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Kontrast

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Aus weiß wird schwarz

Im Hintergrund sieht man im ablaufenden Wasser an der Nordseeküste futtersuchende Vögel. Merwürdigerweise hatten sich auf der rechten Seite weiße Vögel versammelt (rechtes Foto) und auf der linken schwarze (linkes Foto: zum Vergrößern klicken). Ich dachte zunächst an Zufall. Als ich aber am Wasser entlang nach rechts wanderte merkte ich, dass dabei in dem Maße wie ich vorankam die vorher weißen Vögel schwarz aussahen. Erst dadurch wurde mir klar, dass alle Vögel weiß waren. Sie erschienen mir dann schwarz, wenn ich gegen das Licht der untergehenden Sonne blickte (linkes Foto) und der Kontrast zwischen der hellen Umgebung und der Schattenseite der weißen Vögel so groß wurde, dass letztere schwarz erschien. Demgegenüber sah ich die Vögel in ihrer wahren Farben, wenn ich sie im vollen Sonnenlicht vor Augen hatte. Eigentlich klar, aber erst die unwahrscheinliche Wandlung von weiß nach schwarz machte mich stutzig.
Dieses Beispiel zeigt, wie leicht man zu Fehleinschätzungen kommen kann. Denn nicht immer wird man durch einen Widerspruch in der Wahrnehmung zu einem kritischen Blick veranlasst.

Unheimlicher Sonnenuntergang

Auf den ersten Blick sah es so aus, als wütete hinter dem auf einem Berg gelegenen Wald ein Feuer, das drohte auf die übrige Welt überzugreifen. Aber es war nur eine etwas aufwändigere Illumination des Sonnenuntergangs: Für eine kurze Zeit wurde am Ende eines wolkenverhangenen Regentags der Wolkenvorhang beiseite geschoben bzw. ausgedünnt, damit man einen Blick auf die Bühne der Natur werfen konnte, die hier einen alltägliches Spiel in großer Schönheit zelebrierte.

Eine kleine Fusselgeschichte

Vor kurzem bekam ich von Dierk Wendt ein Rätselfoto, das ich doch gerne weitergeben möchte:
Hauptakteur ist ein unscheinbarer Fussel, der im Innern einer Duschkabine liegt. Er stammt vielleicht von einem weißen Handtuch. Nachdem die Duschkabinentür zugeschoben wurde, liegt es nunmehr ansonsten völlig gleich in Form und Lage auf einem Handtuch, das sich ihm gewissermaßen untergeschoben hat. Das ist allerdings in der Berührungslosigkeit, in der das hier geschehen ist, nur möglich, wenn das Handtuch nicht von dieser Welt ist. Weiterlesen

Eine weiße Fläche unter Lichtentzug

Ist es nicht erstaunlich, dass eine weiße Fläche, der man in strukturierter Weise das Licht ganz oder teilweise entzieht, unerhörte visuelle Einsichten eröffnen kann, die sich einzig aus der Logik des Kontrasts ergeben und durch die etwas als etwas ansichtig wird?

 

Von den blauen Bergen kommen wir

Der Nachkriegsschlager „Von den blauen Bergen kommen wir“ klingt mir noch heute in den Ohren. Als Kinder sangen wir zu der eingängigen Melodie den folgenden „Protestsong“:

Von den blauen Bergen kommen wir,
Unser Lehrer ist genauso dumm wie wir,
Mit der Brille auf der Nase sieht er aus wie’n Osterhase,
Von den blauen Bergen kommen wir.
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Unter die Räder gekommen…

… oder vom sang- und klanglosen Verschwinden.

Der streifende Lichteinfall der tiefstehenden Sonne brachte die Asphaltstraße kurz vor Ihrem Verschwinden zu einem Aufleuchten, das meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Dabei traten ansonsten leicht übersehene Dinge in den Blick wie diese ebenfalls im Verschwinden begriffene Andeutung eines Pappelblatts – Überbleibsel vom letzten Herbst. Mit dem Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont, verschwand das Blattgerippe nun auch vollends. Am nächsten Tage und danach fand ich es nicht wieder…

 

 


Ein unscheinbares Phänomen, das mich vom Lesen ablenkte

Ich saß in der Sonne und las; dabei wurde ich mit starken Lichtkontrasten konfrontiert. Ich musste mich schon geeignet hinsetzen, damit das Buch entweder voll im Licht oder voll im Schatten lag. Das Auge mag das Nebeneinander krasser Intensitätsunterschiede nicht besonders gerne. Bei dieser Gelegenheit fielen mir Schatten ganz unterschiedlicher Intensität auf (siehe Foto).
Über die Mitte des gebogenen Blattes zieht sich ein dunkler Streifen, der zu beiden Seiten hin heller wird. Die gekrümmte Buchseite liegt teilweise im Licht der von links einfallenden Sonne. Die gekrümmte Seite wird tangential vom Licht gestreift. Unterhalb dieses Steifens, also rechts davon wird sie nicht mehr vom direkten Sonnenlicht getroffen. Sollte sie nicht ebenso im Kernschatten liegen wie der durch sie abgeschirmte Bereich der rechten Buchseite? Man sollte erwarten, dass der „Terminator“* auf der linken Seite scharf begrenzt ist, so wie der Schatten auf der rechten Seite. Weiterlesen

Leonardo da Vinci (4) – Komplexe Spiegelschatten

Ich stehe mit der tiefstehenden Sonne im Rücken vor einer Glastür. Die Sonne wirft von mir einen Schatten, der sich wie ein Teppich vor mir ausbreitet. Gleichzeitig werde ich samt dem Szenario hinter mir in der Glasscheibe der Tür reflektiert, sodass auch ein Schatten von meinem Spiegelbild nunmehr aber in umgekehrter Richtung und damit mir entgegen geworfen wird.
Es kommt zur Überlagerung der beiden Schatten und damit zu einer merkwürdigen Doppelfigur. Diese ist ihrerseits strukturiert durch Reflexe der Sonne an der Scheibe, die zu einer Aufhellung des realen Bodens davor und des gespiegelten Bodens dahinter führt. Diese Aufhellung macht es jedoch sinnigerweise – so als müsste es so sein – überhaupt erst möglich, dass die beiden Schattenköpfe der primäre und der reflektierte überhaupt sichtbar werden. Denn anderenfalls wäre von den Schattenköpfen nichts zu sehen – es würden sich einfach zwei langweilige Rümpfe überlagern ohne innere Strukturierung. Ist das nicht clever – von der Natur – inszeniert? Der Laie würde sagen: reiner Zufall. Der Physiker würde antworten: bloße Notwendigkeit.

Und was sagt Leonardo zum Schatten im Allgemeinen?

Der Schatten ist Verringerung von Licht und Dunkel und liegt zwischen diesem Licht und Dunkel.
Der Schatten ist von unendlich verschiedener Dunkelheit und kann an Dunkel unendlich verringert werden.
Die Anfänge und Enden der Schatten erstrecken sich zwischen Licht und Dunkel und können unendlich verringert und verstärkt werden.
Der Schatten bedeutet Ausprägung der Körper und ihrer Gestalten.
Ohne Schatten werden die Gestalten der Körper keine Kenntnis von ihren Eigenschaften geben.
Der Schatten hat immer etwas von der Farbe seines Gegenübers.

(Von den Umrissen der Schatten.) Manche sind verschwommen, von nicht wahrnehmbarer Begrenzung; andre sind deutlich begrenzt.

(Wann Körper ohne Licht und Schatten sind.) Kein undurchsichtiger Körper ist ohne Licht und Schatten, außer wenn er im Nebel auf schneebedecktem Erdboden ist. Ebenso ist es, wenn es in der Landschaft schneit; denn dann ist sie ohne Licht und in Dunkel gehüllt.
Aber das geschieht nur bei den kugelförmigen Körpern; denn bei den andern Körpern, die eine Gliederung haben, färben die Teile der Glieder, die einander gegenüberliegen, sich gegenseitig in dem zufälligen ton ihrer Oberfläche.

 

Wege 14: Winterliche S-Kurven

Ich kenne diese beiden Wege seit Jahren. Aber nie war mir aufgefallen, wie sehr sie sich ähneln. In beiden Fällen handelt es sich um eine S-Kurve, die zum einen durch Schienen und zum anderen durch eine Straße realisiert wird, auf der die dunkle Wagenspur den ebenfalls dunklen Bahnschienen entspricht. Indem sie in einem kontrastreichen Hell-Dunkel-Kontext erscheinen, wird ihre Strukturähnlichkeit  zu einem Phänomen. Die durch die Schneedecke von den normalerweise vorhandenen Details befreiten Anblicke machen die Entsprechungen erst auffällig.
Wie der Zufall es will, kommt es interessanterweise auch noch in einer strukturellen Übereinstimmung am Rande der Fahrspuren: Dem durch die Bahnschwellen hervorgerufenen periodischen Höhenprofil entspricht auf der Straße die Profilspur eines Traktors.

Schwarzweißmalerei des Winters

Heute morgen erreichte das Licht nur  meine Stäbchen.

Rauhreif
Etwas aus den nebelsatten
Lüften löste sich und wuchs
über Nacht als weißer Schatten
eng um Tanne, Baum und Buchs.
Und erglänzte wie das Weiche
Weiße, das aus Wolken fällt,
und erlöste stumm in bleiche
Schönheit eine dunkle Welt.

Gottfried Benn (1886 -1956)

 

Licht im Dunkel auf La Palma

Das kleine Gotteshaus leuchtete weit übers Land, als wäre es überaus wichtig. Es zog mich mit seinem Schimmern jedesmal an, und ich stieg die Stunde hinauf, wo sonst niemand steigt in den ermattenden Hochsommertagen. Auch dies war ein Traumbild des … Lichts, das alles erhöht und aus jedem Nichts ein Wunderwas macht. Jedesmal nahm ich mir vor, nicht überrascht zu sein, wie kärglich und arm es war, und jedesmal war ich’s dann doch. Denn es war nur ein kleiner Gottesschuppen, so klein, daß ich mit der Hand ans dach fassen konnte, und das Weiß des Gemäuers war gar nicht weiß, sondern schlecht, und drinnen war wie gewöhnlich nichts, höchstens ein Bauern-Ikon. Wie aber glänzet es über das Land!*
Besser als mit den Worten Erhardt Kästners (1905 – 1975) hätte ich meine Empfindungen gar nicht ausdrücken können, als ich von einer langen Wanderung über die Vulkanroute schließlich kurz vor der  Saline von Fuencaliente am südlichen Zipfel von La Palma auf die kleine Kapelle stieß. Sie war ein Licht im kohlschwarzen Dunkel des Lavagesteins, das ich den ganzen Tag vor Augen hatte. Licht im Dunkel, das braucht man zuweilen und sei es noch so klein.

Alpenglühen in Santa Cruz

Heute bin ich mal vor der Sonne aufgestanden und sehe ihr beim Auftauchen aus dem Meer zu. Sie steigt auf den Kanarischen Inseln steiler auf als bei uns in nördlicheren Gefilden, weil wir dem Äquator ein ganzes Stück naher gekommen sind. Ebenso eindrucksvoll, weil seltener in dieser Deutlichkeit zu beobachten, flammen die Häuser von Santa Cruz de la Palma im rötlichen Sonnenlicht auf. Es ist als würden die Häuser aus sich heraus leuchten. Dabei geben sie nur das Licht gewissermaßen aus zweiter Hand weiter. Der Effekt ist vor allem deshalb so spektakulär, weil sich die in hellen Farben getünchten Häuser einen großen Anteil des fast senkrecht auf die Wände einfallenden Lichts reflektieren. Demgegenüber geben die bewaldeten Berge im Hintergrund kaum Licht zurück mit der Folge eines besonders starken Kontrasts.
Das Phänomen erinnert an das Alpenglühen, dem Leuchten der hellen Felsen im Licht der auf- oder untergehenden Sonne, wie man es vom Bergwandern kennt. Dort sind es vor allem die nackten Bergspitzen, die noch oder bereits im Sonnenlicht erglühen, wenn die Sonne noch keinen oder keinen Zugang mehr zu den tiefer gelegenen Regionen hat, die daher noch oder bereits im Dunkeln liegen.

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