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Grün

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Unter dem Blätterdach von Bäumen…

Vor kurzem nutzten wir das Sonnenwetter, um eine längere Wanderung im Wiehengebirge zu unternehmen. Dabei überquerten wir eine hellgraue Betonstraße, die über und über mit Sonnentalern übersät war. Nun sind Sonnentaler keine Seltenheit, wenn man an einem sonnigen Tag im Wald unterwegs ist. In diesem Fall war aber auffällig, dass die Straße in einem leichten Grünschimmer strahlte. Auch dafür gibt es eine plausible Erklärung. Sie ist grün, weil sie von grünem Licht beleuchtet wird. Das grüne Licht entsteht dadurch, dass das weiße Sonnenlicht durch das Blätterdach der Bäume gefiltert wird. Die trifft allerdings nicht nur für die Straße, sondern auch für die Waldwege zu.
Warum fällt das Grün hier besonders auf? Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist die hellgraue Betonstraße deshalb hellgrau, weil sie so gut wie alle Farben des weißen Sonnenlicht diffus reflektiert. Das erkennt man an den weißen Sonnentalern, die das ungefilterte Sonnenlicht reflektieren, das durch die Lücken im Blätterdach der Bäume hindurchgeht. Die übrigen Bereiche werden indessen durch das von den Blättern reflektierte bzw. durchgelassene grüne Licht beleuchtet, was nach der Wechelwirkung mit dem Sonnenlicht übrig bleibt.
In den übrigen Bereichen des Waldbodens, der u. A. auch das grüne Licht absorbiert, sieht man die Mischfarbe, die vom Boden ausgestrahlt wird – die typische Farbe des Waldbodens.
Das Grün auf der Straße fällt allerdings erst dann auf, wenn man nicht nur auf die Straße blickt, sondern auch noch Randbereiche des Waldbodens in den Blick nimmt. Denn heftet man den Blick nur auf die Straße, erscheint sie eher im ursprünglichen Grau. Warum das so ist? Das Auge und auch die der visuellen Wahrnehmung nachempfundene Sensorik der Kamera tendieren dazu die vorherrschende Farbe als weiß wahrzunehmen bzw. darzustellen (chromatische Adaptation). Wenn man jedoch gleichzeitig auch andere nicht grüne Bereiche wahrnimmt, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr und man sieht auch die Straße weitgehend in der tatsächlichen Farbe. Das Phänomen ist vielfach zu beobachten, wenn man denn darauf achtet.


Über ähnliche Phänomene wurde früher  hier und hier und hier berichtet.

Grün – die Farbe des Frühlings

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Das Grün beginnt sich einzumischen

Beim Blick durch ein altes Kellerfenster zeigt sich zunächst noch sehr diskret, mehr als eine Annäherung an das Kommende ein zartes hoffnungsvolles Grün. Alles noch mit Vorbehalt; der nackte Boden, der demnächst die ersten Pflanzen aufnehmen soll, wartet im Hintergrund. Das Grün ist vorerst eine bloße VorSpiegelung.

Wandern in den Wolken…

Die Luft wird dünner, und manchmal ist der Wanderer von Wolken umgeben, und wenn sie zum Teppich werden, dann heißt das, daß sich vor ihm eine Schlucht auftut. Man geht über Grate, die einen halben Meter breit und fünfzehnhundert, achtzehnhundert, zweitausend Meter hoch sind, an Abgründen entlang. Die Hänge sind senkrecht, und der einzige Halt für den Fuß oder die Hand sind Wurzeln und Sträucher und manchmal ein fester Stein. Wenn man auf eine Hochfläche trifft, ist alles grün: sogar das Sonnenlicht ist grün. Der Boden ist mit einem grünen Pflanzenteppich  bedeckt, die Bäume, die Sträucher und das Buschwerk zeigen die gesamte Palette des Grün. Die Baumstämme sind mit Flechten bedeckt, die wie Grünspan aussehen, sich aber nass anfühlen: Diese grüne Wirklichkeit ist feucht. Von den Blättern tropfen unzählige Regenperlen, und wenn man auftritt, sinkt das Gras mit einem wässerigen Schmatzen ein. Auf den bemoosten Felsen sind flüssige Kristalle, und den Weg kreuzen kleine Rinnsale, Wasseradern. Die Temperatur liegt wenige Grade über Null, und das Licht dringt kaum durchs Blattwerk. Auf einer Lichtung taucht ein Wolkenfetzen auf, und die Sonne zerreißt ihn, und an dem Sonnenstrahl klettert eine Dunstspirale empor. Es regt sich kein Lüftchen, doch ab und zu spürt man einen kalten Windstoß. Ganz weit dort unten ist zu beiden Seiten das graue Meer und zur dritten Seite hin sieht (es) grau aus.*

 


* Guillermo Cabrera Infante. Ansicht der Tropen im Morgengrauen. Frankfurt 1992, S. 94

Grüne Blätter im Herbst

Hier hat es ein Baum nicht nötig wie die Nachbarn die Energie aus dem Blattgrün in Sicherheit zu bringen. Er lässt die Blätter fallen so wie sie sind. Die grünen Farbtupfer im vorherrschenden Gelb und Rot haben jedoch einen ästhetischen Reiz.

Grün wie Mondschein

Dass Schriftsteller oft naturwissenschaftliche Zusammenhänge benutzen, um bestimmte Situationen zu gestalten, dürfte bekannt sein. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, dass man möglichst sachkundig erscheinen und dem jeweiligen Sachverhalt eine naturwissenschaftliche Dignität verleihen möchte – falls es so etwas gibt. Weiterlesen

Das ewig frische Grün

Das ewig frische Grün der Nadelhölzer erheitert die öde Winterlandschaft. Es verkündet gleichsam den Polarvölkern, daß, wenn Schnee und Eis den Boden bedecken, das innere Leben der Pflanzen wie das Prometheische Feuer nie auf unserem Planeten erlischt*.

Da immergrüne Bäume, Lebenskraft und Stärke repräsentieren, glaubten die Menschen insbesondere mit geschmückten Nadelbäumen sich etwas davon ins Haus holen zu können.
Der hier abgebildete kleine durch eine üppige Schneelast „geschmückte“ Weihnachtsbaum strahlt m.E. diese Lebenskraft unmittelbar aus, auch wenn er als solcher darunter kaum noch zu erkennen ist – ein schönes  Symbol, nicht nur zur Weihnachtszeit!


*Alexander von Humboldt. In: Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse, 1807.

Das erste Grün der Natur ist Gold*

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt; – der grüne Schein
Soll meine Zuversicht
Und liebe Ruhe sein.

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt. Wir leben so
Im leisen Auf und Ab
Und sind des Schwebens froh.

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt. Mir ist so gut.
Komm an mein Herz, du Grün,
Das solche Wunder tut.

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

*Natur’s first green is gold
The hardest to hold

Robert Frost (1874 – 1963)

Welche Wunder tut das Grün? Ich weiß es nicht. Jedenfalls kann man sich dem frischen Grün im Frühjahr kaum entziehen. Spüren wir vielleicht intuitiv, dass das Blattgrün für Energie steht, für Umwandlung von Sonnenenergie in chemische Energie der Pflanzen, die wiederum Grundlage für (fast) alles Leben auf der Erde ist? Jedenfalls stammt das Wort „grün“ vom althochdeutschen Wort „gruoen“ ab, was soviel wie „wachsen“, „sprießen“, „gedeihen“ bedeutet.
Und wer (fast) alles über Grün wissen will, dem empfehle ich das Büchlein „Grün“ von Alexander Theroux. (Hamburg 2000).

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