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Flechte

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Die ehrwürdige Kommunistin

niemals strauchelt die flechte.
ihre werke mißlingen nicht.
vergesellschaftet hat sie,
höre ich, ihre produktionsmittel,
die ehrwürdige kommunistin
*

Dies ist eine Strophe aus dem Langgedicht von Hans Magnus Enzensberger, der in einer Flechte mehr sieht als einen Pilz. Er rechnet die Flechte zu den intelligentesten Lebewesen auf diesem Planeten.
In einem frühern Beitrag bin ich kurz auf die Biologie der Fleichte eingegangen.


* Aus: Hans Magnus Enzensberger. Blindenschrift. Frankfurt 1980, S. 71f

Flechten – genügsam und überlebensfähig

Diese Flechten auf den Dachpfannen beeindrucken durch ihre natürliche Farbenpracht. Viele Menschen fühlen sich offenbar eher abgestoßen. Im Internet stößt man vorwiegend auf Ratschläge, wie man diese Schönheiten der Natur dauerhaft entfernt. Dabei handelt es sich bei diesen interessanten Hybriden zwischen einem oder mehreren Pilzen (Mykobionten) und Grünalgen um Bioindikatoren, die uns die Luftreinheit anzeigen.
Die Grünalgen sind in dieser symbiotischen Lebensgemeinschaft für die Photosynthese und damit für die Energieversorgung. d.h. der Synthese von Zucker und Stärke verantwortlich. Der Pilz liefert das dazu nötige Wasser und sorgt für einen festen Halt auf der jeweiligen Oberfläche. Überdies schützt er die Gemeinschaft vor Austrocknung und schädigender Sonneneinstrahlung. Die Flechte nimmt alle Nährstoffe und Wasser passiv durch ihre Oberfläche auf und benötigt daher keine Wurzeln. Sie ist dadurch auch den Schadstoffen der Umgebung ungeschützt ausgesetzt. Sie können nicht wieder abgegeben werden und sammeln sich in der Flechte an. Auf diese Weise können sie Aufschluss über die Luftbelastung der jeweiligen Umgebung geben.
Da die Flechten auf die zufällig anfallenden Wassermengen (Regen, Tau und Wasserdampf) angewiesen sind, findet die Hauptwachstumszeit in den feuchten Monaten des Jahres statt. Gegebenenfalls müssen sie sehr lange Trockenperioden überdauern. Dabei können sie ihren Stoffwechsel vollständig einstellen und in eine Art trocknen Dornröschenschlaf übergehen. Ihr durchschnittliches Wachstum vollzieht sich daher relativ langsam. Sie wachsen nur 1-5 mm pro Jahr und können sich so auch nur sehr eingeschränkt von Schäden wieder erholen. Deshalb erkennt man an Flechten auch länger zurückliegende Belastungen der Luft.

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