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Beobachtung

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Auch Wolken tragen zuweilen eine Mütze…

Wenn man zurzeit bei Sonnenschein wandert, ist für manche Menschen eine Kopfbedeckung zu empfehlen. Auf unserer letzten Wanderung hatte ich ein Käppi, mein Begleiter hatte seines vergessen. Dafür erblickte er trotz deren Unscheinbarkeit eine Kappe hoch am Himmel, die eine cumulusartige Wolke teilweise abdeckte (siehe Foto). Vermutlich handelt es sich um eine Pileus-Wolke (lat. für Mütze), die unseren Recherchen zufolge vor allem dann auftritt, wenn „die Luft an der Oberseite des Cumulus sehr feucht ist und durch die weiter aufquellende Wolke gehoben wird“ (Wikipedia). Man kann sie als Vorstufen einer Umwandlung von Cumulus in Cumulonimbuswolken ansehen, die oft einer Schauer- oder Gewitterbildung vorausgehen. In der Tat regnete es einige Stunden später tatsächlich. Aber da waren wir längst wieder zuhause.

Wasserscheue Wasserpflanzen

Manche Pflanzen lieben das Wasser, sie sind hydrophil, andere verabscheuen es, sie sind hydrophob. Wieder andere nehmen eine Position dazwischen ein. Darin unterscheiden sie sich kaum von den Menschen. Ein Freund von mir, Wilfried Suhr, hat eine Situation fotografiert, in der man die Hydrophobie der aus dem Wasser wachsenden Pflanzen deutlich erkennen kann (rechts: Ausschnitt). Sie stoßen das Wasser so deutlich ab, dass die Wasseroberfläche ein Stück weit eingedellt wird. Lediglich die das Wasserniveau ausgleichende Schwerkraft verhindert eine weitere Absenkung. Als Kompromiss ergibt sich eine Vertiefung rund um die aus dem Wasser herauswachsenden Pflanzen, ein sogenannter konvexer Meniskus, der die Wasserphobie eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Die auf der Wasseroberfläche gespiegelte Sonne (eine Lichtphobie?) sowie einige Wolken heben die Strukturen eindrucksvoll aus dem ansonsten ziemlich monochromen Hintergrund heraus.
Dies ist wieder ein kleines Phänomen, das leicht übersehen wird, aber – einmal bemerkt – zu Fragen Anlass gibt, die ansonsten wohl kaum in den eigenen Fragehorizont gelangt wären.

Ab heute bin ich wieder einmal in der netzfreien Zone und kann daher erst in etwa einer Woche wieder auf Kommentare eingehen. Ich habe allerdings einige neue Beiträge für den kommenden Tage erstellt.

Ein Wettfliegen am Himmel?

Eigentlich interessierte mich nur die wellenartige Wolkenstruktur, bis drei Jets in das Blickfeld eindrangen. Es sah so aus als würden sie sich ein Wettrennen liefern, was in dieser Höhe von mindestens 8 km allerdings dramatischer aussieht als es in Wirklichkeit ist. Denn die Entfernungen und Höhenunterschiede zwischen ihnen sind möglicherweise viel größer als man auf den ersten Blick einschätzen würde.
So zeigte sich auch im Folgenden, dass die Bahnen zweier Jets sich kurzfristig zu verschmelzen schienen, was aber eher eine Verdeckung der vom Beobachter aus gesehen hinteren durch die vorderen Kondensstreifen war, wie sich im weiteren Verlauf zeigte.
Ohne die Kondensstreifen hätte ich von diesem Schauspiel ohnehin nichts mitbekommen. Die Flugzeuge selbst wären wohl kaum aufgefallen, weil es fast unmöglich ist, sie ohne die Streifen zu erkennen. Wie man auf den Fotos sieht, setzen die Kondensstreifen erst ein ganzes Stück hinter den Flugzeugen an.

(Zur Vergrößerung auf Bild klicken)

Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein – trotz Hochspannung

 

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Spirale 11 – Leben in der Spirale

Die ersten Schnecken tauchen bei mir im Garten auf. Obwohl ich mich ärgere, wenn sie ohne zu fragen den Salat ernten, habe ich meinen Frieden mit ihnen geschlossen. Das schließt nicht aus, dass ich sie verbanne, sobald sie überhand nehmen. Aber danach sieht es in diesem Jahr nicht aus. Die Schnecke vermag nämlich das Leben zu bereichern, wenn man beispielsweise an ihre irisierenden Schleimspuren, akrobatische Abseilungen,  ausgeklügelten Konstruktionen und andere Aktionen denkt oder den kunstvollen Aufbau ihres Schneckenhauses betrachtet. Elisabeth Tova Bailey war durch eine Krankheit und die dadurch bedingte Fesselung ans Bett bedingt eine Wohngemeinschaft mit einer Schnecke eingegangen und weiß darüber Erstaunliches zu berichten. Hier eine Passage aus einem lesenswerten Buch: Weiterlesen

Ungewöhnliche Sehhilfe

Das Foto – in einer Einkaufs- und Flaniergasse am Strand aufgenommen – sieht aus wie durch eine rosarote Brille betrachtet. Ist es aber nicht, sondern wie das untere Foto zeigt an einer entsprechend gefärbten verspiegelten Brille reflektiert. Die Brillengläser entlarven jedes für sich die beiden Seiten der Situation. Rechts sieht man die Spiegelung eines hinter dem Fotografen liegenden offenen Restaurants; links die Spiegelung des Fotografen, der die Brille als „Sehhilfe“ in einer eher ungewohnten Weise nutzt. Der Betrachter ist also im doppelten Sinne im Bilde, als Sehender und Gesehener, auch wenn das eigene Bild leicht übersehen wird.

Die Situation hat ungewollt etwas Voyeuristisches. Keiner der Abgebildeten ahnt etwas davon, dass er im „Bilde“ eines Beobachters agiert.
Die klassische Situation ist eine andere. Der erste deutsche Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenber (1742 – 1799) hat es einmal so ausgedrückt:
Die Gesichter der gemeinen Leute auf einer Strase anzusehen ist jederzeit eines meiner grösten Vergnügen gewesen. Keine Zauberlaterne komt diesem Schauspiel bey.
Und Charles Baudelaires sagt:
Der Beobachter ist ein Fürst, der überall sein Inkognito genießt.

 

Zur Lesbarkeit der Welt

BuecherbrueckeSpätestens seit Galileo Galilei (1564 – 1642) geht der Mainstream der Physik davon aus, dass die Natur lesbar sei wie ein Buch: „Die Philosophie ist in dem großen Buch der Natur niedergeschrieben, das uns immer offen vor  Augen liegt, das wir aber erst lesen können, wenn wir die Sprache erlernt und uns die Zeichen vertraut gemacht haben, in denen es geschrieben ist. Es ist in der Sprache der Mathematik geschrieben, deren Buchstaben Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren sind; ohne deren Kenntnis  ist es dem Menschen unmöglich, auch nur ein einziges Wort zu verstehen“ (Galilei, Galileo: Il Saggiatore (Die Goldwaage) (1623)). Weiterlesen

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