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Fundstück

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Fundstück 10 – Holzvogel

Ob ich dieses Stück Holz wohl auch mitgenommen hätte, wenn ich darin keinen Vogel erkannt hätte? Schwer zu sagen. Ich finde es zwar auch ohne diese Pareidolie im Hinterkopf naturschön. Aber erst die Ähnlichkeit mit einem Vogel veranlasste mich diesem am Stand angeschwemmten Stück Holz Aufmerksamkeit zu widmen.

Liebe zu einem Stein…

Was nützt mir

Was nützt mir die Welt

wenn die Sinne sich nicht öffnen

die Augen verklebt sind und

die Hand nicht loslässt

Neues zu fassen

mir Peking, New York, Granada

wenn ich nicht entbrenn kann

in Liebe zu einem

einzigen Stein*

Diesen Stein (5 cm lang), Rest eines Ammoniten, fand ich als Kind von 6 Jahren im Split eines Bahndamms. Er begleitet mich seitdem oft als Handschmeichler in der Hosentasche.


 Eveline Hasler. Auf Wörtern reisen. Zürich 1993, S. 32

Fundstück 9 – Holz mit Gebrauchsspuren

Ein etwa 15 cm langer Stab – ein Fundstück. Ich finde ihn nicht etwa im Wald, sondern am Meeressaum, angeschwemmt von Wer-weiß-woher. Das Leben hat Spuren hinterlassen und die lassen Geschichten erahnen. Ich lege es auf einen ebenfalls vom Zahn der Zeit geprägten Holzstücks, das vermutlich ebenfalls vom Meer hierher transportiert wurde. Wie schön es doch harmoniert. Holz zu Holz, Spuren werden zum Schluss von einem Menschen zusammengeführt.
Vielleicht war das kurze Rundholz früher einmal eckig und in menschlichem Gebrauch, ein Teil eines Möbelstücks, vom Holzwurm zerfressen, weggeworfen, wie auch immer ins Meer gelangt. Dort wurde es schließlich – an der fremden Küste angelangt – im ewigen Auf und Ab der Wellen in Kontakt mit dem sandigen Untergrund glattgeschliffen, sodass die Fraßgänge, der Ursprung seiner Zerstörung, nunmehr zu naturschönen, dreidimensionalen Zeichnungen wurden.
Alles Vermutungen. Vermutlich war es ganz anders, denn es gäbe unendlich viele Geschichten. Nur eines ist sicher. Ich nehme es mit, zunächst auf der langen Wanderung am Meeressaum. Meine Hand umfasst es. Es fühlt sich zugleich glatt und rau an, je nachdem, in welcher Richtung und mit welcher Stärke ich die Finger daran entlang gleiten lasse. Ein Handschmeichler mit Ecken und Kanten.
Nun ruht es auf dem Bücherbord in Gemeinschaft von weiteren Fundstücken mit ähnlich unbestimmten Geschichten.

Fundstück 8 – Stacheldraht und Co

Es wird wohl keiner bestreiten, dass unsere natürliche Welt weitgehend überformt ist von der wissenschaftlich-technischen. Bei meinen gelegentlichen Spaziergängen in der Natur finde ich immer wieder das eine oder andere Objekt, das dort nicht hingehört. Meist sind es leere Zigarettenschachteln, Bierflaschen und typischer Plastikmüll unserer Tage. Aber manchmal finde ich Objekte, die nicht nur alt sind, sondern durch ihr Altern auch eine ansprechende Patina angenommen haben. In solchen Fällen lege ich ein solches Fundstück auch schon mal zur Seite, fotografiere es oder nehme es sogar mit nach Hause. Diese drei Objekte, die sich während einer einzigen Wanderung in der Natur in meiner Hosentasche zusammengefunden haben – ein verzinkter und dennoch vom Rost befallener Pappnagel, ein schon arg vom Rost zernagter Rest eines Stacheldrahts und ein kräftiger Nagel, der trotzdem gekrümmt wurde. Wie kamen diese Dinge in den Wald? Welche Geschichte könnten sie erzählen? Was veranlasste mich, sie zu bemerken und ihnen diese Aufmerksamkeit zu schenken?

Ein von der Natur gestaltetes Stück Holz

Dieses Stück Holz fand ich im Gezeitenbereich einer Meeresküste. Es muss bereits vor längerer Zeit angeschwemmt worden sein, denn Sand und Wasser, vom Wind bewegt, haben es derart bearbeitet, geschmirgelt und poliert, dass die vorher weitgehend glatte Oberfläche bestimmten physikalischen Aspekten wie Dichte, Härte, Pigmentierung entsprechend ausdruckstark strukturiert wurde. Davon zeugen wellenartige Ringe und Strähnen, die auf jahreszeitliche Schwankungen im Wachstumsverlauf schließen lassen.
Die optisch vermittelte Schönheit wird kongenial ergänzt durch den taktilen Reiz einer ausgesprochen weichen und unerwartet glatten Textur der natürlicherweise „bearbeiteten“ Oberfläche. Es war angenehm dieses Überbleibsel eines Baumes mit den Fingern abzutasten. Weiterlesen

Passt wie angegossen…

Als ich diese Szenerie vor Augen hatte, verstand ich sie als konkrete Visualisierung des „Passens“. Wenn man etwas passend macht, steckt eine Absicht dahinter und man wundert sich nicht, wenn das Ergebnis der Erwartung entspricht. Wenn aber zufällige Dinge aus völlig verschiedenen Bereichen zusammenpassen, ist es ein Phänomen. Jedenfalls empfand ich es so. Wie die Katze sich fühlte, kann ich nicht sagen.

Fundstück 7 – Loch im Zaunpfahl

Auf einer Wanderung durch die Krummhörn (Ostfriesland) stieß ich weitab von jeglicher Behausung auf diesen Anblick. Ein Stillleben, das der Zufall schuf.
Oder stammt dieses Loch von einem lockern Ältervater, dem alles verschlingenden schwarzen Loch ab und zieht alles an sich, was in seine Nähe kommt. Woher sonst mag der Drang gekommen sein, um das Nichts mit einer leeren Flasche Wein zu stopfen?

 


Biostacheldraht

Natürliche und künstliche Stacheln, hier in trauter Gemeinsamkeit. Durch Androhung und tatsächliche Zufügung von Schmerzen und Verletzungen geht es in beiden Fällen darum, Zudringlichkeiten zu verhindern. Manchmal werden Brombeerhecken wie der technische Stacheldraht zur Abgrenzung von Grundstücken genutzt – dann könnte man mit Recht von Biostacheldraht sprechen. Ob er wirklich gesünder ist? Obwohl der gemeinsame Auftritt der Stacheldrähte ein Ergebnis des Zufalls sein dürfte, erscheint es mir wahrscheinlich, dass der technische Stacheldraht der Natur abgeschaut wurde.

Ein verinnerlichter weißer Baum

Als ich aus dem Fenster blicke, schneit es. Die Bäume nehmen ein weißes Aussehen an. Ich esse eine Mandarine und sehe in der Schale abermals ein weißes Bäumchen. Eine seltsame Übereinkunft!

Der Schatz am schwarzen Strand

olivin_lanzarote_rvAls ich am frühen Morgen am dunklen Lavastrand von Lanzarote entlang gehe, werde ich durch einen hellen Lichtreflex aus meinem Wandertrott herausgerissen, der in der fast alles Licht absorbierenden Schwärze besonders hervorsticht. Ich denke zunächst an Glas bis ich mich davon überzeugt habe, dass es sich um ein oliv-grünes Mineral handelt, das in einen porösen an Koks erinnernden Lavastein wie ein Edelstein in einen Ring eingelassen ist. Weiterlesen

Ein Baum mit vielen Lippen

lippen_dscf1447aDieser Baum verlangt offenbar nach etwas mehr Zuwendung. Nachdem er vor längerer Zeit einen blauen Anstrich erhalten hatte, kümmerte sich seitdem keiner mehr um ihn. Die Farbe beginnt zu Blättern und bringt den nackten Stamm wieder zum Vorschein. Der Baum selbst bildet lippenförmige Ausstülpungen, so als wollte er unbedingt etwas sagen und ausdrücken. Weiterlesen

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