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Beobachter

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Beobachter des Beobachters

Vice versa

Ein Hase sitzt auf einer Wiese,
des Glaubens, niemand sähe diese.

Doch, im Besitze eines Zeißes,
betrachtet voll gehaltnen Fleißes

vom vis-à-vis gelegnen Berg
ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.

Ihn aber blickt hinwiederum
ein Gott von fern an, mild und stumm* Weiterlesen

Was kuckst du?

schweineschnauze_dsc00706Auch wenn nur die Schnauze zu sehen war, hatte ich das deutliche Gefühl aus einem Schnauzengesicht heraus fixiert zu werden. Dabei wollte das Schwein nur etwas zu fressen und dafür reichte es, die Schnauze möglichst weit vorzuschieben. Weiterlesen

Beobachten und beobachtet werden

abend_dsc07491_rvDer am Fenster sitzende Beobachter ist fast sprichwörtlich. Er zieht sich wie ein roter Faden durch die Literaturgeschichte. Man denke nur etwa an die Erzählung E. T. A. Hoffmanns (1776 – 1822) Des Vetters Eckfenster. Die Eignung des Fensters zum Beobachten hat mehrere Gründe, auch physikalische. Wenn ein Fenster durch keine Gardine verschleiert wird, ist der Beobachter am Tage weitgehend vor Blicken von außen geschützt – es sei denn, er hockt unmittelbar hinter der Scheibe. Weiterlesen

Stille Fenster

Wie oft wirst Du gesehn
Aus stillen Fenstern,
Von denen du nichts weißt…
Durch wieviel Menschengeist
Magst du gespenstern,
Nur so im Gehn…

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Durch diese Fenster wird keiner mehr gesehen. Gesehen in der geteilten Stadt Nicosia.

Ton in Ton

Beobachterbeobachter

„Ringsum nichts als Sand, die rötlichen Gebirge in der Ferne, ferner als man vorher geschätzt hat, vor allem Sand und nochmals Sand, gelblich, das Flimmern der heißen Luft darüber, Luft wie flüssiges Gas“ (Max Frisch. Homo  Faber). Und mittendrin eine, die ihr Outfit der überwiegenden Farbe angepasst und nun gefangen im überbordenden Gelbton die Rückwirkung auf sich zu spüren scheint. Jedenfalls stand sie sehr lange bewegungslos an diesem Schnittpunkt zweier Grenzlinien.

 

 

Eine Kuh ist eine Kuh ist eine Kuh…

Spazierende_KuhNormalerweise sind Kühe neugierig und schauen uns Menschen beharrlich an. Diese Kuh ging aber stolz wie eine vornehme Dame an mir vorbei und würdigte mich keines Blickes. Sie erinnerte mich an Io – ich weiß nicht warum (Bildungschotter?!) – die immerhin zur Namensgeberin eines Jupitermondes unsterblich wurde.
Zeus (Jupiter), so liest man, hatte seine Gattin Hera hintergangen und sie mit der sich sträubenden Io betrogen. Um den Blicken seiner Gattin zu entgehen, hatte er einen Nebel entfacht, welcher ihn bei seiner Tat verhüllen sollte. Dabei unterschätzte er, daß der den Blick verstellende Nebel seinerseits zu sehen war und geradezu als solcher auf ihn verwies. Durch die Verhüllung wurde der Verhüllte gewissermaßen in gesteigerter Form sichtbar. Um der daraus resultierenden Enttarnung zu entgehen, machte Zeus die Geliebte unsichtbar, indem er sie in eine Kuh verwandelte.

Stille Winterstraße

SchneewanderungEs heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.

Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwas kann.
Ich stapfe einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Flecken auf der Geige abspielen

DiePareidolie2 Holzstruktur, die beim Absägen eines Baumes zum Vorschein kommt, könnte der Form nach an ein Huhn erinnern. Die Frage, ob dieses Huhnartige auch dann als solches vorhanden wäre, wenn man den Baum nicht abgesägt hätte, oder vielmehr, wenn ich es nicht betrachtet hätte und mir diese Gedanken gekommen wären, erscheint müßig. Dennoch ist sie nicht ganz ohne Reiz. Georg Christoph Lichtenberg berührt mit den folgenden Worten einen ganz ähnlichen Aspekt:

„Euler sagt in seinen Briefen über verschiedene Gegenstände aus der Naturlehre …, es würde eben so gut donnern und blitzen, wenn auch kein Mensch vorhanden wäre, den der Blitz erschlagen könnte. Es ist ein gar gewöhnlicher Ausdruck, ich muß aber gestehen, daß es mir nie leicht gewesen ist, ihn ganz zu fassen. Mir kommt es immer vor, als wenn der Begriff sein etwas von unserm Denken Erborgtes wäre, und wenn es keine empfindenden und denkenden Geschöpfe mehr gibt, so ist auch nichts mehr. So einfältig dieses klingt, und so sehr ich verlacht werden würde, wenn ich so etwas öffentlich sagte, so halte ich doch so etwas mutmaßen zu können für einen der größten Vorzüge, eigentlich für eine der sonderbarsten Einrichtungen des menschlichen Geistes. Dieses hängt wieder mit meiner Seelenwanderung zusammen. Ich denke, oder eigentlich, ich empfinde hierbei sehr viel, das ich nicht auszudrücken im Stande bin, weil es nicht gewöhnlich menschlich ist, und daher unsere Sprache nicht dafür gemacht ist. Gott gebe, daß es mich nicht einmal verrücke macht. So viel merke ich, wenn ich darüber schreiben wollte, so würde mich die Welt für einen Narren halten, und deswegen schweige ich. Es ist auch nicht zum Sprechen, so wenig als die Flecken auf meinem Tisch zum Abspielen auf der Geige.

Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher [K 45]

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