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Kunst

Diese Schlagwort ist 52 Beiträgen zugeordnet

Ein Wald durch Multiplikation von Bäumen

Ob ich einen Soldaten durch ein polyedrisches Glas, oder eine Compagnie würklicher mit bloßen Augen ansehe, auf der Netzhaut ist beides einerlei.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Lichtenberg spielt damit unter anderem auf die Virtualität des bloß Gesehenen an. Vertrauter noch als das polyedrische Glas ist vielleicht die Spiegelwelt, in die nur jemand wie Alice* eindringen kann und dort dieser Unmöglichkeit entsprechend zahlreiche unmögliche Abenteuer erlebt.

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Anamorphosen liegen auf der Straße

Anamorphosen sind in der Kunstgeschichte verzerrte Darstellungen von Gegenständen, um sie zu verstecken und damit nur demjenigen zugänglich zu machen, der den „Schlüssel“ kennt und sie zu entzerren vermag. Berühmt geworden ist u.a. die Anamorphose eines Totenschädels, den Hans Holbein (1497 – 1543) auf seinem Gemälde „Die Gesandten“ (im Original zu bestaunen in der National Gallery in London oder in einer Reproduktion im Internet) „versteckt“ hat. Weiterlesen

Löcher im Licht

Als Entität für sich betrachtet, ist der Schatten seltsam. Er ist ein wirkliches materielles Faktum, ein physikalisches Loch im Licht, hat aber weder eine stabile Form noch eine kontinuierliche Existenz; andererseits aber sind die Metamorphosen, die er durchläuft, determiniert, und obwohl er diskontinuierlich ist, kann er wiederkehren. Weiterlesen

Ein Baum mit vielen Lippen

lippen_dscf1447aDieser Baum verlangt offenbar nach etwas mehr Zuwendung. Nachdem er vor längerer Zeit einen blauen Anstrich erhalten hatte, kümmerte sich seitdem keiner mehr um ihn. Die Farbe beginnt zu Blättern und bringt den nackten Stamm wieder zum Vorschein. Der Baum selbst bildet lippenförmige Ausstülpungen, so als wollte er unbedingt etwas sagen und ausdrücken. Weiterlesen

Der Satz des Pythagoras – revisited

pythagoras_dsc08473aDer Satz des Pythagoras ist wohl allen Menschen bekannt, die durch unser Schulsystem gegangen sind. Ich kann mich noch deutlich erinnern, dass mich daran besonders die Hypothenuse beeindruckte. Nicht etwa, weil mich ihr mathematischer Gehalt faszinierte, sondern eher ihr geheimnisvoll anmutender Klang: Hy-po-the-nu-se. Weiterlesen

Nur noch das Rätsel

raetsel_img_6857nDie Welt-Ausrechnung, Allmacht der Neuzeit, vor der auch Diktatoren sich beugen und Alle, die sich sonst hassen, verbrüdern, will alle Dinge entsiegeln. Im Freiraum der Kunst, wenngleich er folgenlos wurde: sie versiegeln sich wieder. Je mehr wissenschaftlicher Aufschluß, desto verschlossener erweisen die Dinge sich. Sie trotzen. Weiterlesen

Tanz und Gravitation

TanzVon der Trägheit der Materie,
dieser dem Tanze entgegenstrebensten
aller Eigenschaften, wissen sie nichts:
weil die Kraft, die sie in die Lüfte erhebt,
größer ist, als jene, die sie an die Erde fesselt.

Heinrich von Kleist (1777 – 1811). Über das Marionettentheater.

 

Gemalte Träume

gemalte_traeume_dsc00886-jpgEs ist dicht mit Platanen bestanden.
Sie bilden Alleen, wie man sie sonst von Pappeln gewöhnt ist,
dunkel, ein wenig wie gemalte Träume von Henri Rousseau.

Theodor W. Adorno (1903 -1969) Weiterlesen

Die Ringe des Saturn im Kalksandstein

Saturnringe_rvDaß am Himmel ein Körper rotiert, der so grundverschieden von allen anderen ist, eine Gestalt, die größtmögliche Eigentümlichkeit durch größtmögliche Schlichtheit und Gleichmößigkeit und Harmonie erreicht, ist ein Umstand, der das Leben und Denken erfreut…
(und) es zu schön ist, um wahr zu sein, zu willkommen in meinem imaginären Universum, um zur realen Welt zu gehören. Aber vielleicht ist es gerade dieses Mißtrauen gegenüber unseren Sinnen, das uns hindert, uns im Universum wohlzufühlen. Vielleicht ist die erste Regel, die ich mir setzen muß, diese: Halte dich an das, was du siehst.
Italo Calvino (1923 – 1985): Herr Palomar

Dies ist kein Blick in den Ideenhimmel Platos und kein Blick durch ein Fernrohr. Aber wer die Ringe des Saturn kennt, wird durch diese Struktur in einer Kalksandsteinplatte möglicherweise wie ich an sie erinnert. Dank der Möglichkeiten, die uns die optische Linse bietet, holen wir uns heute bei unbekannten Mustern zuweilen die Assoziationen aus Bereichen, die uns natürlicherweise gar nicht zugänglich sind.

Übrigens wurde diese Aufnahme an einer mit natürlichen Kalksteinplatten ausgestatteten Fassade eines Gebäudes mitten in London gemacht. Doch wer sieht in der Hektik des Alltags schon derartige Preziosen.

Tierische Kunst

Blattgerippe_rvKünstliche Structur der Blätter.

Ich habe jüngst ein Eichen-Blat gefunden,
Das, durch der kleinen Würmer Schaar,
So künstlich ausgefressen war:
Daß alle Aederchen darin in netter Ordnung stunden.
Unzehlig war der zarten Gänge
Verändrung, Unterschied und Menge. Weiterlesen

Rostzeichen in der Ästhetik des Zerfalls

Rostzeichen_rvSie wußte immer, wo sie im Gestöber der Zeichen sich selbst finden konnte, und das war es, was göttliche Geister aus dem Chaos Wissen ziehen ließ. Gesträubt hatte sie sich nur gegen die Idee, auch normale Schriftzeilen so zu lesen wie die Botschaften des Rostes oder die Tänze der Kiesel im Brunnenbecken. Dabei war das einfach, man mußte nur gnadenlos ignorieren, was der Schreiber selbst mitteilen wollte.
Sten Nadolny (*1942)

Chemisch gesehen ist Rost ein wasserhaltiges Oxid. Wie wir alle wissen, entsteht er von selbst an feuchter Luft. Dabei verbindet sich das Eisen in Gegenwart von Wasser – ohne dass höhere Temperaturen nötig wären – mit dem in der Luft reichlich vorhandenen Sauerstoff. Da Rost porös ist, schützt eine Rostschicht nicht vor weiterer Verrostung. Durch die Aufnahme des Sauerstoffs nimmt das Volumen des rostenden Eisens zu.
Das hat zur Konsequenz, dass beispielsweise Stahlbetonteile (Stahl besteht hauptsächlich aus Eisen), deren Stahlteile in Kontakt mit der Luft geraten,  schließlich durch Rostbildung und die dadurch bedingte Ausdehnung zum Bersten gebracht werden.
Rosten ist ein Zerfallsvorgang par excellence und hat daher schon lange auch eine metaphorische Dimension. „Wer rastet, der rostet“ heißt es da, wobei Rosten mit Altern, Verfall, Krankheit u.ä. gleichgesetzt wird.
In den letzten Jahrzehnten hat man jedoch auch eine ästhetische Dimension in der mit dem Rosten einhergehenden Strukturbildung entdeckt. Verrostende Designobjekte schmücken Gärten und Balkone und manch ein vor sich hin rostendes Kunstwerk im öffentlichen Raum wird erst eigentlich durch den Vorgang des Rostens zur Kunst. Die Spannung zwischen Ästhetik der entstehenden Roststrukturen, zwischen Zufall und Notwendigkeit und dem irreversiblen Verfall, der allem Irdischen anhängt, ist dabei oft Teil des Programms.

Glaubst du, alles bliebe?

Zerfall-1_rvDoch! wie bald
Welket Schönheit und Gestalt!

Wilhelm Hauff (1802 – 1827) Weiterlesen

Blau – die Farbe meiner Träume

Blau

They said, ‘You have a blue guitar,
You do not play things as they are.’
The man replied, ‘Things as they are
Are changed upon the blue guitar.’

Wallace Stevens (1879 – 1955) Weiterlesen

Pech – alle Jubeljahre ein Tropfen

Im-Asphalt-versickertAls ich vor Jahren die Milchkannen auf dem Bahnhofsplatz in Bern im Asphalt versinken sah, wurde ich an das wohl längste Experiment erinnert, das mich schon als Student beeindruckt hatte, das sogenannte Pechtropfenexperiment. Pech erweckt zwar den Eindruck, ein Feststoff zu sein, ist aber in Wirklichkeit eine wenn auch superzähe Flüssigkeit. Und Flüssigkeiten fließen. Das hat den Physiker Thomas Parnell von der Universität Brisbane (Australien) motiviert, Pech in einen Trichter zu füllen und zu beobachten, ob es tropft. Seit dem Start im Jahre 1930 tropft es wirklich. Der erste Tropfen fiel im Jahr 1938, die nächsten in den Jahren 1947, 1954, 1962, 1970, 1979, 1988, 2000 und zuletzt 2014. Weiterlesen

Das Neue entspricht einem alten Bedürfnis

das-beste-am-neuen-img_8415Der Satz Valérys, das Beste am Neuen in der Kunst entspreche stets einem alten Bedürfnis, ist von unabsehbarer Tragweite; er erklärt nicht nur die exponierten Regungen des Neuen, die man als Experimente diffamiert, als notwendige Antwort auf ungelöste Fragen, sondern zerstört zugleich den ideologischen Schein glückvoller Geborgenheit, den das Vergangene vielfach nur darum annimmt, weil das alte Leiden darin nicht unmittelbar mehr zu lesen ist als Chiffre des Leidens der gegenwärtigen Welt. Weiterlesen

Natur und Sprayer im Wettstreit

sprayer_versus_natur_img_31Ich stand mit einem Kollegen vor dieser Wand und jeder von uns sah etwas anderes. Er versuchte dem gesprayten Kunstwerk etwas abzugewinnen, ich dem von der Sonne entfalteten Display. Wir merkten erst nach eine Weile, dass wir bei der Kommentierung aneinander vorbeiredeten.
Wer sich für das Zustandekommen der Lichtphänomene interessiert sei auf frühere Beiträge dieses Blogs verwiesen, z.B. hier und hier und hier.

Der morbide Charme des Verfalls

WaschbetronverfallAlles ist von Veränderung und Untergang bedroht.

Michel de Montaigne (1533 – 1592)

Früher war das mal das mal eine Art Waschbetonpflaster, jetzt ist es ein Kunstwerk. Der Zahn der Zeit hat es geschaffen. Seine Entstehung ist noch erkennbar. Die Kieselsteinchen sind größtenteils aus ihrer Verankerung gelöst, wenige sind noch fest, die meisten verschwunden, einige liegen disfunktional herum. Das von der Form der Kiesel geprägte Netz der stehengebliebenen Ränder ist seinerseits dem Verfall und dem Verschwinden anheimgegeben. Auch dies ist nicht ohne Reiz, fügt es dem Ganzen noch eine weiteres chaotisches Strukturelement hinzu.

Pop! Warum Popcorn knallt und 37 weitere überraschende physikalische Alltagsrätsel

Pop! - Spektrum der Wissenschaft Spezial Physik - Mathematik - Technik 3/2016Schlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft Spezial 3 (2016), 82 Seiten

Der Alltag wartet mit einigen Überraschungen auf, wenn man bereit ist, seine Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Oft sind es gerade die unscheinbaren Dinge, an die wir uns gewöhnt haben, die unversehens zu einer neuen Wirklichkeit werden. Wie schafft es beispielsweise das Wasser bis in die Baumspitzen? Warum springt Popcorn wild in der Pfanne herum?

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Windweben

Windwebenam Himmel
Windweben

Arno Schmidt (1914 – 1979) Weiterlesen

Perspektiven des Campanile des Doms von Florenz

Dom-FlorenzPerspektivische Elemente spielen in der Renaissance eine große Rolle. Über rein spielerische Aspekte hinaus geht es dabei auch um gezielte Manipulationen der Wahrnehmung. So hat man die einzelnen Etagen des Campanile der Kathedrale nach oben hin größer werden lassen, um die perspektivische Verkürzung auszugleichen. Denn wenn man auf dem relativ engen Vorplatz des Turms steht, muss man den Blick schon ganz schön heben. Es war einigermaßen schwierig, einen Ort für ein verlässliches Vergleichsfoto zu finden. Wenigstens für die beiden oberen Etagen kann man im rechten Foto, das von der Laterne über der Kuppel des Doms aus aufgenommen wurde, erkennen, wie stark die perspektivische Verkürzung tatsächlich ist. Die nach idealisierten Vorstellungen gewünschte Wahrnehmung der Bauwerke war den damaligen Baumeistern ein besonderes Anliegen.
Im Dom selbst können weitere kreative perspektivische „Täuschungen“ bewundert werden, wie in einem früheren Beitrag bereits gezeigt wurde.

Rot und Grün passt nicht zueinander…

Grün_und_rot_rv„,Rot & Grün paßt nich zu’nander?‘: jeder rotblühende Strauch widerlegt Dich!“

Arno Schmidt (1914 – 1979)

Nicht nur Sträucher, auch roter Mohn im grünen Korn

Ein erstaunlicher Balanceakt in freier Natur

Eisskulpturen_en_miniatureDieses Foto bekam ich vor ein paar Tagen von einem Kollegen zugesandt. Ich finde es so schön und interessant, dass ich es auch jetzt noch – da ich mit dem Winter bereits abgeschlossen habe – hier zur Kenntnis geben und kurz beschreiben möchte. Zum einen kann ich mich der subtilen Ästhetik der filigranen, im Blau des Himmels leuchtenden Strukturen nicht entziehen, ohne es mit anderen zu teilen. Zum anderen erweist sich das Foto auch physikalisch als äußerst interessant. Weiterlesen

Ein Lob dem Lesen

Lesen_liebe_1

Wer das Lesen liebt, bekommt dies zuweilen ganz diskret mitgeteilt, zum Beispiel, wenn er seine Lesebrille für eine kurze Unterbrechung auf dem aufgeschlagenen Buch ablegt und die Leselampe dieses Stillleben mit einem der typischen optischen Merkmale der niederländischen Barockmalerei versieht, dem äußerst realistisch gemalten Schatten. Es muss nicht einmal eine Brille sein, die das Buch herzlich begrüßt, auch eine Leselupe verhält sich entsprechend.
Da dieses Herzzeichen auch in mathematischer Hinsicht interessant ist, weil die Faltung des Buchs mit der kreisförmigen Abbildung des Schattens der Brillenglasfassung etwas völlig Unerwartetes, Neues hervorbringt, hat mich diese Verbindung von Lesen, Kunst, Mathematik und Physik sofort an den ersten Experimentalphysiker Deutschlands und neuzeitlichen Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) denken lassen, den ich hier mit einigen seiner zahlreichen Äußerungen zum Lesen und zu Büchern zu Wort kommen lassen möchte: Weiterlesen

LichtSicht – Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde

Lichtsicht-1Der niedersächsische Kurort Bad Rothenfelde ist u.a. für sein historisches Gradierwerk bekannt. Anders als bei der in einem früheren Beitrag beschriebenen Anlage rieselt hier das Salzwasser über  mehr als 1000 m lange und 11 m hohe, mit Schwarzdornzweigen drapierte Wände hinab und überziehen die Zweige u.a. mit einer rustikalen Kruste aus Kalk- und Eisenablagerungen. Diese Anlage sorgt nicht nur für gesunde Inhaltsstoffe in der Luft, sondern lädt optisch und akustisch zum Verweilen und meditativen Betrachten ein.
Seit einigen Jahren wird das Gradierwerk auch in der Dunkelheit zum Leben erweckt, indem es in den Wintermonaten (dieses Mal vom 18. September 2015 bis zum 7. Februar 2016) als Leinwand für künstlerische Lichtinstallationen genutzt wird. Mehr als 50 lichtstarke Beamer projizieren einen bewegten Bilderbogen auf die rauen, feucht-glitzernden und durch die Ablagerungen gemusterten Wände. Sie schaffen auf diese Weise ein einzigartiges Lichtspektakel, das teilweise auch akustisch untermalt wird.

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Ich habe diese Biennale vor einigen Tagen bei leichtem Nieselregen besucht und war besonders von der Prozession schattenhafter Figuren in More Sweetly Play the Dance von William Kentridge (*1955) beeindruckt, der in dieser Installation mehrere Medien, Video, Theater, Tanz, Schattenspiel, Computeranimation, Projektion und Musik zu einem faszinierenden Spektakel vereinigt hat (nächstes Foto). Siehe auch: Video

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Auch die anderen Aktionen mit ihren Motiven zwischen epischer Erzählung und lyrischer Stimmung luden zum längeren Verweilen ein. Die hier abgebildeten Fotos können nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von dem wirklichen Geschehen wiedergeben und sollen daher nur für sich sprechen (nächste Fotos).

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Es gab auch eine Installation, bei der in einem Teich eine springbrunnenartig sprudelnde Wasserwand als Projektionsschirm diente. Der besondere Reiz lag für mich im eigenartigen Kontrast der bewegten Szenerie des farbig gischtenden Wassers und der Reflexionen auf der vergleichsweise ruhigen Wasseroberfläche des Teichs (nächstes Foto).

Lichtsicht-5Der feine Nieselregen störte nur wenig. Vielmehr gab er dem Ganzen eine zusätzliche Dimension, indem das von den Beamern zur Projektionswand gestrahlte Licht in alle Richtungen gestreut und die Lichtstrahlen von der Seite her sichtbar wurden. Die auf der Leinwand zu beobachteten Ereignisse spielten sich in diesem dreidimensionalen Lichtkörper als abstrakte Struktur- und Farbwechsel ab und wurden so zu einem unbeabsichtigten Epiphänomens mit künstlerischen Qualitäten (nächstes Foto).

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Licht und Schatten in der Wüste

Dünen-am-MorgenAm frühen Morgen in der Wüste am Meer. Alles ist neu, die menschlichen Spuren des Vortags sind verschwunden. Der Wind hat in der Nacht alles wieder glatt gefegt und sorgfältig in neue Falten gelegt. Barfuß über die Dünen stapfend lege ich die erste neue menschliche Spur des angehenden Tages. Auf der Leeseite der Düne komme ich nur mühsam voran, weil ich mit jedem Schritt als Teil einer mehr oder weniger großen Lawine immer wieder ein Stück hangabwärts gleite. Dabei rutsche ich zuweilen in angenehm warme, tiefere Sandschichten, in denen sich die Wärme des heißen Vortags gehalten hat – isoliert durch die Sandschicht darüber. Ich genieße, den Wechsel zwischen Warm und Kalt. Die Sonne geht gerade auf und versieht die höheren Partien der Sanddünen mit hellen Streifen, durch die eine Schwarz-Weiß-Skulptur geschaffen wird, als deren Teil und Erlebender zugleich ich mich fühlen darf.

Physik und Kunst – Perspektiven und Wechselbeziehungen

Farbfraktal011Vortrag auf Lehrerfortbildungstagung Physik – Jenseits des Tellerrands – Physik im fächerverbindenden Kontext  am 6.11.2015 in Leinsweiler

Kurzfassung:
Obwohl Physik und Kunst normalerweise als stark unterschiedliche Ausprägungen unserer Kultur angesehen werden, weisen sie zahlreiche Beziehungen auf. Sie äußern sich u. a. in gemeinsamen Ideen, verblüffenden Überschneidungen, überraschenden Wechselwirkungen. Einige Aspekte dieser Wechselbeziehungen werden im Hinblick auf eine mögliche Einbeziehung in den Physikunterricht beispielhaft dargestellt und diskutiert.

Das Auge sieht, was es sucht
Max Slevogt

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,
sondern macht sichtbar
Paul Klee

Im Jahr des Lichts (22) – Galaxia MS 33

Galaxie-MS-33Dieses Kunstwerk habe ich in einem kleinen Skulpturenpark auf der Insel La Palma oberhalb von Los Cancajos entdeckt. Es wurde dort im Rahmen des Internationalen Jahrs des Lichts installiert und stellt unter dem Namen Galaxia MS 33 eine Galaxie mit einem schwarzen Loch im Zentrum dar, das hier allerdings durch eine weiße Kugel repräsentiert wird. Die Künstlerin Marylyn Martín Pérez zufolge „spuckt“ die Galaxie „Material und Energie ins Universum“. Weiterlesen

Das Experiment mit der Luftpumpe – eine Bildbeschreibung

Das Experiment mit der LuftpumpeSchlichting, H. Joachim. In: Praxis der Naturwissenschaften -Physik in der Schule 64/6 (2015), S. 17 – 19

Was ein Mensch sieht, hängt sowohl davon ab, worauf er blickt,
wie davon, worauf zu sehen ihn seine visuell-begriffliche Erfahrung gelehrt hat.

Thomas S. Kuhn (1922 – 1996)

Am Beispiel der Visualisierung der für die neuzeitliche Physik bedeutungsvollen Vakuumtechnik einschließlich ihrer Rezeption durch den Menschen werden wesentliche Probleme der naturwissenschaftlichen Sehweise und einiger Konsequenzen für das Leben der Menschen im Rahmen einer Bildbeschreibung dargestellt und diskutiert. Damit sollen u.a. Anregungen für eine mögliche Einbeziehung von Bildbeschreibungen in den Physikunterricht gegeben werden.

Abbbildung: Joseph Wright of Derby (1734 -1794) malte im Jahre 1768 das Bild mit dem Originaltitel: An Experiment on a Bird in the Air Pump (National Gallery London). Aus: The York Project (2002): 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM.

Sonderdruck kann beim Autor angefordert werden (schlichting@uni-muenster.de)

 

Der Baum im Baum im Baum

Baum_im_BaumGefällte Bäume, die man zuweilen im Wald vorfindet, geben auf vielfältige Weise Einblick in ihr vergangenes Leben. An den Jahresringen kann man das Alter ablesen, die Breite und Form der Ringe sagt etwas über das Wetter in den jeweiligen Jahren aus. Und quer durch den Schnitt verlaufende Äste zeigen, dass in den Jahren des jungen Baums ausgebildete Äste vom in den Folgejahren dicker werden Baum förmlich eingeschlossen werden. Der junge Baum bleibt in gewisser Weise in dem älteren Baum enthalten. Diese Erkenntnis hat einen Künstler vor Jahren dazu inspiriert, diese innere „Baumgeschichte“ sichtbar zu machen und auszustellen. Weiterlesen

Im Jahr des Lichts (16) – 320 Grad kunstvoll gestaltetes Licht

Der-schöne-ScheinIm Gasometer von Oberhausen kann man zurzeit unter der vielsagenden Überschrift „Der schöne Schein“ eine eindrucksvolle Ausstellung erleben. Im unteren Bereich des knapp 120 m hohen und 60 m breiten Stahlzylinders werden bekannte Meisterwerke gezeigt. Es handelt sich zwar um (gute) Reproduktionen, dafür sind sie in der Regel – den Dimensionen der Umgebung angemessen – wesentlich größer als die Originale. Man kann sie daher aus einer ungewohnten Perspektive wahrnehmen und sie dank ihrer engen visuellen Nachbarschaft miteinander vergleichen und in kreativer Weise zueinander in Beziehung setzen. Dadurch können Assoziationen ausgelöst und Gedanken in Gang gesetzt werden, die ansonsten kaum möglich wären. Weiterlesen

Im Jahr des Lichts (13) – eine künstlerische Annäherung an das Licht

Piene-LichtinstallationEinen eindrucksvollen Beitrag zum Jahr des Lichts liefert zurzeit das LWL-Landesmuseum in Münster mit einer Retrospektive des künstlerischen Werks von Otto Piene (1928 – 2014). Auch wenn dieser Bezug vermutlich zufällig ist, sind insbesondere die Lichtinstallationen eindrucksvolle und beziehungsreiche Auseinandersetzungen mit verschiedenen Facetten und Aspekten des Lichts. Als Beispiel sei ein völlig abgedunkelter Raum genannt. Das Licht bewegter Lampen (die selbst nur erahnt werden können) dringt durch zahlreiche an einen geordneten Sternenhimmel erinnernde winzige Löcher in der einen Wand und entfaltet ein komplexes bewegtes Lichtspiel auf der gegenüberliegenden Wand. Befinden sich Besucher in dem Raum, so werden sie selbst Teil der Installation, indem sie unfreiwillig als Projektionsschirm herhalten müssen. Weiterlesen

Eingekleidete Bäume

Eingekleidete-BäumeBeim Wandern auf dem Hermannsweg von Tecklenburg nach Bad Iburg im dichten Mischwald mit altem Baumbestand stießen wir ganz unvermittelt auf eingekleidete Bäume. Dem Zustand der künstlerisch gestalteten, farbenfrohen Bekleidungsstücke nach zu urteilen, trugen die Bäume sie schon etwas länger. Vielleicht bereits im Winter. Hat hier jemand Mitleid mit den armen Bäumen oder handelt es sich um eine Kunstaktion. Eine Recherche im Internet erbrachte, dass ich offenbar wieder einmal nicht auf dem Laufenden bin. Diese Aktionen, Objekte im öffentlichen Raum „einzustricken“ oder „einzuhäkeln“ werden auch als Guerilla Knitting bezeichnet. Die Idee entstand 2005 in den Vereinigten Staaten von Amerika und ist seit einigen Jahren auch in Europa angekommen, ja sogar auf dem Hermannsweg.
Mich erinnerte dieses Kunstwerk an eine ähnliche Verpackungsinstallation, die ich bei einer früheren Wanderung entlang der Ems in der Nähe von Telgte erlebte. Auch dort waren Bäume äußerst kunstvoll verpackt. Die Verpackung war so vollkommen, dass auf Anhieb nicht zu erkennen war, dass sie natürlichen Ursprungs war.
Was man beim Wandern nicht alles erleben kann!

Im Jahr des Lichts (7) – Verräterische Lichtspuren

VerwackelungskunstWas hier wie ein Kunstwerk aussieht ist nichts anderes als zwei Laternen im Dunkeln, die verwackelt aufgenommen wurden. Wenn man bei einer längeren Belichtungszeit die Kamera bewegt, zeichnen die Lichtquellen solange eine Lichtspur auf den Chip, wie der Kameraverschluss geöffnet ist. Die Lichtspur gibt die Bewegung der Kamera während der Aufnahme wieder. Sie beginnt mit den beiden benachbarten Lichtflecken der Lampen zweier Straßenlaternen unterschiedlicher Bauart. Man hat also alle (künstlerischen) Möglichkeiten des Zeichnens, jedenfalls im begrenzten Rahmen der Belichtungszeit.
Interessant ist noch ein weiteres Phänomen, das ohne diese Bewegung gar nicht zu sehen wäre. Die Lichtspuren der beiden Laternen sind in sich strukturiert und unterscheiden sich darin voneinander. Sie haben zum einen eine andere Farbe. Das gelbliche Licht stammt von einer Natriumdampflampe während das weiße Licht vermutlich in einer Quecksilberdampflampe mit weißer Beschichtung des Glaskörpers entsteht. Weiterlesen

Menschen handeln

Menschen HandelnVermuthlich war das große Universalinstrument, die menschliche Hand, die erste Lichtputze, so wie sie der erste Prügel, die erste Wurfmaschine, der erste Griffel, die erste Rechenmaschine, das erste Trinkgeschirr, der erste Sonnenfächer, das erste Tischbesteck, und etwas geballt, die erste kräftige Demonstration für Köpfe gewesen ist, in die sonst keine andere hinein wollte.

Georg Christoph Lichtenberg 1785

Das Jahr des Lichts (2) – Farben durch Bewegung

Kinetische FarbenEines meiner eindrucksvollsten Erlebnisse mit Lichteffekten machte ich vor vielen Jahren im Technorama (Winterthur), einem der interessantesten Science-Center Europas. In einer Sonderausstellung zum Licht ging man in einen abgetrennten verdunkelten Bereich, der von einer weißen Lichtquelle erleuchtet wurde. Schon beim Betreten dieses Bereichs stellte ich mit großer Verwunderung fest, dass ich beim Zwinkern mit den Augen regenbogenfarbige Lichteindrücke wahrnahm. Weiterlesen