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Kunst

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Der Fisch im Mond

In einem steinernen Kunstwerk im öffentlichen Raum entdecke ich einen in das Gestein hinein modellierten Sichelmond. Vielleicht ist gar kein Mond gemeint. Würde mich auch nicht wundern, denn die Abbildung wäre falsch. Die innere Krümmung ist zu stark.
In dieser Vertiefung hat sich nach dem letzten Regen Wasser angesammelt. Und wo Wasser ist sind Fische nicht fern. Der Rest eines vertrockneten Blatts hat sich hier verfangen und ist gerade dabei, sich in einen kleinen Fisch zu verwandeln. Gleich wird er in dem kleinen See verschwinden.

Vogelfederschindelmuster

Vogelgefieder erinnert mich manchmal an Schindeln. Diese werden so gelegt, dass die höher liegenden die tiefer liegenden überlappen, damit das Wasser abläuft und nicht ins Innere eines Gebäudes gelangen kann. Bei Vögeln ist nicht tiefer und höher entscheidend, sondern vorne und hinten. Auf diese Weise kann der Wind den Vögeln beim Fliegen nicht unter die Federn greifen. Vielmehr werden sie noch dichter an den Körper gedrückt. Das typische Muster insbesondere von Vögeln mit kräftigen Farben hat daher diese typische „Schindelstruktur“.
In meinem gestrigen Beitrag hatte ich die bunten Herbstblätter der Zaubernuss in ähnlicher Weise zusammengelegt ohne an Schindeln und Federn zu denken.  Annas Kommentar: „Zaubernussvogelgefieder“ erinnerte mich jedoch daran, dass ich vor einiger Zeit genau solche Muster eines Gefieders fotografiert hatte. Hier sind zwei Ausschnitte.

Betrachtet man die große Vielfalt von optischen Mustern, die bei der Anordnung der Federn auftritt, so stellt man natürlich einige aerodynamische Optimierungen fest, die die Frage beantworten können, warum die Federn so liegen und nicht anders. Aber dominierend ist zumindest im Falle des Fasans der Eindruck, dass hier eher ästhetische Prinzipien im Spiel waren. Wissenschaftler sehen das meist eher funktional, einem definitiven Sinn geschuldet. Damit wäre man wieder bei einer schon öfter diskutierten Frage.
Im oberen Foto, das ich wegen der Ähnlichkeit zur Anordnung der Blätter der Zaubernuss ausgewählt habe, sieht es auf den erstn Blick so aus, als würden die schwarzen Streifen Schatten darstellen, die von den Federn geworfen werden. Sind es aber nicht, wie durch Vergleich mit den darüber liegenden Federn leicht festgestellt werden kann. Über das gestalterische Prinzip kann man m.E. nur spekulieren.

Schwelgen im Blau

Blau, ein Amalgam, in dem sich das Beständige mit dem Beweglichen, die Erwartung mit dem Sprung mischt.*

Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.**


* Thierry Fabre (*1960), französischer Essayist
** Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Irisierendes Spinnennetz

Die farbenfrohen „Netzaktivitäten“ nehmen kein Ende. Auch diesmal ist mir, als wäre hier ein Künstler am Werk gewesen. Und doch ist – wie vor kurzem bereits ausgeführt – alles nur ein Produkt aus Licht, Struktur und Unschärfe. Die Spinnen, die die Netze webten und den „Anstoß“ für diese Farbenpracht gaben, wollen eigentlich fette Beute machen und haben überhaupt kein Interesse daran, das ästhetische Empfinden von Menschen ansprechen.

Verkündigung durch die Röhre

Daß die wichtigsten Dinge durch Röhren getan werden, Beweise erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder und unser Schießgewehr, ja was ist der Mensch anders als ein verworrenes Bündel Röhren*. Die Liste in dieser von Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) gemachten Aussage könnte fast beliebig ergänzt werden. Man denke nur an das Fernrohr, an U-Bahnen, Tunnel und die allenthalben präsente Verkabelung der Welt mit Strom- und neuerdings vor allem Datenleitungen im Großen und im Kleinen – auch wenn es sich bei letzteren um Röhren handelt, in denen keine Materie im herkömmlichen Sinne fließt, sondern vor allem Energie. Weiterlesen

Die Linie – gerade oder krumm?

KNELLER: Wenn es eine Wissenschaft der Linie gibt, verstehe ich dann nicht mehr davon als jeder andere?
KARL: Zugegeben, Herr Kneller. Und weiter?
KNELLER:  Dieser Mann hier, wagt, im Widerspruch zu mir, zu mir! die Behauptung, daß eine richtige Linie eine gerade Linie sei und daß alles, was sich bewegt, in einer geraden Linie verläuft, es sei denn, daß irgendeine allmächtige Kraft es von seiner Bahn ablenkt. Dies, so behauptet er, sei das erste Gesetz der Bewegung. Er lügt.
KARL: Und was ist Ihre Meinung, Herr Kneller?
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Kunst unter dem Weinstock

Eines Sommers, als ich noch klein war, im Sommer vor Pearl Harbor, wollten meine Eltern weg von Bethesda, und wir mieteten uns für eine Monat ein Backsteinhaus in Virginia; da gab es eine riesige Weinlaube mit Backsteinboden, wo die Ameisen kleine Hügel bauten. Ich muß damals – warten Sie – einundvierzig – sieben gewesen sein. Verzeihen Sie, ich bin sonst nicht so geschwätzig.
Ich weiß.
Ich kann mich noch erinnern – die kleinen Nebensprößlinge der Ranken bildeten Buchstaben, waren buchstabenförmig gekringelt, verstehen Sie. Sie formte ein A mit den Fingern. Ich wollte mir eine vollständige Sammlung zulegen. Von A bis Z.
Wie weit sind sie gekommen?
Ich glaube, bis D. Ich habe nie ein richtiges E finden können. Dabei sollte man doch meinen, daß es in all dem Gerank auch ein E gegeben haben muß.
Sie hätten es überspringen und mit F weitermachen sollen.
Ich war abergläubisch. Ich dachte, das dürfe ich nicht. Ich hatte die ganze Zeit Hemmungen.*

Ich habe einfach ein paar dieser vertrockneten und mit dem Beginn des Blätterfalls abgefallenen Nebensprosse der Weinranken auf ein Blatt Papier gelegt. Alles andere spricht für sich. Insbesondere die winzigen Spiralen erinnern an die frühere biologische Funktion dieser nunmehr zum Kunstwerk erstarrten Überbleibsel. Die üppig wuchernde Weinpflanze hatte sich in ihrer Wachstumsperiode durch raffinierte Suchbewegungen der Ranken in der Umgebung Objekte gesucht, an denen sie festmachen konnte, um so den weiteren Wuchs der Pflanze zu sichern. Denn sie ist auf ein Stützgerüst angewiesen. Wer Lust hat, kann ja mal Buchstaben und Ziffern suchen.


John Updike. Ehepaare. Reinbeck 1976

In einer Form verfangen…

Abstrakt ist man nicht. Das Sein muß sich in einer Form verfangen, eine Zeitlang in ihr erscheinen, hier oder dort, so oder so. Jedes Ding ist, solange es dauert, zu seiner Form verurteilt, dazu, so zu sein, wie es ist, nicht mehr anders sein zu können.*


* Luigi Pirandello. Einer, Keiner, Hunderttausend. Frankfurt 1969

Schönheit des Verfalls

Zunächst waren es nur Fraßspuren irgendwelcher Insekten. Dann machte der Baum daraus ein Kunstwerk. Gibt es eine schönere Art auf den „Angriff“ der Insekten zu reagieren als diesen?

Ich vermute, dass man diese Verfärbungen im Rahmen der inzwischen einsetzenden Aktivitäten des Baumes sehen muss, Chlorophyll zur Deponierung an anderen Stellen aus den Blättern abzuziehen. Die durch den Fraß verdünnten Stellen geben als erste die Herbstfarben frei.

Netzästhetik

Wer in diesen Tagen bei tiefstehender Sonne durch die Landschaft streift bekommt das was ihm ansonsten meist unangenehm klebend im Gesicht hängenbleibt oft in ästhetisch ansprechender Form in bunten Kästchen zu Gesicht. Es sind Spinnfäden im Gegenlicht, die durch die Sonnenstrahlen zum Irisieren gebracht werden und durch eine bewegungsbedingte Unschärfe größere Sichtbarkeit erlangen.
Beim Fotografieren bleibt diese Unschärfe in etwas anderer Form dadurch erhalten, dass die (automatische) Kamera ohnehin nicht auf das dünne Netz fokussiert, sondern auf auffälligere Strukturen. In diesem Fall sind des die im Sonnenlicht liegenden Holundersträucher im Hintergrund.
Wie an anderer Stelle ausgeführt, sehen wir hier keine Pigmentfarben, sondern Strukturfarben, in denen die Welleneigenschaften des Lichts zur Geltung kommen.

Münzen – aus der Reihe tanzend

Geld übt von jeher einen großen Reiz auf die Menschen aus. Ihm werden oft magische Kräfte zugeschrieben. Wen wundert es da, dass die Münzen auf dem Foto der Schwerkraft trotzen und ihren eigenen Regeln folgen.
Alles begann damit, dass sie sich selbst versilberten.

 

Wer kennt diesen Baum?

Während von Westen Ungemach in Form einer dunklen Front droht, strahlt im Osten der helle Tag. Jedes Mal, wenn ich an dieser Stelle stehe, lege ich den Kopf auf die Seite, sodass die Augen übereinander zu liegen kommen und nehme mit Interesse die um 90° gekippte Welt als bereichernde Zutat zur aufrichtigen Welt in Augenschein.

Eine weiße Fläche unter Lichtentzug

Ist es nicht erstaunlich, dass eine weiße Fläche, der man in strukturierter Weise das Licht ganz oder teilweise entzieht, unerhörte visuelle Einsichten eröffnen kann, die sich einzig aus der Logik des Kontrasts ergeben und durch die etwas als etwas ansichtig wird?

 

Brüchige Symmetrie

Auf diesem Foto ist nur eines real – die Ente. Sie manövriert zwischen zwei Reflexen von fast identischen Fenstern auf dem welligen Wasser. Sie hat sich aus der Mitte zwischen den beiden reflektierten Fenstern wegbewegt und dadurch die Symmetrie der Szenerie gebrochen. Sie neigt den Kopf ein wenig nach links – ein weiterer Symmetriebruch. Weiterlesen

Spirale 13 – Kunstsinnige Gurken

Normalerweise sendet die Gurkenpflanze ihre Ranken aus, um durch kreisende Suchbewegungen Kletterhilfen in Form von festen Gegenständen zu finden. Manchmal sind die Gegenstände allerdings weniger fest als erwartet. Im vorliegenden Fall, so scheint es, begnügt sich die Ranke mit einer Luftnummer, indem sie sich zu einer schönen Spirale aufwickelt – so schön, dass ich nicht umhin kam, sie zu portraitieren.

Die Kunst eine Brille abzulegen

Um einer möglichen bösen Überraschung vorzubeugen, die darin bestehen könnte, dass die Brille vom Buch herunterrutscht und auf dem Fliesenboden zerbricht, habe ich sie mit dem einen Glas in der v-förmigen Vertiefung zwischen den beiden Buchseiten verankert.
Damit ging nun aber eine andere weniger böse, weil optische Überraschung einher. Das Brillenglas schien verzerrt, jedenfalls wenn man auf das Schattenbild blickte. Zum Glück gehen optische im Unterschied zu mechanischen Einwirkungen zärtlich mit den Gegenständen um, indem sie nur virtuelle und zudem reversible Deformationen und Verrückungen und das auch nur im Schattenbild hervorrufen. Bleibende Schäden sind daher nicht zu erwarten.
Außerdem tun sie das sehr herzlich.

Reflektierende Hände

Ich sitze am Fenster und lese. Ich halte das Buch so, dass das strahlende Sonnenlicht nicht direkt auf die Seiten fällt (oberes Foto). Die Helligkeit wäre zu intensiv und zu anstrengend. Beim Umblättern stelle ich jedoch fest, dass die im Schatten liegenden Seiten plötzlich aufgehellt werden (unteres Foto).
Meine nun gar nicht mit einem Spiegel zu vergleichende Hand reflektiert das auftreffende Licht auf die Buchseiten. Auch wenn meine Hände das Licht nicht spiegelnd reflektieren, so reflektieren sie es dennoch diffus in alle Richtungen wie jeder andere Gegenstand auch. Obwohl mir der Effekt bekannt ist, erstaunte er mich durch seine Deutlichkeit, die im Foto nur schwer wiederzugeben ist.
Einen ganz ähnlichen Effekt habe ich früher schon einmal beschrieben und dabei auf Gemälde von George de la Tour (1593 – 1652) verwiesen, der die diffuse Reflexion von Händen und Gesichtern mit malerischen Mitteln in geradezu fantastischer Weise ausnutzt.

Mathematisches Küssen

In Gottfried Kellers (1819 -1890) Romeo und Julia auf dem Dorfe gibt es eine lyrische Stelle, in der das Küssen mit Zählen und Rechnen in Verbindung gebracht wird:

Tritt in mein Haus, o Liebste!
Doch sei Dir unverhehlt:
Drin wird allein nach Küssen
Gerechnet und gezählt. Weiterlesen

Sonnenmalerei – Samaria I

Das Sonnenlicht lässt sich durch optische Vorgänge wie Reflexion, Brechung, Beugung u.ä. ohne weitere Einwirkung in farbige Strukturen verwandeln, die man dem ansonsten langweilig weißen Licht kaum zutraut. Im Anschluss an den Künstler Paul Konrad Hoenich (1907 – 1997), der sich vor allem mit reflektiertem Sonnenlicht befasst hat, ordne ich diese Strukturen (siehe Abbildung) der Sonnenmalerei zu. Hoenich weist darauf hin, dass der Künstler bei der Technik der Sonnenmalerei „die Art und Qualität der Projektion (des Sonnenlichts) bestimmt, die einzelnen Bilder aber nicht im voraus festlegen kann.“
Im vorliegenden Fall habe ich einen Schnitt durch ein mit Hilfe eines CD-Rohling erzeugtes Axicon auf einem weißen Blatt Papier aufgezeichnet.

Kunst der chemischen Beständigkeit

Der Zerfall hat viele Gesichter. Hier sieht man ein in die Jahre (viele Jahre!) gekommenes Tor, bei dem das Luftige überhand zu nehmen scheint. Man muss schon auf haltbarere Materialien zurückgreifen, um einen Rest von Stabilität zu bewahren – ein leuchtend blaues Kunststoffband. Weiterlesen

Flachdacharchitektur – ein Kampf gegen die Schwerkraft

Die Idee des geneigten Daches ist von Anbeginn an in der Architektur präsent. Selbst die Schornsteine werden/wurden liebevoll mit Schindeln belegt und gepflegt. Man stelle sich nur vor, wie aufwändig es ist, eine defekte Schindel an einem hohen Schornstein zu ersetzen. Geneigte Dächer sind eine ebenso natürliche wie geniale Möglichkeit, Wasser zu kanalisieren. Nur viele Architekten des 20. Jahrhunderts und danach meinten eine bessere Idee zu haben, indem sie das ebene Flachdach einführten.
Nicht nur dass dadurch die Weiterlesen

Wege 18: Imaginäre Wege in der Wüste

Ein nahezu monochromes Gemälde eines zum Horizont gehenden Weges. Er führt auf ein Gebirge zu, dessen Struktur nahezu übergangslos in einem mit Mammatuswolken verhangenen Himmel übergeht.
Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich in einer Sandwüste pausierend die vielfältigen, ästhetisch ansprechenden Strukturen etwas näher betrachtete. Weiterlesen

Fundstück 6 – Steinschicht im Steinbruch

Von Zeit zu Zeit besuche ich einen in der Nähe gelegenen seit langem stillgelegten und bereits teilweise von der Natur zurückeroberten ehemaligen Steinbruch. Er besteht an einigen Stellen aus Steinschichten, die man nahezu ohne Hilfsmittel abheben kann. Vermutlich Sedimente eines vorzeitlichen Strandes, der noch nicht von Menschen besucht wurde. Einige der freigelegten Stellen offenbaren sehr schöne Muster. Um die Farben besser zum Vorschein zu bringen, habe ich die vorliegende Platte vorher gewässert (siehe Foto). So wird daraus ein steinernes Kunstwerk.

Nun schweben sie wieder…

Die Löwenzahnwiese blieb die ganze Blühsaison über unberührt und durfte in Ehren fast einheitlich ergrauen. Das Gelb der Jugend wich dem weisen Weiß des Alters. Die zu „Haaren“ umgebildeten Kelchblätter von Korbblütlern (Asteraceae) heißen Pappus im in Anlehnung an das griechische Wort für Großvater „pappos“ (πάππος). Da sage noch einer die Wissenschaftler hätten keinen Sinn für anschauliche Begriffe.
Nach den trockenen Tagen verlieren die Großvaterköpfe ihre Haarpracht und die Haare schweben als kleine Minifallschirme durch den Wind entfacht vor meinem Fenster dahin. Die erste Assoziation: es schneit. Nein, es sind die Papusse, die von einer Zufallskette gelenkt zu einer möglichen neuen Heimat reisen. Zurück bleiben zahlreich kleine Glatzköpfe.
Der Zufall wird auch darüber entscheiden, wo sie schließlich landen und ob sie eine Chance haben, zu einer neuen Pflanze heranzuwachsen. Die Natur bedient sich eines einfachen Prinzips: Keine komplizierten Weginformationen, sondern ohne Rücksicht auf Verluste flächendeckende Ausbreitung. Dabei wird durch eine raffinierte Leichtbauweise und weitere physikalische Tricks erreicht, dass die Sinkgeschwindigkeiten minimal und damit Flugzeiten maximal werden, um auch bei ganz leichten Luftbewegungen voranzukommen.
Der physikalisch optimierte Bau der Gleitflieger geht mit einer eindrucksvollen Ästhetik einher. Ich empfehle Jedem bevor sie oder er mit einem leichten Blasen in die weiße Haarpracht die Gleitschirme auf Reisen schickt, die noch unversehrten Köpfchen gegen das Licht zu halten und den durchschimmernden Innenbau in Augenschein zu nehmen.

Zeit der Blasen…

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich in die Blase eingestiegen bin/einsteigen musste. Aber jetzt merke ich, dass ich drin bin. Es fängt an hohl zu klingen, sich fremdartig anzufühlen, antiseptisch zu schmecken und…
Aber zumindest sieht man, was draußen passiert und gesprochen wird.
Hier ein paar wichtige Gesprächsfetzen:
Ferkel und Pu „begannen sich freundschaftlich über dies und jenes zu unterhalten, und Ferkel sagte: „Falls du verstehst, was ich meine, Pu“, und Pu sagte: „Genau das finde ich auch, Ferkel“, und Ferkel sagte: „Aber andererseits, Pu, müssen wir auch daran denken“, und Pu sagte:“Sehr richtig, Ferkel, es war mir nur kurz entfallen.„*

 

 


* A.A. Milne. Pu der Bär. Hamburg 1987, S. 62

Das Foto wurde nicht manipuliert. Das muss man in Zeiten der Digitalfotografie manchmal schon hinzufügen.

Kunst aus der Frühzeit der Erde

Vielleicht heißt ja das Zauberwort, das die Welt zum Klingen bringt „Stein“ – wäre man nur in der Lage, es richtig auszusprechen.

Ohne dass es ich bei dem polierten Naturstein um ein erklärtes Kunstwerk handelt, fand ich es dennoch in einem weltberühmten Kunstmuseum. Kunst scheint also ansteckend zu sein.

Welche physikalischen und chemischen Prozesse in der Erdkruste stattgefunden haben, um derartige Muster hervorzubringen ist Gegenstand der Geophysik und Geologie. Die Reichhaltigkeit der Muster lässt allenfalls erahnen, dass – wie so oft bei natürlichen  Strukturbildungsvorgängen – Zufall und Notwendigkeit auf wunderbare Weise Hand in Hand gehen.

Trockenrisse bei Anselm Kiefer

Am 8. März feierte Anselm Kiefer seinen 75. Geburtstag. Das nehme ich zum Anlass an einen künstlerischen Aspekt seines Werkes zu erinnern, in dem er die reale Strukturbildung, wie sie beispielsweise bei der Bildung von Trockenrissen wirksam ist, in einige seiner großformatigen Bilder integriert. Ich hatte vor einigen Jahren Gelegenheit diese oft überdimensional großen Bildskulpturen im Grand Palais in Paris zu kennen und schätzen zu lernen.
Kiefer hat offenbar die natürlichen Vorgänge selbst in seine künstlerischen Aktivitäten integriert und damit diesen oft übersehenen und missachteten Alltagsphänomenen besondere Wertschätzung und ästhetischen Rang verliehen. Ich will hier nur das Beispiel „Palmsöndagen“ (Palmsonntag) nennen, auf das ich hier aus Urheberechtsgründen nur durch einen Link verweisen kann.
Stattdessen sieht man auf dem hier gezeigten Foto Trockenrisse im Watt des Hamswehrumer Tiefs (Ostfriesland), die eine ganz ähnliche Struktur wie in einem Detail von Palmsöndagen aufweisen.
Obwohl Trockenrisse etwa in Bildern von ausgedörrtem Ackerland in Afrika, negativ besetzt sind, gibt es andere Kontexte, in denen sie ihr ästhetisches Potenzial voll entfalten. Ich denke da nicht einmal an die polygonalen Risse in alten Gemälden, die gewissermaßen einen Teil der Patina derselben ausmachen und selbst bei Restaurierungen beibehalten werden, sondern vor allem an die immer wieder neu entstehenden Rissstrukturen  in austrocknenden Pfützen und anderen Feuchtgebieten.
Wenn schlammhaltiger Boden austrocknet verdunstet das Wasser. Dieser Substanzverlust macht sich darin bemerkbar, dass in der Oberfläche eine Zugspannung entsteht. Diese wird schließlich so groß, dass die Oberfläche reißt. Dabei geht sie wie nach den Naturgesetzen nicht anders möglich in ein polygonales Netz aus Rissen über.
Wer sich mehr Details zur Entstehung solcher Rissstrukturen wünscht, schaue hier oder hier oder hier.

 

Natur und Kunst

Vergessen wir die Dinge,
betrachten wir die Struktur

Georges Braque (1882 – 1963)

Es spiegelt sich die Ewigkeit…

Es spiegelt sich die Ewigkeit
In engster Gegenwart,
Und rückwärts die Vergangenheit
Erscheint von höchster Art,
Wie ein verlornes Paradies
Seh ich’s vor meinem Blick,
Was ich betrauert, war so süß,
Was ich verflucht, mein Glück. *

Unendlichkeitsspiegel haben über ihre optische Faszination hinaus ein beachtliches metaphorisches Potenzial. Zwei semitransparente Spiegel (normale Glasscheiben reichen bei günstigen Lichtverhältnissen auch schon aus) machen aus wenigem viel. In der optischen wie im übertragenen Sinn erlebt man den nicht genau lokalisierbaren Übergang von etwas Vertrauten und Überschaubaren in eine kleine Unendlichkeit.


* Achim von Arnim (1781–1831)

Spirale 10 – Abheben in eine höhere Dimension

Diesen stilisierten „Apfel“ fand ich auf einem Verkaufsstand in Santa Cruz de la Palma im tiefsten Touristengewirr. Als ich dann vorgeführt bekam, wie durch Hochheben am Stängel aus diesem 2D-Kunstwerk ein 3D-Gebrauchsgegenstand wurde, war ich sofort fasziniert von der Einfachheit der Idee und ihrer handwerklichen und künstlerischen Umsetzung. Weiterlesen

Ein geschminkter Baum

Ein Gemeinschaftswerk von Natur und Mensch.

Blau-bleu-blue

Blau? Das ist für mich die Farbe meiner Träume.

Joan Miro (1893 – 1983)

Reflexionen und Brechungen

Reflexionen können verwirren, nicht nur die durch Spiegel, sondern auch die durch Denkprozesse hervorgebrachten. Sie können Selbstverständlichkeiten zu Problemen umformen, sodass man Schwierigkeiten des Wiedererkennens hat.
Der hier abgebildete Glaskörper ist ein Beispiel. Er wurde ohne irgendeine Einflussnahme welcher Art auch immer auf dem Schreibtisch vor einem Fenster liegend fotografiert. Weiterlesen

Optische Täuschungen 4: Mehr Schein als Sein

Schaut man sich den Säulengang eines Teil des Palazzo Spada in Rom unvoreingenommen an, so wird man nichts Ungewöhnliches entdecken. Erst wenn man eine Person den Gang betretend nach hinten hindurch gehen sieht, wird es merkwürdig (linkes Foto). Zum einen sieht es so aus, als würde die Person wachsen. Zum anderen hat man den Eindruck, sie würde schneller sein, als es den Beinbewegungen entspricht. Am Ende erscheint sie fast so groß wie der Gang hoch ist. Weiterlesen

Geliehenes Licht

Dies ist nur ein Ausschnitt eines edlen, manche würden sagen: kitschigen Gebrauchsgegenstands. Wer errät, worum es geht?

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