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Geschwindigkeit

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Fallen schwere Gegenstände schneller?

Galileo Galilei hat mit seiner Behauptung, dass alle Gegenstände  gleich schnell fallen würden, eine wesentliche Grundaussage für die zu seiner Zeit entstehende neuzeitliche Physik getroffen. Diese gilt natürlich nur im luftleeren Raum, in dem der Luftwiderstand entfällt.
Aber selbst wenn man diese Voraussetzung akzeptiert, fragt sich die eine oder der andere* vielleicht, warum die größere Masse nicht „stärker“ beschleunigt wird und eine größere Fallgeschwindigkeit erlangt. Gibt es dafür eine plausible anschauliche Erklärung?
Ich denke man könnte rein anschaulich folgendermaßen argumentieren: Weiterlesen

Die Stärke des weichen Pilzes – Langsamkeit

Der Durchbruch ist geschafft. Dieser Pilz hat sich durch die Erde hindurch gedrückt und dabei einige Erdschollen angehoben (siehe Foto). Die beim Wachstum entwickelte Kraft kann enorm sein. Denn mit einigen Tricks schafft er es auch durch härtere Schichten bis hin zu einer Asphaltdecke hindurchzukommen. Weiterlesen

Bewegung durch Unschärfe

Ich gebe zu, das Foto ist unscharf. Das war bei dieser Performance und der Aufnahme mit einer Kompaktkamera auch nicht anders zu erwarten. Aber Unschärfe ist ja nicht per se ein Mangel. Viele Fotokünstler nutzen die Unschärfe aus ganz unterschiedlichen Gründen auf kreative Weise aus.
Im vorliegenden Fall ist infolge der spärlichen Beleuchtung mit einer für den bewegten Vorgang zu großen Belichtungszeit fotografiert worden, sodass die schneller steigenden bzw. fallenden Reifen zu einer Verschmierung des Bildteils führen. Darin kann aber auch ein Vorteil gesehen werden, weil die Unschärfe Bewegung suggeriert. Außerdem erhält man daraus zusätzliche Informationen über die Bewegung. So kann man aus den Details des Fotos ableiten, dass der dritte Reifen von unten dicht am Umkehrpunkt ist (vom Steigen zum Fallen oder umgekehrt). Es wurde also fast der Moment getroffen, in dem der Reifen für einen Moment in der Luft steht. Demgegenüber weisen die stark verschmierten Reifen eine verhältnismäßig große Steig- oder Fallgeschwindigkeit auf. Weiterlesen

Schattenperformance im Wüstensand

Die Frage, ob Schatten sich bewegen oder nicht hat bereits Philosophen bewegt. Das Problem hängt meist an einer weiteren schwierigen Frage, ob nämlich der Schatten eine eigene Realität besitzt oder nicht. In der Literatur hat diese Frage zumindest in Adelbert von Chamissos (1781–1838) wundersamer Geschichte von Peter Schlemihl eine eindeutige Antwort erhalten. Weiterlesen

Fließende Büschel kurzlebiger Lilien

ruderwellen_img_2323a_rvSie „zogen an den Rudern, an diesen langen Stangen, die an der Wasseroberfläche metaphorisch und rhythmisch fließende Büschel kurzlebiger Lilien erblühen ließen“.

Harold Brodkey (1930 – 1996). Drei nahezu klassische Stories. Reinbek 1994. Weiterlesen

Wassertropfen auf der Rennbahn

wassertropfen_auf_rennbahn_Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 12 (2016), S. 48 – 49

Es ist die Asymmetrie,
die das Phänomen hervorbringt.

Pierre Curie (1859 – 1906)

Träufelt man Wasser auf eine heiße Platte, schwebt es für lange Zeit auf dem entstehenden Dampf. Besitzt der Untergrund ein Profil, flitzt der Tropfen sogar mitunter davon.

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Ruhen statt Rasen

Rasen_GraslandSo könnten unsere Rasen aussehen, wenn man sie denn ließe. Ob es nicht möglich wäre, an der einen oder anderen Stelle den Rasen ein Stück Wiese werden zu lassen? Statt einheitlich grüner Stoppeln, gedeckte Farben blühender Gräser? Doch in einer durch zunehmende Eile bestimmten Welt wird für mich der sorgfältig getrimmte Rasen immer mehr zum Symbol seiner Doppelbedeutung – des Rasens.

Die einen lächeln diesem Grün nur zurück, stehen still. Legen sich gar darin hin, das Gras ist sanft, und fühlen, wie sie heilen. Selber harmlos werdend, finden sie so auch die Wiese, das Kind wacht in ihnen auf, der erste Blick, mit dem es Blumen ansah. Nur noch die Ameisen rennen, sonst nichts in uns, Böses mag klein werden wie Gras. Alles duftet bunt und weich, ist so sanft wie seine Blume da. Ernst Bloch (1885-1977)

Wie kümmerlich, auf einem Kreisel zu sitzen!

DSCF1242rvDer Nachweis der Erdrotation ist ein schwerwiegendes Ereignis der Geschichte. Dreht sie sich denn, so wissen meine Sinne nicht von dieser Geschwindigkeit und tun sie nur indirekt kund. Ich glaubte etwas zu wissen. Wenn mir eine derart gewichtige Tatsache unbekannt bleiben konnte, wenn es so vieler Jahrhunderte und Umwege bedurfte, um sie zu entdecken, wie mancher Verdacht muß da nicht auf das fallen, dessen ich mich sicher wähnte!
Wie kümmerlich, auf einem Kreisel zu sitzen!
Das wissenschaftliche Befremden beginnt und wird nicht mehr aufhören. Es treibt die Religionen und Legenden davon und zieht sie wieder herbei. Christus hätte ein solch albernes, solch ungeheures Wunder nicht auszusprechen, die Heilige Schrift nicht zu schreiben gewagt.
Die Menschheit verhält sich nicht wie eine Gruppe, die sich auf einem Kinderkreisel sitzen weiß.

Valéry, P.: Cahiers 2. Frankfurt: S.Fischer 1988, S.95

Wenn die Zeit zum Tempo wird

Schlichting, H. Joachim. Physik in der Schule 33/4, 158 (1995).

Die „physikalische“ Zeit fließt per definitionem gleichförmig. Dies steht im Widerspruch zu dem Gefühl der Menschen, daß die Zeit unterschiedliche „Geschwindigkeiten“ annehmen kann. Wie schnell soll die Zeit vergehen? Mal möchte man, daß die Zeit stehenbleibt: „Verweile doch, du bist so schön…“, mal weiß man mit ihr nichts anzufangen. Dann schlägt man sie einfach tot, indem man sie mit sinnlosen Tätigkeiten verbringt.

PDF: Wenn die Zeit zum Tempo wird

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