//
Artikel Archiv

Humor

Diese Schlagwort ist 86 Beiträgen zugeordnet

So gehn wir alle miteinander in das Himmelloch hinein…

Als ich vor einiger Zeit diese Wolkenszenerie sah, fühlte ich mich in alten Zeiten, genauer in die 2. oder 3. Schulklasse zurückversetzt und mir ging sofort eine alte Melodie durch den Kopf und auch der Text ließ sich zumindest in Teilen rekonstruieren. Jedenfalls reichte es aus, um den vollständigen Text dieses Liedes im Internet aufzuspüren.
Das Lied wird dominiert durch die Passage, dass wir alle gemeinsam in das Himmelloch hineingehen.
Das muss mich wohl damals so aufgewühlt haben, dass es – wie sich hier zeigt – Jahrzehnte später noch virulent ist. Denn dazu hatte ich mehrere Fragen, die ich damals nicht zu fragen wagte. Beispielsweise war mir überhaupt nicht klar, wie dieses Loch im Himmel wohl aussehen würde. Auch die Art und Weise wie der Aufstieg gelingen könnte, blieb ein Rätsel: Musste man zum Aufstieg eine Leiter benutzen? Aber wer hat schon eine solche lange Leiter? Und wenn ja, wo würde man sie anlehnen? Und wäre das Ganze nicht sehr gefährlich?
Die Fragen sind nach wie vor ungelöst. Aber nun weiß ich wenigstens, wie das Himmelloch aussieht.
Ob ich damals bereits die physikalischen Probleme eines solchen extraterrestrischen Vorhabens sah? Weiterlesen

Emanzipierter Schatten

Als ich am frühen Morgen in den Dünen meinen Schatten auf der Nachbardüne spazieren sehe – natürlich synchron zu meinen eigenen Bewegungen – fühle ich mich an Peter Schlemihl erinnert und habe plötzlich das Gefühl meinen Schatten verloren zu haben. Aber die Sache klärt sich schnell zu meinen Gunsten auf. Der Schatten stolziert nicht auf einer Nachbardüne, sondern auf dem Schatten der Düne, auf dessen Spitze ich gehe. Noch einmal Glück gehabt!

Spirale 14 – ein vergeistigter Kreis

Die Spirale ist ein vergeistigter Kreis. In der Form der Spirale hat der Kreis, gelöst und entrollt, alles Teuflische eingebüßt; er ist befreit. Das dachte ich mir als Schüler aus, und ich entdeckte gleichfalls, daß Hegels triadische Serie lediglich die fundamentale Spiralität aller Dinge in ihrem Verhältnis zur Zeit ausdrückt. Windung folgt auf Windung. Und jede Synthese ist die These der nächsten Gruppe.*

 

Ob die Gurkenranke nun an die Hegelsche Triade gedacht hat, konnte ich nicht herausfinden. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass sie müde vom ewigen Suchen nach Stellen, an denen sie Halt finden könnte, sich auf sich selbst besann und sich mit einem schwungvollen Vorlauf nach Innen spiralte. Doch in der realen Welt geht es anders zu als in der idealen Welt der Hegelschen Philosophie. Hier ist man den materiellen Grenzen unterworfen – auch eine Gurke und ihre umtriebigen Ranken. In dem Versuch Windung auf Windung folgen zu lassen, stieß diese Ranke sehr schnell an ein Grenze – und die Grenze war sie selbst. Immerhin macht sie auf diese Weise vor dem pinkfarbenen Hintergrund eingerahmt von den grünen Gurkenblättern einen naturschönen Eindruck, der mich veranlasste, sie hier zu zeigen.


Vladimir Nabokov. Erinnerung. Sprich. Reinbek 1995, S. 374

Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten

Eine Beugung ist eine Krümmung. Es gibt viele Arten der Beugung. In diesem Blog wird die Lichtbeugung wohl am häufigsten erwähnt. Sie wird aber unausgesprochen und unvermeidbar noch von der Beugung der Wörter überrundet, die das offenbar klaglos über sich ergehen lassen. Weiterlesen

Herbstlichtung

Normalerweise versteht man unter einer Lichtung einen baumfreien Bereich im Wald. Hier haben wir es mit einer Lichtung zu tun, die ihre herbstliche Bedeutung vor allem dem Licht verdankt. Die Richtung unserer Aufmerksamkeit im Herbst ist die Lichtung. Zumindest reimt sich das, womit wir bei der Dichtung wären. Das sollte man keineswegs velwechsern:

Lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum*

Entschuldigung mir sind da einige Einsen durchs Gehirn gepurzelt: 11.11. um 11:11.


* Ernst Jandl (1925 – 2000)

Wirbel um ein schwarzes Loch

Was wie ein Bauchnabel mit unbestimmter Tiefe aussieht ist das Ergebnis eines vorangegangenen Sandsturms in einer Dünenlandschaft. Nachdem sich der Sturm gelegt hatte blieb ein ästhetisch ansprechendes Bild zurück, das eher an eine moderne Grafik erinnert als an eine unwirtliche Landschaft. Die Schatten, die die Sandrippel beranden und auf diese Weise besonders hervorheben, verraten, dass die Aufnahme bei tiefstehender Sonne gemacht wurde. Weiterlesen

Der Lauf der Zeit…

… oder die Zeit des Laufes. Jedenfalls ist die Zeit abgelaufen für den hier zu sehende Schuh so wie der Schuh selbst auch – da läuft nichts mehr. Schuhe sind in der Tat eines der zahlreichen Symbole der Zeit. Zum einen unterliegen sie der Mode und oft kann man ihnen ansehen, aus welcher Zeit sie stammen. Zum anderen sieht man Schuhen meistens an, wie lange sie getragen wurden. Dabei ist es eigentlich umgekehrt, und man müsste gerechterweise sagen, dass nicht sie von jemand getragen wurden, sondern sie jemanden getragen haben. Je abgetragener Schuhe sind, desto länger mussten sie ihn oder sie tragen. Wer dabei wen ertragen musste, kann nicht mehr festgestellt werden. Der hier ganz allein auf weiter Flur ohne seinen gespiegelten Zwillingspartner an- oder verwesende Schuh hat zwar seine Fassung noch nicht ganz verloren, obwohl er darauf gefasst sein dürfte, bis ans Ende seiner Tage nicht mehr zu laufen – die Zeit ist ihm schlichtweg davongelaufen. Das gilt für Laufschuhe gleichermaßen.

Wer sich für Schuhgeschichten im engeren oder weiteren Sinn interessiert, den könnte vielleicht auch noch dieser oder dieser oder dieser oder dieser Beitrag interessieren.

Ewige Liebe oder Bananenliebe

Sie hängen nun schon eine ganze Weile aneinander, die ersten Altersflecken lassen sich sehen. Und wie man sieht, vertragen sie sich gut. Es wird Zeit, dass sie ins Müsli kommen.

Ein freigelegter Blick

Kaum hatte ich den Holunderstamm abgesägt, fühlte ich mich plötzlich fixiert. Man kann nicht gerade sagen, dass der Blick strafend ist, aber er zeugt auch nicht von großer Freude. Immerhin bin ich durch meine Sägeaktion einem Geheimnis auf die Spur gekommen, das ansonsten wohl für immer verborgen geblieben wäre. Ich habe  diesen Blick gewissermaßen aus den unsichtbaren Tiefen des Holzes befreit.

Abgesehen von dieser vordergründigen Betrachtung zeigt der Querschnitt sehr schön, dass hier drei Stämme zusammengewachsen bzw. fast zusammengewachsen sind. Wie das organisiert wird ist für mich eine faszinierende Frage.

Ein Nagel saß in einem Stück Holz

Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube.

Sie war etwas locker und etwas verschraubt,
Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt.
Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm
In einem Astloch. Sie wurden intim.

Kurz, eines Tages entfernten sie sich
Und ließen den armen Nagel im Stich.
Der arme Nagel bog sich vor Schmerz.
Noch niemals hatte sein eisernes Herz
So bittere Leiden gekostet.

Bald war er beinah verrostet.
Da aber kehrte sein früheres Glück,
Die alte Schraube, wieder zurück.
Sie glänzte übers ganze Gesicht.
Ja, alte Liebe, die rostet nicht!

Was ist besser – nageln oder schrauben?


* Joachim Ringelnatz (1883 -1934)

Die Acht ist eine Runde Sache

An Lano: Zwar ist es noch kein herkömmlicher runder Geburtstag, den du lieber Lano heute feierst, aber das heute erreichte Alter von 8 Jahren ist eigentlich mehr als das. Denn die 8 kann man ganz einfach aus zwei Kreisen zusammensetzen und ich erinnere mich, dass du es beim Lernen Zahlen zu schreiben auch schon getan hast. Ich habe extra nicht gesagt, dass man die 8 aus zwei Nullen machen kann. Denn auch für zwei Nullen gilt immer noch: 0 = 00 = nix.
Außerdem hast du heute unsere Hausnummer erreicht und bist dabei, sie zu überholen. Weiterlesen

Wer kennt diesen Baum?

Während von Westen Ungemach in Form einer dunklen Front droht, strahlt im Osten der helle Tag. Jedes Mal, wenn ich an dieser Stelle stehe, lege ich den Kopf auf die Seite, sodass die Augen übereinander zu liegen kommen und nehme mit Interesse die um 90° gekippte Welt als bereichernde Zutat zur aufrichtigen Welt in Augenschein.

Was ist die Welt?

Weiß der Teufel, was die Welt ist. Jedenfalls hat dieser sehr klare Vorstellungen darüber, wie man aus einem kurzen Dialog mit einem Herrn namens Rattengift entnehmen kann:

Teufel: Wissen sie auch, was die Welt ist?

Rattengift: Welche Frage? Die Welt ist der Inbegriff alles Existierenden, vom kleinsten Würmchen bis zu dem ungeheuersten Sonnensystem.

Teufel: So will ich Ihnen denn sagen, daß dieser Inbegriff des Alls, den Sie mit dem Namen Welt beehren, weiter nichts ist als ein mittelmäßiges Lustspiel, welches ein unbärtiger, gelbschnabeliger Engel, der in der ordentlichen, dem Menschen unbegreiflichen Welt lebt, und wenn ich nicht irre, noch in Prima sitzt, während seiner Schulferien zusammengeschmiert hat. Das Exemplar, in dem wir uns befinden, steht, glaube ich, in der Leihbibliothek zu X, und eben jetzt wird es von einer hübschen Dame gelesen, welche den Verfasser kennt und ihm heute abend, d.h. über sechs Trillionen Jahre, beim Teetische ihr Urteil darüber mitteilen will.

Rattengift: Herr, ich werde verrückt!- Ist die Welt ein Lustspiel, was ist denn die Hölle, die doch ebenfalls in der Welt ist?

Teufel: Die Hölle ist die ironische Partie des Stücks und ist dem Primaner, wie das so zu gehen pflegt, besser geraten als der Himmel, welches der bloß heitere Teil desselben sein soll.*

Wenn der gelbschnabelige Engel auch noch Donald Duck heißt, dann sind die hellseherischen Kräfte Grabbes (1801 – 1836) geradezu phänomenal. 😉


* Christian Dietrich Grabbe. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. In: Grabbes Werke. Erster Band. Berlin und Weimar 1987, S. 258f.

Netzwechsel – statt Internet Spinnennetz und Fischernetz

Ich wechsele mal wieder für eine Woche meinen Standort und damit das Netz. Dort wo ich sein werde, habe ich so gut wie keinen Zugang zum Internet, dafür aber einen exzellenten Zugang zu Spinnennetzen und Fischernetzen. Sie haben eines gemeinsam – sie hängen durch. Daran werde ich mir kein Beispiel nehmen, sondern sie als Hängematten betrachten und mich möglichst in die Position eine Kettenlinie begeben 🙂

 

Einwöchige Blogpause

Spirale 12 – Ackerwinde entscheidet sich zur Umkehr

Die Ackerwinde, die – wie der Name sagt – sich vor allem windet, hat sich an einem Schilfhalm hochgewunden bzw. hochgeschraubt und eine Spirale mit ordentlichen, äquidistanten Windungen gebildet. Dabei hat sie – ebenfalls sehr regelmäßig – Blätter abgezweigt, die für die Energiegewinnung durch Fotosynthese der wachsenden Pflanze unabdingbar sind. Wegen des damit verbundenen zunehmenenden Stoffwechsels, insbesondere der Flüssigkeitsversorgung durch die Wurzeln, wird der spiralige Spross immer kräftiger und damit auch schwerer. Weil der vielleicht schon zu Beginn der Kletterpartie schräg stehende abgestorbene Schilfhalm des Vorjahres der Belastung keine aktive Gegenbewegung entgegensetze, geriet das Gebilde immer mehr in eine Schieflage. Weiterlesen

Vom Johannisbeerlikör zum Gradnetz der Erde

Die Natur ist für viele Errungenschaften und Vorrichtungen in vielerlei Hinsicht zum Vorbild genommen worden. So sind die Klettenfrucht beispielsweise Vorbild für den Klettverschluss und der Vogelflug für das Flugzeug. Mit solchen Übertragungen natürlicher Gegebenheiten und Phänomene auf technische Objekte befasst sich die Bionik. Weiterlesen

Ordnung in der Natur

Beim Beobachten und Fotografieren von Insekten stieß ich auch auf das hier von Linné übersehene Exemplar.

Stockwerke des Himmels

„Stockwerke des Himmels“ sind mir immer mal wieder in mythologischen und religiösen Texten begegnet. Ich konnte mir das bislang nicht so recht vorstellen – bis ich diesen Sonnenuntergang erlebte, in dem die Sonne von einem Stock in den nächst niedrigeren stieg… 😉

Physikalisch gesehen ist die Sache indes klar. Wolkenbänke treiben auf die Küste zu. Aufgrund der perspektivischen Verkürzung erscheinen sie zu schmalen Bändern gestaucht, durch die die Sonnenstrahlen hindurchbrechen. Auch das scheinbare Auseinanderlaufen der Strahlen ist ein Perspektiveneffekt.

 

Mendelsche Regel

So kann man kaum Punkte machen 😉

Immerhin gibt es Marienkäfer mit bis zu 24 Punkten.

Fundstück 7 – Loch im Zaunpfahl

Auf einer Wanderung durch die Krummhörn (Ostfriesland) stieß ich weitab von jeglicher Behausung auf diesen Anblick. Ein Stillleben, das der Zufall schuf.
Oder stammt dieses Loch von einem lockern Ältervater, dem alles verschlingenden schwarzen Loch ab und zieht alles an sich, was in seine Nähe kommt. Woher sonst mag der Drang gekommen sein, um das Nichts mit einer leeren Flasche Wein zu stopfen?

 


Bewegungen aus dem Fluge heraus

Eben ruft Tine mich, um mir etwas Merkwürdiges zu zeigen. Sie steht am offnen Fenster und liest ihre Rolle durch – die der Clara in Maria Magdalena, die morgen ist – da fliegt eine Schwalbe vorbei, entleert sich ihres Überflusses und so, daß es mitten ins Zimmer fliegt!*

Ganz so schlimm wie in dieser Tagebuchnotiz von Friedrich Hebbel (1813 – 1863) war es bei uns nicht. Das Fenster war verschlossen und der Schiss war nur auf der Scheibe gelandet – allerdings trotz erheblichen Dachüberstands (siehe Foto). Weiterlesen

Corona – Abstandsregel…

…wird hier strikt eingehalten.  🙂

Nicht nur auf der Mauer auf der Lauer…

Der Frühling ist im vollen Gange. Die ersten Frühblüher, wie hier der Huflattich, haben bereits ihr Greisenstadium erreicht und sind weißhaarig geworden. Dieses grazil strukturierte Weiß bildet einen schönen Hintergrund für die Beerenwanze, die sich ohne eine Spur zu hinterlassen über die filigranen Haare hinweg bewegt.
Das an sich graubraune Tierchen beeindruckt durch ihre rötlich violetten Deckflügel und ihr helles Schildchen. Vor dem hellen Hintergrund kamen mir die Fühler im ersten Moment wie zwei gestrichelte Linien vor. Alles in allem ein schöner Anblick. Anders als ihre grüne Artgenossin, die grüne Stinkwanze, stänkert sie nicht herum.
Wanzen in ihrer großen Vielfalt sind zwiespältige Geschöpfe. Zwischen äußerer und äußerster Schönheit – und sei es nur durch ein goldschimmerndes Schild – und geradezu vampirartigem Verhalten – man denke nur an die berühmt berüchtigte Bettwanze – sind sie immer wieder zu Überraschungen gut. Schon als Kind lernte ich die Wanze in einem merkwürdigen Lied kennen, das erst dann zuende gesungen war, wenn man die W-A-N-Z-E Buchstabe für Buchstabe getilgt hatte. Damals war ich froh, dass Wanze nur aus fünf Buchstaben besteht. Nimmt man schließlich noch ihre elektronischen Abkömmlinge hinzu, so zeigt sie sich von einer weiteren unangenehmen Seite.

Das laufende Nichts

Das vom Fernsinn durchstimmte Nichts läuft. Das Nichts ist ein vom Fernsinn durchstimmtes Loch. Es ist zugegeben und kann befragt werden. Ein schwarzes laufendes vom Fernsinn durchstimmtes Loch offenbart das Nichts in seiner ursprünglichen Offenbarkeit.*

 

 

 

Günter Grass (1927 – 2015) hat zwar mehr an einen Hund gedacht, aber ich denke, dass auch Menschen vom Fernsinn (nicht nur vom Fernsehen) durchstimmt sein können, besonders in diesen Tagen.
Warum wir das Nichts meist als schwarz und als Loch ansehen, kann ich nur vermuten. Schwarz ist die Lichtlosigkeit, keine Energie kommt aus der Schwärze. Nun weiß man zwar inzwischen, dass auch die schwarzen Löcher nicht ganz dicht sind, aber doch ziemlich. Nichts ist perfekt.
Die an die sperrige Sprache von Martin Heidegger angelehnte Darstellung ist vermutlich in satirischer Absicht erfolgt.


* Günter Grass. Hundejahre. Neuwied 1963, S. 456

Zum Welttag des Buches – Lesen ist in jeder Lage möglich

Manchmal ergibt es sich, dass man zum Welttag des Buches im Urlaub ist, möglicherweise in wärmeren Gefilden. Da ist es dann den Umständen entsprechend oft nicht möglich, den Tag in angemessener Kleidung und aufrechter Sitzhaltung zu begehen. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, ergeben  sich zuweilen Alternativen, die Buchlektüre mit dem Sonnen und bequemen Liegen dennoch zu vereinen. Die beiden Leseratten haben hier eine Möglichkeit ganz in der Nähe des Swimmingpools gefunden, die ihnen erlaubt gleichzeitig die bequeme Bauchlage einzunehmen (Rücken in der Sonne) und Buch in angenehmen Leseabstand vor sich zu haben, ohne sich dabei besonders verrenken zu müssen.

Zeit der Blasen…

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich in die Blase eingestiegen bin/einsteigen musste. Aber jetzt merke ich, dass ich drin bin. Es fängt an hohl zu klingen, sich fremdartig anzufühlen, antiseptisch zu schmecken und…
Aber zumindest sieht man, was draußen passiert und gesprochen wird.
Hier ein paar wichtige Gesprächsfetzen:
Ferkel und Pu „begannen sich freundschaftlich über dies und jenes zu unterhalten, und Ferkel sagte: „Falls du verstehst, was ich meine, Pu“, und Pu sagte: „Genau das finde ich auch, Ferkel“, und Ferkel sagte: „Aber andererseits, Pu, müssen wir auch daran denken“, und Pu sagte:“Sehr richtig, Ferkel, es war mir nur kurz entfallen.„*

 

 


* A.A. Milne. Pu der Bär. Hamburg 1987, S. 62

Das Foto wurde nicht manipuliert. Das muss man in Zeiten der Digitalfotografie manchmal schon hinzufügen.

Osterhase – an Kirchenmauer geschmiegt

Ein Jäger denkt und spricht: es ist die Welt ein Wald,
Des Wildes Lager-Statt, der Hasen Aufenthalt,
Und, mit Vergnügen steif vom täglichen Gerenne,
Begreift er nicht, wie man in Städten wohnen könne.*

Oh doch, lieber Herr Brockes, zu Ostern ist alles anders, da sind (vermutlich aushilfsweise) sogar Osterkaninchen in der Stadt tätig. Das abgebildete sieht zwar etwas verhuscht und ängstlich aus; außerdem ist der Korb mit den bunten Eiern nicht zu sehen. Aber die werden sich vielleicht noch in der Kirche befinden, an dessen Mauer das Tierchen hockt.


*Barthold, Hinrich Brockes. Aus: Im grünen Feuer glüht das Laub.

Eine Tablette als Kugellinse

Als ich gestern Morgen die Vitamin-D-Tablette auf den Tisch legte, drang der helle Tag bereits durch das Fenster und breitete das was mir offenbar fehlt in konzentrierter Form vor mir aus – Licht. Des Kontrastes wegen wurde es auch noch malerisch von einem dunklen Schatten umgeben. Das durch das Fenster fallende Licht, das man auch noch auf der winzigen 6 mm großen transparenten kugelförmigen Tablette gespiegelt sieht, wird von ihr gebrochen und auf einen Brennfleck fokussiert. Zumindest schemenhaft kann man darin auch noch Reste der roten Morgendämmerung erkennen.
Vielleicht wird die Wirkung der Tablette ja auch dadurch erzielt, dass man sie auf die Hand oder einen andere Hautstelle legt, um in den konzentrierten Lichtgenuss zu kommen 😉

Zum Drängeln von Engeln auf der Nadelspitze

Scholastikerproblem

Wieviel Engel sitzen können
auf der Spitze einer Nadel –
wolle dem dein Denken gönnen,
Leser sonder Furcht und Tadel!

»Alle!« wird’s dein Hirn durchblitzen.
»Denn die Engel sind doch Geister!
und ein ob auch noch so feister
Geist bedarf schier nichts zum Sitzen.«

Ich hingegen stell den Satz auf
Keiner! – Denn die nie Erspähten
können einzig nehmen Platz auf
geistlichen Lokalitäten.*

Als ich den Versuch von Vögeln beobachte, wie sie darum ringen auf die Nadelbaumspitze zu gelangen, wurde ich an die den Scholastikern zugeschriebene Frage erinnert, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben. Im Fall der gewissermaßen materiell beflügelten Wesen, vulgo Vögel, kann die Antwort durch bloßes Hinsehen gegeben werden (siehe Foto). Bei den immateriell beflügelten Geistwesen der Engel, die an keine Lokalitäten gebunden sind, dürfte die Frage Christian Morgenstern zufolge ähnlich einfach zu beantworten sein: keiner.
Vermutlich haben sich die Scholastiker gar nicht mit dieser Frage beschäftigt und es handelt sich um eine auf die (Nadel-)Spitze getriebene Übertreibung ihrer Gegner, um die Spitzfindigkeiten der Scholastiker zu karikieren bzw. diskreditieren. Sie ist bis heute nicht verstummt und hat meines Erachtens durchaus ein didaktisches Potenzial, wenn man beispielsweise an die Untersuchung von subatomaren Objekten mit Hilfe des Rastertunnelmikroskops (REM) denkt. Die Frage, wie viele Elektronen (jene hybriden Wesen zwischen materiellem Teilchen und immaterieller Welle) auf der Spitze des REM Platz haben, kann durchaus zu kreativen Diskussionen führen.


*Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Sechseckig und magisch in den Geburtstag

Lieber Jan, herzlichen Glückwunsch zu deinem heutigen Geburtstag. Und wenn du vergessen hast, wie alt du geworden bist, gehe wie folgt vor: Zähle in dem Sechseck aus sechseckigen Wespenwaben (über die Zahlen von 1 bis 19 schweben) einfach die Quersummen der Reihen, die sich aus benachbarten Waben ergeben, in den drei Richtungen zusammen. Dann hast du das Ergebnis gleich 15fach. Um das festzustellen habe ich nach einem geheimnisvollen Code 😉 die Ziffern deiner ersten 19 Lebensjahre auf die einzelnen Sechsecke verteilt.
Du hast damit für das kommende Jahr das magische Sechseck, das nur für die Seitenzahl 3 existiert dein magisches Alter bestätigt.
Unter diesem Link findest du weitere interessante Ausführungen zum magischen Sechseck und weiterführende Literatur.

Ich habe lange gesucht, um magische Sechsecke auch in der Natur zu finden. Immerhin ist die Hexagonalität natürlicherweise sehr verbreitet. Die abgebildeten Wespenwaben kommen der dem ziemlich nahe.

Nur ein Knopf?

Es war ein Stahlknopf irgendwo,
Der ohne Grund sein Knopfloch floh.
(Vulgär gesprochen: Es stand offen.)
Ihm saß ein Fräulein vis-à-vis.
Das lachte plötzlich: Hi hi hi.
Da fühlte sich der Knopf getroffen
Und drehte stumm
Sich um.

Solch‘ Peinlichkeiten sind halt nur
Die schlimmen Folgen der Kultur.*

 

Hinter manchem Knopf steckt oft ein kluger Kopf: Jedenfalls scheint das überlegene Smiley-Grinsen des Knopfes (Foto) zum Ausdruck zu bringen, dass ihn die kulturellen Bedenken völlig kalt lassen.


*Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Die Schwellenangst des Physikers

Dass jemand beim Übertreten dieser Türschwelle* (Foto) zumindest ein mulmiges Gefühl haben könnte ist verständlich. Bei Physikern können schon ganz normale Schwellenübertritte angesichts der damit verbundenen Schwierigkeiten für Beklemmungen sorgen. Jendenfalls hat Arthur Eddington (1882 – 1944) die Probleme des Schwellenübertritts in der folgenden Passage anschaulich zusammengefasst: Weiterlesen

Weihnachtliche Physik

Nimm dir Zeit (Relativitätstheorie) und

komm zur Ruhe (Mechanik).

Genieße die Reflexionen und Brechungen des Lichts (Optik) und

lausche besinnlicher Musik (Akustik),

lass es dir bei einem warmen Getränk (Thermodynamik) gut gehen,

lade deine Akkus auf (Elektrizität),

lass die Annäherung der Engel zu (Aeronautik)

Fang einen fallenden Stern (Astronomie)

und…. genieße diese Tage!

Ein letztes kleines Rätsel – in diesem Jahr:
Um was für eine Kugel handelt es sich auf dem Foto?

Ich wünsche allen besinnliche und stressfreie Weihnachtstage!

Weihnachtsbäume – auf das Fest wartend…

Hier sieht man sie in Reih und Glied – zumindest spitzenmäßig – gespiegelt an der Grenze zwischen der Vor- und Nachweihnachtszeit. Hinterher sind sie nicht mehr so ganz „leserlich“ und gehen den Bach runter… 🙂

Eine einfache Methode einen luftleeren Raum herzustellen

Ich fragte ihn, ob er das leichteste Verfahren kenne, ein Glas ohne Luftpumpe luftleer zu machen. Als er sagte: Nein, so nahm ich ein Weinglas, das voll Luft war wie alle leeren Weingläser, und goss es voll ein. Er gestund nun ein, das es luftleer sei, und dann zeigte ich ihm das beste Verfahren, die Luft ohne Gewalt wieder zuzulassen, und trank es aus. Der Versuch misslingt selten, wenn er gut angestellt wird. Er freute ihn nicht wenig, und er wurde von uns allen mehrmals angestellt*. Weiterlesen

Photoarchiv