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Herbst

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Alles ist Übergang

An dherbst_winter_dscf6060_rviesen Satz Michel de Montaigne (1533 – 1592) wurde ich erinnert, als ich die herbstlichen Blätter teilweise ganz, teilweise halb in die Eisschicht eines zugefrorenen Sees sah. Ist das eigentlich noch ein typisches Bild für den Herbst oder zeigt sich darin bereits der Winter? Die Frage ist schwer zu entscheiden. Auch der Kalender hilft nicht viel. Zwar befinden wir uns seit dem 1. Dezember meteorologisch bereits im Winter, aber astronomisch beginnt der Winter erst am 21. Dezember.
Wir befinden uns im Übergang, einer Zeit des „Schon“ oder des „Noch-nicht“. Übergänge sind spannend und haben schon immer Poeten, Künstler aber auch Naturwissenschaftler auf den Plan gerufen. Und man kann sich mit Christiaan L. Hart Nibbrig fragen, ob dieser Übergang „ein bloßes Bindemittel oder eine in sich ruhende Vereinigung (ist). Ein Ausgang oder ein Eingang, ein Anfang oder ein Ende? Ein A oder ein O?
Die Antwort fällt wie eine Münze in den Schlitz des Entweder-Oder, weil die Traumszene vorweg schon begrifflich ausgemünzt ist auf das gesagte Identitätsproblem hin“
(Nibbrig, Christiaan L. Hart: Übergänge. Versuch in sechs Anläufen).

 

Gespinste als Lichtfänger

Weihnachtsbaum_DSC03110arvWar hier ein Verpackungskünstler am Werk? Oder haben fleißige Spinnen ihren Weihnachtsbaum schon geschmückt?
Die Urheber dieser Gespinste, die Spinnen, werden weder an das eine noch an das andere gedacht haben, sondern an Insekten, die sie in diesem ansonsten unsichtbaren Netzwerk zu fangen gedenken. Nach einer kühlen und feuchten Herbstnacht, haben sich Tautropfen an den Spinnfäden niedergeschlagen, an denen seinerseits das Licht gestreut wird und die Fäden auf diese Weise sichtbar macht: Weiterlesen

Die Schönheit des Blätterfalls

fallende-herbstblaetter_rvSieh die Blätter. . . !
Wie schön sie fallen!
Wie sie es verstehen, auf diesem kurzen Weg vom Ast zur Erde,
eine letzte Schönheit zu legen,
und trotz ihres Entsetzens darüber, auf dem Boden zu verfaulen,
wollen, dass dieser Fall die Grazie eines Fluges habe. Weiterlesen

Wenn der bunte Schleier fällt…

Indian-Summer-DSCF2539Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräfitg die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fliessen.

Eduard Mörike ( 1804 – 1875 )

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Bilanzieren des Blätterfalls

Der Herbst, der der ErdeHerbst-1-DSC03066rv
Die Blätter wieder zuzählt,
die sie dem Sommer geliehen hat

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Wenn im Herbst auf der Nordhalbkugel der Erde die Blätter fallen, bewegt sich Masse von oben nach unten. Diese Einsicht hat doch tatsächlich einige Leute auf die Frage gebracht, ob dies eine Auswirkung auf die Bewegung der Erde habe. Das ist eine sogenannte Fermi-Frage. Eine Antwort, die ich dazu gefunden habe ist, dass die Erde dadurch beschleunigt werde, aber nur gaaanz wenig. Darüber kann man sich streiten – wenn man möchte.

Blätterfall im Herbst

Blätterfall-im-HerbstWenn ich im Herbst die Blättervon den Bäumen fallen sehe, bin ich immer wieder fasziniert, dass sie nicht einfach wie ein Apfel vom Baum* niedergehen, sondern sich dabei die schönsten und ausgefallensten Kapriolen einfallen lassen, so als wollten sie Ihrem Abgang eine ästhetische Note geben. Leider lassen sich solche Vorgänge nur schwer in Fotos festhalten. Meist ist man zu spät, wenn man ein Blatt auf besonders schöne Weise hinabtänzeln sieht, oder man hat nicht schnell genug auf das Blatt fokussieren können.

Im vorliegenden Foto – so scheint es – haben wir gleich viele Blätter während des Falls erwischt. Doch das ist eine Täuschung, wie man leicht feststellt, wenn man das Bild auf den Kopf dreht, bzw. wenn man seinen Monitor nicht auf den Kopf stellen will, den Kopf selbst auf den Kopf dreht. Derjenige, für den das eine zu komplizierte Verrenkung ist, sollte selbst einen Teich unter Bäumen aufsuchen und sowohl die fallenden als auch die bereits gefallenen auf dem Wasser driftenden Blätter anschauen.

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* Zum Glück hat Newton seine Physik nicht an fallenden Blättern entwickelt, sondern einen Apfel zum Modell genommen.

Philemon und Baukis in einem herbstlichen Park

Engumgschlungen-rvSeit Jahren gehe ich an dieser Baumgruppe im Park vorbei. An einem dieser kalten, ungemütlichen Herbsttage, die die Sehnsucht nach Wärme und Nähe befeuern, sehe ich die beiden eng umschlungenen Bäume wie zum ersten Mal. Der Zufall wollte es, dass das innere Gefühl den äußeren Blick so zu fokussieren wusste, dass es zu einer Übereinstimmung von außen und innen kam. Aber selbst wenn man alles Gefühlsmäßige beiseitelässt, bleibt ein eindrucksvoller, seltener Anblick.

Mich erinnert das an die Geschichte von Philemon und Baukis, ein in ärmlichen Verhältnissen lebendes Ehepaar, wie es Ovid in seinen „Metamorphosen“ beschrieben hat. Die beiden nehmen als einzige den in Menschengestalt erscheinenden Jupiter und den ihn begleitenden Merkur in ihrer Hütte auf und bewirten sie mit dem, was sie haben. Zur Belohnung wird ihnen der Wunsch gewährt, sich nie trennen zu müssen. Dazu verwandeln die Götter das alte Liebespaar am Ende ihrer Tage in zwei miteinander verbundene Bäume. Leider haben wir es hier nicht mit Linde und Eiche zu tun. Sonst hätte man meinen können,  die beiden sich ewig Liebenden hier  leibhaftig vor Augen zu haben.

Gedanken bey dem Fall der Blätter im Herbst

HerbstblätterIn einem angenehmen Herbst, bey ganz entwölktem heiterm Wetter,
Indem ich im verdünnten Schatten, bald Blätter- loser Bäume, geh‘,
Und des so schön gefärbten Laubes annoch vorhandnen Rest beseh;
Befällt mich schnell ein sanfter Regen, von selbst herabgesunkner Blätter.
Ein reges Schweben füllt die Luft. Es zirkelt, schwärmt‘ und drehte sich,
Ihr bunt, sanft abwärts sinkend Heer; doch selten im geraden Strich.
Es schien die Luft, sich zu bemühn, den Schmuck, der sie bisher gezieret,
So lang es möglich, zu behalten, und hindert‘ ihren schnellen Fall.
Hiedurch ward ihre leichte Last, im weiten Luft-Kreis überall,
In kleinen Zirkelchen bewegt, in sanften Wirbeln umgeführet,
Bevor ein jedes seinen Zweck, und seiner Mutter Schooß, berühret;
Um sie, bevor sie aufgelöst, und sich dem Sichtlichen entrücken,
Mit Decken, die weit schöner noch, als persianische, zu schmücken.

Ich hatte diesem sanften Sinken, der Blätter lieblichem Gewühl,
Und dem dadurch, in heitrer Luft, erregten angenehmen Spiel,
Der bunten Tropfen schwebendem, im lindem Fall formiertem, Drehn,
Mit offnem Aug‘, und ernstem Denken, nun eine Zeitlang zugesehn;
Als ihr von dem geliebten Baum freywilligs Scheiden (da durch Wind,
Durch Regen, durch den scharfen Nord, sie nicht herabgestreifet sind;
Nein, willig ihren Sitz verlassen, in ihren ungezwungnen Fällen)Herbstfarben
Nach ernstem Denken, mich bewog, sie mir zum Bilde vorzustellen,
Von einem wohlgeführten Alter, und sanftem Sterben: Die hingegen,
Die, durch der Stürme strengen Hauch, durch scharfen Frost, durch schwehren Regen,
Von ihren Zweigen abgestreift und abgerissen, kommen mir,
Wie Menschen, die durch Krieg und Brand und Stahl gewaltsam fallen, für.

Wie glücklich, dacht‘ ich, sind die Menschen, die den freywillgen Blättern gleichen,
Und, wenn sie ihres Lebens Ziel, in sanfter Ruh‘ und Fried‘, erreichen;
Der Ordnung der Natur zufolge, gelassen scheiden, und erbleichen

Aus: Brockes, Barthold, Hinrich  Im grünen Feuer glüht das Laub.

Brockes (1680 – 1747) war ein aufmerksamer und genauer Naturbeobachter, der einerseits von der Schönheit und sinnvollen Ordnung des Naturgeschehens beeindruckt war und dies in ansprechenden Versen auszudrücken vermochte. Im zweiten Teil seiner Naturgedichte sucht er meist eine Beziehung des Menschen zu dem geschilderten Naturgeschehen herzustellen, die allerding eher dem Geist seiner Zeit entsprach und uns heute vielleicht etwas befremdlich vorkommt.

Spätherbst – Fest der Farben

DSCF9219nSchon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane (1819 – 1998) Weiterlesen

Herbstliche Blätter

DSCF8828Naturwissenschaftlich betrachtet äußert sich in den Jahreszeiten der Umlauf der Erde um die Sonne. Die während des Umlaufs unverändert bleibende Erdachse führt dazu, dass seit dem 22. Juni der Sonnenweg auf der Nordhalbkugel und damit die Tag wieder kürzer werden.Das bemerkt man erst so richtig im Herbst, was durch zahlreiche weitere Merkmale wie die sich verfärbenden und schließlich fallenden Blätter unterstrichen wird. Die dunkle und kalte Jahreszeit beginnt. Weiterlesen

Herbst – Erntezeit

Nebel tropfen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch Träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräfitg die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fliessen.

Eduard Mörike ( 1804 – 1875 )

Heute, am 22. September, ist der astronomische Herbstanfang (auf der Nordhalbkugel). Genau um 22.44 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) steht die Sonne genau über dem Äquator. Vom Norden kommend wird sie in den vor uns liegenden Monaten bis zur Sonnenwende am 21. Dezember weiter bis zum südlichen Wendekreis absinken und uns bis dahin immer weniger Stunden pro Tag das Tageslicht bringen. Der meteorologische Herbstanfang war aber bereits am 1. September. Diese Festlegung trifft den Sinn des Wortes Herbst besser. Denn Herbst bedeutet Erntezeit (engl. Harvest), und die meisten Getreidefelder wurden bereits um diesen Zeitpunkt herum abgeerntet.

Der September, die Wolke, die Liebe, das Erinnern

IMG_7054Erinnerung an Marie A
Der September, die Wolke und die Liebe
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da. Weiterlesen