerntet, Blumen verblüht sind, bzw. wegen Trockenheit erst gar nicht dazu kommen?

Riesensonnentaler

So große Sonnentaler (mit einem Durchmesser von fast 50 cm) habe ich bislang noch nicht gesehen. Der Kontext, in dem sie hier erscheinen ist zwar nicht besonders“naturschön“, aber alles kann man nicht haben. Mein bisheriger Rekord lag bei etwa 30 cm. Das bedeutet aber nach der Daumenregel  „Durchmesser in cm entspreicht Entfernung (des Lochs) in m“, dass die Löcher, durch die die Taler hervorgerufen werden, etwa 50 m weit entfernt sein müssen. Weiterlesen

Der weltgrößte Kaltwasser-Geysir aus dem Geist des Sprudelwassers

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, den größten Kaltwasser-Geysir der Welt beim Ausbrechen und anschließenden Zusammenbrechen zu beobachten – und das aus nächster Nähe. In Andernach am Rhein ist dieses mit etwas menschlicher Nachhilfe zustande gekommene Naturschauspiel mehrmals am Tage zu erleben.
Anders als die bekannten Geysire in Island und anderswo, die mit Wasserdampf angetrieben werden, bezieht dieser Kaltwassergeysir seine Energie im Wesentlichen aus der Tendenz von Kohlenstoffdioxidgas, CO2, sich in Wasser aufzulösen. Weiterlesen

Neun Himmel um den großen Stein Erde

Stein_Wellen_rvWie um einen Kiesel, den, wenn man ihn in einen See wirft, auf der Wasseroberfläche konzentrische Kreise umgeben, ordnen sich neun Himmel um den großen Stein Erde.

Weber, Anne (*1964); Besuch bei Zerberus; Suhrkamp Verlag, 2004. Weiterlesen

„Dummer Mensch“ – Schmetterlinge (3)

Ein kleiner brauner Schmetterling fliegt vor ihren Füßen auf; und setzt sich wieder, nur 3 Schritt weiter – und wieder auf :nur 3 Schrittchen weiter -?- bis Ann’Ev‘ tadlnd zu ihm sagt : „Dummer Mensch. Flieg doch nach rechts.“ (Da tut Der das auch.)

Arno, Schmidt: Abend mit Goldrand. Frankfurt 1975

Welchen Schmetterling Arno Schmidt im Auge hatte, weiß ich nicht. Mein Schmetterling, dem ich auf einem Baumstaumm sitzend begegnet bin, ist ein Großer Perlmutterfalter. Früher habe ich ihn öfter beobachten können, in den letzten Jahren hat er sich für mein Gefühl rar gemacht. Ich freue mich, hier meinen einzigen Perlmutterfalter dieses Jahres zeigen zu können.

Der junge Mond am Sommerabend

An einem dieser warmen Sommertage genießen wir die abendliche Abkühlung und erleben den Sonnenuntergang, der zu dieser Jahreszeit wieder hinter einem Wald stattfindet. Wenn dann wie auf dem Foto der gerade einmal zwei Tage alte junge Mond der Sonne hinterher eilt, sieht man unmittelbar, wie diese Mondsichel zustande kommt. Jedenfalls wurde einer der Anwesenden ganz ruhig und plötzlich meinte er, dass er nunmehr verstehe, wie die Mondphasen zustande kommen. Weiterlesen

Manche Schmetterlinge treiben wie Blätter auf einem Fluss (2)

Schmetterlinge in den Tropen aus der Gruppe Haeterini driften dicht über den Boden mehr als dass sie fliegen „wie Blätter auf einem Fluss“ (Philip DeVries). Dabei nutzen sie den zum Beispiel von Landungen eines Flugzeugs bekannten Bodeneffet aus. Wenn Flugzeuge landen, wird der Luftspalt zwischen Boden und Hinterkante der Flügel immer kleiner. Dadurch wird Luft gestaut, wodurch der Druck wächst und einen größeren aerodynamischen Auftrieb erzeugt. Das Flugzeug driftet dann gewissermaßen auf einem Luftissen, das sich mit ihm mitbewegt. Um diesen Effekt der Energieeinsparung noch zu optimieren, haben die Schmetterlinge verlängerte abgeschrägte Vorderflügel.
Wie in diesem Fall wird die Erklärung natürlicher Vorgänge oft mit Hilfe von einfacher durchschaubaren technischen Vorgängen veranschaulicht. Umgekehrt wird das so der physikalischen Beschreibung zugänglich gemachte Verhalten der Natur als Vorbild für die Verfeinerung entsprechender technische Verfahren herangezogen. Man spricht dann von Bionik oder genauer von Biometrik.

Das Foto zeigt allerdings nur einen Zitronenfalter, der es sich an einer Distelblüte gut gehen lässt.

Solare Wäschetrocknung und reflexive Bleichung

Dieser aus meiner Kindheit noch vertraute Anblick ist heute selten und damit zu einem Fotomotiv geworden. Obwohl wir ins Zeitalter der regenerativen Energiequellen einsteigen (müssen) ist uns der solare Wäschetrockner offenbar nicht mehr gut genug.
Die Szenerie zeigt darüber hinaus noch ein schönes Phänomen. Während die direkte Sonneneinstrahlung die bunten Farben der Wäschestücke gewissermaßen wegbleicht, werden diese durch die Reflexion im Wasser wieder zurückgeholt. Weiterlesen

Wege 8: Hängebrücken der besonderen Art

haengebruecke_schnecke_dscf02Lerne Schnecken zu beobachten.
Joseph Beuys

Schnecken gehen (mir) über alles (im doppelten Wortsinn). Sie beschäftigen mich als Hobbygärtner zwangsläufig, beeindrucken mich als Wissenschaftler und faszinieren mich als Beobachter von Alltagsphänomenen mit einem Blick für das Schöne. Sie machen mich dem Motto von Joseph Beuys entsprechend zum Künstler.
Bereits in früheren Beiträgen bin ich auf die Schnecken zu sprechen gekommen (zum Beispiel hier und hier und hier). Weiterlesen

Der Stein im Stein in der Steinmauer

stein_imstein_dsc05799rvDies ist ein Naturstein, der als Element in eine Steinmauer eingebaut wurde, wie oben an der Mörtelfuge zu erkennen ist. Das Besondere an diesem Stein ist, das in ihm ein vermutlich erdgeschichtlich viel älterer Stein eingelassen ist. Ich stelle mir die in erdgeschichtlich früher Zeit abgelaufenen Vorgänge so vor, dass Steinbrocken von weicher Erde, evtl. Sedimenten umgeben und schließlich ebenfalls zu Stein verfestigt wurden.

Erhaltungssatz der Materie

Dieses Foto zeigt kein modernes Kunstwerk, auch wenn man in die verschlungenen Linien einiges hineininterpretieren könnte; Pareidolien allemal.  Vordergründig handelt es sich um die Fraßspur einer Raupe, die hier auf dem Blatt eine zufällige oder – wer mehr darin sehen will – eine geheimnisvolle Spur hinterlassen hat. Da die Raupe selbst leider nicht mit aufs Foto wollte – sie seilte sich vorher etwas überstürzt ab, müssen wir mit ihren Hinterlassenschaften vorlieb nehmen, die wie dunkle Perlen den Weg über die offenbar schmackhafte Oberseite des Gurkenblatts säumen. Sie zeigen etwas über den anderen Weg aus, den des abgegrasten Grüns durch die Raupe hindurch. Weiterlesen

Organisch und streng geometrisch

Dünen beindrucken meist durch ihre organischen Formen. Neben der figuralen Ästhetik trägt dazu wohl auch unterschwellig der Gegensatz zu den anorganischen Sandkörnern bei, aus denen die Sandgestalten hervorgehen. Wenn dann wie im vorliegenden Fall auch noch das streng Geometrische in Form von geraden Linien, Dreiecken u.ä. ins Spiel kommt, wird ein weiterer scheinbarer Gegensatz zur Wirkung gebracht. Weiterlesen