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Humor

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Ein Ausweg der zur Rundreise wird

Ich habe lange keine Blindschleichen gesehen. Auf unserer gestrigen Wanderung auf dem Hermannsweg begegneten und gleich zwei. Da fiele mir ein altes Lied aus Kindheitstagen ein, das ich merkwürdigerweise noch vollständig erinnerte. Auch das Liederbuch* war – ziemlich zerflettert – noch aufzufinden – ebenfalls sehr merkwürdig. Als ich das Lied aufsagte, fand mein mitwandernder Freund das so lustig, dass er meinte ich müsste es in meinem Blog bringen. Hier ist sowohl eine der blinden Schleichen als auch ein Foto, das bei der gestrigen Gelegenheit entstand:

Ein Storch spazierte einst am Teiche
Da fand er eine blinde Schleiche
Er sprach: „Das ist ja wunderbar“
Und fraß sie auf mit Haut und Haar.

Die Schleiche lag in seinem Magen
Das konnten beide nicht vertragen
Da sprach die blinde Schleich: „O Graus!“
Und ging zur Hintertür hinaus.

Der Storch sah solches mit Verdruß.
Daß so was ihm begegnen muß!
Drum fraß er ohne lange Wahl
Den schleichen Wurm zum zweitenmal.

Drauf stemmt er lächelnd mit Verstand
Die Hintertüre an die Wand
Und sprach nach innen zu der Schleich:
„Na bitte, wenn du kannst, entweich.

Da tät mit List die schlaue Schleichen
Zur Vordertür hinaus entweichen;
Doch fraß der Storch ohn lange Wahl
Voll Wut sie nun zum drittenmal.

Und bracht in sinniger Erfingung
Die beiden Türen in Verbindung.
Und sprach zum schleichen Wurm hinein:
„Nun richt dich auf ’ne Rundreis ein!“


* Unser Lied. Assmannshausen o. J.

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Himmelfahrt und Weltuntergang

Wenn ich „Dreizigster Mai“ höre, geht mir oft ein alter Schlager aus frühen Kindheitstagen durch den Sinn. Er hat mir damals trotz der ohrwurmartigen Melodie Angst bereitet, auch wenn – wie es im Schlager beruhigend heißt – „keiner weiß, in welchem Jahr“ es soweit ist.
Daher ist es „wunderbar“, wenn – wie  heute – Himmelfahrt auf den 30. Mai fällt. Käme es zum Weltuntergang, wäre automatisch für die Möglichkeit einer Mitfahrgelegenheit gesorgt (siehe Foto).

Um das Physikalische auch in diesem Beitrag nicht zu unterschlagen: Das Foto wurde mit einer langen Belichtungszeit gemacht. Indem ich das Motiv fixierte, drückte ich auf den Auslöser und zog den Fotoapparat nach unten weg. Während der Bewegung innerhalb der Belichtungszeit wird das vom Motiv ausgehende Licht kontinuierlich über den Aufnahmechip verschoben. Offenbar geht nur von der Kerze so viel Licht aus, dass es eine sichtbare Spur hinterlässt, während das von den dunklen Bereiche ausgehende Licht dafür zu schwach ist.

Einhörner unter uns

Der Stier

Ein jeder Stier hat oben vorn
auf jeder Seite je ein Horn;
doch ist es ihm nicht zuzumuten
auf so ’nem Horn auch noch zu tuten.
Nicht drum, weil er nicht tuten kann,
nein, er kommt mit seinem Maul nicht `ran.

Heinz Erhardt (1909 – 1979) Weiterlesen

X mal Pi mal Paddelboot

Was ist das? Ist doch klar: Ein nasser Feudel*. Dieser Rätselspruch kommt mir angesichts des heutigen Pi-Tages in den Sinn. Als ich noch zur Schule ging, kam dieser Ausspruch oft im Matheunterricht zur Sprache. Wenn wir angesichts von bestimmten Berechnungen, in denen die Kreiszahl Pi (geschrieben als π) vorkam, von deren Irrationalität angesteckt wurden und uns auf diese Weise ans rationale Ufer zu flüchten versuchten, half uns dieser Spruch. Weiterlesen

Der Schwerpunkt der Kerze

Diesmal wurden die Kerzenhalter nicht an den Zweigen festgeklemmt, sondern s-kurvenförmig darüber gehängt. Der Rest wird von der Schwerkraft besorgt. Die unten angebrachte massive Kugel sorgt dafür, dass der Schwerpunkt der Kerze samt Halter stets unterhalb des Unterstützungspunkts liegt. Die Kerze „hängt“ also stabil. Jede Auslenkung aus der Ruhelage führt in die stabile Lage zurück. Weiterlesen

Von wegen kosmisch – eher komisch.

Als ich gegen Abend aus dem Fenster dem Sonnenuntergang hinterherblicke, durchzuckt es mich kurz, weil ich ein außergewöhnliches kosmisches Ereignis zu sehen vermeine. Sind das die Geminiden, die heute zu erwarten sind, sozusagen sorgfältig aufgereiht?
Die Zuckung ist umsonst, ich habe nur kurz vergessen, dass ich der Jahreszeit gemäß eine Lichterkette angebracht habe, deren Spiegelung in der Fensterscheibe sich mit dem Sonnenuntergangsfarben des Himmels überlagert. Was rein visuell nicht zu trennen ist, muss manchmal gedanklich vollzogen werden.

Staubflusen und Wollmäuse – Wesen komplexer Verhakungen (hangups)

Staubflusen treten nicht sofort in Erscheinung, sondern erst, wenn sie eine von der Wahrnehmungs- und Schmutztoleranz der jeweiligen Bewohner abhängige kritische Größe überschritten haben. Sie werden meist als störend bis abstoßend empfunden, obwohl sie selbst durch gegenseitige Anhänglichkeit entstehen und dabei zuerst die physikalische und dann die psychologische Sichtbarkeitsschwelle überschreiten. Weiterlesen

Nikolaus von Myra und die Nanologie

Die Nanophysik befasst sich mit einem Gegenstandsbereich, dessen typische Größenordnung vom Einzelatom bis zu einer Strukturgröße von 100 Nanometern (1 Nanometer ist ein Milliardstel Meter) befasst. Nano ist vom Altgriechischen νᾶνος nános = Zwerg‘ abgeleitet. Daran musste ich denken, als ich kürzlich in einem zum Teutoburger Wald gehörenden Waldstück auf mehrere Gartenzwerge stieß, die hier auf Baumstumpen stehend oder eine kleine Brücke über den Bach bewachend mir ungeniert in die Augen sahen (siehe Foto).
Ein wenig Recherche ergab dann, dass es sogar eine Wissenschaft von den Zwergen gibt, die Nanologie (klingt wesentlich besser als Zwergologie). Im Lexikon der Psychologie von Spektrum der Wissenschaft liest man unter Nanologie: „Lehre von den Gartenzwergen, die als Ausdruck bzw. Symbol einer spezifischen Kultur gelten; in deutschen Gärten gibt es vier bis fünf Millionen, weltweit etwa 100 Millionen Gartenzwerge“. Weiterlesen

Zufall? Zufall!

Bei physikalischen Untersuchungen von Wüstensandproben, hatte ich mehrere Blatt Papier mit kleinen Sandproben versehen. Als der Hund meiner Tochter mich stürmisch begrüßen wollte, versuchte ich zu retten, was zu retten war. Hinterher zu meinen Sandproben zurückkehrend, hatte sich das Exemplar mit dunklen Sandkörnern zu einer Pareidolie verschoben. Zunächst glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, denn der Sandhund schaute mich intensiv aus hellen Augen an und erinnerte mich irgendwie an einen Se(e)hhund:-).
Das brachte mich natürlich dazu. wieder einmal über den Zufall nachzudenken. Letztlich fiel mir aber nur ein Satz von Friedrich Engels ein dass nämlich, „… das Zufällige einen Grund hat, weil es zufällig ist, und ebenso auch keinen Grund, weil es zufällig ist“.
Da die Pareidolie nicht nur merkwürdig, sondern m.E. auch schön ist, erscheint sie hier.

Schattenperformance im Wüstensand

Die Frage, ob Schatten sich bewegen oder nicht hat bereits Philosophen bewegt. Das Problem hängt meist an einer weiteren schwierigen Frage, ob nämlich der Schatten eine eigene Realität besitzt oder nicht. In der Literatur hat diese Frage zumindest in Adelbert von Chamissos (1781–1838) wundersamer Geschichte von Peter Schlemihl eine eindeutige Antwort erhalten. Weiterlesen

Nicht jede Höhle ist eine Hölle

Zerberus, den Höllenhund, hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Aber vielleicht ist der Torbogen, den ich auf einer Wanderung entdeckte auch nicht der Eingang zur Hölle. Immerhin machte er mich auf einen Aspekt aufmerksam, den Anne Weber (*1964) folgendermaßen beschreibt:
Weiterlesen

Die Wissenschaft freilaufender Hühner

Wissenschaft ist eine ernsthafte Angelegenheit. Das hat sich bis zu den Hühnern herumgesprochen, die seitdem ihre eigene Forschung betreiben. Das gilt insbesondere für die Astronomie: Weiterlesen

Erhaltungssatz der Materie

Dieses Foto zeigt kein modernes Kunstwerk, auch wenn man in die verschlungenen Linien einiges hineininterpretieren könnte; Pareidolien allemal.  Vordergründig handelt es sich um die Fraßspur einer Raupe, die hier auf dem Blatt eine zufällige oder – wer mehr darin sehen will – eine geheimnisvolle Spur hinterlassen hat. Da die Raupe selbst leider nicht mit aufs Foto wollte – sie seilte sich vorher etwas überstürzt ab, müssen wir mit ihren Hinterlassenschaften vorlieb nehmen, die wie dunkle Perlen den Weg über die offenbar schmackhafte Oberseite des Gurkenblatts säumen. Sie zeigen etwas über den anderen Weg aus, den des abgegrasten Grüns durch die Raupe hindurch. Weiterlesen

Der lachende Nussbaum

Während im vergangenden Jahr ein Kälteeinbruch die Blüten des Walnussbaumes erfrieren ließ, sodass die Nussernte im Herbst ausfallen musste, hat der Nussbaum in diesem Jahr gut lachen. Ich auch!
Ich gehe davon aus, dass ich in diesem Jahr wieder in den GeNuss der WalNuss kommen werde.

 

… und Ein großer Nußbaum

Ein großer Nußbaum stand wie eine grüne Laube,
Ein Weg ging drunter hin im Staube,
Fern lag ein Dorf, ein Fluß mit Berggeländen.
Der große Baum hielt in den grünen Blätterhänden
Landschaften gleich wie farbige Gedanken,
Die bald voll Wolken standen, bald im Licht versanken.
Und Du und ich, wir lehnten in dem Schatten
Und teilten mit dem Baum was wir im Herzen hatten.

Max Dauthendey (1867 – 1918)

 

 

Der Kurfürst und die Kuh

Moderne Technik hilft dem Menschen. Das Navi ist für viele ein Segen. Endlich brauchen sie sich nicht mehr um den Weg zu kümmern. Eine synthetische Stimme sagt einem, wo es lang geht. Geografie und Kartenlesen sind aussterbende Kulturtechniken. In diesem Zusammenhang hörte ich kürzlich aus dem Bekanntenkreis, dass eine Jungsgruppe in einen Ort in Schleswig Holstein fahren wollte. Sie gaben den Namen ein und los ging es. Die Fahrt kam dem einen oder anderen zwar länger vor als gedacht, aber schließlich war man nach vielen Stunden am Ziel. Zumindest dem Namen nach, denn der Ort lag in Bayern.

Diese Geschichte ging mir kürzlich bei einer Wanderung durch den Kopf, als wir bei einem Straßenschild angekommen waren und plötzlich ein komisches Gefühl aufkam, dass wir hier völlig falsch sein könnten, was angesichts der Anstrengungen des Wanderns als sehr ärgerlich empfunden wurde. Plötzlich die von einem überschüssigen Buchstaben ausgehende Erleichterung: ein „h“ zuviel.

Neue Formate der Kunstbetrachtung

Vor ein paar Tagen besuchte ich ein Museum. Um die Gemälde in Ruhe betrachten oder sich ausruhen zu können, gibt es entsprechende Sitzgelegenheiten. Diese wurden auch intensiv zur Betrachtung genutzt. Ob dabei über eine entsprechende App die in dem Museum ausgestellten Bilder in einem Format betrachtet wurden, an das die heutigen Sehgewohnheiten besser angepasst sind, blieb mir allerdings verborgen.
Immerhin ließ man sich die Museumsatmosphäre nicht entgehen. Dafür gibt es demnächst vielleicht auch eine App.

Ein Anblick mit Widerhaken – ein Widerspruch

Wenn man immer wieder auf dasselbe blickt, stumpft normalerweise die Aufmerksamkeit ab. Bei diesem Anblick (Foto) entstand jedoch so etwas wie ein Widerhaken. Irgendetwas hielt meinen Blick immer wieder fest.  Es dauerte einige Zeit, bis ich wusste, was es war: Ein Widerspruch, der nur durch die räumliche Entfernung etwas abgemildert wird. Wer kann sich denken, was bei mir diesen Eindruck erweckt hat?

Anfangs dachte ich daran, diesen Widerspruch zu lösen. Doch dann fiel mir ein Wort von Marie von Ebner-Eschenbach ein, der mich eines Besseren belehrte:

Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und einen Widerspruch ertragen kann.

 

Kalte Kunst auf der Regentonne

Das Wasser in dem Fasse hier
Hat etwa Null Grad Reaumur*.
Es bilden sich in diesem Falle
Die sogenannten Eiskristalle.

Wilhelm Busch (1832 – 1908)


* Reaumur ist eine veraltete Einheit für die Temperatur. Sie galt etwa bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Westeuropa. Ich erinnere mich, dass bei meinen Großeltern noch ein Thermometer mit der Aufschrift Reaumur hing. Keinem fiel auf, dass die Einheit nicht mit der seit langem ausschließlich geltenden Einheit Celsius übereinstimmte. Dazu mag beigetragen haben, dass in beiden Skalen der Gefrierpunkt von Wasser als Nullpunkt gilt. Auch wenn der Siedepunkt von Wasser in der Reaumurskala auf 80° statt wie in der Celsiusskala auf 100° festgesetzt ist, spielte das im häuslichen Alltag kaum eine Rolle: Wenn das Thermometer 20° R anzeigte, waren es in „Wirklichkeit“, will sagen: in der inzwischen geltenden Celsiusskala, 25° C. Ich vermute, dass der Unterschied damals deshalb kaum auffiel, weil man insbesondere im Winter mit niedrigeren Zimmertemperaturen auskam als heute. Es ist durchaus denkbar, dass in zahlreichen Haushalten eine Zimmertemperatur von 20° C damals so empfunden wurde wie heute 25° C.

Des Rätsels Lösung

Wegen der aktiven Teilnahme an meinem kleinen gestrigen Rätsel komme ich wohl kaum umhin, die Lösung zu präsentieren. Zum Glück hatte ich daran gedacht, auch das Gebäude zu fotografieren, das so schöne Reflexe im Wasser hervorrief. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings eher den ständig neu entstehenden und vergehenden Mustern auf dem leicht welligen Wasser, die dann auch noch rücksichtslos von Enten durchpflügt wurden. Hier ist es. Weiterlesen

Was kuckst du?

schweineschnauze_dsc00706Auch wenn nur die Schnauze zu sehen war, hatte ich das deutliche Gefühl aus einem Schnauzengesicht heraus fixiert zu werden. Dabei wollte das Schwein nur etwas zu fressen und dafür reichte es, die Schnauze möglichst weit vorzuschieben. Weiterlesen

Those books are made for working

“These boots are made for walking” heißt in einem 1966 veröffentlichten Song von Nancy Sinatra (*1940). Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass dieser Song wochenlang in der Schlagerparade zu hören war. Auch der Büchernarr Arno Schmidt (1914 – 1979) wird diesen Song gehört haben und in seinen Ohren muss das dann so geklungen haben: „Those books are made for working„. Weiterlesen

Die Falten der Schneedecke

scheedecke_dsc08205a_rvDie Falten im Bettlaken fordern gerade dazu heraus, glattgestrichen zu werden. Damit werden aber auch die Umstände und Vorgänge, die zu ihrer Entstehung führten, für alle Zeiten vernichtet. Hätte man eine „Theorie der Falten in einem Kopfkissen“, wie sie Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) vorschwebte, so ließe diese sich vermutlich mit geringfügigen begrifflichen Anpassungen und einigen Analogien ohne größere Probleme auf ein Bettlaken und – ich bin jetzt mal etwas kühn – auf eine Schneedecke, wie sie in der nebenstehend abgebildeten Fotografie zu sehen ist, übertragen. Weiterlesen

Schau mir in die Augen, Großer…

Wenn man offenen Auges durch die Natur geht, trifft man immer mal wieder auf Strukturen, die rein äußerlich dermaßen genau auf Strukturen aus völlig anderen Bereichen passen, dass es gar nicht so leicht fällt, an einen Zufall zu glauben. Die verheilten Wunden eines abgeschnittenen Astes von Bäumen ähneln oft erstaunlich genau einem, wenn auch blicklosen, Auge von Mensch oder Tier, obwohl die „Funktion“ eine ganz andere ist. Weiterlesen

Ob ich Biblio- was bin? Phile?

Der Bücherfreund

Ob ich Biblio- was bin?
Phile? »Freund von Büchern« meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

Mir sind Bücher, was den andern Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein, und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher – – – wie beliebt? Wieviel?

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben – – –
Hei! das gibt den Muskeln die Latur.

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen. Weiterlesen

Ein merkwürdiges Stillleben im Winterwald

Da ich es liebe, auch mal die eingetretenen Pfade zu verlassen und quer durch den Wald zu gehen, war ich nicht wenig erstaunt, das im Foto gezeigte Arrangement an einer Stelle vorzufinden, wo man es kaum für möglich gehalten hätte. Da es sich offenbar um menschliche „Spuren“ handelt – fast perfekte Kugeln kommen in freier Wildbahn nicht vor, insbesondere dann nicht, wenn es sich um professionell in Silberpapier eingewickelte Schokoladenkugeln handelt.
Vielleicht hat jemand, der wie ich auch mal querwaldein ging und eine süße Stärkung zu sich nehmen wollte, einige der Kugeln vorübergehend dort abgelegt (weil er die in dieser kalten Jahreszeit obligatorischen Handschuhe ablegen musste) und sie anschließend vergessen. Vielleicht war es aber auch nur ein Witzbold, der – meinen Eintritt in die Geschichte antizipierend – jemanden wie mich einfach verwirren wollte. Weiterlesen

Auf dem Rücken einer Schildkröte

weltschildkroete_dsc08616rvIm Hinduismus gehört die Schildkröte zu den zehn Verkörperungen Vishnus. In seiner zweiten Verwandlung als Schildkröte trägt er die Welt auf seinem Rücken. Dies stimmt durchaus mit den bilblischen Vorstellungen überein, wonach Gott alle Dinge trägt (Hebr. I.). Weiterlesen

Humane Jäger

Als Kinder haben wir früher in der Schule gesungen, „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider…weil mein Schatz ein Jäger ist“. Die Lehrerin erklärte uns, dass die Jäger in ihrer grünen Kleidung in dem durch Grün dominierten Jagdgebiet am besten getarnt seien. Da ich schon immer auf Seiten der Fasanen, Hasen und Rehe stehe, nehme ich mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass diese Tarnung durch retroreflektierende Tarnwesten in der Signalfarbe Rot und eine ebenso auffällige Kopfbedeckung im wahrsten Sinne des Wortes konterkariert wird. Weiterlesen

Das Schmidtsche gab es schon früher

Arno Schmidt gehört zu meinen favorisierten Autoren und das nicht nur wegen seiner großen Affinität zu den Naturwissenschaften. Ich habe schon des Öfteren Bezug auf ihn genommen (siehe hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier gebe ich auf; es sind zu viele Stellen). Was mich an Schmidt fasziniert ist vielleicht das Schmidtsche. Und was ist das Schmidtsche? Hier ist eine Antwort: Weiterlesen

Schreck lass nach!

Manchmal habe ich den Eindruck, dass der innere Gemütszustand eines Menschen die Aufmerksamkeit auf äußere Gegebenheiten lenkt, die in einer bestimmten Weise einen mehr oder weniger direkten Bezug zu ihm haben. Ein Beispiel erlebten wir auf einer Wanderung, als wir durch ein intensives Gespräch die letzte(n) Wegmarke(n) außer Acht gelassen hatten und uns dies plötzlich siedend heiß bewusst wurde. Angesichts der Tatsache, dass wir den Standort nicht sofort auf der Karte fanden und uns klar wurde, dass wir möglicherweise weit von der vorgesehenen Route abgekommen waren, bekamen wir doch einen großen Schreck. Weiterlesen

Alles was der Fall ist – Fall 1

„Die Welt ist alles, was der Fall ist“ (Ludwig Wittgenstein 1889 – 1951). In der Tat: Alles, was auf dieser Welt sich selbst überlassen ist und keine Unterstützung hat, fällt: Dachziegel vom Dach, Regen aus den Wolken, der Reiter vom Pferd…Im letzteren Fall spricht man eher von einem Unfall. Auch der meist als Sündenfall bezeichnete Vorfall, der die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies zur Folge hatte, wird oft als Unfall bezeichnet. Mit ihm beginnt jedoch die von vielen weiteren Fällen (Glücks- und Unglücksfällen) gekennzeichnete Menschheitsgeschichte. Weiterlesen

Wo aber Regen ist, wachsen Regenschirme auch…

Als ich auf einer Wanderung bei einem heftigen Regenguss dieser Pilze ansichtig wurde, ging mir ein Spruch Friedrich Hölderlins (1770 – 1843) durch den Sinn:

Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch Weiterlesen

Nicht überzeugend…

aus zufall

aus zufall
einfall

aus einfall
überfall

aus überfall
unfall

aus unfall
wegfall

aus wegfall
abfall

aus zufall
abfall Weiterlesen

Manchmal sieht man sich so, wie man sich fühlt

Auf einer längeren Wanderung durchqueren wir einen urbanen Bereich. Unsere Blicke bleiben an der Auslage eines Lampengeschäfts hängen, wo wir den Spiegel vorgehalten bekommen und dabei so gar nicht erleuchtet, sondern mehr deformiert werden. Sinnigerweise fühlen wir uns auch so, wie wir uns hier sehen – vielleicht nicht ganz so bunt.

Der Glasschirm der Lampe reflektiert bei senkrechtem Lichteinfall nur etwa 4% an jeder Grenzschicht zwischen Luft und Glas. Das meiste Licht geht also hindurch. Soll es ja auch, weil die wesentliche Funktion der Lampe darin besteht, ihr Licht möglichst ungehindert auszustrahlen. Im vorliegenden Fall kommt allerdings nur Licht von außen, von dem der vergleichsweise dunkle Raum nur wenig wieder zum Fenster hinausstrahlt. Da reichen dann schon die paar Prozent, die die direkt auf das Fenster gerichtete Seite der Glaskugel zurückgibt.
Der Farbeffekt kommt dadurch zustande, dass die Glaskugel mit einer dünnen, ziemlich durchlässigen Metallschicht bedampft ist. Die Schicht ist so dünn, dass durch Interferenz bestimmte Wellenlängen des weißen Lichtes geschwächt und andere verstärkt werden, sodass man eine Mischung der verbleibenden Farben sieht.

Die Abweichung vom Lot

schiefVermutlich haben diese Häuslebauer sogar mit einem Lot gearbeitet. Aber da sich ein Lot immer in Richtung der größten Gravitation, der stärksten Anziehungskraft zuwendet, muss in der Nähe irgendeine Gravitationsanomalie herrschen. Schön angemalt haben sie ihr schiefes Bauwerk trotzdem.

Die Aufnahme entstand in Santa Cruz de la Palma.

Noch mehr Kälber

kaelber_dsc04841b_rvFrüher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute. Weiterlesen

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