//
Artikel Archiv

Physik und Kultur

Diese Kategorie enthält 195 Beiträge

Kunst und Physik-Schwerpunkt: Das Fenster: Ausblick, Durchblick, Anblick, Einblick

Seit einigen Jahren führe ich im Frühsommer und im Herbst in Neustadt (Weinstraße) eine Lehrerfortbildung zum Thema „Kunst und Physik“ mit wechselnden Schwerpunkten durch. Ich bin mehrfach gebeten worden, dies in meinem Blog mitzuteilen. Heute findet eine solche ganztägige Fortbildung statt. Dabei geht es diesmal um den Schwerpunkt des Fensters aus künstlerischer und physikalischer Perspektive. Weiterlesen

Optische Täuschungen 1: Täuschungen gehören zum Alltag

Doch sich täuschen zu lassen, gilt nach landläufiger Auffassung als elend.
Ich behaupte dagegen, daß es das größte Unglück ist,
über alle Täuschungen erhaben zu sein. . .
Der Geist des Menschen ist nun einmal so angelegt,
daß der Schein ihn mehr fesselt als die Wahrheit.
Erasmus von Rotterdam

 Der Menschen Sinne sind trügerisch und täuschbar. Das wussten schon die Philosophen der Antike, denen jedoch die physikalischen und physiologischen Ursachen im heutigen wissenschaftlichen Verständnis fremd waren. Aber auch in der heutigen aufgeklärten Zeit trifft man nicht selten auf Phänomene, bei denen man den eigenen Augen nicht trauen kann. Weiterlesen

Liebesbotschaften an Bäumen

Auch wenn meiner Beobachtung nach der Brauch, Herzen und Innitalien in der Rinde eines Baumes zu schnitzen im Abklingen begriffen ist, entdeckt man sie doch immer mal wieder. Manche sind bereits uralt und man fragt sich zuweilen, ob es zu diesen Zeichen ewiger Liebe auch eine reale Entsprechung gibt .
Dieser alte Brauch wird auch in der Literatur immer wieder angesprochen und in literaturwissenschaftlichen Arbeiten diskutiert. Um zu zeigen, zu welch tiefschürfenden Untersuchungen diese meist als Spielerei jugendlicher Verliebter abgetane Tätigkeit führen kann, hier eine Passage aus einer wissenschaftlichen Arbeit: Weiterlesen

Wandelnde Zerrspiegel

Der auf Hochglanz polierte rote Lack der Karosserie und das gleißende Chrom der Stoßstangen, wirkten wie Zerrspiegel im Irrgarten auf dem Ostermarkt, stauchten mich zu einem feisten Zwerg oder streckten mich spindeldürr. Die Zierleisten auf der Kühlerhaube und an den Seiten – Blitze. Das in der Sonne funkelnde Rund der Radkappen, umrahmt von weißen und schwarzen Ringen der Weißwandreifen – unbekannte Planeten, zu denen Amis und Sowjets sich ein Wettrennen durch Weltall lieferten*.

Klaus Modick (*1951) erinnert sich in seinem Roman „Klack“ anhand einer Fotografie an die hochglänzenden  Autokarosserien der 50er und 60er Jahre. An dem Anblick hat sich heute kaum etwas geändert. Doch heute ist das kaum noch ein bemerkenswertes Phänomen. Ich habe es mehrfach erlebt, dass sich Menschen – darauf aufmerksam gemacht – wunderten, im Glanz nichts anderes als Spiegelungen der Umgebung zu entdecken und in Karosserien so etwas wie Zerrspiegel zu erkennen, die zu den beliebtesten Phänobjekten von Science-Centern gehören.


* Klaus Modick. Klack. Köln 2013

Der Mann im Rettungsring

In den letzten Jahren habe ich mehrere Wanderungen durch den schönen an der Ems gelegenen Ort Telgte gemacht und dabei eine „Person“ besonders lieb gewonnen – den unerschütterlich auf dem Fluss badenden Mann mit der blauen Badekappe. Er hat zwar einen Rettungsring, dafür trotzt er aber Wind und Wetter und lässt ganz stoisch den Fluss an sich vorbeiziehen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde er sich fortbewegen. Aber es sind nur die den Ring umspielenden Wellen des fließenden Gewässers. Schaut man sich den Ring genauer an, so stellt man bereits einige Spuren fest, die die Zeit an ihm hinterlassen hat.
Dieses Kunstwerk ist insofern interessant, als es einerseits sehr realistisch aussieht. Ich habe mehrere Leute gesprochen, die den Mann – wie auch ich – auf den ersten Blick für echt gehalten haben und sich schon über die Skurilität dieses Menschen zu wundern begannen, bis ihnen ein Licht aufging.
Leider habe ich den Künstler bisher nicht ermitteln können. Ich frage mich und euch, ob man diese Installation als Landart bezeichnen kann auch wenn das Land diesmal ein Fluss ist.

Spinnennetze als indirekte Beleuchtung

O sieh das Spinnennetz im Morgensonnenschein,
Wie es vom Tau noch voll kristallner Tropfen hängt!
Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht,
Die in den silbergrauen Maschen hier und dort
So flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.
Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sich
In unsrer Tage schwankendes Gespinst,
Und es erschauert unter seiner köstlichen Last
Des Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb*

An manchen Morgen in dieser Zeit, wenn es gerade hell geworden ist, scheint die vertraute Landschaft der Krummhörn verändert. Überall an den Feldrändern, den schilfgesäumten Schloten und Kanälen blitzen hell leuchtende Spinnennetze in den verschiedensten Formen auf. Sie sind nicht erst heute dort, aber sie werden erst jetzt sichtbar, weil die kühlen Nächte für reichlich Tau sorgen, der sich besonders in den Spinnennetzen niederschlägt. Diese Wassertropfen sind so klein, dass sie das Licht wie Nebeltropfen in alle Richtungen streuen und die ansonsten aus verständlichen Gründen nahezu unsichtbaren Spinnennetze zu einer erstaunlichen Sichtbarkeit verhelfen. Sie scheinen aus sich heraus zu leuchten.

 


*Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Dies ist in Wirklichkeit nur jenes…

Aber, ist Denkstil nicht wiederum nur ein anderer Ausdruck für Zeitgeist? Wittgenstein hat mit seiner Formel Dies ist in Wirklichkeit nur jenes das Grundschema aller Welterklärungen angegeben und zugleich deren Reizwert bestimmt. Auf diesem Schema verbleibend, gibt es noch die Steigerung des Reizwertes mit der gleichfalls schon von den Griechen entdeckten Formel: Alles ist eines. Dies ist es, worauf die Vernunft jederzeit Anspruch hatte und was ihr jeweils endlich erfüllt werden soll; dies ist es aber auch, was die Bildungserwartung bestärkt, einen derart auf Einfachheit zulaufenden Sachverhalt werde alsbald jedermann begreifen und die Welt dadurch für sich durchsichtig machen können.*

Was auf dem Foto durch Wasser so durchsichtig gemacht wurde ist das Pflaster vor der Kathedrale in Florenz (Santa Maria del Fiore). Behauptete nicht Thales von Milet (*624/23 v. Chr.; † zwischen 548 und 544 v. Chr), dass alles (aus) Wasser ist?


* Hans Blumenberg. Die Verführbarkeit des Philosophen. Frankfurt 2000, S. 42

Leonardo da Vinci (6) – Farbiges Licht

Wenn du ein Licht nimmst und es in eine mit grüner Farbe oder mit einer anderen Transparenzfarbe gestrichene Laterne stellst, so wirst du erfahrungsgemäß sehen, daß alle Gegenstände, die von diesem Licht beschienen werden, in der Farbe dieser Laterne schimmern.
Du hast wohl in Kirchen auch schon gesehen, daß das Licht, das durch die bunten Glasfenster fällt, in der Farbe dieser Glasfenster schimmert. Wenn dir auch das noch nicht genügt, dann beobachte einmal, wie die Sonne beim Untergang, wenn sie rot durch den Dunst scheint, alle jene Wolken rötet, die ihr Licht von dieser Sonne erhalten*.

Auf dem Foto sieht man die Spiegelung des durch ein farbig verglastes Fenster der Kirche Santa Maria Novella (Florenz) gefilterten Lichts auf einer Bank. Aufgrund der Glätte der holzernen Oberfläche der Bank wird ein Teil des Lichts nach dem Reflexionsgesetz (Einfallrichtung = Reflexionsrichtung) in die Kamera reflektiert. Theoretisch hätte Leonardo da Vinci eine solche Spiegelung in eben dieser Kirche mit eigenen Augen sehen können.


*Leonardo da Vinci. Tagebücher und Aufzeichnungen. Leipzig 1940 , S. 150

Eine kleine Physik rollender Tomaten

Wenn ich eine Tomate auf die flache Hand lege, rollt sie bereits bei einem sehr kleinen Neigungswinkel herunter – sofern sie nicht allzu stark von der Kugelform abweicht. Ein Quader von etwa derselben Größe würde erst bei einem sehr viel größeren Neigungswinkel hinunter gleiten, nämlich genau dann, wenn die mit der Neigung wachsende Komponente der senkrecht wirkenden Schwerkraft größer als die Reibungskraft zwischen Quader und Hand wird. Weiterlesen

…wie Spiegelbilder im Bach

Man sollte meinen, dass der Alltag und die Natur als Quelle für Analogien und Metaphern reichhaltig genug wären, um das Bedürfnis einer Schriftstellerin oder eines Schriftstellers zu befriedigen, die Unsagbarkeiten des inneren Erlebens möglichst genau zu erfassen. Verlockend sind aber auch Anleihen an Beschreibungen, die Schriftstellerkolleginnen und -kollegen bereits lange vor ihnen vorgelegt haben.
Weiterlesen

Vom Alltäglichen bis zum Wechselspiel von Licht und Schatten bei George de La Tour

Manchmal wird man bei profaner handwerklicher Tätigkeit in künstlerische Gefilde katapultiert, die auf den ersten Blick (auf die Fotos) abwegig erscheinen. Als ich eine Außenleuchte am Haus reparierte und zufällig mit der Hand in den Sonnenstahl geriet, wurden die Leuchte und sogar ein Teil der Wand erstaunlich stark aufgehellt. Die Innenhand wirkte also wie ein Reflektor, der das Sonnenlicht zwar nicht spiegelnd aber diffus auf den im Schatten liegenden Bereich lenkte.
Ich hätte die Sonne nicht mit ins Bild nehmen können, weil die Intensitätsunterschiede zwischen Sonnenlicht und reflektiertem Licht einfach zu groß ist.
Das erinnerte mich an eindrucksvolle Bilder von George de La Tour. Beispielsweise ist auf dem Bild „Das Neugeborene“ eine ähnliche Szenerie malerisch dargestellt und zu einer einzigartigen „Lichtinstallation“ gestaltet worden. Obwohl die Intensität des Kerzenlichts um Größenordnungen kleiner ist als die der Sonne, ist die Situation prinzipiell dieselbe. Als primäre Lichtquelle hätte de La Tour die Kerzenflamme viel heller malen müssen, als das beleuchtete Neugeborene, das ebenso wie die anderen Personen unter realistischer Perspektive nur noch sehr düster und schattenhaft gewirkt hätten und nicht zur Geltung gekommen wären. Indem er die Kerzenflamme durch eine Hand verdeckt und dadurch einen Teil des Lichts zusätzlich auf das Kind lenkt, wird nicht nur das Kind zusätzlich erhellt, sondern das unlösbare Problem, die Kerzenflamme noch heller zu malen, auf elegante Weise aus dem Weg geräumt.
Bei so viel Licht wird es dem Künstler außerdem möglich, deutliche Abstufungen in der Helligkeit und damit einen räumlichen Eindruck von den Körperformen zu vermitteln sowie die Farben der Kleidung zu differenzieren.
Das Gemälde erzählt auf diese Weise eine zweite Geschichte, in der die Personen dem Maler Gelegenheit bieten, das faszinierende Wechselspiel von Licht und Schatten zu inszenieren.

Den Fotos sind weitere optische Effekte zu entnehmen. Die Glühlampe reflektiert u.a. den Himmel spiegelnd und zwar gleich zweimal, nämlich auf der vorderen äußeren und hinteren inneren Oberfläche. Und da die Lampe nahezu Kugelform hat, ist auch gleich der ganze Himmel gespiegelt zu sehen. Dabei ist deutlich zu erkennen, dass der Himmel zum Horizont hin heller ist als im Zenit. Im unteren Foto dominieren die beiden Spiegelbilder der Hand.

Das Meer

Grüß‘ mir das Meer,
Silberne Wellen
Rauschen und schwellen,
Schön ist das Meer!

Grüß‘ mir das Meer,
Golden es schäumt‘,
Ob es auch träumet?
Tief ist das Meer.

Grüß‘ mir das Meer,
Glücklich es scheinet
Ströme es weinet,
Groß ist das Meer*


*Friederike Kempner (1836-1901)

Zur Sommensonnenwende 2019

Der Tag ging in einem klaren, stillen und wunderbaren Glanz zu Ende. Das Wasser glitzerte friedvoll; der Himmel, ohne einen Makel, war eine wohltuende Unendlichkeit reinen Lichts; sogar der Dunst der Sümpfe von Essex glich einem Gewebe aus leuchtender Gaze, das von den waldigen Höhen des Binnenlands herabhing und seine durchsichtigen Falten über die flachen Ufer warf. Nur die Düsternis im Westen, die weiter oben über dem Fluss lag, wurde von Minute zu Minute tiefer, als reize sie das Nahen der Sonne.
Und endlich sank die Sonne in einem krummen und nicht wahrnehmbaren Sturz zum Horizont hinunter und war nun nicht mehr gleißend weiß, sondern dumpf und rot und ohne Strahlen und Wärme, als wolle sie gleich verlöschen, tödlich getroffen, weil sie jene Düsternis berührt hatte, die über einer Masse aus Menschen lastete.
Sofort veränderte sich das Wasser, und es wurde weniger klar und leuchtend, dafür umso tiefgründiger. Die breite Mündung des alten Flusses lag, während der Tag verging spiegelglatt da, nach Jahrhunderten treuer Dienste, die er den  Geschlechtern an seinen Ufern geleistet hatte.*


*Joseph Conrad. Herz der Finsternis. München 2004

Zur Alltagskunst

Und es gibt kein naturwissenschaftliches Arbeitsgebiet, von der Medizin bis zur Physik, von der Entomologie bis zur Plasmaforschung, dem nicht neben dem Erkenntnisdrang auch noch ein vages ästhetisches Motiv unterlegt würde. Daß es auf ewig vage bleiben müsse, daß der Untersuchung des sogenannten Schönen im System unserer Natur-Erkenntnis kein Platz zukomme, gehört zu den aprioristischen Annahmen der Wissenschaft. Diese Annahme ist falsch. Das Werk des Weltenbaumeisters – wer immer er auch gewesen sein mag und noch ist, ob ein Gott oder ein vom Nichts ins Nichts führender physikalischer Prozeß – darf in gleicher Weise Gegenstand formaler Betrachtung sein wie ein vom Menschen geschaffenes Kunstwerk. Ein Gebirgszug, der Verlauf einer Küstenlinie, die Gestalt eines Vogels, die Verteilung und Färbung einer Flechte auf einem Felsen sind ebenso das Ergebnis von Form-Prozessen wie die Kathedrale von Chartres oder ein Bild von Cézanne, und diese wie jene lösen die gleichen psychischen wie mythischen Erfahrungen aus*.


*Alfred Andersch. Hohe Breitengrade. Zürich 1984

Abendrot

Glühendes Rot schenkt dem Tag eine Stunde
ehe die Nacht alles Helle verschlingt.
Schon dreht das Mausohr im Fahllicht die Runde,
während die Amsel ihr Schlafliedchen singt.

Farben der Glut scheint der Himmel zu malen,
Feuer greift tief in das dunkelnde Blau.
Fort ist die Sonne, die pinselnden Strahlen
klimmen den Sehkreis zur Spätabendschau.

Waldkäuze rüsten ihr weiches Gefieder,
Kirchtürme schwärzen zum Scherenschnitt ein.
Dieser Moment, ein Libretto für Lieder,
könnte nicht schöner, nicht mystischer sein
*


*Ingo Baumgartner (1944 -2015)

Die Natur kommt zurück

Wenn man durch alte verlassene, bzw. sich selbst überlassene Weinberge wandert, kann man merkwürdige Symbiosen von Natur und Technik beobachten. Im nebenstehenden Foto sieht man beispielsweise Überreste eines Zaunes, der schon lange nicht mehr im Dienst ist. Die Natur hat keine Probleme damit, an den technischen Hinterlassenschaften des Menschen zum eigenen Vorteil anzuknüpfen (siehe auch hier). Dabei verfährt sie nach eigenem Gutdünken, indem hier Weinreben den alten Zaun als Stütze benutzen und sich an ihm mit Schlingen und Schlaufen in einem derart gesunden Grün aufrichten, dass vom Verfall einer alten Kultur nicht viel zu sehen bleibt.

 

Die Physik im Dienst der Kunst – zum 500. Todestag Leonardo da Vincis

Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 5 (2019) S. 64 – 67

Er glich einem Menschen,
der in der Finsternis zu früh erwacht war,
während die anderen noch alle schliefen.
Sigmund Freud (1856–1939)

Leonardo da Vinci war überzeugt, die Praxis müsse stets auf guter Theorie beruhen. Seine eigenen Untersuchungen zu optischen Erscheinungen machten ihn zu einem Vorreiter der neuzeitlichen Physik.

Heute vor 500 Jahren ist Leonardo da Vinci in Frankreich gestorben. Er ist vor allem als Ausnahmekünstler in Erinnerung geblieben – einige seiner Gemälde gehören zu den berühmtesten der Welt. Weniger bekannt ist, dass er sich als Naturforscher optische Regeln für sein künstlerisches Schaffen erarbeitet hat. Die meisten davon sind noch heute gültig, 500 Jahre nach seinem Tod. Mit Hilfe seiner physikalischen Einsichten verlieh er beispielsweise der Mona Lisa über die bloße realistische Abbildung hinaus eine große Lebendigkeit.
So nutzte Leonardo auf einfühlsame Weise Lichteffekte auf dem Körper und dem Gewand. Er forderte, Schatten »sollen nie so beschaffen sein, dass durch ihre Dunkelheit die Farbe an dem Ort, wo sie entstehen, ganz verlorengeht«. Man dürfe keine scharfen Umrisse machen und keine weißen Lichter setzen, außer auf weiße Dinge. Darüber hinaus nutzte er einen Aspekt der Farbperspektive aus, der in dem typischen Blauschimmer ferner Objekte zum Ausdruck kommt: »Ein sichtbarer Gegenstand wird seine wirkliche Farbe in dem Maße weniger zeigen, in dem das zwischen ihn und das Auge eingeschobene Mittel an Dicke der Schicht zunimmt. Das Mittel zwischen dem Auge und dem gesehenen Gegenstand wandelt die Farbe dieses Gegenstandes zur seinigen um.« Er erkannte, dass Wechselwirkungen des weißen Sonnenlichts beim Durchgang durch eine größere Luftschicht eine Blautönung bewirken. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Erst der britische Lord Rayleigh konnte Ende des 19. Jahrhunderts das Himmelsblau erklären. Doch bereits Leonardo hatte den richtigen Ansatz: Der Himmel wird deshalb hell und blau, weil »winzige und unsichtbare Atome es streuen«. Er täuschte sich nur darin, dass er Wasserteilchen in der Luft für die Ursache hielt und nicht die Luft selbst…. weiterlesen

Leonardo hat uns auch Rätsel hinterlassen, von denen er sicherlich die Lösung wusste. So sagt er beispielsweise »Man wird oftmals sehen, wie aus einem Menschen drei werden, und alle ihm folgen: und häufig verlässt sie gerade dieser eine, der ähnlichste«. Ob er damit den Doppelschatten eines Menschen gemeint hat, wie er im Foto zu sehen ist und das als Schattengeber fungierende Original hinzugenommen hat?

 

Osterfeuer – Verheißung von Licht und Wärme

Nicht nur das Osterei, sondern auch das Osterfeuer gilt den Christen als ein Symbol für die Auferstehung von Jesus Christus. Auch in diesem Fall wird auf vorchristliche Traditionen zurückgegriffen, wonach mit Licht und der Wärme des Feuers der Winter und die dunkle Jahreszeit verabschiedet oder ausgetrieben werden. Weiterlesen

Die wunderbaren Wolken

Der Fremde

Wen liebst du am meisten, rätselhafter Mensch, sprich! Deinen Vater, deine Mutter, deine Schwester oder deinen Bruder?
Ich habe weder Vater noch Mutter, weder Schwester noch Bruder.
Deine Freunde ?
Du bedienst dich da eines Wortes, dessen Bedeutung mir bis heute unbekannt geblieben ist.·
Dein Vaterland!
Ich weiß nicht, auf welchem Breitengrad es liegt.
Die Schönheit!
Wie gerne liebte ich sie, die göttliche, unsterbliche.
Das Gold!
Ich hasse es, wie du Gott hassest.
Was liebst du denn, seltsamer Fremdling!
Ich liebe die Wolken … die ziehenden Wolken … dort… dort in
der Ferne … die wunderbaren Wolken!“ Weiterlesen

Leonardo da Vinci (2) – Zur physikalischen Dimension des Malens

Folge 2:
Geht man der Frage nach, was bis in unsere Tage den Gemälden Leonardos da Vincis so faszinierend ist, so kann man den Eindruck gewinnen, dass er nicht nur malte was er sah, sondern darüber hinaus zahlreiche optische Regeln anwandte, um sich auf kalkulierte Weise über das Reale hinwegzusetzen. Dabei gelang es ihm beispielsweise, der Mona Lisa über die bloße realistische Abbildung hinaus eine große Lebendigkeit zu verleihen. Er nutze einerseits einen Aspekt der Farbperspektive aus, der hier im Blauschleier zum Ausdruck kommt, der die fernen Gegenstände im Hintergrund umgibt. Dabei begründete er sein Vorgehen so: „Ein sichtbarer Gegenstand wird seine wirkliche Farbe in dem Maße weniger zeigen, in dem das zwischen ihn und das Auge eingeschobene Mittel an Dicke der Schicht zunimmt. Das Mittel zwischen dem Auge und dem gesehenen Gegenstand wandelt die Farbe dieses Gegenstandes zur seinigen um“ [1] . Andererseits berücksichtigte er das Phänomen, wonach ferne Gegenstände verschwommen erscheinen: „Scheinbild und Substanz der Dinge verlieren mit jedem Grad an Entfernung an Wirkungskraft, das heißt, je weiter der Gegenstand sich vom Auge entfernen wird, um so weniger (und unvollkommener) wird er mit seinem Scheinbild durch die (zwischengeschobene) Luft hindurchdringen können“ (ebd.).
Bei der Person selbst machte er auf einfühlsame Weise von Licht- und Schatteneffekten auf dem Körper und dem Gewand Gebrauch: „Von der Fleischfarbe und von den Gestalten in großer Entfernung vom Auge… Und vergiß ja nicht, die Schatten sollen nie so beschaffen sein, daß durch ihre Dunkelheit die Farbe an dem Ort, wo sie entstehen, ganz verlorengeht, außer der Ort, wo sich die Körper befinden, ist schon von sich aus finster… Mach keine scharfen Umrisse, löse keine Haare heraus, setze keine weißen Lichter, außer auf weiße Gegenstände. Und die Lichter sollen aus den Farben, auf die sie scheinen, die größte Schönheit herausholen“[2].

Leonardo überließ nichts dem Zufall, er hatte alles vorher erforscht und experimentell untersucht, so dass man mit Recht sagen kann: So physikalisch durchdacht und natürlich zugleich, hat vor ihm keiner gemalt. Dieses durch „physikalische“ Erkenntnisse bestimmte Vorgehen unterscheidet insbesondere die Mona Lisa von den Werken seiner zeitgenössischen Kollegen.

Der Kunsthistoriker und Experte für Leonardo da Vincis Werk, Martin Kemp, betont in diesem Zusammenhang, dass Leonardos Technik Ähnlichkeiten mit den Computersimulationen unserer Tage aufweist, mit denen heute natürlich wirkende Landschaften generiert werden. Auch bei ihnen spielt die physikalische Erfassung auch noch der kleinsten Effekte, die zum Eindruck des Bildes führen, eine wichtige Rolle: „Seine Studien von Licht, das ausgehend von einer punktförmigen Quelle die Konturen eines Gesichtes trifft (Abb. 10), veranschaulichen, daß es ihm darum ging, mittels eines Systems, das dem der Strahlenaufzeichnung in der Computergraphik entspricht, modellierte Formen zu erzeugen“ [3]. Doch diese Details bemerkt man erst auf dem zweiten Blick, wenn man sich u.a. klarmacht, dass

  • Mona Lisa auf einer Loggia, also im Gegenlicht, sitzt,
  • aber von links beleuchtet wird, wo sich die Decke befindet,
  • der Hintergrund bläulich und unscharf erscheint,
  • die Rundungen deutlicher hervortreten, als es normalerweise möglich ist.

Wir haben es also mit einer virtuellen, konstruierten Wirklichkeit zu tun, in der der Künstler mit der gezielten Handhabung physikalischer Gesetzmäßigkeiten versucht, das Statische und Eingefrorene eines Gemäldes zu überwinden, das bei einer exakten Kopie der Natur so typisch ist.


[1] da Vinci, Leonardo, zit. nach: von Baeyer, Hans Christian: Regenbogen, Schneeflocken und Quarks. Reinbek: Rowohlt 1996
[2] da Vinci, Leonardo: Sämtliche Gemälde und die Schriften zur Malerei, zit. nach: André Chastel (Hrsg.) München: Schirmer/Mosel 1990
[3] Kemp, Martin: Leonardo. München: C.H. Beck 2004
Quelle Mona Lisa

Wege 11: Die Freiheit der Straße

Sprich mir nur nicht von Freiheit der Worte im Gedicht. Ich habe die einen den anderen unterworfen, im Einklang mit deiner Ordnung, die die meine ist…
Doch sprich mir nicht von der Freiheit der Steine. Denn dann gibt es keinen Tempel. Ich habe verstanden, weshalb man den Zwang von der Freiheit unterscheidet. Je mehr Straßen ich ziehe, um so freier bist du in deiner Wahl. Aber jede Straße ist ein Zwang, denn ich habe sie mit Schranken eingefaßt. Was aber nennst du Freiheit, wenn es keine Straßen gibt, zwischen denen du wählen kannst? Nennst du Freiheit das Recht, im Leeren umherzuirren? Sobald der Zwang eines Weges begründet wurde, steigert sich zugleich deine Freiheit.

Antoine de Saint-Exupéry. Weisheit

Leonardo da Vinci (1) – zwischen Kunst, Naturwissenschaften und Technik

Anlässlich des 500. Todesjahres von Leonardo da Vinci werde ich über das Jahr verteilt typische Phänomene zwischen Kunst, Physik und Alltag darstellen, an denen die besondere Rolle Leonardos an der Schwelle der neuzeitlichen Physik deutlich wird. Das wertvollste Vermächtnis Leonardos sind nicht die 21 Gemälde und auch nicht die etwa 100000 Zeichnungen und Skizzen, sondern die völlig neue Art und Weise wissenschaftlich zu arbeiten und zu denken, die u.a. der neuzeitlichen Physik ihren Weg ebnete.
Leonardo lebte von 1467 bis 1519. Er war damit älter als Kopernikus (1473 bis 1543) und hat noch vor diesem über das heliozentrische Weltbild nachgedacht. So war er beispielsweise der Meinung: „Die Sonne bewegt sich nicht“, womit er gleichzeitig behauptete, dass die Erde sich bewegt.
Sigmund Freud zufolge „glich (Leonardo) einem Menschen, der in der Finsternis zu früh erwacht war, während die anderen noch alle schliefen.
Er sah sich als Moral- und Naturphilosoph (wobei Naturphilosophie auch die Gegenstände umfasste, die wir heute der Physik zurechnen würden) und dokumentierte seine Ideen und Erkenntnisse durch Schrift (Prosa und Dichtung) und Bild (Gemälde, Grafiken und Skizzen).
Leonardo war Universalist, kein Spezialist, wie die heutigen Naturwissenschaftler. So konnte er beispielsweise
– ein Auge sezieren,
– es gleichzeitig malen,
– optische Ideen zum Sehen daran entwickeln,
– diese experimentell überprüfen und
– über sie in anspruchsvoller Prosa schwärmen.
Besonders beeindruckend sind Leonardos zahlreichen Beobachtungen und deren präzisen Beschreibungen von Alltags- und Naturphänomenen, die insbesondere physikalischen Laien einen Weg zum physikalischen Verständnis eröffnen, ohne auf mathematische Formeln zurückgreifen zu müssen.

Foto: Statue vor den Uffizien in Florenz

Schönheit durch Symmetriebrechungen

Asymmetrie ist, ihren kunstsprachlichen Valeurs nach, nur in Relation auf Symmetrie zu begreifen.*

Diese Aussage ist durchaus auf die Physik zu übertragen, wenn man sich klarmacht, dass Symmetriebrüche erst in Bezug auf die Symmetrie begriffen werden können: Ohne Symmetrie kein Symmetriebruch.
Dass Kunst und Physik gerade was die Symmetrie betrifft zusammenhängen, hat der Physiker Hermann Weyl (1885 – 1955), u. A. Autor eines klassischen Werks über Symmetrie, folgenderamßen auf den Punkt gebracht: Weiterlesen

Sonnenlicht am Abend

Vielleicht eine Illusion, auf falscher Deutung der Tatsache beruhend, daß DER ENGEL sich mir, sich uns entzog, daß diese Energie im All spielte wie auch in der nächsten und nahen Atmosphäre und die Dunkelheit mit engelsfarbenen Strahlen illuminierte. Und diese breiten sich überall aus, zwischen den Bäumen und über die Gebäude, ob sie uns zugewandt standen oder nicht – man wußte es, weil sich das Licht auch an den Ecken zeigte und auf dem Rasen dahinter – verfließende Lichtbahnen, Schatten, Konturen und Flächen in der Dünung – sozusagen – dieses Lichts, am Ufer eines Meeres mit dem Fassungsvermögen des Alls für weiteres Licht; doch es war, Weiterlesen

Wege 10: Seinen Weg verfolgen

Wer von uns kann, wenn er sich auf seinem Wege umdreht,
auf dem es keine Rückkehr gibt, sagen, er habe ihn verfolgt,
wie er ihn verfolgt haben mußte?

Fernando Pessoa. Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987

Zum Glück gibt es ganz reale Wege, die aus der passenden Perspektive auch noch schön aussehen und nicht nur die Rückkehr ermöglichen, sondern auch viele Möglichkeiten eröffnen, sein Ziel zu erreichen.

Verblüffende Alltagsphysik – Überraschende Antworten auf 33 allgegenwärtige Rätsel

Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft Spezial 1.19 (2019), 82 Seiten

Vertrautes aus physikalischer Sicht

Es schien, als seien die umkränzten Lichtkreuze über Nacht in die Welt gesetzt worden. Nachdem ich diese merkwürdigen Objekte an Häuserwänden und Straßen (siehe S. 30) zum ersten Mal entdeckt hatte, sah ich sie von diesem Tag an überall. Freilich müssen die seltsamen Figuren schon vorher immer wieder auf meine Netzhäute gelangt sein, doch ich hatte sie bis dahin nicht bewusst wahrgenommen. Das ist typisch für viele Phänomene im Alltag und in der Natur. Man muss regelrecht lernen, sie zu sehen – und das gelingt am besten, indem man durch möglichst viele Beispiele dazu angeregt wird. Weiterlesen

Die Schuhe

Man sieht sehr häufig unrecht tun,
doch selten öfter als den Schuhn.
Man weiß, daß sie nach ewgen Normen
die Form der Füße treu umformen.
Die Sohlen scheinen auszuschweifen,
bis sie am Ballen sich begreifen.
Ein jeder merkt: es ist ein Paar.
Nur Mägden wird dies niemals klar.
Sie setzen Stiefel (wo auch immer)
einander abgekehrt vors Zimmer.
Was müssen solche Schuhe leiden!
Sie sind so fleißig, so bescheiden;
sie wollen nichts auf dieser Welt,
als daß man sie zusammen stellt,
nicht auseinanderstrebend wie
das unvernünftig blöde Vieh!
O Ihr Marie, Sophie, Therese –
der Satan wird euch einst, der böse
die Stiefel anziehn, wenn es heißt,
hinweg zu gehn als seliger Geist!
Dann werdet ihr voll Wehgeheule
das Schicksal teilen jener Eule,
die, als zwei Hasen nach sie flog,
und plötzlich jeder seitwärts bog,
der eine links, der andre rechts,
zerriß (im Eifer des Gefechts)!
Wie Puppen, mitten durchgesägte,
so werdet ihr alsdann, ihr Mägde,
bei Engeln halb und halb bei Teufeln
von niegestillten Tränen träufeln,
der Hölle ein willkommner Spott
und peinlich selbst dem lieben Gott. Weiterlesen

Natürliches Lametta

Etwas aus den nebelsatten
Lüften löste sich und wuchs
Über Nacht als weißer Schatten
Eng um Tanne, Baum und Buchs.

Und erglänzte wie das Weiche
Weiße, das aus Wolken fällt,
Und erlöste stumm in bleiche
Schönheit eine dunkle Welt.

Gottfried Benn (1886 – 1956)

Die Atmosphäre einer Kerzenflamme

Adventzeit ist Kerzenzeit. Wer in Anwesenheit des Kerzenlichts seine Umgebung bewusst erlebt, kann vielleicht Erfahrungen von Menschen aus früheren Zeiten verstehen, für die das Kerzenlicht zu den anspruchsvollsten künstlichen Leuchtmitteln gehörte. Hier eine kleine Episode aus Nikolai Ljesskow*, die leicht als religiöser Humbug angesehen werden kann. Dabei sollte man jedoch nicht übersehen, dass einer solchen Deutung ein beobachtbares Geschehen zugrunde liegt. Weiterlesen

Ich bin Feuer und Flamme für die Kerze – 2. Advent

Zündet man eine Kerze an,
erhält man Licht.
Vertieft man sich in Bücher,
wird einem Weisheit zuteil.
Die Kerze erhellt die Stube,
das Buch erleuchtet das Herz.“

Aus China

Lichttechnisch gesehen ist die Kerze ein Fossil, aber ein liebenswertes, das nicht mehr notwendigerweise der Beleuchtung, sondern eher der Erleuchtung und der Schaffung einer stimmungsvollen Atmosphäre dient. Die Menschen, die seinerzeit auf die Kerze als Beleuchtungsmittel angewiesen waren, sahen die Situation daher weitaus nüchterner. Selbst der Dichterfürst Goethe, sonst um keine poetische Wendung verlegen, stellt schlicht fest:

Wo Lampen brennen, gibts Ölflecken,
wo Kerzen brennen, gibts Schnuppen,
die Himmelslichter allein
erleuchten rein und ohne Makel.

Weiterlesen

Erklär‘ mir, warum der Nachthimmel dunkel ist

Warum ist der Nachthimmel dunkel? (Zur Vergrößerung auf Bild klicken!) Das ist für viele Menschen eine dumme Frage, weil sie tautologisch anmutet. Ist nicht die tiefe Nacht fast ein Synonym für Dunkelheit? Sinnvoll wird die Frage erst aus physikalischer Sicht. Denn sie ist physikalisch voraussetzungsvoll. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner hat sich in ihrem Roman Vorliebe mit dieser Frage auseinandergesetzt und ich möchte sie sprechen lassen:
„Erklär‘ mir, warum der Nachthimmel dunkel ist“. Weiterlesen

Schatten im Blick? – Ein Blick auf Schatten

Im Wallraf-Richartz-Museum in Köln ist zurzeit eine Ausstellung zu sehen, in der der Besucher auf einer Art Schatten-Spurensuche in ausgewählten Grafiken von der frühen Neuzeit bis ins 17. Jahrhundert geführt wird. Gezeigt werden u.a. Werke von Dürer, Rembrandt, Saenredam. Für mich war es insbesondere interessant, die Parallelität der Entwicklung der Vorstellungen von Schatten in den Naturwissenschaften und der Kunst in den Blick zu nehmen. Weiterlesen

Sonnenuntergänge – zwischen Naturphänomen und Poesie

Die Sonne war prachtvoll untergegangen, und das schönste Abendrot zog lieblich hintennach. »Wenn ich ein Landschaftsmaler wäre,« rief Demetri, »ich malte ein ganzes Jahr weiter nichts als Lüfte, und besonders Sonnenuntergänge. Welch ein Zauber, welche unendliche Melodien von Licht und Dunkel, und Wolkenformen und heiterm Blau! Es ist die Poesie der Natur. Gebirge, Schlösser, Paläste, Lusthaine, immer neue Feuerwerke von Lichtstrahlen, Riesen, Krieg und Streit, flammende Schweife wechseln mit neuen Reizen ab, wenn das Gestirn des Tages in Brand und Gluten untersinkt. Aber leider mit eurem Licht in der Malerei sieht es übel aus!«
»Und was man davon malen kann,« fuhr ich fort, »dauert nur wenig Momente; die glücklichste Phantasie und Empfindung gehört dazu, es aufzubewahren,
nach Hause zu tragen, und wunderbare Kunst, es täuschend langsam hinzupinseln.«

Heinse: Ardinghello und die glückseligen Inseln. Stuttgart 1986

Technikfreundlichkeit und Technikfeindlichkeit

Das ist der Fluch und Einwand gegen so Viele unter uns, da? Sie mit bewegter Zunge ihren Abscheu vor der Technik aussprechen! Das ist nicht neu : schon Schiller, Fouqueé, Tieck, gaben einem Widerwillen gegen die Mathematik ungescheut Ausdruck; ohne sich scheinbar im Geringsten darüber Gedanken zu machen, daß sie damit in unverantwortlichster Weise die Realität desavouierten; die verhängnisvolle Kluft verbreiterten, an deren Rändern wir heute verdutzt stehen.
Weiterlesen

Holunderbeerenreflexe

holunderbeeren_img_8560rvGlänzende Perlen oder leuchtende Augen werden auf Gemälden oft durch einen kleinen weißen Punkt sichtbar gemacht. Davon wird in der realistischen Malerei reichlich Gebrauch gemacht. Ein Beispiel ist das in der National Gallery in London zu bewundernde Gemälde „Die Hochzeit des Giovanni Arnolfini„. Dort findet man ihn sowohl in der Gebetsperlenkette neben dem Wölbspiegel im Hintergrund als auch in den Augen des zu Füßen der Dame stehenden Hündchens. Weiterlesen

Photoarchiv