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Auge

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Himmelblaue Augen

Photo by Michael Morse on Pexels.com

Nur etwa 10% der Menschen haben blaue Augen. Damit ist gemeint, dass bei diesen Menschen die Ringblenden (Iris) um die Pupillen blau erscheinen, während bei 90% der Weltbevölkerung Brauntöne dominieren. Von den Blauäugigen leben die meisten Menschen im Ostseeraum. In Estland sind es sogar 99%. Warum das Braun derart dominant ist und das Blau vor allem im Norden vorkommt, kann man beispielsweise hier nachlesen. Entscheidend für die Seltenheit der blauen Augen ist, dass Blau rezessiv vererbt wird. Denn eigentlich ist das Blau der Augen gar keine Farbe. Jedenfalls gibt es im Auge keine blauen Pigmente. Der Effekt, der zu blauen Augen führt, tritt bei allen Menschen auf. Er wird allerdings meistens von den braunen Pigmenten überstrahlt, sodass er bei braunen Augen nicht zu sehen ist. Blaue Augen kommen daher nur dadurch zustande, dass sie kaum über braune Pigmente verfügen.
Dieser Blaueffekt fällt zwar nicht vom Himmel, hat aber mehr mit dem Himmelblau zu tun als man vielleicht vermutet. Dabei denke ich gar nicht so sehr an poetische Vergleiche, sondern knallharte physikalische Fakten. Es empfiehlt sich daher zunächst noch einmal kurz zusammenzufassen, wie es zum Himmelblau kommt.
Der Himmel beginnt auf der Erde. Denn das was wir vom blauen Himmel sehen, ist die transparente Luftschicht, die die Erde umgibt. Deren Blau fällt allerdings erst ab einer bestimmten Schichtdicke auf und tritt vor allem vor entfernten Bergen und dem pechschwarzen Weltall besonders in Erscheinung.
Die Färbung entsteht stark vereinfacht gesagt dadurch, dass der Blauanteil des Sonnenlichts an den Luftmolekülen wesentlich stärker gestreut (also aus der Einfallsrichtung des weißen Lichts abgelenkt) wird als die übrigen Farbanteile (Wellenlängen) insbesondere des langwelligen Rots. Deshalb sehen wir nicht nur Licht aus der Richtung der Sonne, sondern aus allen Richtungen. Diese sogenannte Rayleigh-Streuung führt zu einer für das Leben auf der Erde bedeutsamen indirekten Beleuchtung, deren Blau wir meist gar nicht als solches wahrnehmen.
Die Rayleigh-Streuung tritt aber nicht nur an den Luftmolekülen auf, sondern auch an winzigen Teilchen von der Größenordnung der Wellenlängen des sichtbaren Lichts in Flüssigkeiten (z.B. in Wasser, das mit ein wenig Milch versehen wird), Gasen und in Festkörpern. Auch die Iris bzw. die Regenbogenhaut unserer Augen enthält solche Streuteilchen. Diese bewirken, dass vor allem das kurzwellige blaue Licht gestreut wird, während das restliche Licht weiter eindringt und absorbiert wird. Mit anderen Worten: Die Ähnlichkeit blauer Augen mit dem Himmelblau betrifft nicht nur den gleichen Farbton, sondern auch den physikalischen Entstehungsmechanimus.
Übrigens: Die in der Abbildung zu erkennenden Strukturen in der Iris verweisen auf ein interessantes Strukturbildungsphänomen. Es führt dazu, dass jeder Mensch unabhängig von der Farbe seiner Augen, ein individuelles Muster vorweisen kann. Aber das ist eine weitere Geschichte, auf die ich später eingehen werde.

Die Sonne ist ganz Auge

Dieser Anblick sprang mir in die Augen, sodass ich es nicht unterlassen konnte, ihn ins Auge zu fassen und auch weiterhin ein Auge darauf zu haben. Bekanntlich sollte man nicht mit bloßem Auge in die Sonne blicken, denn das könnte ins Auge gehen. So mancher Sonnenbeobachter früherer Zeiten hat auf diese Weise sein Augenlicht verloren.
Licht und Augen sind in gewisser Weise komplementäre Aspekte des Sehens: Das eine ist ohne das andere nichts. Man könnte einwenden, dass das Licht auch ohne Auge da ist, aber damit kann dann nur die elektromagnetische Strahlung gemeint sein, nicht aber das Licht mit all seinen auch emotionalen Konnotationen als Medium des Sehens.
Im vorliegenden Fall war die Lichtintensität der Sonne durch die Wolken so stark herabgesetzt, dass ich ohne Schaden zu nehmen ein Auge auf das Phänomen werfen und es im weiteren Verlauf im Auge behalten konnte. Ich ließ also das Auge des Herrn nicht aus den Augen und traute schließlich meinen Augen nicht und machte große Augen, als ich entdeckte, dass das Sonnenauge seine Augen schonte und die Augen schloss indem sie allmählich hinter den Wolken verschwand. So verlor ich das Sonnenauge aus den Augen
Vielleicht war ich der Sonne ein Dorn im Auge, weil ich ihr um ihres schönen Auges wegen zu tief in die Augen geschaut hatte. Da sie ihr Auge schloss, konnte ich ihr diese Vermutung nicht an den Augen ablesen.
Wem diese Worspielerei ein Dorn im Auge ist, der mag sie getrost aus den Augen verlieren. Ich sehe es dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Schatten – Abwesenheit von Licht

Das leuchtende Auge erhellt den betrachteten Weg

Vielleicht fasziniert uns an den Schatten die virtuelle Möglichkeit, ihn als inverses Licht anzusehen. Man stelle sich vor, dass Schatten Leuchtspuren darstellen, die von einem dunkles Licht ausstrahlenden Gegenstand ausgehen.
Doch physikalisch macht eine solche Umkehrung keinen Sinn. Schatten sind die bloße Abwesenheit von Licht (bzw. genauer: des Lichts der dominierenden Lichtquelle) und bezeichnen etwas Fehlendes, während Licht so etwas wie reine Energie darstellt – eine Differenz also zwischen Sein und Nichtsein.
Etwas Ähnliches gilt für die Abwesenheit von Wärme, was wir als Kälte empfinden. Und wenn wir davon sprechen, dass Kälte in einen Raum eindringt, dann erscheint uns diese Sprechweise direkter als zu sagen, die Wärme würde den Raum verlassen. Physikalisch gesehen ist aber genau das der Fall.

Augen, die im Dunkeln leuchten

In einem Lande,
wo den Leuten, wenn sie verliebt sind,
die Augen im Dunkeln leuchteten,
brauchte man des Abends keine Laternen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

 

 

 

Das Foto wurde aus zu großer Entfernung mit dem Blitzlicht aufgenommen und nicht manipuliert. Siehe die Erklärung für die leuchtenden Augen.


 

Tapetum lucidum – Von leuchtenden Augen und strahlendem Blick

Als ich gestern Morgen im spärlichen Licht einer kleinen Stirnlampe im Wald spazieren ging, leuchteten mir aus der Dunkelheit zwei intensiv strahlende kleine Lichter entgehen. Nachdem sich mein Schreck offenbar auf den Lichtträger übertragen hatte und dieser mit einem Rascheln verschwand, war mir klar, dass es ein Tier gewesen sein musste, dessen Augenpaar leuchtete. Bei unserer Katze und unserem Hund hatte ich es öfter wahrgenommen.
Das Licht wird nicht in den Augen erzeugt, sondern stammt von einer äußeren Lichtquelle. Diese beleuchtet die Augen des Tieres, sodass das Licht auf die Netzhaut und durch diese hindurch auf eine spezielle Schicht, das sogenannte Tapetum cellulosum lucidum auftrifft und von dort auf effektive Weise spiegelnd reflektiert wird. Dafür sind je nach Tierart  Zink-Cystein, Salze und Farbpigmente verantwortlich. Bei unserer Tieren strahlten die Augen vor allem in Grün- und Blautönen (siehe Foto).
Nur dadurch dass die Stirnlampe sich dicht bei meinen Augen befand, konnte das reflektierte Licht in meine Augen gelanden und ich die leuchtenden Augen des Tieres sehen.
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Zwinkerndes Holzauge

Ein Auge im Holz

Ein dunkles Auge schaut mich an,
es zwinkert, grüßt mich aus dem Brett
und zieht mich fest in seinen Bann,
erzählt mir frei heraus Geschichten

von Zweiblattkeimen
Wichtelbäumchen
ersten Stürmen
Astbruchnarben
Schneedruckwunden
Wachstumsringen
Jahreszeiten
Kettensägen
Sägewerken
Bretterstößen
Zimmerleuten

Das Auge schaut mich wieder an,
es zwinkert mir zum Abschied zu
und losgelöst aus seinem Bann,
kann ich die Schritte heimwärts richten.*


*Ingo Baumgartner (1944 – 2015)

Optische Täuschungen 12: Virtuelle Verrückungen

Optische Täuschungen können sich über den rein visuellen Eindruck hinausgehend unmittelbar körperlich auswirken. In einem Kommentar einer früher vorgestellten Täuschung wurde dies bereits im Hinblick auf die schwankenden Parallelen einer aus schwarzen und weißen Fliesen bestehenden Wand geäußert. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel einer Täuschung mit garantiert drastischer Körperwirkung kann man in einigen Science Centern, z.B. dem Phaeno in Wolfsburg erleben und vielleicht sogar erleiden. Weiterlesen

Optische Täuschungen 9: Wenn Parallelen schwanken

Irgendetwas stimmt hier mit der Fliesenwand nicht. Stimmt, sie sind nicht in der üblichen Weise verarbeitet. Vielmehr sind die einzelnen Reihen abwechselnd um eine halbe Fliesenlänge gegeneinander verschoben verlegt. Man sollte erwarten, dass das keinen großen Effekt auf die Wahrnehmung ausübt. Und doch ist es so. Sie sehen so aus, als ob sie ihre Größe verändern würden. Jedenfalls erscheinen uns die Reihen nicht parallel. Und doch sind sie es. Wenn man nämlich die Reihen Fliese für Fliese mit dem Auge abtastet oder sogar ein Lineal an das Foto anlegt, erweist sich alles parallel und in bester Ordnung. Nimmt man aber die Fliesen als Ganzes in den Blick, machen sie Spirenzchen. Wie sehr man sich auch bemühen mag, es gelingt einfach nicht hier visuell Ordnung hineinzubringen. Man fühlt sich angesichts der einander widersprechenden Wahrnehmungen genarrt. Weiterlesen

Retinaler Hohlspiegel

Beim Flanieren in einer Fußgängerzone wurde in einem Modegeschäft meine Aufmerksamkeit von einer Schaufensterpuppe erregt, die – wie mir durch den Kopf schoss – „ganz Auge“ war. Jedenfalls konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass ich von ihr sichtbar „wahrgenommen“ wurde und zwar vom ganzen Gesicht. Kopfstehend wurden ich und die übrige Umgebung reflektiert. Und da Reflexionen oft auch ihre kognitiven Verwandten animieren, schoss mir durch den Kopf, dass das Gesicht der Puppe wie eine überdimensionale Retina das „Gesehene“ kopfstehend abbildet.
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Dreimal im Auge des Betrachters

Sieh zu den Fenstern meiner Augen hinein.

Georg Büchner (1813 – 1837)

Im Auge des Betrachters ist man auf mehrere Weisen präsent; als Linsenabbildung auf der Netzhaut, als Spiegelbild auf der Hornhaut und als Wahrnehmungsinhalt im Gehirn. Letzteres vermutlich aber nur, wenn den beiden Bildern die dafür nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Einsicht kann man zwar auch ohne Anschauungshilfe erlangen. Als ich mich aber eines Tages im Auge unseres Hundes gespiegelt sah, war sie aufeinmal ohne bewusste Bemühungen da.
Interessanterweise spielt die Tatsache, dass ich mich im Auge meines Gegenüber gespiegelt sehe, für dessen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle, denn dieser Anteil des auftreffenden Lichts und die damit verbundene Information wird ja gerade vom Auge reflektiert, also postwendend zurückgeschickt.

Optik, Sehen und Kunst

sonnenaufgang_dscf6280rvIm Anschluss an die Verbreitung der Newtonschen Optik, nehmen sich nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Dichter und Denker der Aufklärung der neuen Erkenntnisse an und richten ihr Augenmerk vor allem auf die überragende Bedeutung des Sehens.  Insbesondere John Locke und George Berkeley preisen den Gesichtssinn als den edelsten, angenehmsten und umfassendsten aller Sinne. Weiterlesen

Beobachten und beobachtet werden

abend_dsc07491_rvDer am Fenster sitzende Beobachter ist fast sprichwörtlich. Er zieht sich wie ein roter Faden durch die Literaturgeschichte. Man denke nur etwa an die Erzählung E. T. A. Hoffmanns (1776 – 1822) Des Vetters Eckfenster. Die Eignung des Fensters zum Beobachten hat mehrere Gründe, auch physikalische. Wenn ein Fenster durch keine Gardine verschleiert wird, ist der Beobachter am Tage weitgehend vor Blicken von außen geschützt – es sei denn, er hockt unmittelbar hinter der Scheibe. Weiterlesen

Die Glühlampe ist tot. Es lebe die Glühlampe…

Glühlampe-3_rvWir erleben es seit Jahren, dass die klassische Glühlampe Schritt für Schritt, das heißt von hohen zu niedrigeren Leistungen absteigend vom Markt genommen wird, weil sie energetisch ineffizient ist. Bevor dieses Projekt jedoch abgeschlossen ist, sitzt sie bereits auf der eigenen Nostalgiewelle und feiert als Designlampe ein strahlendes Comeback. Weiterlesen

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