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Architektur

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Ein Treppenhaus als Kunstwerk

In manchen Kunstmuseen kann man die Innenarchitektur selbst als Kunstwerk ansehen. Dies ist mir besonders eindrücklich im Treppenhaus eines Kunstmuseums aufgefallen (Foto). Weiß jemand, um welches Museum es sich handelt?

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Durchblick, Überblick, Anblick, Einblick

Im 46. Stockwerk eines Hochhauses, in dem die immer wieder unter großen akrobatischen Einsatz (jedenfalls kam es mir so vor) geputzen Fenster, hat man einen einen guten Durchblick und damit auch einen weitreichenden Überblick über die Megastadt. Damit ist jedoch bei weitem kein Einblick verbunden in die Maschinerie, die all dies in Gang hält. Wendet man den Blick, so verliert man sich leicht in Spiegelungen, die den vorher noch als deutlich und klar empfindenen Durchblick wie ein Anblick einer anderen Welt erscheinen lassen. Man ist sehr schnell müde, die Überlagerungen von realen und virtuellen Eindrücken zu ordnen und nimmt es und sich selbst mittendrin schließlich als eine Art Kunstwerk wahr.

Optische Täuschung 13: Perspektive

Der hier mit einem simplen Drahtgitter simulierte Säulengang soll vermutlich die kahle Wand auflockern und den Betrachter einladen, den Gang seiner virtuellen Beschaffenheit entsprechend gedanklich zu betreten. Von außen betrachtet würde jemand der durch den Gang hindurch zum blauen Ausgang strebte, sein blaues Wunder erleben: sie oder er würde wie Alice im Wunderland schrumpfen.
In Rom gibt es einen realen Säulengang, der allerdings kürzer ist, als er erscheint. Menschen die ihn durchqueren werden von außen betrachtet scheinbar größer. Ein echtes Erlebnis! Eine geschickte optische Täuschung eines Architekten aus dem 17. Jahrhundert.

Hochhäuser als Zylinderspiegel

Die beiden „Bettentürme“ des Universitätsklinikums in Münster sind zylinderförmig. Blickt man von dem einen zum anderen Turm, so stellt man fest, dass der eigene Turm im gegenüberliegenden wie durch eine konvexe Zylinderlinse abgebildet wird. Daraus kann man schon einmal schließen, dass die Scheiben gekrümmt sein müssen und nicht ein durch ebene Scheiben gebildetes Polygon darstellen, was bei einem so großen Umfang durchaus denkbar gewesen wäre.
Interessanterweise haben die einzelnen Scheiben eine stärkere Krümmung als der Turm als Ganzes. Das sieht man daran, dass jede Scheibe den ganzen gegenüberliegenden Turm abbildet. Man sieht das vollständige Bild des eigenen Turms nur in der direkt gegenüberliegenden Scheibe und nur die beiden angrenzenden Scheiben zeigen noch ein leicht seitlich verschobenes Bild eines Teils des Turms. Die übrigen Scheiben bilden aus dieser Position andere Teile der Umgebung ab.
An der kissenartigen Verzerrung der Abbildungen ist übrigens zu erkennen, die die äußeren Scheiben nicht perfekt zylinderförmig sind.
Ob mit der Krümmung der Scheiben neben ästhetischen auch praktische Aspekte beabsichtigt sind, ist mir nicht bekannt. Rein physikalisch gesehen wäre denkbar, dass konvexe (nach außen gekrümmte) Scheiben Windlasten besser kompensieren als flache Scheiben.

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Veränderungen 1

Als ich vor vielen Jahren den Pont du Gard zum ersten Mal besuchte, genoss ich es in lichter Höhe über die mit Steinplatten abgedeckte ehemalige Wasserleitung zu spazieren. Manchmal fehlten einige Platten, dann musste man springen oder ein Stück auf der Seitenwand balancieren. Ich vermied es in solchen Fällen, in die Tiefe zu blicken. Es war ein Abenteuer! Die Straße über das Flüsschen Gardon gibt einen Eindruck davon, welcher Aufwand in der Römerzeit getrieben wurde, um das Wasser aus den Bergen in die Städte zu transportieren. Weiterlesen

Flachdacharchitektur – ein Kampf gegen die Schwerkraft

Die Idee des geneigten Daches ist von Anbeginn an in der Architektur präsent. Selbst die Schornsteine werden/wurden liebevoll mit Schindeln belegt und gepflegt. Man stelle sich nur vor, wie aufwändig es ist, eine defekte Schindel an einem hohen Schornstein zu ersetzen. Geneigte Dächer sind eine ebenso natürliche wie geniale Möglichkeit, Wasser zu kanalisieren. Nur viele Architekten des 20. Jahrhunderts und danach meinten eine bessere Idee zu haben, indem sie das ebene Flachdach einführten.
Nicht nur dass dadurch die Weiterlesen

Optische Täuschungen 4: Mehr Schein als Sein

Schaut man sich den Säulengang eines Teil des Palazzo Spada in Rom unvoreingenommen an, so wird man nichts Ungewöhnliches entdecken. Erst wenn man eine Person den Gang betretend nach hinten hindurch gehen sieht, wird es merkwürdig (linkes Foto). Zum einen sieht es so aus, als würde die Person wachsen. Zum anderen hat man den Eindruck, sie würde schneller sein, als es den Beinbewegungen entspricht. Am Ende erscheint sie fast so groß wie der Gang hoch ist. Weiterlesen

Optische Täuschungen 3: Perspektivische Täuschung

Im Anschluss an die vorausgegangenen Beiträge (hier und hier) möchte ich hier auf die perspektivischen Täuschungen hinweisen. Sie werden insbesondere in der Zeit der Wiederentdeckung der Perspektive durch Filippo Brunelleschi (1377 – 1446) in der Malerei und später in den nachfolgenden Darstellungstechniken wie Fotografie und Film intensiv genutzt und bestimmen unseren durch Bilder geprägten Alltag in ungeahnter Weise. In den meisten Fällen ist uns die Täuschung bewusst. So würde kaum einer davon ausgehen, dass dreidimensionale Darstellungen auf dem Papier wirklich dreidimensional wären. In geringen Entfernungen haben der Mensch und viele Tiere durch das binokulare Sehen eine Möglichkeit, echte Räumlichkeit von nur perspektivisch erzeugter Räumlichkeit zu unterscheiden. Dabei spielt insbesondere die Parallaxe eine wichtige Rolle. Denn wenn wir den Blick nur etwas verändern, scheinen sich die im Raum gesehenen Gegenstände umso weniger zu verschieben, je weiter sie entfernt sind.
Trotzdem ist man vor Täuschungen nicht sicher. Hier einige Beispiele: In der Kirche San Ignatio in Rom ist ein aufwändiges Deckengewölbe aufgrund von Geldmangel durch eine perspektivische Malerei ersetzt worden (oberes Foto). Weiterlesen

Stille Fenster

Wie oft wirst Du gesehn
Aus stillen Fenstern,
Von denen du nichts weißt…
Durch wieviel Menschengeist
Magst du gespenstern,
Nur so im Gehn…

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Durch diese Fenster wird keiner mehr gesehen. Gesehen in der geteilten Stadt Nicosia.

Ein Flur als Lichtleiter

ein_flur_als_lichtleiter_rvIn einem Flur der naturwissenschaftlichen Fakultät einer altehrwürdigen Universität schoss es mir plötzlich durch den Kopf, ich befände mich im Innern eines Lichtleiters. Der Teil des Gebäudes entpuppte sich als überdimensionales Modell eines durch die moderne physikalische Technik hervorgebrachten elektronischen Bauteils.
Das durch eine Tür eingekoppelte Licht wurde auf dem glatten Boden zur ebenfalls spiegelglatten Decke reflektiert und von dort wieder zurück auf den Boden. Aber da stand ich und wurde von dem Lichtstrom geblendet. Ich musste mich etwas außerhalb des hauptsächlichen Lichtstroms stellen, damit die Chips meiner Kamera nicht zu stark überbelichtet würden und dieses Foto gelingen konnte. Weiterlesen

Dekorative Sandbilder

sandbilder001Eine Frau sitzt in ihrer Kammer, das Gebetbuch in der Hand. Es ist sonntäglich aufgeputzt, der Sand gestreut, so heimlich rein und warm.

Georg Büchner. Lenz. Frankfurt 1988

Als wir bei der Renovierung eines alten Arbeiterhauses (Baujahr 1840) in Ostfriesland auch den in neueren Zeiten gefertigten Steinfußboden erneuerten, fanden wir darunter auf dem festgestampften Kleiuntergrund eine Sandschicht, die wir hier nicht erwartet hätten. Ein Handwerker erklärte uns, dass dieser Sand vermutlich daher rühre, dass sonntags der Boden mit Ornamenten aus Sand geschmückt wurde (siehe Foto) und dies die Überreste derartiger wiederholter Aktionen sei.
Später erfuhr ich auf einem Handwerksmarkt, auf dem auch die alte Praxis der Sandbilder demonstriert wurde (daher stammt das Foto), dass das künstlerische Sandstreuen meist auf Holzböden praktiziert wurde, bei ärmeren Haushalten, die sich keinen Holzfußboden leisten konnten – wie offenbar im vorliegenden Fall – schmückte man auch den nackten Boden. Der Handwerker hatte also wohl richtig gelegen mit seiner Interpretation der Herkunft der Sandschicht.

Wenn der Boden versinkt

Santa-Maria-FioreWer Florenz besucht, sollte sich die Besichtigung des Doms Santa Maria Fiore nicht entgehen lassen. Im Innern des Doms sollte er seinen Blick nicht nur nach oben richten, sondern auch einmal auf den Boden. Dabei wird er erstaunt feststellen, dass die Fliesen des Bodens oft von einer rechteckigen Form abweichen, was aufgrund eines fehlenden größeren Überblicks über das Ensemble aller Fliesen unverständlich erscheint. Den Überblick kann man sich aber verschaffen, wenn man es auf sich nimmt, die Kuppel zu besteigen. In der Laterne oberhalb der Kuppel hat man nicht nur einen großartigen Überblick über die Stadt. Beim Aufstieg hat man außerdem die Möglichkeit, auf etwa halber Höhe einen Rundgang innerhalb der Kuppel zu unternehmen und auf das Kircheninnere hinab zu blicken. Dies sollte man unbedingt tun, nicht nur um eine kleine Verschnaufpause für den weiteren Aufstieg einzulegen, sondern ein eindrucksvolles Phänomen zu erleben. Blickt man nämlich auf den Boden der Kirche, so scheint dieser plötzlich in die Tiefe zu sinken und ein weiteres Stockwerk in die Kirchenarchitektur einzuziehen. Man muss sich schon anstrengen, um zu erkennen, dass es sich nicht um eine reale Vertiefung handelt, sondern um einen perspektivischen Effekt, der durch die Fliesen hervorgerufen wird, über deren Form wir uns vorhin noch gewundert haben. Weil unsere Wahrnehmung eher rechteckige Elemente erwartet, interpretieren wir unwillkürlich die Verjüngung der Fliesen als perspektivische Flucht, die von oben betrachtet suggeriert, dass der flache Boden eine in die Tiefe gehende Wand ist. Das obige Foto kann nur einen Eindruck von diesem faszinierenden Effekt vermitteln. In den Tiefen dieser Webseite findet sich ein weiterer Hinweis auf dieses Phänomen.

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