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Erinnerung

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Gänse sind auch nur Menschen

Ich sitze auf einer Bank am Rande eines kleinen Sees und beobachte die beiden Schwäne wie sie versuchen miteinander anzubändeln. Ich wurde dadurch an einen Satz des Verhaltenforschers Konrad Lorenz (1903 – 1989) erinnert, er sagte: Gänse sind eben auch nur Menschen. (Lorenz untersuchte u. A. das Verhalten von Graugänsen).

Mir ist im Laufe der Zeit klar geworden, dass dieser Satz nicht nur für Graugänse gilt.

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Durchsichtige Zeiten

Liebe Julia, heute ist dein 41. Geburtstag, zu dem ich dir ganz herzlich gratuliere. Ich hoffe, du erinnerst dich an die Situation, die auf dem Foto zu sehen ist. Ich habe sie noch sehr deutlich vor Augen. Da du deinen 40. Geburtstag nicht feiern konntest und es in diesem Jahr noch nicht anders ist, summiert sich für das nächste Jahr so einiges auf, was sich in der Besonderheit der Zahl 42 niederschlägt. Aber denke nicht, dass die Zahl 41 uninteressant ist, oh nein! Sie ist zum einen eine Primzahl. Prim kommt von Primus, der Erste und heißt dann wohl in der weiblichen Form Prima. Jedenfalls nehmen wir es mal so. Des Weiteren liefert das Polynom n2 + n + 41 für alle n von 0 bis 39 weitere Primzahlen – ohne Ausnahme. Kannst ja mal nachrechnen.
Und wenn wir schon beim Quadrieren sind, das Quadrat von 41 ergibt 1681 und das ist das Geburtsjahr von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767). War das nicht dein Lieblingskomponist? Wie dem auch sei, du siehst auch die auf den ersten Blick nichtsagende 41 hat es in sich, das zeigt bereits darin, dass ihre Quersumme 5 ist. Und haben wir nicht 5 Finger an jeder Hand? Du wirst es merken, dass dich die 41 im positiven Sinne begleiten wird.

Erinnerung an den Tante-Emma-Laden

        Ich gehöre zu der Generation, die noch das Sterben der kleinen Einkaufsläden miterlebt hat. Als Kind habe ich öfter in einem solchen Kolonialwaren- oder Gemischtwarenhandlung einkaufen müssen. Mehl, Zucker und ein paar weitere Grundnahrungsmittel standen auf dem Zettel, den mir meine Mutter mitgab. Den Rest hatte man im eigenen Garten. Ich hasste das Einkaufen, weil sich die Erwachsenen immer vordrängelten und lange Gespräche („Klönschnack“) führten. Der einzige Trost – es gab oft einen Bonbon von Tante Emma. Ja, sie hieß zufällig wirklich so.
Auf den Fotos sind noch Reste eines solchen Ladens im ostfriesischen Pilsum zu erkennen. Die jetzigen Bewohner haben einige Insignien einer verlorenen Welt einfach vor Ort gelassen. Nicht jeder geht daran ohne Erinnerungen an frühe Jahre vorbei.
Dass die Tante-Emma-Läden heute wirklich aus der Zeit gefallen sind, sieht man auch daran, dass seit einigen Jahren „Emma“ wieder ein gebräuchlicher Name für Mädchen ist.

Wenn Corona dereinst Geschichte ist…

An der Nordsee – hier in Norddeich – muss die Uferbefestigung immer wieder ausgebessert werden, weil die anstürmenden Fluten unablässig daran nagen. So wurden jüngst im Mai die Natursteinbrocken mit Mörtel ausgegossen, um dort – bis auf weiteres – fixiert zu werden.
Dies wird manchmal zum Anlass genommen, ein Zeichen in den noch nicht erhärteten Mörtel zu setzen. Meist „verewigt“ man sich mit seinem Namen oder den seines Partners, ähnlich den geschnitzent Liebesbotschaften in den Bäumen. In diesem Fall hat man sich anders entschieden. Man liest: „CORONA MAi 2020“. Weiterlesen

Hoppe hoppe, Reiter…

hoppe_hoppe_reiter_rv… wenn er fällt, dann schreit er.
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben.
Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!
Ein alter Kinderreim

Manche Bilder aus der Kindheit scheinen nie zu verschwinden. Bei diesem Anblick (Foto), ging mir ohne bewusste Gedanken dazwischen der alte Kindervers durch den Sinn verbunden mit dem Bild und dem nahezu authentischen Gefühl, wie ich auf den Knien meiner Mutter sitzend, beim „Plumps“ kopfüber nur ein Stück über dem Boden schwebte, um anschließend mit einem Anflug von Schwindel laut lachend wieder in die aufrechte Lage zurückzukommen, aber nur um die Aktion sofort zu wiederholen.
Wieso sitzt das so fest, wieso sind derartige frühe Erlebnisse offenbar lebenslänglich so präsent? Dagegen habe ich „wichtige“ oft gar nicht lange zurückliegende Dinge längs vergessen, woran ich manchmal peinlich erinnert werde. Oder sind diese frühen Erlebnisse gar nicht unwichtig? Wirken sie vielleicht auf eine „unterirdische“ Weise ganz anders als der vordergründige Inhalt auszusagen scheint?
Auf jeden Fall ist es eine frühe Form der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft, die uns ein Leben lang betrifft. Aufrecht zu bleiben, obwohl uns alles zum Erdmittelpunkt zieht, macht uns vor allem in jungen Jahren und im hohen Alter zu schaffen. Sportliche Aktivitäten, Springen, Laufen, Schwimmen und andere Arten der Fortbewegung, aber auch Ballspiele sind alles auf Kraft  und Geschicklichkeit beruhende Bemühungen, die Schwerkraft zu überwinden, auszutricksen bzw. auszunutzen.
Energetisch betrachtet geht es in allen Fällen (sic!) darum, den bei der Annäherung des Körpers an die Erdoberfläche stattfindenden Übergang der Höhenenergie in Bewegungsenergie, so zu steuern, dass letztere zu einer Wiederentfernung von der Erde umgelenkt (z.B. elastischer Stoß) oder in einem der körperlichen Unversehrtheit zuträglichem Maße in thermische Energie der Umgebung umgewandelt wird.
Die Frage, ob man sich beim Fall der Erde nähert oder einem die Erde entgegenkommt, hängt davon ab, wo man sein Bezugssystem verortet, wie in der folgenden Situation eines stürzenden Menschen zum Ausdruck kommt, der dem Wein zu sehr zugesprochen hat: „Ich tastete mich durch den Hof, bis der Hof sich plötzlich erhob und mir kräftig eins auf die Schnauze gab. Aber ich ließ mich nicht zurückhalten, nahm, wenn auch wankend, meinen Weg wieder auf, mehrmals kam der Hof wieder hoch und verpaßte mir viele Abreibungen hintereinander“ (LuigiMeneghello. Wieder da! Berlin 1993).

Auch die Erinnerung verblasst…

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Theodor Storm (1817 -1888)

Das farbenprächtige Blatt auf dem nebenstehenden Foto stammt nicht aus dem Sommer. Es ist ein Herbstblatt. Man sieht an ihm die „Bemühungen“ der Natur, das Blattgrün abzuziehen und für  bessere Zeiten aufzubewahren. Ganz ist es ihr noch nicht gelungen. Das Blatt ist offenbar vor Vollendung dieser Sparmaßnahme der Natur gefallen. Aber nur so konnte es die schöne bunte Färbung annehmen und mich während einer Wanderung überzeugen, mit nach Hause genommen zu werden, um in Zukunft zwischen zwei Buchdeckeln zu ruhen und mich gelegentlich an die Wanderung zu erinern.

Ein Tag des Gedenkens

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Von allen Mordtaten sind nur diejenigen ausgekommen, von denen man etwas weiß
Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker und Aufklärer

 

 

Ein Bild aus alten Zeiten

KindheitserinnerungEin Frühlingsbild wie aus Tagen meiner Kindheit: Das Wintergetreide wächst in sattem Grün und wird fast täglich höher. Der Raps bringt seine ersten gelben Blüten hervor und der einsame Kirschbaum steht in voller Blüte. Im Hintergrund ist eine Stromleitung zu sehen. An den damals noch hölzernen „Telegrafen“-Masten haben wir Kinder unser Ohr gelegt und der sphärischen Klänge gelauscht, die der Wind wie auf einer Aeolsharfe spielend in den erzwungenen Schwingungen der Drähte erzeugte und die in den als Resonanzkörper fungierenden Masten so verstärkt wurden, dass man sie hören konnte. Die Melodien waren gleichförmig und ohne besondere Höhen und Tiefen aber dennoch von faszinierender Eindringlichkeit. Irgendwie gehörten sie mit zum Sound der damaligen Zeit. Weiterlesen

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