//
Artikel Archiv

Humor

Diese Schlagwort ist 119 Beiträgen zugeordnet

Botschaften auf der Espenborke

Die Borke von Bäumen erzählen manchmal ganze Geschichten – entweder aus der Vergangenheit des Baumes oder von den durch sie ausgelösten Assoziationen. Im vorliegenden Fall der Borke einer jungen Espe (Zitterpappel) erinnern mich die Zeichen an einen geheimen Code, den es zu entschlüsseln gilt. Vielleicht sind es aber auch nur die Noten zum hellen Rauschen, das das Espenlaub schon bei winzigen Luftströmungen anstimmt. Auf jeden Fall ist es eine naturschöne, an eine Grafik erinnernde Struktur.

Wenn Gras drüber wächst…

Oft vermisst man während einer anstrengenden Wanderung oder Radtour angemessene Plätze zum Ausruhen oder für eine Picknickpause. Manchmal ist es auch umgekehrt: Tisch und Bänke warten vergeblich auf Gäste…
Interessanterweise ergeben sich Situationen wie die auf dem Foto zu sehende nicht unbedingt dadurch, dass keiner mehr dort vorbeikommt. Es genügt, dass der Pflanzenbewuchs eine kritische Grenze überschreitet, um potenzielle Gäste von einem Besuch abzuhalten. Der Bewuchs wird ab dieser Grenze nicht mehr einfach plattgetrampelt, um für einen selbst und nachfolgende Besucher annehmbar zu werden. Vielleicht weil man gerade vom Trampeln (in die Pedalen) genug hat. Dadurch wird die Situation jedoch immer schlimmer, denn das Gras schläft nicht, sondern wächst weiter, sodass fortan auch noch die etwas resilienteren Personen abgehalten werden usw. Der Prozess schaukelt sich bis zur absoluten Blockade auf. Ich gebe zu, dass auch ich beim letzten Vorbeiradeln diesen früheren Lieblingsplatz gemieden habe, zumal das Gras auch noch nass war. Weil ich es grundsätzlich hasse, dass Gras über manche Dinge wächst, habe ich mir vorgenommen, beim nächsten Mal dem wachsenden Gras Einhalt zu gebieten…

Naturkunst

Naturkunst ist natürlich ein künstliches Wort, ein Oxymoron zudem. Aber schöner als dieses Wort klingt, sieht das Bild aus. Es zeigt einen Ausschnitt aus der Natur in einem Moment, in dem sie nicht sie selbst ist. Gibt es das überhaupt? Bei Menschen ist mir das jedenfalls schon begegnet.

42 – die Antwort auf alles.

Liebe Julia, heute beehrst du dich an deinem 42. Geburtstag mit der berühmtesten Zahl überhaupt. Denn nach dem bekannten Roman von Douglas Adams: „Per Anhalter durch die Galaxis“, der genau ein Jahr vor deiner Geburt erschien, gilt (was man nur im Original angemessen ausdrücken kann): The answer to the ultimate question of life, the universe and everything is 42. Jedenfalls hat der extrem leistungsstarke Computer Deep Thought dafür mehr als 7,5 Millionen Jahre rechnen müssen. Also vergiss es, dass du wegen Corona deinen 40 und 41 Geburtstag nicht angemessen feiern konntest, alles war auf die 42 ausgerichtet.
Dass die 42 keine gewöhnliche Zahl ist, dafür sprechen auch viele weitere Argumente, von denen ich nur einige nenne:
Im alten Ägypten musste ein Verstorbener während des Totengerichts vor 42 Richtern erklären, dass er in seinem Leben keine von 42 Sünden begangen hat.
In Tibet regierten 42 Könige. Nyatri Tsenpo, war der erste, der um 127 v. Chr. regierte, und Langdarma (von 836 bis 842) war der letzte.
Die Gutenberg-Bibel, das erste gedruckte Buch in Europa, hat 42 Textzeilen pro Spalte und trägt daher den Titel »zweiundvierzigzeilige Bibel«.
Aber die Zahl hat auch (darin ist sie ganz Zahl) zahlreiche mathematische Besonderheiten: Ich biete dir nur eine kleine Auswahl, damit du auch noch Zeit zum Feiern hast:
42 ist die Summe der ersten drei Zweierpotenzen mit ungeradem Exponenten (21+23+25=42).
42 ist die Summe der ersten beiden Potenzen von sechs (61+62= 42), wobei die 6 ja bereits als eine ganz besondere Zahl beschrieben wurde.
42 ist eine Catalan-Zahl. Das ist eine sehr selten auftretende Zahl (lediglich 14 von ihnen sind kleiner als eine Million). Ich verschone dich mal mit weiteren Details.
42 ist eine »praktische« Zahl, das heißt, jede kleinere Zahl lässt sich als Summe einiger ihrer Teiler schreiben. Die ersten praktischen Zahlen sind 1, 2, 4, 6, 8, 12, 16, 18, 20, 24, 28, 30, 32, 36, 40, 42, 48, 54, 56, 60, 64, 66, 72,….
Nach dieser Lektion solltest du in der Lage sein, diese Aussagen in der Zahl der Lichter auf dem Foto zu erkennen. Doch bevor du dich daran machst, wünsche ich dir erst einmal alles Gute für das neue Lebensjahr unter der Traumzahl 42.

Auch Wolken tragen zuweilen eine Mütze…

Wenn man zurzeit bei Sonnenschein wandert, ist für manche Menschen eine Kopfbedeckung zu empfehlen. Auf unserer letzten Wanderung hatte ich ein Käppi, mein Begleiter hatte seines vergessen. Dafür erblickte er trotz deren Unscheinbarkeit eine Kappe hoch am Himmel, die eine cumulusartige Wolke teilweise abdeckte (siehe Foto). Vermutlich handelt es sich um eine Pileus-Wolke (lat. für Mütze), die unseren Recherchen zufolge vor allem dann auftritt, wenn „die Luft an der Oberseite des Cumulus sehr feucht ist und durch die weiter aufquellende Wolke gehoben wird“ (Wikipedia). Man kann sie als Vorstufen einer Umwandlung von Cumulus in Cumulonimbuswolken ansehen, die oft einer Schauer- oder Gewitterbildung vorausgehen. In der Tat regnete es einige Stunden später tatsächlich. Aber da waren wir längst wieder zuhause.

Spannende und entspannende Spannungen…

Die Spinne hat hier auf spannende Weise, das gespannte Seil eines Strommastes gefunden, an dem sie mit gespannten Fäden ihr Netz aufgespannt hat. Sie hätte kaum etwas weniger Gespanntes finden können, denn neben der mechanischen Spannung wird in den Stromleitungen eine elektrische Spannung aufrechterhalten. Immerhin sorgt sie für elektrische Energie, die unsere Fernseher befähigt, spannende Unterhaltung frei Haus zu liefern.

Nun bin ich gespannt, ob ihr die Situation auch spannend oder vielleicht sogar entspannend findet. Trotz aller notwendigen Spannungen sind Entspannungen mindestens genau so wichtig. Und sei es nur um die Bereitschaft für neue Spannungen zu ermöglichen.

Ein Ei im Mai

Auf ein Ei geschrieben

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich tät’s gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.
 
Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?
 
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat’s der Has gebracht.

Eduard Mörike (1804 – 1875)

Ein weiteres Rätsel, das zwar nicht auf dem Ei gekritzelt steht, das aber aus ihm herausgek(r)itzelt werden kann ist die Frage, ob ein Ei gekocht oder noch roh ist. Bereits in meiner Kindheit wurde das Rätsel experimentell gelöst, indem man das fragliche Ei selbst befragte – natürlich in der Eiersprache . Dazu bringt man es (wegen möglicher unkalkulierbarer Fluchtbewegungen auf einem Teller) – mit einem kräftigen Dreh in schnelle Rotation und vergleicht die Drehzahl mit der eines anderen Eis, dessen Zustand bekannt ist. Es zeigt sich dann, dass das gekochte Ei länger als das rohe rotiert. Dafür zeigt das rohe Ei eine zunächst rätselhaft erscheinende Besonderheit. Wenn man es während der Rotation durch Antippen kurz anhält und es sofort wieder loslässt, setzt es zumindest kurz seine Drehung fort. Das gekochte Ei bleibt bei einer solchen Behandlung unwiderruflich stehen.

Der Unterschied im Verhalten der beiden Eier ist darauf zurückzuführen, dass der Inhalt im rohen Ei weitgehend zähflüssig das gekochte aber durchgehend hart ist. Dreht man das gekochte Ei an, so bringt man wegen der festen Verbindung aller Teile des Eis dieses als Ganzes in Bewegung. Beim gekochten Ei gelingt es mit einem Dreh nur die Rotationsenergie auf die äußere Schale und die unmittelbar benachbarte flüssige Eiweißschicht zu übertragen, die die Bewegung dann mit einer kleinen Verzögerung an die weiteren inneren Schichten weitergibt. Denn aus Trägheit verharrt das Innere des Eis zunächst in Ruhe und wird erst nach und nach vor allem durch innere Reibung zulasten der äußeren Schichten und der rotierenden Schale in Gang gesetzt.
Das heißt, dass man beim Andrehen des rohen Eis mit einem Dreh weniger Energie übertragen kann als beim gekochten. Denn es werden nur die äußeren Schichten in Gang gesetzt. Diese geben dann anschließend noch einen Teil der Energie davon an die inneren Schichten ab, was zu einer stärkeren Abbremsung führt.
Meine Oma hatte früher eine andere viel einfachere Erklärung: Am Verhalten des rohen Eis merkt man, dass es noch ein wenig lebt. Ich stellte mir vor, dass das „noch ein wenig lebende“ Ei sich zunächst gegen die unverhoffte schnelle Drehung wehrt, was das tote gekochte Ei nicht mehr kann.




Eine sich selbst fressende Pflanze

Okay, die Überschrift ist etwas übertrieben. Als ich jedoch die Pflanze (Foto) sah, erinnerte sie mich sofort an Oroboros, die in mehreren alten Kulturen bekannte Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt. Indem ich sie fotografierte wurde mir klar, wie sehr unsere Sehweise doch bestimmt ist von Bildungsrelikten, selbst wenn der genaue Inhalt oft nicht einmal mehr präsent ist.

Die Verwandlung beim Anstehen

Anstehen will gelernt sein. Das habe ich vor vielen Jahren in Paris gelernt. Vor einem Museum oder einem Kino stand man in Schlangen, die sich manchmal um Häuserecken wanden, von wo gar nicht mehr zu sehen war, was sich am Anfang tat. Man las ein Buch, unterhielt sich mit den Nachbarwartenden und machte immer mal wieder ein zwei Schritte nach vorn. Hier war der der Weg zumindest als Nebenziel mit einbezogen.
Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass mitunter mit einem selbst merkwürdige Verwandlungen einhergingen, die sehr stark an Kafkas Gregor Samsa erinnerten (siehe Foto). Zum Glück kam es in diesem von außen beobachteten Fall nicht dazu, dass vollendete Käfer zu beobachten waren. Aber ihr müsst zugeben, dass bestimmte Vorstufen durchaus zu erkennen sind, denn das Foto ist völlig unmanipuliert.

Kegelschnitte – wo man sie nicht erwartet

Bei Hotelaufenthalten fallen mir immer wieder die unterschiedlichen Möglichkeiten der Belichtung von Räumen auf. In einem der Hotels hatte ich das große Vergnügen, einen Teil des Lichts von Kegelschnitten geliefert zu bekommen (siehe Foto).
Das weitgehend abgeschirmte Lampenlicht zweier altmodischer Leuchten entweicht nach oben und unten jeweils durch eine kreisförmige Öffnung, wodurch Lichtkegel ausgeschnitten und beim Auftreffen auf die rückwärtige Wand angeschnitten werden. Diese folglich so genannten Kegelschnitte blieben allerdings als solche verborgen, wenn die so beleuchtete Wand das Licht nicht diffus reflektieren würde.
Ein Lob den Mathematikern, weil sie oft sehr anschauliche Begriffe geprägt haben, die wie in diesem Fall auf ganz konkrete Situationen zurückgehen.
Auch wenn Symmetriebrüche zuweilen die Ästhetik einer Situation erhöhen mögen, in diesem Fall konnte man die Leuchten drehen wie man wollte, ein Kunstwerk kam dabei dennoch nicht heraus.

Schnee ist leicht aber anhänglich

Eine Bank neigt sich unter der Belastung des Schnees zur Seite. Das ist natürlich eine Ausrede. In Wirklichkeit waren einige kompakte Männer die Ursache, die sich am Vatertag hier niedergelassen hatten. Denn der Schnee wiegt nicht viel, weil es einen mehr oder weniger großen Teil Luft enthält.

SchneeartDichte [kg/m3]
trockener Pulverschnee30–50
normaler Neuschnee50–100
feuchter Neuschnee100–200
trockener Altschnee200–400
feuchter Altschnee300–500
Firn500–800
Dichte verschiedener Schneearten

Wie die Tabelle zeigt ist selbst der kompakteste Schnee noch wesentlich leichter (geringere Dichte) als flüssiges Wasser. Andererseits weiß man, dass Gebäude mit großem Flachdach und selbst Bäume bei starkem Schneefall gefährdet sind unter der Schneelast zusammenzubrechen. Als Wasser wären diese Massen kein Problem. Denn während dieses sofort die tiefste Stelle aufsucht und abfließt, kann Schnee je nach Beschaffenheit zusammenbacken und sich hoch auftürmen. Nicht nur horizontale Flächen sind davon betroffen, auch an vertikalen Strukturen, Stromleitungen u.Ä. können erstaunlich große Schneemassen anhaften.

Die Form bewahren und sei es als Mumie

Die oft erhobene Forderung, die Form zu bewahren, erinnert mich an diesen armen Apfel, der es auf irgendeine für mich undurchschaubare Weise geschafft hat, sich ohne zu verfaulen vom verschmähten Fallobst in den Winter zu retten. Ich bin sicher, dass er es auch bis in die nächste Jahreszeit hinein schafft. Jedenfalls fühlt er sich hart und widerstandsfähig an. Natürlich erinnert er in seiner völlig apfelunähnlichen Farbe und Konsistenz eher an eine Apfelmumie als an eine genießbare Frucht. Und ich möchte nicht wissen, wie es in seinem Innern aussieht.
Es soll damit nicht behauptet werden, dass die Formvollendung im (mit)menschlichen Bereich mit dem Verhalten des Apfels gleichzusetzen ist, aber – wie gesagt – irgendwie werde ich manchmal an den Apfel erinnert.

Abgesehen von diesen eher metaphorischen Überlegungen würde ich allzu gerne wissen, wie es manchen gefallenen Äpfeln im Vergleich zu den vielen anderen Leidensgenossen gelingt, so formvollendet über den Winter zu kommen. Kennt sich da jemand aus?

Silvester 2021 – Wenn’s überall so knattert

Ich sage bloß, die Welt ist böse.
Was soll zum Beispiel das Getöse,
Was jetzt so manche Menschen machen
Mit Knallbonbons und solchen Sachen.
Man wird ja schließlich ganz vertattert,
Wenn’s immer überall so knattert.
Das sollte man wirklich solchen Leuten
Mal ernstlich verbieten und zwar beizeiten,
Sonst sprengen uns diese Schwerenöter
Noch kurz und klein bis hoch in den Äther,
Und so als Pulver herumzufliegen,
Das ist grad auch kein Sonntagsvergnügen.
Wie oft schon sagt ich: ›Man hüte sich.‹
Was hilft’s? Man hört ja nicht auf mich.
Ein jeder Narr tut, was er will.
Na, meinetwegen! Ich schweige still!
«*

Wilhelm Busch konnte noch nicht wissen, dass andere Probleme viel schlimmer sind. Es sei nur angemerkt, dass der zu Silvester freigesetzte Feinstaub mindestens 15 Prozent der im ganzen Jahr durch Personenverkehr freigesetzten Menge entspricht, von anderen Umweltbelastungen ganz zu schweigen. Ich weiß es gibt noch Schlimmeres. Lasst euch also zumindest heute die Laune nicht verderben und

erlebt einen guten Rutsch ins Neue Jahr und eine Normalisierung des Lebens in 2022!


* Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Frohe Weihnachten 2021!

Da hier ebenso wie bei uns im Hause ausnahmsweise die klassischen Weihnachtbäume – ich meine die mit den richtigen – Nadeln in der Minderheit sind, leisten einige Laubbäume Amtshilfe. Da sie im Winter ohnehin nichts zu tun haben, weil sie im Herbst alle Blätter abgegeben haben, stellen sie sich bzw. ihre Äste und Zweige bereitwillig für die Aufnahme „echter“ Nadeln zur Verfügung. Es sind zwar keine botanischen Nadeln, sondern solche, die sich die Natur mit einigen ihrer zur Gebote stehenden Zutaten aus nichts als Wasser erschafft und den angebotenen nackten Ästen und Zweigen kunstvoll anheftet. Kunstvoll ist vielleicht nicht das richtige Wort, weil hier doch die Natur am Werke ist. Aber ihr wisst was gemeint ist: Naturschönheit. Jedenfalls sehen die Nadeln und damit die alternativen Weihnachtsbäume bis auf die Farbe ziemlich echt aus, wenngleich sich die Motive für derartige exzentrische Bewegungen unterscheiden: Während die grünen Nadeln dem Licht zustreben, suchen die weißen Nadeln die Kälte.
Die weiße Farbe hat sogar einen Vorteil – sie hellt den düsteren Wald an dieser Stelle stimmungsvoll auf und lenkt den Blick verheißungsvoll auf das Helle, dem wir in der nächsten Zeit entgegengehen. Für die Natur ist das zwangsläufig durch den Umlauf der Erde um die Sonne gegeben, für andere Entwicklungen kann nur die Hoffnung auf Aufhellung- und Aufklärung in Anspruch genommen werden.
Die Hoffnung wird nicht umsonst mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht. Das „Grüne“ in dieser weißen Belaubungsaktion der Natur könnte man auch darin sehen, dass es hier kein Entsorgungsproblem gibt. Im Gegenteil, sobald es wieder wärmer wird, dienen die verflüssigten Nadeln einer ersten Wässerung für einen Wachstumsimpuls dem Frühling entgegen: Diese Weihnachtsbäume nadeln nicht, sie tropfen. Ich weiß, soweit sind wir noch nicht und wir feiern jetzt erst einmal Weihnachten!

In diesem Sinne wünsche ich euch/Ihnen Frohe Weihnachten. Bleibt gesund!

 

So schnell, um sich zu entkommen…

Sie erzählt gern vom Radfahren, von der erbarmungslosen Hitze an schattenlosen Steilaufstiegen und der kühlen Umarmung des Windes, wenn es abwärts geht. Vom schnellen Wechsel der Temperaturen in den Luftschichten und davon, was Freiheit bedeutet, nämlich so schnell zu sein, dass man sich selbst entkommt. Jedes Mal sagt sie, dass Geschwindigkeit jung hält, und das nicht nur, weil die Zeit nach Meinung der Physiker für bewegte Körper langsamer vergeht.*


* Juli Zeh. Schilf. Frankfurt 2007;  S.:49

Holzuhr

Die Jahre werden durch die Jahresringe angezeigt, die Stunden und Minuten, von denen man möchte, dass sie nicht vergehen durch die Holzzeiger, die sich allerdings bei näherem Hinsehen als Risse erweisen.

Die Sonne ist ganz Auge

Dieser Anblick sprang mir in die Augen, sodass ich es nicht unterlassen konnte, ihn ins Auge zu fassen und auch weiterhin ein Auge darauf zu haben. Bekanntlich sollte man nicht mit bloßem Auge in die Sonne blicken, denn das könnte ins Auge gehen. So mancher Sonnenbeobachter früherer Zeiten hat auf diese Weise sein Augenlicht verloren.
Licht und Augen sind in gewisser Weise komplementäre Aspekte des Sehens: Das eine ist ohne das andere nichts. Man könnte einwenden, dass das Licht auch ohne Auge da ist, aber damit kann dann nur die elektromagnetische Strahlung gemeint sein, nicht aber das Licht mit all seinen auch emotionalen Konnotationen als Medium des Sehens.
Im vorliegenden Fall war die Lichtintensität der Sonne durch die Wolken so stark herabgesetzt, dass ich ohne Schaden zu nehmen ein Auge auf das Phänomen werfen und es im weiteren Verlauf im Auge behalten konnte. Ich ließ also das Auge des Herrn nicht aus den Augen und traute schließlich meinen Augen nicht und machte große Augen, als ich entdeckte, dass das Sonnenauge seine Augen schonte und die Augen schloss indem sie allmählich hinter den Wolken verschwand. So verlor ich das Sonnenauge aus den Augen
Vielleicht war ich der Sonne ein Dorn im Auge, weil ich ihr um ihres schönen Auges wegen zu tief in die Augen geschaut hatte. Da sie ihr Auge schloss, konnte ich ihr diese Vermutung nicht an den Augen ablesen.
Wem diese Worspielerei ein Dorn im Auge ist, der mag sie getrost aus den Augen verlieren. Ich sehe es dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Drei mal drei ist neun

Ich weiß nicht, lieber Lano, was du da gerade auf dem Smartphone suchst, das du mir gerade abgeluchst hast, aber ich weiß, dass du dich optisch sehr gut machst vor dem tollen Hintergrund. Und ich weiß, dass du heute Geburtstag hast, wozu ich dir ganz herzlich gratuliere. Damit erzähle ich dir zwar nichts Neues -auch wenn das Wort neu in der Neun enthalten ist. Neu ist vielleicht in deinem neunten Lebensjahr, dass es die letzte einstellige Ziffer ist. Nach diesem Jahr steigst du in die nächst höhere Liga der zweistelligen Zahlen auf, in der die meisten Menschen leben. Nur die die über hundert Jahre alt sind, gehören einer noch höheren Liga an.
Die Neun kommt im normalen Alltag in mehreren Zusammenhängen vor. So spielt man mit neun Kegeln, vielleicht sogar mit einem neunmalklugen Mitspieler. Und wenn dieser verliert, sagt er vielleicht: „Ach du grüne Neune“.
Die Ziffer 9 steckt außerdem doppelt in deinem Geburtstagsdatum, dem 19. 9. Insofern ist es auch von daher ein besonderer Geburtstag, der nur alle 10 Jahre vorkommt.
Schaut man sich die Ziffer 9 genauer an, so entdeckt man auch hier viele Besonderheiten. Weil in der 9 sogar 3 mal die Zahl 3 enthalten ist, gilt die 9 als vollkommene Zahl. Denn die 3 gilt in vielen Kulturen als „göttlich“. Hinzu kommt, dass jede Zahl, die man mit 9 multipliziert, eine einstellige Quersumme von 9 hat. Das heißt bei kleinen Zahlen, dass die Quersumme direkt 9 ergibt und bei größeren Zahlen dass die Quersumme der Quersumme usw. gleich 9 ist. Du kannst es ja mal ausprobieren. Das ist merkwürdig und zeigt einmal mehr, dass die einfach aussehende, mit einem einfachen Bogen ohne den Stift abzusetzen geschriebene Ziffer es in sich hat. Vielleicht trägt der „Haselbusch der Weisheit“ deshalb 9 Haselnüsse.
Einige berühmte Komponisten schrieben 9 Symphonien. Ob sie für jede der 9 Musen oder für jeden der 9 Köpfe der Hydra eine geschrieben haben, ist nicht bekannt.

Du siehst also, dass ein besonderes Jahr anbricht – das 9. Jahr.

So leben wir alle Tage…

Bei diesem Anblick kam mir der Song auf die Lippen: „So leben, so leben wir, so wir alle Tage…“ Ich musste einen Moment nachdenken, bis mir die Reichweite dieser Assoziation bewusst wurde.

Unkraut

Als ich auf einer Wanderung diesen Text las, fühlte ich mich in meinem Naturgarten noch wohler als bisher.

Lichtmännchen mit Lichtstuhl

Zerstreutes Lichtmännchen (vielleicht auch ein Weibchen?) mit Lichtgeschwindigkeit zum Lichtstuhl eilend, um sich ein wenig zu sammeln und zu konzentrieren.
Was das Teilchen hier ganz freiwillig macht, wenn es sich nicht beobachtet fühlt, dagegen hat es sich bis vor ein paar Jahren erfolgreich gewehrt. Doch inzwischen ist es gelungen, die stets in Eile befindlichen Lichtteilchen bzw. Quanten einzufangen. Dazu werden spezielle Fallen aufgestellt, in die man die Teilchen dann tappten lässt. Anschließend müssen sie sich dann von den Physikern einiges gefallen lassen. Aber nicht aus purer Boshaftigkeit stellt man den Quanten nach, sondern um sie – auf diese Weise festgesetzt – messen und manipulieren zu können. Dies ist den Physikern Serge Haroche und David Wineland unabhängig voneianander gelungen. Im Jahre 2012 erhielten sie dafür den Nobelpreis für Physik

Mit dem Mond ist nicht gut Fische fangen…

Die Mondkurre

In der Himmelssee,
muss man sich placken,
damit es sich lohnt
bei der Sternfischerei.

Orion heißt mein Boot,
Mars ist mein Topplicht,
die Venus mein Lot,
meine Kurre der Mond.

Die Mondkurre soll
zum Teufel versacken!
Es tagt, und ich hab nicht
einen Fingerhut voll*

.

.

Um das Gedicht, insbesondere den Misserfolg des Sternfischers in der Himmelssee zu verstehen, muss man wissen, dass eine Kurre ein netzartiges Gebilde ist, in dem die Fische gefangen werden. Der gute Fischer hat sich dabei ausschließlich auf die Ähnlichkeit der Sichelform der Kurre mit dem Mond verlassen und dabei vergessen, dass der Mond diese Form nur jeweils ein paar Tage beibehält. Ein Vollmond wäre sogar völlig ungeeignet.


* Hans Leip (1893 – 1983). Die Hafenorgel. Ebenhausen bei München 1977

Den Kopf zerbrechen…

…vier Naturhistoriker treten mit blutrünstigen Köpfen auf; jeder hat einen Kieselstein in der Hand und sie sagen:
Da haben wir uns ganz expreß mit diesen Kieselsteinen die Köpfe zerbrochen und können doch nicht herausbringen, was der sogenannte Finger ins Licht steckende Generalsuperintendent für ein Kerl ist! O! O! O!.
Und einer von ihnen sagt:
Nicht verzagt, meine Herren! Die Wissenschaft ruft! Lassen Sie uns noch einmal probieren! Mutig! Noch einmal die Köpfe zerbrochen!
Sie schlagen sich mit den Steinen vor die Köpfe, dass die Funken stieben, bringen nichts heraus, und entfernen sich fluchend.*

Wenn damit gegen die Naturwissenschaftler gestichelt werden sollte, so bin ich bereit, meinen Kopf hinzuhalten, so dass sich jeder davon überzeugen kann: Sie sind trotz vielfältigen Kopfzerbrechens keineswegs blutrünstig. 😉


 * Christian Dietrich Grabbe (1801 – 1836). Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Frankfurt 1987, S. 100f

Ein Knopf auf dem Pranger

Als sich der Knopf vom Hemd löste und trotz seiner Winzigkeit geräuschvoll über den Fliesenboden rollte, aber leider verstummte bevor er akustisch zu orten war und ich daher auf den Knien robbend den Winzling einzufangen versuchte, wusste ich noch nicht, auf was ich mich da eingelassen hatte. Denn eigentlich hatte ich besseres zu tun.
Als ich ihn dann endlich unter dem Tisch fand und die Höhe bzw. die Niedrigkeit des Tisches falsch einschätzend mir auch noch den Kopf stieß, was zum Glück rein akustisch einen größeren Schmerz erwarten ließ als dann tatsächlich fühlbar wurde und ich mir in diesem Moment gleichzeitig ausmalte, welch lächerliche Figur ich in dieser Situation wohl für einen außenstehenden Beobachter abgeben würde, hatte ich wegen des geringen Schmerzes und des abwesenden Beobachters – gewissermaßen aus der positiven Differenz zwischen dem möglichen und dem tatsächlichen Ungemach – ein relativ gutes Gefühl.
Mit einer gewissen Genugtuung legte ich den fiesen Knopf auf den Schreibtisch und machte mich daran mit der unterbrochenen Arbeit fortzufahren. Doch irgendwie konnte ich mich jetzt des Eindrucks nicht erwehren, dass ich vom Knopf beobachtet würde und das auch noch in einer von mir in dieser Situation als impertinent empfundenen Art eines schwebenden Zustands. Ich rächte mich damit, dass ich ihm ein weißes Blatt Papier unterschob, ihn fotografierte und hiermit an den Pranger stelle. Er nimmt es, wie man sieht, gelassen.

Seine hellen Mund- und Nasenpartien, sowie das Schweben teilweise über dem eigenen Schatten lassen sich allerdings physikalisch erklären.

Jeder muss seine Rolle finden

Hier rollt sich etwas ein.
Drei haben sich dieser Bewegung angeschlossen, obwohl ihr Engagement sich darin erschöpft, ein modernen industriell gefertigtes Schloss an ein altes kunstvoll gefertigtes Gitter einer alten Kirche in Florenz anzuschließen.
Ich muss zugeben, dass der Ort gut gewählt ist: Die Schlösser sind hier (noch) vereinzelt und ihnen umgibt der einmalige Flair eines altehrwürdigen Ortes. Auf der Kölner Eisenbahnbrücke ist man demgegenüber nur einer unter Tausenden. Ob dadurch eine größere Garantie für die Haltbarkeit einer beschlossenen Beziehung gegeben ist, sei dahingestellt. Denn auch wenn das Anschließen gemeinsam beschlossen wurde, kann damit auch die Angelegenheit als abgeschlossen in dem Sinne bedeuten, dass man sich darum nicht mehr kümmern muss. Auch der Schluss ist zumindest etymologisch in Schloss eingeschlossen.
Dagegen hilft auch nicht, dass die Schlösser wie Sicherheitsschlösser aussehen. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass diese sogenannten Liebesschlösser Billigversionen sind, die einzig für diesen Zweck hergestellt werden, zumal sie meist nicht in Fachgeschäften für Schlösser, sondern in Souvenierläden erworben werden.
Da der Schlüssel zudem üblicherweise nach Anbringen des Schlosses weggeworfen wird, lassen sich diese Anbringsel nicht wieder auf einfache Weise lösen, auch wenn die Irreversibilität der Beziehung, die durch diesen Brauch symbolisiert werden sollte, möglicherweise längst nicht mehr besteht.

Breitwegerich auf schmalem Weg

Mitten auf dem Weg macht sich der Breitwegerich breit und damit seinem Namen alle Ehre. Bei der Namensgebung hatte man vermutlich eher an einem Feldweg gedacht als an eine Asphaltstraße. Das zeigt sich auch darin, dass sich der Wegerich einige Blessuren eingeholt hat. Vermutlich von den bösen Radfahrern, denn da er sich wohlweißlich die Mitte der Straße ausgesucht hat, können alle Zweispurer ihm nichts anhaben, dazu ist die Straße zu schmal. Oder zeigt sich in der Ramponiertheit der Pflanze gar keine äußere Verletzung sondern Mangelernährung? Darüber kann man nur spekulieren.
Wie es den Pflanzen gelingt, auch auf oder besser in der Straße Fuß zu fassen, wurde bereits in einem früheren Beitrag beschrieben.

Vom Umfall zum Unfall

Hier wäre ein Fallschirm besser als ein um den Kopf gewickeltes Bettlaken

Als Kind hatte ich Schwierigkeit zur Kenntnis zu nehmen, dass „Unfall“ mit „n“ und nicht mit „m“ wie „Umfall“ geschrieben wird, denn das Wort hatte ich in einem ganz konkreten Fall kennengelernt. Als unser Nachbar nach dem wöchentlichen, weinseligen Kartenspiel wie gewohnt mit der Schwerkraft hadernd nach Hause torkelte. Sein verbundener Kopf, den er dann einige Tage mit sich herumtrug, wurde mir – die wahren Umstände verschweigend – als Folge eines Unfalls dargestellt, wobei ich dem konkreten Ereignis entsprechend Umfall verstand.

Weiterlesen

Durchblick mit Goldrand

Das künstlerisch gestaltete, mit Goldrand versehene Fenster fordert geradezu dazu heraus, durchschaut zu werden. Auch wenn der Erkenntnisgewinn sich dabei in Grenzen halten mag, kann doch der Eindruck mitgenommen werden, einen Durchblick gehabt zu haben – auch wenn man dabei nur durch Fenster blickt, die einem durch ihre transparenten Scheiben dabei sehr entgegen kommen. Außerdem blickt man durch zwei Fenster. Und so oft hat man nun auch wieder nicht die Gelegenheit, einen doppelten Durchblick mit Goldrand zu haben.
Ehrlicherweise muss jedoch zugegeben werden, dass trotz dieser Doppelung der Durchblick nicht vollkommen sein kann. Ein vollkommener Durchblick würde nämlich ins Nichts führen. Man muss sich also schon damit begüngen, dass der Durchblick endlich bleibt und günstigenfalls in der Weitsicht endet.
Diese Weitsichtigkeit besteht in diesen Zeiten bereits darin, dass man genügend Abstand nimmt, auch wenn wir wissen, dass Weitsichtigkeit weit mehr bedeutet. Sie bringt uns unseren Zielen näher und verschafft uns Übersicht und Umsicht. Solange sich Weitsichtigkeit nicht als bloßer Augenfehler entpuppt, kann sie zu Visionen führen, wenn es glingt Wissen und Sehen kreativ miteinander zu verbinden.

Der Gedanke, der Spiegel, die Welt, die Wiederholung

Wo der Gedanke des Ichs nicht eins ist mit dem Begriffe der Welt, kann man sagen, daß dies reine Denken des Gedankens des Ichs nur zu einem ewigen Sichselbstabspiegeln, zu einer unendlichen Reihe von Spiegelbildern führt, die immer nur dasselbe und nichts Neues enthalten.*

Immerhin scheint die Reihe der ewigen Selbstabspiegelung zumindest perspektivisch auf einen imaginären Punkt zuläuft, so dass man nur hoffen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass es kein Nullpunkt ist.


* Friedrich Schlegel: Kritische Ausgabe. München etc 1964, Bd. 2, S. 351

Indiskreter Schatten

Als ich den eigenen Schatten auf dem Rücken der nichtsahnenden/nichtsfühlenden Person gewahrte, der in einer Überlagerung userer beider Gehrhythmen ondulierte (Stichwort: gekoppelte Schwingung), beschlich mich ein merkwürdiges Gefühl.
Zum einen war die Situation sehr unwahrscheinlich: Die Sonne stand so tief*, dass sie fast waagerecht einfiel, und zwar zufällig in einer Straße, die genau in ihrer Strahlrichtung verlief. Zum anderen traf sie auf zwei in einem passenden Abstand hintereinander gehende Personen, sodass der Schatten der hinteren auf den Rücken der vorderen fallen konne. (Offenbar ohne einen Impuls zu übertragen).
Obwohl ein Schatten ja nur ein Loch im leichten Licht ist, das in diesem Fall von meiner Silhouette ausgeschnitten wird, empfand ich, der Person hinterrücks auf die Pelle gerückt zu sein und verlangsamte unwillkürlich meinen Schritt, wodurch die Situation aber nicht wirklich besser wurde.
Die Probleme Peter Schlemihls erscheinen mir fortan in einem anderen Licht.

 

 


*Man sieht den bevorstehenden Sonnenuntergang auch an dem leicht rötlichen Ton, den die weißen Kleidungsstücke annehmen.

Der Pi-Tag – der kreisförmigste aller Tage


Eigentlich müsste man sich darüber wundern, dass ein ins Wasser geworfener Stein, der zunächst ein Chaos von Wasserbewegungen auslöst, unmittelbar anschließend alles in eine harmonische Ordnung zurückbringt: Es entstehen Kreise über Kreise. Und die Seele dieser Kreise ist eine Zahl, das Pi (oder besser π). Und heute ist es mal wieder so weit wir feiern (naja, nicht alle aber einige Nerds) den kreisförmigsten alle Tage des Jahres, den Pi-Tag – nach der amerikanischen Schreibweise für das heutige Datum: 3.14.
Wem das irrational erscheint, der hat völlig recht. Denn Kreise, so real und rational sie auch sein mögen, tragen im tiefsten Innern etwas sehr Irrationales, das Pi. Das macht die Kreise und damit das Pi so menschlich. Man denke nur an die Gedanken, die nachts wenn man mal wieder nicht schlafen kann, die Runde machen und dabei vielleicht nur um sich selbst kreisen. Egal ob Gedanken mit kleinem oder großem Durchmesser, alle müssen mit Pi (= 3,1415…usw.) multipliziert werden, um alle Ecken und Kanten zu verlieren und schön rund zu werden.
Selbst die Form unseres Kopfes ist dadurch auf die eine oder andere Weise rund geworden, sei es nur eher in Zylinder-, Birnen- oder Eierform. Man kann das auch umdrehen und mit Francis Picabia (1879 – 1953) zu der Ansicht gelangen: Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Deswegen gilt er auch nicht als zentrischer sondern exzentrischer Ausnahmekünstler, der u. A. zu der wichtigen Erkenntnis kam: „Hier ist hier“. Aber auch das Exzentrische definiert sich in Bezug auf das zentrische, wobei man wieder beim Pi ist.
Wer Interesse an früheren Pi-Tagen dieses Blogs hat, findet sie hier und hier und hier.

Wie irrational ist es, dass die größten Spritzer im obigen Foto blau sind?

Wie groß ist der Mond?

Der Mond hat sich im Geäst verfangen. So stellte sich die Situation für mich in einem nicht ganz so klaren Moment dar. Zur meiner Entschuldigung ist zu sagen, dass es ja auch sehr dunkel war. Wenn wenigstens Vollmond gewesen wäre.
Da man ein ungefähres Gefühl für die Größenordnung der Äste des Baumes hat und sich den Mond im Baum verhaspelt vorstellen kann – zumal Äste vor und hinter dem Mond erscheinen – kann man für einen Moment ein Gefühl für die absolute Größe des Mondes haben. Er ist gewiss größer als ein Apfel, vielleicht so groß wie ein Kürbis? Die alten Griechen sahen den Mond in etwa so groß wie einen Menschenfuß an. Jedenfalls sagt Heraklit „Die Sonne ist so breit wie ein Menschenfuß“. Und da Sonne und Mond am Himmel gleich groß erscheinen, gilt das auch für den Mond. Vielleicht hat man die Himmelskörper damals ebenfalls im Geäst eines Baumes hängen sehen.
Wenn eine konkrete Entfernung bei der Einschätzung der Größe eines Gegenstandes fehlt, hat man nur den Sehwinkel – und der erlaubt alle möglichen Größen.
Der tatsächliche Durchmesser des Mondes beträgt etwa 3475 km – von wegen Kürbis.

Raucheis

Wie kalt es zurzeit bei uns ist, kann man an der Rauchfahne sehen, die während ihres Jobs Abgase zu entsorgen eingefroren ist. Hoffentlich dauert es keine 100 Jahre, wie im Märchen Dornröschen.

Hier findet man Genaueres zur Physik dieser Struktur.

So gehn wir alle miteinander in das Himmelloch hinein…

Als ich vor einiger Zeit diese Wolkenszenerie sah, fühlte ich mich in alten Zeiten, genauer in die 2. oder 3. Schulklasse zurückversetzt und mir ging sofort eine alte Melodie durch den Kopf und auch der Text ließ sich zumindest in Teilen rekonstruieren. Jedenfalls reichte es aus, um den vollständigen Text dieses Liedes im Internet aufzuspüren.
Das Lied wird dominiert durch die Passage, dass wir alle gemeinsam in das Himmelloch hineingehen.
Das muss mich wohl damals so aufgewühlt haben, dass es – wie sich hier zeigt – Jahrzehnte später noch virulent ist. Denn dazu hatte ich mehrere Fragen, die ich damals nicht zu fragen wagte. Beispielsweise war mir überhaupt nicht klar, wie dieses Loch im Himmel wohl aussehen würde. Auch die Art und Weise wie der Aufstieg gelingen könnte, blieb ein Rätsel: Musste man zum Aufstieg eine Leiter benutzen? Aber wer hat schon eine solche lange Leiter? Und wenn ja, wo würde man sie anlehnen? Und wäre das Ganze nicht sehr gefährlich?
Die Fragen sind nach wie vor ungelöst. Aber nun weiß ich wenigstens, wie das Himmelloch aussieht.
Ob ich damals bereits die physikalischen Probleme eines solchen extraterrestrischen Vorhabens sah? Einen jüngsten Versuch über eine Leiter in den Himmel zu kommen haben die beiden Künstler Johannes Brunner und Raimund Ritz mit ihrer Goldenen Leiter im Forum shopping Komplex in Duisburg geschaffen. Diese Leiter zeigt wie es gehen kann, kommt allerdings bei 54 m Höhe zu einem (vorläufigen?) Ende. Es ist wohl noch einige Fantasie gefordert, wie man endlich den Himmel erreicht…
Weiterlesen

Emanzipierter Schatten

Als ich am frühen Morgen in den Dünen meinen Schatten auf der Nachbardüne spazieren sehe – natürlich synchron zu meinen eigenen Bewegungen – fühle ich mich an Peter Schlemihl erinnert und habe plötzlich das Gefühl meinen Schatten verloren zu haben. Aber die Sache klärt sich schnell zu meinen Gunsten auf. Der Schatten stolziert nicht auf einer Nachbardüne, sondern auf dem Schatten der Düne, auf dessen Spitze ich gehe. Noch einmal Glück gehabt!

Photoarchiv